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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Parma (Provinz und Stadt)
1849, trat dessen Sohn, Herzog Karl III. (s. d.), die
Regierung an, der sich ganz von seinem Günstling,
dem Engländer Ward, leiten ließ. Nach seiner Er-
mordung 26./27. März 1854 übernahm seine Witwe
Luise Marie Therese, als Vormündern: seines Sohn-
chens Robert I., die Regierung. Die Versuche dieser
wackern und begabten Mau, durch ein wohlwollen-
des Regiment die Bevölkerung zu versöhnen und auch
den nationalen Anforderungen gerecht zu werden,
führten zu mehrfachen Reibungen mit Österreich.
Nachdem sie trotz ihrer Neutralitätserklärung sich
nach der Schlacht von Magenta gezwungen gesehen
hatte, das Land zu verlassen (9. Juni 1859), ver-
einigte sich P. mit Modena und der Nomagna unter
der Regierung Farinis (s. d.) zum Gouvernement
Emilia, das dann, nachdem sich bei allgemeiner
Volksabstimmung im März 1860 eine große Majori-
tät für die Angliederung ausgesprochen hatte, durch
Dekret des Königs Victor Emanuel II. mit dem König-
reich Sardinien 18. März 1860 vereinigt wurde.
Vgl. Affö, Ztoria äßila. citta. äi?. (2 Bde., Parma
1793); mit der Fortsetzung von Pezzana (5 Bde.,
ebd. 1837-59); Bertani, Intorno 9.1 nome eä aUa
0i-iZin6 äelia citt^ äi?. (ebd. 1857); G.Dalla Rosa,
^Icnn6 pa^iu6 cli Ltoria. Mrm6U86 (4 Bde., ebd.
1878 fg.); Scarabelli, iLtoria. civile äei äncati äi
I>.) ?iNc6ii2H 6 ^uHZtaii^ (2 Bde., Guastalla 1858);
Poggiali, Nemoi-ik Ltoric^s äi I^i^cen^H (12 Bde.,
Piacenza1757-66); G.B.Ianelli,vi2i0NHri0 di0>
Fr3.iic0 äei?a,rmiFiaiii iiiustri (Genua 1877-82);
R. Di Soragna, ^Mio^i-HÜa Ztorica 6 ZtHtutarili.
äeiis provincie ?arm6^8i, Bd. 1 (Parma 1886).
Parma. 1) Provinz im Königreich Italien, in
der Landschaft Emilia, grenzt im N. an die Provinz
Cremona, im O. an Reggio Emilia, im S. an
Massa-Carrara und Genua und im W. an Pia-
cenza, hat 3240 (nach Strelbitskij 3310) ykm mit
(1881) 267306, nach einer Berechnung <31. Dez.
1894) 272900 E., d. i. 83 E. auf 1 cikm, und zer-
fällt in die 3 Kreise Borgo San Donnino, Borgo-
taro und P. mit zusammen 50 Gemeinden. Die
Provinz ist in dersüdl. Hälfte vom Apennin durch-
zogen, der sich im Monte-Orsaro bis 1830, im
Monte-Silara bis 1861 m erhebt und gegen den
Po, der im N. die Grenze bildet, abflacht, und wird
bewässert von den Nebenflüssen des Po: Ongina
(Grenzfluß), Taro mit Ceno und Stirone, P. mit
Cinghio und Vaganza und der Enza (Grenzstuß),
sowie zahlreichen Kanülen. Im Gebirge wird Vieh-
zucht getrieben, die Ebene liefert Getreide, Wein,
Obst, Käse sowie Wurstwaren und Seide. Die In-
^ ^-> dustrie erstreckt sich auf Her-
(MU^^^"^) stellung von Eeidenwaren,
Schuhwaren, Papier und Hü-
ten. Die Eisenbahnlinien be-
rühren die Hauptstadt. -
2) Hauptstadt der Provinz P.,
an dem zum Po gehenden
Flusse P., an den Linien Bo-
logna-Piacenza,P.-Casalmag-
giore-Piadena (40 km) und
P.-Suzzara (44 km) des Adriatischen Netzes, sowie P.-
'^pezia (120 km) des Mittelmeernetzes, mit Dampf-
straßenbahnen nach Fontanellato und Busseto,Rocca-
bianca, Langhirano und Traversetolo, ist Sitz des
Präfekten, eines Bischofs, Appellationshofs, Tri-
bunals erster Instanz, einer Handelskammer sowie
der Infanteriebrigade "Pisa" und hat (1881) 45217,
nach einer Berechnung (31. Dez. 1893) 50600 E.,
in Garnison das 29. und 30. Infanterie- und 6. Ka-
vallerieregiment, breite Straßen, mehrere Brücken
und eine fast die ganze Stadt umgebende Allee
(Rampari). Matten durch die Stadt führen die alte
Via. Emilia, jetzt Via Vittorio Emanuele, die Via
Mazzini, Via Lamarmora und Via M. d'Azeglio,
im ganzen 2,2 km, am Westende der ersten die Piazza
grande mit den Standbildern Correggios von Ferra-
rini (1870) und Garibaldis von Calandra (1893);
auf der Piazza della Steccata das Denkmal des
in P. geborenen Malers Mazzola, genannt Par-
meggianino, von Chierici (1879), an der Piazza della
Prefettura das Standbild Victor Emanuels II.
