Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

898

Paris (Kirchen)

Straßen sind hervorzuheben: Rue de Rivoli, 2950 m lang, 1802 begonnen. In ihrem westl. Teile sind die Häuser mit Bogenhallen und reichen Läden versehen. Hier liegen die Hôtels Continental und du Louvre. Die Straße verbindet durch ihre Verlängerung Rue St. Antoine die Place de la Concorde mit der Place de la Bastille. Rue Castiglione mit Bogengängen, auf dem Terrain des ehemaligen Klosters des Feuillants erbaut, zwischen Place Vendôme und Jardin des Tuileries. Rue de la Paix mit vornehmen Hotels und reichen Juwelierläden, verbindet Place Vendôme mit dem Opernhaus. Rue St. Honoré, zwischen den Halles Centrales und Rue Royale, im 14. bis 17. Jahrh. angelegt, reich an geschichtlichen Erinnerungen, bildet mit ihrer Verlängerung Rue du Faubourg St. Honoré in einer Gesamtlänge von 4000 m eine der Hauptverkehrsadern. Die Avenue de l'Opéra verbindet die Oper mit dem Théâtre français. Die 2 km lange Park- und Straßenanlage Champs-Elysées (s. Elysée) enthält Cafés und Cafés Chantants. Sehr belebte Straßen sind ferner die Rue de Richelieu, Rue Royale, Rue du Quatre Septembre, Rue Vivienne, Montmartre, Lafayette (3 km, mit ihrer Verlängerung, Rue d'Allemagne, 5 km lang), Rue du Faubourg Poissonnière, Turbigo, Vaugirard (4500 m), Sèvres (1600 m, mit ihrer Verlängerung, Rue Lecourbe, 4000 m), Rue du Temple, 2500 m, und mit Rue du Faubourg du Temple und Belleville 5 km lang, Rue St. Denis mit der Verlängerung Rue du Faubourg St. Denis 3200 m lang u. a. Außerdem besitzt P. über 180 Passagen oder bedeckte Galerien, nur für Fußgänger bestimmt und mit Glas überdacht. Die hauptsächlichsten heißen: Passage Jouffroy und des Panoramas, im Centrum der Stadt. - Die 136 Plätze gehören zum schönsten Schmuck der Stadt. Die Place de l'Etoile, der Gipfel des Berges du Roule, verdankt den Namen den 12 sternförmig vom Triumphbogen auslaufenden Avenuen. Place de la Bastille, ein ungeheurer abgerundeter Platz, auf Grund einer Verordnung des Konsuls vom 3. Dez. 1803 geschaffen, trägt die Colonne de Juillet. Place du Carrousel ist mit schönen Anlagen geschmückt. Place du Châtelet mit der 22 m hohen Siegesfontäne ist berüchtigt wegen des bis 1802 dort befindlichen Gefängnisses du Châtelet. Place de Clichy an der ehemaligen Barrière Clichy, an welcher 30. März 1814 Marschall Moncey die Verteidigung gegen die verbündeten Truppen leitete. Ferner seien genannt: Place de la Concorde, Place Denfert-Rochereau mit dem Löwen von Belfort, Place de l'Europe auf einer ungeheuren, vom Ingenieur Jullien errichteten eisernen Brücke, welche über die Gleise der Westbahn hinwegführt; Place de l'Hôtel de Ville, früher Grève-Platz (s. d.); Place d'Italie mit Springbrunnen aus weißem Sandstein, an welchem 3 Boulevards und 2 Avenuen strahlenförmig zusammenlaufen; Place Malesherbes mit schönen Anlagen, 2 Springbrunnen und Denkmal Alexander Dumas'; Place de la Nation, früher Place du Trône, mit zwei 90 m voneinander entfernten dor. Säulen, die Standbilder des heil. Ludwig und von Philipp August tragend, 1788 von Ledoux errichtet. Place du Parvis Notre-Dame mit dem Kolossal-Reiterstandbild Karls d. Gr. (1882 errichtet) von Rochet. Place de la République, früher Place du Château d'Eau, ein ungeheures Terrain mit Wasserkünsten u. s. w. In der Mitte die Kolossalstatue der Republik. Place des Pyramides mit dem Reiterstandbild der Jeanne d'Arc, von Frémiet (1874). Place St. Sulpice mit schöner Monumentalfontäne. Place du Trocadéro, von dem eine 48 m breite Treppe zum Pont d'Iéna hinabführt. Place Vendôme mit der Vendômesäule. Place des Victoires, 80 m im Durchmesser, 1685 durch den Architekten Frédot nach Plänen von Jules Hardouin-Mansart begonnen, mit dem Reiterstandbild Ludwigs XIV. als röm. Kaiser - mit Perücke. Place des Vosges, früher Place Royale, von Häusern aus der Zeit Heinrichs IV. und Ludwigs XIII mit bedeckten Bogengängen umgeben, geschmückt durch ein Standbild Ludwigs XIII. Auf dem Champ de Mars (s. Marsfeld) steht der Eiffelturm (s. d.).

