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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Patia - Patkul
kämpfen muß und dadurch ein Leiden erzeugt. Das
P. wird dem Ethos schon von den alten Ästhetikern
und Rhetoren gegenübergestellt. Ethos, d. h. Cha-
rakter, ist das bleibende sittliche Gepräge des Men-
schen; P. das Ergrifsensein von bestimmten Ideen,
Stimmungen und Ereignissen, und die aus diesem
P. stammende Thatkraft. Das P. und das Pathe-
tische ist daher der Gegenstand der Tragödie, des
Zusammenstoßes des kraftbewußten Einzelwillens
mit den Gesetzen der sittlichen Weltordnung.
Patia, Rio, Fluß im südl. Columbia in Süd-
amerika, entsteht südlich von Popayan an den Ab-
hängen des Vulkans ^otara, stießt im Längsthal
in der Fortsetzung des Caucathales südsüdwestlich,
nimmt den Rio Mayo auf, durchbricht die West-
cordilleren und mündet bei Sala Honda in den
?a.tibMuin (lat.), s. ^urca. ^Großen Ocean.
Patience (frz., spr. paßiangß, "Geduld"),Karten-
spiel, das von einer einzelnen Person gespielt wird
und darin besteht, daß die Blätter eines doppelten
oder einfachen Kartenspiels (gewöhnlich Whistkarte)
nach einer gewissen Reihenfolge neben oder auf-
einander gelegt werden. Geht die Zahl der Blätter
nach dem angenommenen Princip auf, so hat der
Spieler gewonnen. Die Variationen der P. sind
der Doppelhaufen, die Elf, der halbe Mond, die
Napoleons-Patience, die Reihe, der Stern, das
Unterstecken u. s. w. - Vgl. Illustriertes Buch derP.
(7. Aufl., Bresl. 1892; Neue Folge, 2. Aufl., ebd.
Patiönt (lat.), Kranker, Leidender. ^1892).
Patin (frz., spr. -täng), Stelzschuh, Schlittschuh;
Patineur (spr.-tinöhr), Schlittschuhläufer.
Patina (lat.), die durch die Einwirkung der Luft
oxydierte, in der Färbung veränderte Oberfläche der
Bronzegegenstände. Antike Bronzegegenstände sind
mit einer glänzendgrünen P. wie mit einer Kruste
oder Emailschicht (Antikbronze) überzogen.
Manche antike Bronzen finden sich auch blau pati-
nicrt infolge der Beschaffenheit der Erde, in welcher
die Bronzen gelegen. Die Bronzen der Renaissance-
zeit sind gewöhnlich in einer schönen braunen Fär-
bung patiniert. Dagegen patinieren die modernen
Bronzemonumente, welche im Freien stehen und so,
besonders in großen Städten, dem Staub, Ruh
u.dgl. ausgesetzt sind, durchgängig in einer schmutzi-
gen, fast schwarzen Färbung. Untersuchungen hatten
ergeben, daß die Ursache dieser Verschiedenheit nicht
in andern Mischungsverhältnissen der Bronze liegt
und auch die Luft keinen verschiedenen Einfluß
übt. Während man aber früher meinte, daß die
eigentümlich glatte, matt glänzende, durchscheinende
P. das Ergebnis einer glatten Bearbeitung (Cise-
lierung) der Bronzeoberfläche sei, hat man jetzt er-
kannt, dah dies die Eigentümlichkeit einer guten
Patinabildung überhaupt ist.
Da zur Bildung einer schönen P. durch Einwir-
kung der Luft eine sehr lange Zeit erforderlich ist,
bat man versucht, diese natürliche Bildung durch
chem. Bearbeitung der Bronzeoberfläche zu beschleu-
nigen oder gar zu ersetzen. Solche künstliche Pati-
nierung in grünem oder braunem Ton ist zu allen
Zeiten geübt worden; schon die Erzgieher des Alter-
tums verstanden sich sehr gut darauf, ebenfo die-
jenigen der Renaissance, in der Neuzeit gelang dies
am besten den franz. Bronzefabrikantcn. (S. Barbe-
dienne.) Besonders glücklich in der Hervorbringung
einer P. in braunen, rötlichen und goldigen Tönen
find die Inder, Japaner und Chinesen. Neuerdings
befördert man die Patinabildung an öffentlicben
Denkmälern durch Abwäschen derselben mit Seife und
nachheriges überwischen mit Öl oder nach einem vom
Bildhauer Fritze in Berlin erfundenen Verfahren;
bei kleinern Kunstbronzegegenstünden beschleunigt
man die Bildung von braunen oder grünen Tönen
mit Hilfe von Beizen, die teils aus Säuren- und-
Salzlösungen, teils aus Pstanzensäften bestehen.
