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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Parthenien; Parthenius; Parthenogenesis; Parthenon; Parthenopäische Republik

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Parthenien - Parthenopäische Republik

terieregiments, Ruinen eines Schlosses (drei Türme auf einem Vorsprunge), der Schloßkirche Notre-Dame de la Couldre und alter Befestigungen; einen Gerichtshof erster Instanz, Handelskammer, Lehrerseminar, College; Wollspinnerei, Zeugweberei, Porzellanfabrikation, Lohgerberei und Viehhandel.

Parthenien (grch., von parthénos, Jungfrau), bei den alten Griechen Lieder für Jungfrauenchöre, namentlich in Sparta in Gebrauch. Der berühmteste Partheniendichter war Alkman (s. d.).

Parthenius, griech. Dichter, aus Nicäa in Bithynien gebürtig, lebte im Zeitalter des Cäsar und Augustus. Erhalten sind von ihm außer einigen Fragmenten seiner Gedichte, die zum größten Teile Elegien waren, eine in Prosa verfaßte Schrift "über Liebesabenteuer", die in 36 kürzern Abschnitten Geschichten von Liebenden enthält und für seinen Freund Cornelius Gallus bestimmt war. Da diese Erzählungen zum großen Teile der Mythologie angehören, wird P. auch zu den Mythographen (s. d.) gerechnet. Die besten Ausgaben der genannten Schrift besorgten Legrand und Heyne (Gött. 1798), Passow im "Corpus scriptorum eroticorum graecorum", Bd. 1 (Lpz. 1824), Westermann in den "Mythographi graeci" (Braunschw. 1843), Hirschig in den "Erotici scriptores" (Par. 1856), Hercher in den "Scriptores erotici graeci", Bd. 1 (Lpz. 1858) und Sakolowski in den "Mythographi graeci" (Bd. 2, ebd. 1896). Eine deutsche Übersetzung lieferte Jacobs (Stuttg. 1837).

Parthenogenesis (grch.) oder Jungfernzeugung, Jungferngeburt, hat K. Th. von Siebold die Erscheinung genannt, bei der wirkliche, mit vollkommen entwickelten weiblichen Geschlechtsorganen ausgestattete Individuen ohne vorausgegangene Begattung entwicklungsfähige Eier hervorbringen. Die Thatsache wurde zuerst bei Schmetterlingen (den sog. Sackträgern [Psyche] und dem Seidenschmetterling) sowie bei Bienen beobachtet, ist aber jetzt in vielen Fällen nachgewiesen. Bei den Bienen ist sie insofern normal mit der Entwicklung befruchteter Eier kombiniert, als aus allen befruchteten Eiern sich Weibchen oder Arbeiterinnen, aus allen unbefruchteten Eiern sich Drohnen entwickeln, so daß Königinnen, deren Samensack leer oder zerstört ist, buckelbrütig werden, d. h. nur noch Drohnen erzeugen. Die Erscheinung steht im Zusammenhang mit verschiedenen andern, seltenern Arten der Fortpflanzung (s. Ammenzeugung und Generationswechsel), ist aber bis jetzt nur bei wirbellosen Tieren, besonders Krustentieren und Insekten, beobachtet worden. Man kann sie als eine Art Rückschlag in die alte Form der Fortpflanzung, die Knospung auffassen, jedenfalls ist sie sekundär und durch Neuanpassung entstanden. - Vgl. von Siebold, Die wahre P. bei Schmetterlingen und Bienen (Lpz. 1856); Taschenberg, Histor. Entwicklung der Lehre von der P. (Halle 1892).