Von Denkmälern sind noch zu nennen: der Arc de Triomphe de l'Etoile (s. Tafel: Französische Kunst II, Fig. 8), Arc de Triomphe du Carrousel, Porte St. Denis, Porte St. Martin, die Julisäule, die Vendômesäule, die Statue der Republik auf dem Platz gleichen Namens und das Monument Gambettas auf der Place du Carrousel. Ferner: Statue Shakespeares, am Schnittpunkt des Boulevard Haußmann und der Avenue de Messine, von Paul Fournier, 1888 enthüllt; Statue Berlioz', Place Vintimille, von Lenoir; Monument von Moncey, Place de Clichy, 1863-70 von Guillaume errichtet, mit Bronzegruppe von Doublemard; Tour St. Jacques (52 m) auf dem Square gleichen Namens, einziger Überrest der 1508-22 erbauten und 1789 niedergerissenen Kirche mit 20 Standbildern im Erdgeschoß. Reiterstandbild von Etienne Marcel, südlich vom Hôtel de Ville, in Bronze; Reiterstandbild Ludwigs XIII., Place des Vosges, aus Marmor von Cortot und Dupaty; Reiterstandbild Velasquez', das Doppelstandbild Lafayettes und Washingtons; Statuen Neys, Diderots, Lamartines, des Malers Neuville, Dantons, Banvilles und Condorcets (Jardin du Luxembourg), Renaudons, das für Barye (von Vernier), für Meissonier (von Mercié), Boucher, Charlet, Augier, Delacroix u. s. w. Auch die 72 Prunkfontänen sind vielfach mit Statuen (Cuvier, Molière, Bossuet, Fénelon u. a.) und mit allegorischen Figuren geschmückt. Mit der Herstellung eines Denkmals für den Chemiker Lavoisier ist der Bildhauer Barrias betraut worden.

Kirchen. P. besitzt 70 Pfarrkirchen, ungerechnet die Kapellen. Aus dem Anfang des 11. Jahrh. stammt die im roman. Baustil errichtete St. Germain des Prés, Rue Bonaparte; im 6. Jahrh. auf Veranlassung des Pariser Bischofs Germanus (nach dem sie seit 754 heißt) von Childebert erbaut, war sie ursprünglich dem heil. Vincentius geweiht, wurde im 9. Jahrh. durch die Normannen zerstört und im 11. und 12. Jahrh. in der jetzigen Gestalt wieder aufgebaut, mit einfachem Äußern. Im Innern Wandgemälde von Flandrin. Das hervorragendste got. Bauwerk ist Notre-Dame, die erzbischöfl. Kathedrale, 1182 geweiht, mit herrlicher Façade (s. Tafel: Pariser Bauten, Fig. 1 und den Grundriß auf Tafel: Französische Kunst II, Fig. 13) und die im Hofe des Palais de Justice belegene Sainte Chapelle, 1242-47 durch Pierre de^[ergänzt, Faksimile beschnitten] Monterau^[korrekt: Montereau] unter Ludwig dem Heiligen errichtet, später restauriert von Duban, Lassus, Viollet-le-Duc^[ergänzt, Faksimile beschnitten] und Boeswillwald (s. Tafel: Französische Kunst II, Fig. 5), mit schönen Glasmalereien. Aus der gleichen Zeit stammt St. Julien le Pauvre^[ergänzt, Faksimile beschnitten] mit wertvollen Skulpturen im Innern. 1320 wurde die got. Kirche St. Leu, Rue St. Denis und Boulevard Sébastopol, und verschiedene, später zum Teil