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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Peruanischer Reis - Perücke
schensigurcn zur Anschauung bringen. Gold- und
Silberfäden, bunte Federn u. dgl. verstand man
einzuweben, und eine Art Applikationsarbeit wurde
geübt, indem auf feinen gazeartigen Geweben dicht
gewebte und in bunten Farben ausgeführte Figuren-
muster eingefügt wurden.
Vgl. das Prachtwerk von Reiß und Stübel, Das
Totenfeld von Ancon in Peru <3 Bde., Verl. 1887);
Stübel und Uhle. Die Nuinenstütte von Tiahuanaco
(Bresl. 1892); Seler, P. A. (Berl. 1893).
Peruanischer Reis, soviel wie Reismelde,
s. 01l6U0p0(1iuiU.
Perubalfam, s. Peruvianischer Balsam.
Perücke, ein erst im Laufe des 17. Jahrh, aus
dem Französischen ins Deutsche gelangtes Wort (ital.
perruca oder Mi'i'uc9>; span. peluca, eine derivative
Weiterbildung aus dem lat. pilug, Haupthaar), das
in Frankreich in seiner gegenwärtigen Bedeutung
(Haarhaube, Haaraufsatz) zuerst von Coquillart
(Ende des 15. Jahrh.) gebraucht worden sein soll.
Der Gebrauch fremder Haare zur Bedeckung des
Kopfes war schon allen Kulturvölkern des Alter-
tums, namentlich den Ägyptern, dann auch den
Assyrern, Medern und Persern bekannt. In Rom
war in der röm. Kaiserzeit zu dem Zwecke besonders
das blonde Haar der german. Frauen beliebt. Kahl-
köpfigkeit verdeckten die Römer, indem sie mit einer
harten, farbigen Pomade Haarlocken auf den kah-
len Schädel modellieren ließen. Im Mittelalter
diente das falsche Haar nur zur Verbesserung des
natürlichen Mangels. Schon im 13. Jahrh, fer-
tigte man zu diesem Zwecke vollständige P. Zur
Zeit der Reformation scheint namentlich Nürnberg
in diesen: Artikel sich eines gewissen Rufs erfreut
zu habcn. Sehr gebräuchlich waren die P. im
16. Jahrh, in Frankreich, wo man sie sogar aus Flachs
machte und mit farbigem Puder bestreute. Die
Bäuerinnen wendeten bereits weißes Mehl an. Die
Erfindung der noch jetzt gebräuchlichen, durch Tres-
sieren von Haaren zwischen Eeidenfüden hergestell-
ten P. soll im Anfange des 17. Jahrh, von dem
Haarkünstler Ervais in Paris gemacht worden sein.
Unter Ludwig XIII. brachte die Mode der langen
Haare auch den häusigern Gebrauch der P., die
unter Ludwig XIV., obwohl dieser sie verabscheute
und sich nur ungern 1673, als sein schönes Haar
dünn wurde, zum Gebrauch der P. bequemte, ihren
Höhepunkt erreichte, besonders in der Allonge-
perücke. Diese wurde gleichsam die Signatur der
Zeit, der Ausdruck der steifen Feierlichkeit ihres
Ceremoniells und gesellschaftlichen Lebens. Auf der
Stirn hock getürmt und in der Mitte gefpalten, floh
sie in reichen Locken zu beiden Seiten des Kopfes
bis auf die Brust und andererseits, die Achseln frei-
lassend, bis zur Mitte des Rückens herab. (Vgl.
z. B. die Porträtbüste Ludwigs XIV. auf Tafel:
Französische Kunst III, Fig. 3.) Die Allonge-
perücke war bei den Zeitgenossen der Heiligen-
schein, der Nimbus der Majestät, Hoheit und Würde.
An Stelle dieser Staatsperücke traten, schon aus
Sparsamtcitsrückstchten, kleinere Formen der P.,
seit etwa 1730 der Haarbeutel (s. d. und Tafel:
Kostüme IV, Fig. 6) und seit etwa 1750 der
Zopf. Die Geistlichkeit, anfänglich der P. abgeneigt,
hielt dagegen später und das ganze 18. Jahrh, hin-
durch um so hartnäckiger an ihr fest. Das Zeitalter
des Zopfes wird gewöhnlich von 1720 bis 1805 ge-
rechnet; doch schon vorher, seit der Französischen
Revolution, war die künstliche Haartour aus der
Mode verschwunden. Gegenwärtig werden P., de-
ren bis zur täuschendsten Natürlichkeit vervollkomm-
nete Herstellung zu einem nicht unbedeutenden In-
dustriezweige in Paris und andern, auch deutschen
Großstädten erwachsen ist, nur noch zur Verdeckung
der Kahlköpfigkeit getragen. In England jedoch hat
sich die gepuderte Allongeperücke als Symbol der
Amtsfeierlichkeit bei bürgerlichen Würdenträgern
in Gebrauch erhalten. (S. auch Haartracht, Haar-
arbeiten.) - Vgl. Nicolai, über den Gebrauch dcr
falschen Haare und P. (Berl. 1801).