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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Parma (Herzog von) - Parmenides
Institut, Lyceum, Gymnasium, Oberrealschule, eine
technische Schule, Militärschule, ein Lehrer- und
Lehrerinnenseminar, eine 1727 gegründete Akademie
der schönen Künste mit Gemäldegalerie und eine
Musikschule (1825).
Die Industrie erstreckt sich hauptsächlich auf die
Herstellung von Seiden- und Wollgeweben, seidenen
und baumwollenen Spitzen, Filzhuten, Musikinstru-
menten, Glas-, Majolika- und Thonwaren, Papier,
Seife und Pökelfleisch, der .Handel auf Seife, Ge-
treide, Vieh, Wein und Käse; serner hat P. Vieh- und
Getreidemärkte. Im Juni findet eine Messe für den
Eeidenhandel statt. Außer zahlreichen Gärten und
Landhäusern liegt vor der Stadt der Spaziergang
Stradone; etwas nördlicher das Lustschloß Colörno.
Geschichte. Nach einem 1864 aufgefundenen
Pfahlbau aus der Bronzezeit hat hier schon in
vorgeschichtlicher Zeit eine Ansiedelung bestanden.
Nach Besiegung der kelt. Vojer wurde die in kailia
oiZzmäaiia, gelegene uralte Stadt P. 183 v. Chr.
zur röm. Kolonie erhoben, später durch Antonius
zerstört, aber durch Augustus vergrößert und Co-
lonia Julia Augusta genannt. Sie war ein bedeu-
tender Handelsplatz und gehörte in spätröm. Zeit
zur Provinz Amilia. Nach dem Untergang des
Weströmischen Reichs teilte P. die Geschicke 'Ober-
italiens, kam unter die Herrschaft der Langobarden
(569), der Franken (774) und der deutschen Kaiser.
Weihnachten 1037 brach ein Aufstand gegen den in
der Stadt weilenden Kaiser Konrad II. aus, den
dieser unterdrückte; 1167 trat P. dem lombard.
Städtebunde bei. Ihren Höhepunkt erreichten die
Parteitämpfe zwischen Guelfen und Ghibellinen zu P.
1247-1249. Im I. 1346 brachten die Visconti
die Stadt unter ihre Botmäßigkeit; von da ab teilte
P. meist die Geschicke des Herzogtums Mailand bis
1512. über die spätere Geschickte der Stadt s. Parma
(Herzogtum). Seine Stellung in der Kunstgeschichte
verdankt P. dem Wirten Correggios. - Litteratur
s. den vorhergehenden Artikel.
Parma, Herzog von, s. Cambaceres.
Parmäne, Sorte der Goldreinetten (s. Apfel).
Parmeggianmo (spr. -meddscha-), auch Par-
meggiano, Parmigianino genannt, eigentlich
Francesco Mazzola, Maler der Lombardischen
Schule, geb. 11. Jan. 1503 zu Parma, nahm sich
Cvrreggio zum Vorbild und brachte es zu einer
großen technischen Gewandtheit. Er arbeitete haupt-
sächlich in Parma und in Bologna. Von seinen
nicht allzuhäufig vorkommenden Tafelbildern find
die bedeutendsten: Madonnenbilder in den Gale-
rien zu Parma, Bologna, Florenz, Paris und Dres-
den, Die Vision des heil. Hieronymus (in London),
Die Grablegnng (in Petersburg), Amor als Bogen-
schnitzer (im Hofmuseum zu Wien). In Parma hat
er verschiedene Fresken ausgeführt (St. Georg in
San Giovanni Evangelista). Den Auftrag, die
Kirche della Steccata daselbst mit Wandmalereien zu
schmücken, konnte er wegen geschwächter Gesundheit
nur langsam ausführen. Dies wurde die Veran-
lassung, daß ihn die Aufseher des Baues ins Ge-
fängnis setzen liehen. Wieder in Freiheit gesetzt,
entfloh er nach Casalmaggiore, wo er 24. Aug. 1540
starb. Auch seine Bildnisse, von denen sich das der
Riccarda Malaspina, Gemahlin des Lorenzo Cibö,
im Museum zu Madrid befindet, sind vorzüglich.
