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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

1037

Persien (Geschichte)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Persien (Geschichte)'

  • Sohn Mas'ud verlor das pers. Irak und Chorassan (1037–41), und durch die Seldschuken und innere Unruhen entkräftet, wurden 1183 die Ghasnewiden unter Khosru-Melik eine Beute der Ghuriden.
  • 5) Die Sultane von Ghur, d. h. vom Gebirgslande zwischen Herat und Ghasni, wurden 1150 durch Alaeddin Hussein mächtig, sanken aber teils durch die Befehdungen der Fürsten Chowaresmiens (Chiwas), teils durch innere Uneinigkeit (1203).
  • 6) Die chowaresmischen Schahs, 1097–1231, wurden unter Atsiz, dem Statthalter der Seldsckuken in Chowaresmien, wo er sich unabhängig machte, mächtig. Takasch zerstörte 1194 das Reich der Seldschuken und entriß den Ghuriden Chorassan. Sein Sohn Mohammed bezwang die Ghuriden und Ghasni und brachte den größten Teil P.s an sich. Plötzlich aber erlag er 1220 den Angriffen des Mongolen Dschingis-Chan (s. d.).
  • 7) Die Bujiden, von Buje abstammend, einem Stammhäuptling, der sein Geschlecht von den Sassaniden herleitete, erlangten durch Tapferkeit und Klugheit die Herrschaft über den größten Teil P.s und 945 selbst über Bagdad. Sie zeichneten sich durch Regententugenden und Liebe für wissenschaftliche Bildung aus und behaupteten sich bis 1055, wo Melik-Rahim sich genötigt sah, den Seldschuken zu weichen.
  • 8) Die Seldsckuken, eine türk. Dynastie, erhoben sich zuerst in Chorassan mit den Ghasnewiden zu ansehnlicher Macht. Togrulbeg-Mohammed verdrängte hier 1037 Mas'ud, Sultan Mahmuds Sohn, den Ghasnewiden, verbreitete sich über Aserbeidschan, Armenien, Farsistan, Irak-Adschmi und Irak-Arabi, wo er 1055 der Gewalt der Bujiden zu Bagdad ein Ende machte und von den Chalifen zum Emiru'l-Umara eingesetzt wurde. Seine Nachfolger zeichneten sich zum Teil durch große Thätigkeit und Humanität aus. Melik Schah, der mächtigste unter ihnen, eroberte noch Georgien, Syrien und Anatolien. Bald aber löste sich das Reich in vier Staaten auf, die teils durch die chwarismischen (Anmerkung des Editors: unklar, eventuell chowaresmischen? ) Schahs, teils durch die Atabeken von Aleppo, teils durch die Mongolen zerstört wurden.

Durch Dschingis-Chan wurden seit 1220 die Tataren und Mongolen in P. herrschend, die sich bis 1405 behaupteten. Die durch Dschingis-Chan eroberten, entsetzlich verwüsteten Provinzen erhielt 1229 dessen jüngster Sohn Tauli, und nach diesem dessen Sohn Hulagu. Hulagu, der durch die Eroberung Bagdads 1258 dem Chalifenreich ein Ende gemacht hatte, vermehrte diese Besitzungen mit Syrien, Anatolien und Irak-Arabi, machte sich von der Oberherrschaft des Großchans unabhängig und bildete eine besondere Dynastie der Mongolen in jenen Ländern, die der Ilchani, die bis auf Busaid bestand, der 1335 ohne Erben starb. Seine Nachfolger, ebenfalls aus Dschingis-Chans Familie, führten zwar auch den Titel Chan von P., aber ihr Reich war kraftlos und geteilt. Da erschien 1387 an der Spitze einer neuen Mongolenhorde Timur (s. d.) und eroberte P., die Welt von Hindustan bis Smyrna mit Schrecken erfüllend. Allein mit dem Tode dieses Eroberers (1405) erlosch die Macht der Mongolen in P., und es machten sich nun die Turkmanen zu Oberherren. Diese nomadischen Stämme eroberten unter Kara-Jussuf und dessen Nachfolgern den größten Teil P.s von den Timuriden, unterlagen aber 1467 andern turkman. Stämmen unter Usun-Hassan und vereinigten sich mit ihnen. Nach Usun-Hassan (1467–78) ↔ folgten bis 1501 sechs andere Fürsten; der letzte mußte 1501 dem Ismail-Seffi weichen.