Parthenon, der bedeutendste, der jungfräulichen Göttin Athena (Athena Parthenos) geweihte Tempel auf der Akropolis zu Athen. Der Bau, der sich neben dem in den Perserkriegen zerstörten alten Haupttempel der Athena erhebt, war schon von Kimon begonnen, aber wenig über die Fundamente gefördert worden. Auf diesen wurde dann unter der Staatsverwaltung des Perikles durch Iktinus und Kallikrates der neue P. in penthelischem Marmor erbaut, das schönste Muster des attisch-dor. Tempelbaues: ein Peripteros (d. h. mit Säulenhallen an allen vier Seiten) mit je 8 Säulen an den Schmal- und je 17 an den Langseiten, dessen obere Fläche des in drei Stufen gegliederten Unterbaues eine Länge von 77 und eine Breite von 32 m hat. Vor den Frontseiten der Cella liegen, durch 16 dor. Säulen, zwischen denen Gitterwerk angebracht war, nach außen hin abgeschlossen, zwei Vorhallen (Pronaos und Opisthodomos), die wie die Cella selbst zur Aufbewahrung wertvoller Weihgeschenke dienten. Die Cella (Hekatompedos, d.h. 100 attische Fuß lang) selbst war durch zweimal 9 dor. Säulen in drei Schiffe geteilt. Im mittlern Schiff vor der Westwand stand das von Phidias gearbeitete, 438 v. Chr. vollendete Kolossalbild der Athena aus Elfenbein und Gold, mit einer goldenen Siegesgöttin auf der ausgestreckten Rechten, Schild, Speer und die heilige Burgschlange zur Linken. Westlich der Cella war noch ein Gemach, der P. im engern Sinne, abgeteilt, wo die Festgeräte aufbewahrt wurden. Der Tempel selbst war mit zahlreichen Skulpturen geschmückt, deren Ausführung unter Phidias' Leitung erfolgte. In den beiden Giebelfeldern standen gewaltige Statuengruppen, deren vielfach verstümmelte Überreste (jetzt größtenteils im Britischen Museum in London; s. Elgin Marbles) für uns die höchste Vollendung der griech. Bildnerei repräsentieren: im östl. Giebel die Geburt der Athena (Figuren daraus s. die Tafel beim Artikel Griechische Kunst, Bd. 8, S. 354), im westlichen der Streit zwischen Athena und Poseidon um die Landschaft Attika. Die Metopen über den Säulen (ursprünglich 92 Platten, von denen noch 58 teils in Athen, und zwar meistenteils noch an Ort und Stelle, teils im Britischen Museum zu London und einzelne im Louvre zu Paris erhalten sind) waren mit kleinern, in hohem Relief ausgeführten Darstellungen von Kentaurenkümpfen, Gigantenkämpfen, Amazonenkämpfen und Scenen aus der Eroberung Trojas geschmückt. Sie sind in altertümlicherm Stil ausgeführt als die Giebelskulpturen und rühren zum Teil vielleicht noch von dem Kimonischen Bau her. Der Fries über den Außenwänden der Cella (gleichfalls teils noch an Ort und Stelle oder wenigstens noch in Athen, teils im Britischen Museum [ein Stück aus dem Ostfries auf Tafel: Griechische Kunst II, Fig. 15]) enthielt auf allen vier Seiten eine in flachem Relief gehaltene, fortlaufende Darstellung des Festzugs der Panathenäen. Nach dem Untergange des Hellenentums wurde der P. in eine christl. Kirche, unter der türk. Herrschaft in eine Moschee verwandelt und blieb so vor dem Verfall bewahrt, bis 26. Sept. 1687 bei einer Belagerung der Akropolis durch die Venetianer eine Bombe auf das Dach des Gebäudes, in welchem gerade Pulver aufgespeichert lag, fiel und eine Explosion herbeiführte, die nicht nur das Innere, sondern auch den mittlern Teil der Säulenhallen an den Langseiten des Tempels zerstörte, der nun als eine Ruine dasteht. - Vgl. Michaelis, Der P. (mit Atlas, Lpz. 1871); E. Petersen, Die Kunst des Pheidias am P. und zu Olympia (Berl. 1873); Dörpfeld, Untersuchungen am P. (in den "Mitteilungen des Archäologischen Instituts zu Athen", Bd. 6,1881, und Bd. 17,1892); A. Bötticher, Die Akropolis von Athen (Berl. 1888); L. Magne, Le Pathénon (Par. 1895).

Parthenopäische Republik, der demokratische Staat, in den 1799 das Königreich Neapel durch die franz. Republikaner umgewandelt wurde. Man wählte diesen Namen, weil Neapel in den ältesten