?2.rm.o1la. ^.c/i., Schüsselflechte, Flechten-
gattung aus der Gruppe der Laub flechten, mit
gegen 100 Arten, die über die ganze Erde verbreitet
z sind, häutige, blattartig ausgebreitete Flechten, die
! sowohl auf Baumrinden als auch an Felsen und auf
I der Erde vorkommen. Die Apothecien sitzen der
! Thallnsflä'che auf. Viele Arten gehören zu den ge-
meinsten Flechten, so die auf Bäumen in ganz Deutsch -
land vorkommende?. (?Ii)'8cia) 8t6i1ari8 ^4c/i., die
auf Bäumen und Steinen wachsende ?. (Iindricarm)
c0N8p6i'8ll ^4c/i. (s. Tafel: Flechten II, Fig. 8), die
an Mauern, Brettern, Bäumen überall häufige,
lebhaft gelb gefärbte Wandflechtc ^. i?^8oia) pa-
ristina. ^ic/5., die zum Gelbfärben benutzt wurde.
Parmenldes, griecb. Philofoph aus Elea m
Unteritalien, der eigentliche Begründer der Eleati-
schen Philosophie. Plato läßt ihn bei einem Be-
suche in Athen mit dem noch ganz jugendlichen So-
krates zusammentreffen; P. soll damals 65 I. alt
gewesen sein, wonach er etwa 520-515 v. Chr. ge-
boren wäre. Er schloß sich der Pythagoreischen Le-
bensgemeinschaft an (s. Pythagoras) und soll seiner
Vaterstadt Gesetze gegeben haben. Seine Philo-
sophie legte er in einem Lehrgedicht nieder, dessen
Eingang schildert, wie er in schwindelnder Fahrt,
von Sonnenmädchen geleitet, zum Hause einer
namenlosen Göttin gelangt, die ihn beides lehrt, die
untrügliche Wahrheit wie die trügliche Meinung der
Sterblichen. P. verwirft nämlich entschieden das
Zeugnis der Sinne und stellt die Entscheidung der
Wahrheit ausschließlich der Vernunft anheim; eine
Wendung, die für das ganze fernere Schicksal der
Philosophie bedeutend wurde. Seine auf die Ver-
nunft gestützte Lehre bestand aber eigentlich nur in
der reinen Herausarbeitung eines einzigen Grund-
! begriffs: des Begriffs des Seienden. Gedacht ist
darin ein "reines" Sein, d. h. ein das Nichtsein in
jeder Form ausschließendes. Aus der konsequenten
Ausschließung alles Nichtseins folgen dann alle
weitern Bestimmungen des Parmenideischen Seins-
begriffs: das Sein füllt mit feinem ganzen Inhalt
jeden Zeitpunkt aus, es ist auch nicht dort mehr, dort
weniger, sondern allerwürts gleichermaßen seiend;
vollendet bis zum letzten Ende; in seinen Grenzen fest-
gehalten (nicht ins Unbegrenzte zerfließend); d. h. es
foll gedacht werden in absoluter Totalität, wie eine
nicht zu vermehrende noch zu vermindernde Größe.
Es ist ferner keinem Wechsel des Ortes oder der Be-
schaffenheit unterworfen; jede Veränderung wäre
ja ein Nichtmehrsein dessen, was war, ein Sein
dessen, was nicht war. So steht das Seiende aller
Erscheinung schlechthin als ein anderes gegenüber;
dennoch wird es offenbar gedacht als eben das Sein,
welches der Erscheinung zu Grunde liegt oder was
das Erscheinende seiner Wahrheit nach ist. P.
braucht darum auch nicht die Erscheinung als solche
zu leugnen, ja er tonnte eine Art Welterklärung
nach der Erscheinung versuchen, der er dann freilich
absolute Wahrheit von vornherein nicht zueMmken
konnte. Und so verfährt er in der That, indem er
im zweiten Teile seines Gedichts eine Welterklärung
nach der "sterblichen Meinung" giebt, die sich wesent-
lich an den Pythagoreismus seiner Zeit anzulehnen
scheint. Er nimmt zwei stoffliche Principien an,
das Feuer oder Licht (leicht, warm, fliehend), und
die Nacht (der feste, kalte und fchwere Körper), deren
Mischung eine im Weltmittelpunkt residierende Gott-
heit (vielleicht entsprechend dem Pythagoreischen
Centralfeuer) bewirkt. Die Mischung wird alter-
tümlich mythisch als Eros (Liebesvereinigung) vor-
gestellt, aus der (wie durch Zeugung) alle Dinge
! hervorgehen. Ebenso phantastisch ist die übrige Er-