Von den über 60 Kirch en sind bemerkenswert die
1058 begonnene lombard.-roman. Kathedrale (il
Duomo), mit Zusätzen des 13. Jahrh., die in der acht-
eckigen Kuppel die berühmte, aber sehr beschädigte
Himmelfahrt Maria und 6 Löwen aus rotem Mar-
mor an den Portalen enthält; das Baptisterium aus
Veroneser Marmor ist im gleichen Stile, 1196-1270
erbaut, achteckig mit drei rundbogigen Portalen,
fünf Stockwerken und acht Pyramiden und einein
Glockentürmchen von Benedetto Antelani auf dem
flachen Dache; die Kirche eines alten, jetzt als Kaserne
dienenden Benediktinerklosters San Giovanni Evan-
gelista, ein schöner Kreuzbau der Renaissance, mit
Kuppel (Fresken von Correggio, 1521-24), drei
Schiffen und zwei Kapellenreihen, 1510 von Bernardo
Zaccagni erbaut, die Facade 1604 von Simone
Moschino dem Jüngern von Orvieto, der Turm
1614 von G. B. Magnani; die Madonna della
Stcccata, 1521-39 nach dem Muster der Peters-
lirche von Zaccagni erbaut, ein griech. Kreuz mit
runden Abschlüssen, mit Kuppel und vier Halb-
kuppeln; das ehemalige Benediktinerinnenkloster
Convento di San Paolo, jetzt Erziehungsanstalt, mit
Fresken von Correggio (1518-19) in einem Zimmer.
In der Kircbe das Denkmal des Grafen Neipperg,
zweiten Gemahls der Herzogin Luise, von Bartolim.
Von weltlichen Gebäuden sind zu erwähnen
der unvollendete Palazzo della Pilotta, 1597 von
den Farnese begonnen, mit Altertümersammlung,
Gemäldegalerie (Correggio, Holbein, Cima da
Conegliano), großer Vidliowca Platina. (225400
Bände, 5000 kleinere Schriften, 1757 Handfchrif-
ten, darunter zahlreiche orientalische), 1865 durch
die Vereinigung der 1769 von Herzog Philipp II.
von Bourbon gegründeten Vidlioteca. ?ai'm6N86
und der von Lucca nach P. übergeführten Lidlio-
tsca. Platina gebildet; das Teatro Farnese, 1618
-19 von Aleotti erbaut, neuerdings restauriert,
für 4500 Zuschauer; der Palazzo del Giardino, am
Ende des ehemaligen herzogt. Gartens, jetzt Militär-
schule, 1564 von Ottavio Farnese erbaut, mit Fresken
von Agostino Carracci.
Unterrichts- und BildungsWesen. In
P. lehrten schon 1272 Gilio Milidürii und Albert
Galeottus jurist. Disciplinen. Die Versuche der
Stadt, ein Generalstudium zu gründen, scheiter-
ten im 14. Jahrh.; die Gründung der Universität
erfolgte nach amtlichen Quellen 1512. Nachdem sie
in der ersten Hälfte des 19. Jahrh, eingegangen war,
wurde sie 8. Jan. 1855 neu eingeweiht. Sie hat
eine jurist., mediz.-chirurg. und mathem.-naturwissen-
schaftliche Fakultät und 1890/91: 62 Docenten und
272 Studierende. Zu ihr gehören eine Veterinär-
und eine pharmaceutische Schule, Sternwarte, ein
botan. Garten und naturhistor. Museum. Ferner hat
die Stadt ein bischöfl. Seminar, landwirtschaftliches