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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Peseta; Pesne; Peso; Pessarium; Pessimismus; Pessinus; Pest; Pest (Ort); Pestalozzi

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Peseta – Pestalozzi

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Pescia'

Visconti, das Kastell Bareglia ist Ruine. 7 km östlich die Bäder von Montecatini di Val di Nievole.

Peseta, seit 1871 die gesetzliche span. Geldeinheit, welche dem franz. Frank (s. d.) ganz gleich sein soll, thatsächlich aber etwas geringer ist und in 100 Centimos geteilt wird. Vorher war die P. ein span. Silbermünzstück, ein Fünftel des Piasters (s. d.).

Pesne (spr. pähn), Antoine, franz. Maler, geb. 23. Mai 1683 zu Paris, war Neffe und Schüler von Ch. de la Fosse, ging dann nach Neapel, Venedig und Rom, wurde 1710 als Hofmaler nach Berlin berufen und 1711, als er ankam, zum Direktor der Kunstakademie ernannt, 1720 auch Mitglied der Pariser Akademie. Er machte Reisen nach England und Frankreich und starb 5. Aug. 1757 in Berlin. P. malte viele Wand- und Deckenbilder in den preuß. Königsschlössern, von Geschichtsbildern u. a. Die Gründung des Schwarzen Adlerordens im königl. Schloß zu Berlin, zeichnete sich aber mehr als Maler kräftig modellierter, schönfarbiger Bildnisse aus. Zu seinen besten Bildnissen gehören: Friedrich d. Gr., der Kupferstecher G. F. Schmidt mit seiner Gattin (Berlin, Museum): Ch. Et. Jordan, Friedrichs d. Gr. Freund, G. A. Gotter mit seiner Nichte in Pilgertracht, die Tänzerin Reggiani (sämtlich im Besitz des Deutschen Kaisers).

Peso (vom lat. pensum, das Gewogene, im Italienischen, Spanischen und Portugiesischen: Gewicht, Last, Stück), der span. Name der größten frühern span. Silbermünze (P. duro oder fuerte, harter oder schwerer P., hiernach gewöhnlich abgekürzt auch nur Duro genannt), welche in Mexiko noch jetzt geprägt wird (s. Adlerdollar), während sie unter Beibehaltung des Namens in Spanien selbst und in den meisten span.-amerik. Freistaaten einer dem franz. silbernen Fünffrankenstücke gleichstehenden Münze Platz gemacht hat. (S. auch Boliviano, Escudillo, Frank und Piaster und die Tabelle: Münzen und Münzsysteme zum Artikel Münze und Münzwesen.)

Pessarium (lat.), Mutterkranz, ein elastisches ring- oder hebelförmiges Instrument, das die herabgesunkene oder sonst abnorm gelagerte Gebärmutter in normaler Lage erhält. (S. Gebärmutterkrankheiten.)

Pessimismus, s. Optimismus.

Pessinus, Stadt in Galatien, s. Balahissar.

Pest oder Pestilenz (vom lat. pestis, pestilentia), in der Volkssprache jede bösartige, weitausgebreitete Seuche, Epidemie (s. d.), und in diesem Sinne wird das Wort auch von den alten Schriftstellern gebraucht. Die erste Weltseuche, die sichern Nachrichten zufolge der im heutigen und engern Sinne so genannten P., der Drüsen- oder Beulenpest, gleich war, ist die, welche von 542 n. Chr. an, vom Orient ausgehend, ein halbes Jahrhundert lang Europa entvölkerte (Justinianische P.). Aus dem Mittelalter (dem 14. Jahrh.) sind die unter dem Namen des Schwarzen Todes (s. d.) beschriebenen Pestepidemien am meisten bekannt geworden.

