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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Phokos - Phonisches Rad
Phokos, in der griech. Mythologie Sohn des
Aiakos und der Nereide Psamathe. Seine Stief-
brüder Telamon und Peleus töteten ihn, von ihrer
Mutter Ende'is ausgereizt, weil er sie in den Kampf-
spielen besiegt hatte. Um den Tod ihres Sohnes zu
rächen, sandte Psamathe einen Wolf, der die Herden
des Peleus vernichtete, später aber auf die Bitte der
Thetis in Stein verwandelt wurde.
Phokylides, gricch.Gnomendichter im6.Jahrh.
v. Chr., aus Milet, faßte seine Sprüche, Lebens-
regeln in kürzester Form, meist in ein paar Versen
zusammen. Mit Unrecht galt er früher auch als
Verfasser eines Sittengedichts, das der Sprache und
dem Inhalt nach dem 1. Jahrh. v. Chr. angehört
und von einem griechisch gebildeten Juden herrührt.
Die echten Fragmente und das Gedicht finden sich
in Bergks "?06w6 I^rici ZraLci", Bd. 2 (4. Aufl.,
Lpz. 1882). Eine dentsche metrische Übersetzung
lieferte Nickel (mit dem Urtext, Mainz 1833). -
Vgl. Bernays, Über das Phokylideische Gedicht
(Berl. 1856); ders., Gesammelte Abhandlungen, Vd.1
riioiHS, s. Bohrmuschel. Werl. 1885).
Pholögandros (Polykandros), kleine Insel
der Cykladen, östlich von Melos, fruchtbar im Westen,
mit .Hafen und Stadt im Osten und geringen Resten
des Altertums, hat 36 hkm und (1889) 826 E.
Pholoe, im Altertum die heute Käpellis ge-
nannte ebene Hochfläche (700 m) im östl. Teil von
Elis, an der Grenze Arkadiens. Sie ist fast gänz-
lich von Eichenwäldern bedeckt. Im alten Mythus
war hier der Tummelplatz der Kentauren.
Photos, Sohn des Seilcnos und einer melischen
Nymphe, ein Kentaur, der am Berge Pholoe wohnte.
Als Herakles zur Erlegung des erymanthischen Ebers
auszog, kehrte er bei P. ein und wurde gastlich mit
gebratenem Fleisch bewirtet. Jedoch wagte P. nicht,
für den dürstenden Herakles das gemeinschaftliche
Weinfaß der Kentauren zu öffnen. Als dieser es
selbst that, wurde er von den übrigen Kentauren
angegriffen, trieb sie aber mit Feuerbränden und
Pfeilschüssen zurück. Auch P. starb dabei, da er
sich mit dem aus dem Leibe eines Kentauren ge-
zogenen Pfeile den Fuß verletzt hatte, und wurde
von Herakles bestattet. ftung, Aussprache.
Phonation (vom grch. PQ0N6, Laut), Lautbil-
Phonautograph (grch.) oder Vibrograph
("Ton- oder Schwingungsaufschreiber"), in der Aku-
stik jede Vorrichtung, welche die Schwingungen der
tönenden Körper durch eine von letztern ausgehende
Schrift ersichtlich macht. Der einfachste P. stammt
von W. Weber (1830) und besteht im wesentlichen
darin, daß ein am tönenden Körper befestigtes Me-
tallfederchen an einem daran vorbeigezogenen be-
ruhten Glasstreifen seine Schwingungen einradiert.
Ähnlich werden auf beruhten und schraubenförmig
rotierenden Cylinderflüchen die Schwingungen durch
Wegnehmen des Rußes mittels eines Federchens
martiert. Die so erhaltenen Wellenlinien heihen
Tonschriften, Phonautogramme oder Vibro-
gramme. Auch die Schwingungen der Luft, z. V.
in Pfeifen, kann man zur Anschauung bringen, indem
man einen Schalltrichter mit einer Membran über-
spannt, an letztere ein Federchen klebt und durch die
Schwingungen der Membran, die durch die tönende
Pfeife erregt werden, auf die berußte Trommel schrei-
ben läßt. Diese letztere Vorrichtung wurde von
Scott und Koenig zu mannigfaltigen Studien, auch
zur Vokalanalyse angewendet. (S. Tafel: Schall,
Fig. 4 u. 7.) Auf dem Princip des P. beruht das
Grammophon (s. d.) und der Phonograph (s. d.). -
Vgl. Pisko, Neuere Apparate der Akustik (Wien
1865); Koenig, Hu6igii68 exyLlieuces ä'2.cou8ti<iu6
(Par. 1882).