.Haupterfordernis dabei aber bleibt, daß diese Bronze-
tönung wirklich echt, nicht durch aufgebürstete Farben
(Wachs- und Lackfarben), wie bei den meisten moder-
nen Bronzen aus Italien und Paris, entstanden ist.
Patinieren, mit einer Patina (s. d.) versehen.
Patinir, Joachim, niederländ. Maler, mit Herri
de Bles Begründer der eigentlichen Landschasts-
malerei, geb. am Ende des 15. Jahrh, in Dinant,
gest. 1524 zu Antwerpen, wo er seit 1515 angesessen
war. Er schloß sich an Gerard Davids Kunstweise
an und stellte biblische Vorgänge in Landschaften
mit weiter bergiger Perspektive, Felsen, Flüssen,
Wäldern und Städten dar. Die meisten seiner Werke
(7) besitzt das Pradomuseum in Madrid (darunter
Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, Versuchung des
heil. Antonius); einzelne finden sich in Antwerpen,
Wien, Karlsruhe, Berlin u. a.
Patioprozetz, s. Amalgamation. sbäckerei.
?a.ti88sris (frz., spr. -tißrih), Kuchen-, Pasteten-
Patkul, Joh. Reinhold von, livländ. Edelmann,
geb. 1660, stammte aus einer alten deutschen Adels-
familie. Als die schwed. Regierung die Reduktion
der Krongüter 1680 auch auf Livland auszudehnen
begann und unter Anwendung äußerster Härte und
Willkür fünf Sechstel des Adels ihres Grundbesitzes
beraubte, trat P. wiederholt als Verteidiger der
Landesrechte auf. Er wurde zum Verhör nach
Stockholm berufen und begab sich auch 1691 dahin^
floh aber, als er bemerkte, daß man ihn verderben
wollte, nach Kurland. Am 12. Dez. wurde er als
Rebell und Majestätsbeleidiger zum Tode verurteilt.
P. begab sich über Deutschland und die Schweiz
nach Frankreich und trat 1698 in sächs. Dienste.
Hier wurde er der Berater des Königs August II.
sowohl in Rußland wie in Polen und Dänemark
war damals der Gedanke eines Angriffskrieges gegen
Schweden wiederholt aufgetaucht; der Plan einer
Allianz dieser drei Mächte ist aber erst von P., der
durch sie Livland von der schwed. Willkürherrschaft
zu befreien hoffte, bei August angeregt worden. Im
Mai 1699 brachte P. sodann mit Dänemark und im
November mit Ruhland das Bündnis zu stände.
Bei dem Wankelmut Augusts trat aber P. 1701
aus dem sächsischen in den russ. Dienst über. Als
rnss. Gesandter begab sich P. nach Warschau und
schloß Okt. 1703 ein neues Schutz- und Trutzbündnis
mit König August ab. P., der dem Könige russ.
Truppen und .hilssgelder zuführte, wurde von nun an
der Vertraute Augusts und nahm auch an denKriegs-
ereignissen thätigen Anteil. Aber bald gewannen
die Gegner P.s an Einfluß. Anfang 1705 wurden
von Sachsen geheime Verhandlungen mit Schweden
behufs Herbeiführung eines Separatfriedens an-
geknüpft. Daraufhin beschloß P., König August
durch einen Separatfrieden Ruhlands mit Schweden
zuvorzukommen. Doch seine diesbezüglichen Briefe
an den Zaren wurden durch Spione verraten. Als
P. 4000 Mann in der Oberlausitz stehende russ.
Hilfstruppen wegen ungenügender Verpflegung
durch die sächs. Behörden in kaiserl. Dienste über-
führte, erfolgte die Katastrophe. Der Stattbalter
Fürstenberg, das Haupt seiner Feinde, benutzte die