Die Drüsenpest, Beulen- oder Bubonenpest, orientalische P. (pestis orientalis, inguinalis) ist eine fieberhafte Infektionskrankheit, die sich auszeichnet durch das Auftreten von brandigen Beulen (Pestkarbunkel) in der Haut und brandiger Entzündung und Vereiterung der Lymphdrüsen (Pestbeulen, Pestbubonen), namentlich der Leistengegend, seltener der Achselhöhle und der Unterkiefergegend. Die äußere Erscheinung der Kranken erinnert nicht selten an Typhus, weshalb man die ↔ Affektion wohl auch als Bubonentyphus bezeichnet hat. Die Krankheit pflanzt sich nur durch Ansteckung fort und bricht gewöhnlich zwei bis fünf Tage nach der Aufnahme des noch unbekannten Kontagiums aus. Das Bild der Krankheit ist ein höchst mannigfaltiges. Nachdem sich die Kranken ein bis drei Tage äußerst matt gefühlt, tritt heftiges Fieber mit lebhaften Delirien auf, und wenn dies nach wenig Tagen den höchsten Grad erreicht hat, bilden sich die Beulen- und Drüsenschwellungen. In günstigen Fällen brechen nach drei bis sechs Tagen einzelne Lymphdrüsen auf, es entleert sich Eiter und nach einem reichlichen Schweißausbruch erfolgt die Genesung; bei ungünstigem Verlauf stellt sich unter Steigerung der Allgemeinerscheinungen, unter Hirnzufallen oder Erscheinungen der Blutvergiftung nach drei bis vier Tagen der Tod ein. Die Epidemien, die bloß einige Wochen, aber auch ein Jahr und länger anhalten können, sind äußerst mörderisch. Von den Befallenen sterben oft zwei Drittel, so daß ganze Städte und Gegenden veröden. Wer in Pestgegenden leben muß, isoliere sich möglichst von den ärmern und unsaubern Volksklassen, vermeide jeden Verkehr mit Pestkranken und hüte sich vor Excessen jedweder Art. Hinsichtlich der Behandlung der Pestkranken, welche vorwiegend eine diätetische sein soll, sorge man durch ausgiebige Ventilation für gute reine Luft und behandle das Fieber durch kalte Einpackungen und Bäder, Limonaden und andere kühlende Mittel; die drohende Herzschwäche ist durch starke Reizmittel (Wein, Kaffee, Äther, Kampfer) zu bekämpfen.

Die Heimat der P. ist der Orient, namentlich Unterägypten, doch zeigt sie sich jetzt auch dort fast ganz erloschen, seitdem die Sümpfe und Unratstätten in Alexandria beseitigt worden sind. Nachdem es eine Zeit lang schien, als ob die P. vollständig vom Erdboden verschwunden sei, tauchte sie neuerdings unerwartet wieder in einzelnen größern Epidemien in Mesopotamien, Persien und unter den nomadisierenden Arabern der tripolitanischen Küste sowie 1879 im Gouvernement Astrachan auf. Die Quarantänen gewährten nur einen ungenügenden Schutz gegen das Einschleppen der Krankheit; am meisten hat sich die Vernichtung der Leichen, der verdächtigen Habseligkeiten und womöglich auch der Häuser durch Feuer bewährt. – Vgl. auch Tholozan, Histoire de la peste bubonique en Mésopotamie (Par. 1874); ders., Les trois dernières épidémies de peste du Caucase (ebd. 1879); Hirsch, Handbuch der histor.-geogr. Pathologie, Bd. 1 (2. Aufl., Stuttg. 1881).

Pest (spr. pescht) oder Pesth, der auf dem linken Ufer der Donau liegende Teil von Budapest (s. d.). P. war vor dem Tatareneinfall (1242) eine deutsche Ortschaft und erhob sich erst im 19. Jahrh. zur größten Stadt Ungarns.

Pestalozzi, Joh. Heinr., Pädagog, geb. 12. Jan. 1746 zu Zürich als Sohn eines Arztes, wurde von der Mutter erzogen, da der Vater frühzeitig starb, studierte Sprachen und Theologie, wandte sich aber später dem Studium der Rechte zu. Veranlaßt durch Rousseaus «Émile» und eine schwere Krankheit, verbrannte er nach seiner Genesung seine litterar. Sammlungen, wurde Landmann, kaufte im Herbst 1768 bei Birr im Aargau ein Grundstück, das er Neuhof nannte, und bewirtschaftete es. 1709 verheiratete er sich mit Anna Schultheß, einer Kaufmannstochter aus Zürich. In seinen ländlichen Verhältnissen lernte er das sittliche Elend des Volks kennen, und voll Erbarmen und Mut

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 6.