Phonetik (grch.), die Lehre von den Lauten der
menschlichen Sprache (s. Laut); phonetisch, auf
den öaut bezüglich, dem Laut entsprechend. Phone-
tische Schrift bezeichnet erstens eine Schrift, die
für jeden einzelnen Laut ein besonderes Zeichen be-
sitzt, im Gegensatz zu Silben- und Wortschrift, die
nur für je eine Silbe oder je ein ganzes Wort ein
eigenes Zeichen hat (z. B. die chinef. Schrift, ge-
wisse Hieroglyphenschriften), zweitens eine Schreib-
weise, welche die herrschende Aussprache genau durch
die Schrift wiederzugeben sucht, während die sog.
histor. Orthographie eine Schreibweise, die früher der
Aussprache gemäß war, allmählich aber zu der wirk-
lichen Lautgebung in Widerspruch gekommen ist, fort-
pflanzt wie z. V. die engl. und die franz. Orthographie.
Versuche, Alphabete aufzustellen, mit denen man im
gegebenen Falle jede beliebige Sprache phonetisch
aenau auszeichnen könne, sind öfter gemacht, der be-
kannteste von Lepsius, "3tanäa.rä alp1iad6t lor r6>
äuciuF un^rittku lHNFu^68 auä koreiFn ßrapkie
8V8t6lli3 to 3. uniform ortüoFi-Hpii^ iu Nuropkkm
lettm'Z" (2. Aufl., Lond. 1863). Muren.
Phönicutfchwefelfäure, s. Indigblauschwefel-
?kobniooptsru8, Vogelgattung, s. Flamingo.
Phönik (grch.), die Lehre vom Schall (s. d.).
Phöttikieu, foviel wie Phönizien.
Phonisch (grch.), auf die Stimme bezüglich;
phonischer Ort, der Ort eines schallenden Kör-
pers: phonischer Mittelpunkt, s. Mittelpunkt.
Phonifches Rad, ein von Paul La Cour 1875
erfundener Elektromotor, der mit möglichster Regel-
mäßigkeit rotiert. Der Apparat (s. nachstehende
Figur) besteht aus einem kleinen Zahnrad li.
von weichem Eisen, das vor dem Pol? eines
Elektromagneten N um eine lotrechte Achse x sehr
leicht drehbar ist. Hierbei liegen die Zähne dem
Magnetpol ? äußerst nahe. Beschickt man den
Elektromagneten N mittels schnell und regelmäßig
unterbrochener elektrischer Ströme und versetzt das
Eisenrädchen li derart in Rotation, daß für jeden
Stromschluß ein Zahn an dem Magnet vorbeigeht,
so wird seine Rotationsgeschwindigkeit erhalten, da
bei jeder Verzögerung derselben durch den Magnet
eine Beschleunigung bewirkt wird und umgekehrt.
Die Regelmäßigkeit dieser schnellen Rotation wird
noch weiter durch Aufsetzen eines eigentümlichen
Schwungrades sichergestellt, das im wesentlichen
aus einer verschlossenen Dose v besteht, in deren
innerer ringförmiger Höhlung sich Quecksilber be-
findet. Die regelmäßigen Unterbrechungen und
Wiederherstellungen des elektrischen Stroms be-
wirkt eine eingeschaltete Stimmgabel nach Art eines
Wagnerschen Hammers. Nach La Cour nennt man
elektrische Ströme, die in solcher Weise durch Hilfe
schwingender Stimmgabeln regelmäßig unterbrochen