Neuere Geschichte. Seit dem Sturze der Sassaniden (651) hatte es kein pers. Reich gegeben, Ismail-Seffi, ein Enkel Usun-Hassans, dessen Dynastie 1501–1721 herrschte, ist der Neubegründer des seit gerade 850 Jahren verschwundenen Perserreichs, und mit ihm beginnt die Geschichte des neupersischen Reichs. Er stellte den alten Titel eines Schah oder Schahinschah wieder her und gab ihm trotz dem Islam die Bedeutung eines Stellvertreters Gottes auf Erden. Er vernichtete die Turkmanenherrschaft (1502–3), eroberte erst Aserbeidschan, dann Armenien, besiegte den Usbeken-Chan Scheibek 1510, nahm Balch und hinterließ bei seinem Tode 1523, nachdem er zuvor den Georgierkönig Simeon zinspflichtig gemacht hatte, ein Reich, das von Kerman, Chorassan, Turkestan bis Diarbekr und Irak reichte. Er führte die schiitische Form des Islam, trotz der sunnitischen Tadschik, in P. ein und knüpfte Verbindungen mit Venedig gegen die Osmanen an, wurde aber vom Sultan Selim (1514) geschlagen. Seine Nachfolger, Tahmasp (1523–75), Ismail II. (1575–77), Mohammed der Blinde (1577–85), Hamse (1585) und Ismail III. (1586) führten unglückliche Kriege mit Prätendenten aus ihrer eigenen Familie sowie mit den Türken und Usbeken. Erst der große Schah Abbas (1586–1628) stellte durch seine neue Militärorganisation und seine Eroberungen das Reich wieder her. Er nahm den Türken Armenien, Irak-Arabi, Mesopotamien, die Städte Täbris, Bagdad und Basra, den Usbeken Chorassan, den Portugiesen Ormus, den Afghanen Kandahar und demütigte Georgien, das sich der Zinsbarkeit entzogen hatte. Er verlegte seine Residenz nach Ispahan und gab dem Reiche durch Gerechtigkeit, Toleranz und Beförderung des Handels und der Künste seinen Glanz znrück. Die folgenden Regenten, Schah Seffi (1628–42) und Abbas II. (1642–66) führten wieder Kriege mit den Türken und Indern, mit jenen wegen Bagdad, das 1648 von Murad IV. gewonnen wurde, mit diesen wegen Kandahar, das 1638 verloren ging, aber 1647 wiedererobert wurde. Unter Schah Suleiman (1666–94) versank das Reich in Kraftlosigkeit; unter seinem Sohne Hussein (1694–1721) verfiel es gänzlich. Die Afghanen in Kandahar fielen 1709 unter Mir Weis ab, und dessen Sohn, Mir Mahmud, bemächtigte sich nach der Einnahme von Ispahan (12. Okt. 1722) des ganzen Reichs, worauf wilde Anarchie einriß. Der wahnsinnig gewordene Mahmud wurde 1725 von Aschraf gestürzt, dieser aber von Nadir (s. d.) Schah besiegt, der unter Mitwirkung der Russen und Türken für Husseins Sohn, Tahmasp (1729), kämpfte. Als dieser aber Georgien und Armenien an die Türken abtrat, setzte ihn Nadir Schah ab und erhob dessen minderjährigen Sohn, Abbas III., 1732 auf den Thron. Den Russen und Türken entriß Nadir wieder die abgetretenen Provinzen, und als Abbas III. 1736 gestorben war, bestieg er selber unter dem Namen Nadir Schah 11. März 1736 den Thron. Er erhob P. durch Waffenglück und strenge Regierung zu seinem frühern Ansehen, eroberte 1735 Bahrain, und 1738 Balch vom Chan von Buchara, dann Kandahar, fiel 1739 in Hindustan ein und nötigte nach der Einnahme von Dehli 4. Mai 1739 den Großmogul Mohammed, ihm nicht nur einige Provinzen am Indus zu überlassen, sondern ihm auch einen bedeutenden Tribut zu zahlen. Die Türken

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 1038.