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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Photographie

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Photographie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Photogrammetrie'

von Hartl konstruierte Phototheodolit ist auf Tafel: Photographie II, Fig. 10 abgebildet. An dem photogrammetrisch aufzunehmenden Gegenstand müssen eine genügende Anzahl von Punkten durch anderweitige direkte Messung ihrer Lage nach genau bestimmt und auch äußerlich leicht sichtbar gemacht werden, damit sie im photogr. Bild leicht wieder aufgefunden werden können, um für die graphische Konstruktion den erforderlichen festen Anhalt zu bieten. An Ort und Stelle ist dann nur mit der horizontal gestellten Kammer der betreffende Gegenstand von zwei Standpunkten aus abzubilden, deren Entfernung bekannt ist. Die Konstruktion des geometr. Bildes kann dann zu jeder beliebigen Zeit, an jedem Ort und von jeder Person ausgeführt werden. Das ganze Verfahren eignet sich wohl am meisten zur Darstellung von Gegenständen der Architektur u. dgl. und liefert hier durchaus befriedigende Resultate. Auch für Terrainaufnahmen ist dasselbe bereits mehrfach versucht worden. Die angestellten Versuche haben eine wirkliche Brauchbarkeit der P. nur für die Aufnahme des waldfreien Hochgebirges ergeben, und hier, wo die Arbeit mit andern Meßinstrumenten sehr schwierig ist, kann dieselbe auch mit großem Vorteil angewendet werden. In größerm Umfange ist die P. in Italien durch das militärgeogr. Institut bei Aufnahme der Hochalpen unter der Bezeichnung Phototopographie angewendet und seit 1885 offiziell angenommen worden. - Vgl. Stein, Das Licht im Dienste wissenschaftlicher Forschung, Bd. 2, Heft 5 (2. Aufl., Halle 1887); Koppe, Die P. oder Bildmeßkunst (Weim. 1889): Poganini, La Fototopografia in Italia (Rom 1889); Steiner, Die Photographie im Dienste des Ingenieurs, ein Lehrbuch der P. (Wien 1891); Schiffner, Die photogr. Meßkunst (Halle 1892); Wang, Die P. oder Bildmeßkunst im Dienste des Forsttechnikers (Laibach 1893).

Photographie (vom grch. phōs, Licht, und gráphein, schreiben, zeichnen), Lichtbildkunst, Lichtbildnerei, die Kunst, mit Hilfe der chem. Wirkungen des Lichts ein bleibendes Bild eines Objekts auf einer chemisch präparierten Fläche herzustellen.

Geschichtliches. Bereits vor Jahrhunderten war den Alchimisten die Eigenschaft des Chlorsilbers oder, wie sie es nannten, des Hornsilbers bekannt, sich im Lichte zu färben. Ein deutscher Arzt, Johann Heinrich Schultze in Halle a. S., machte 1727 den ersten Versuch, in einer undurchsichtigen Schablone ausgeschnittene, durchsichtige Schriftzüge auf einen silberhaltigen Niederschlag mit Hilfe des Sonnenlichts zu kopieren. Die Versuche fanden keine Beachtung. 1802 versuchten Wedgewood und Davy Bilder durch chem. Wirkung des Lichts zu fertigen. Sie badeten ein Stück Papier in Silberauflösung und legten es mit einem dunkeln Gegenstände, z. B. einer Silhouette, bedeckt in die Sonne. Alle Stellen, die nicht durch die dunkle Silhouette geschützt waren, färbten sich dabei braun, die andern blieben weiß, und so erhielten sie ein weißes Bild der Silhouette auf braunem Grunde. Doch waren diese Bilder nicht von langer Dauer. Der hell gebliebene Teil schwärzte sich später durch weitere Einwirkung des Lichts, und so verschwand das Bild durch Einfluß desselben Agens, welchem es seine Erzeugung verdankte. Nach der Methode von Wedgewood und Davy konnten nur flache Gegenstände, die mit dem empfindlichen Papier zusammengepreßt in die Sonne gelegt wurden, kopiert ↔ werden, z. B. Blätter, Spitzen u. s. w.: Nicephore Niepce (s. d.) ging einen Schritt weiter, indem er die Aufnahme körperlicher Gegenstände versuchte. Dies gelang ihm mit Hilfe der Camera obscura (s. d.). Niepce benutzte ein anderes lichtempfindliches Präparat als Davy und Wedgewood, eine Auslösung von Asphalt in Lavendelöl. Mit solcher Lösung überzog er eine Metallplatte und exponierte dieselbe in der Camera stundenlang. Alle vom Licht getroffenen Stellen des Überzugs wurden dadurch unlöslich, blieben bei nachherigem Behandeln der Platte mit ätherischen Ölen zurück und lieferten ein Bild. So erzeugte Niepce schon 1826 unvollkommene Lichtbilder, die ihm zur Anfertigung der ersten Heliographien (s. d.) dienten. 1829 verband sich Niepce mit Daguerre, und beide Männer arbeiteten gemeinschaftlich bis 1833, wo Niepce starb. Daguerre wurde der alleinige Erbe seiner Ideen, und wenige Jahre nach Niepces Tode 1838 löste er das große Problem, mit Hilfe des Lichts auf eine einfache, leicht ausführbare Weise dauerhafte Bilder herzustellen. Durch Verwendung Aragos wurde Daguerre veranlaßt, sein Verfahren zu veröffentlichen, und ihm dafür eine lebenslängliche jährliche Pension von 6000 Frs. von seiten der Regierung ausgesetzt. Am 19. Aug. 1839 wurde das Geheimnis der Erzeugung dieser Bilder in der öffentlichen Sitzung der Pariser Akademie der Welt offenbart.

Daguerre wandte als lichtempfindliche Substanz das Jodsilber an, welches er durch Räuchern einer Silberplatte in Joddämpfen erzeugte. Der Lichteindruck, den eine solche Jodsilberplatte in der Camera annimmt, ist anfangs nicht sichtbar; sobald aber die Platte Quecksilberdämpfen ausgesetzt wird, erscheint das Bild in allen seinen Details, indem das Quecksilber sich in feinen Kügelchen nur an den Stellen niederschlägt, auf welche das Licht gewirkt bat, und um so stärker, je kräftiger diese Wirkung des Lichts war. Während alle Experimentatoren vor Daguerre durch Wirkung des Lichts allein sogleich ein sichtbares Bild zu erbalten suchten und zu diesem Zwecke stundenlang belichten mußten, machte er einen, durch eine kurze Belichtungszeit entstandenen, an und für sich noch unsichtbaren Lichteindruck durch Einführung einer sekundären Operation, der sog. Hervorrufung oder Entwicklung sichtbar. Auf diese Weise hatte er nur nötig, ganz kurze Zeit zu belichten, um ein Bild zu erhalten; dadurch wurde die P. erst für unruhige Gegenstände möglich. Das entwickelte Bild wurde lichtbeständig gemacht (fixiert) durch Entfernung des lichtempfindlichen Jodsilbers mittels einer Lösung von unterschwefligsaurem Natrium. Um dieselbe Zeit, als Daguerre sein erstes Bild der Pariser Akademie vorlegte, im Frühjahr 1839, machte Talbot der Londoner Roval Society Mitteilung über eine Methode, Bilder mit Hilfe des Lichts zu vervielfältigen. Anknüpfend an Wedgewoods Versuche nahm er mit Kochsalz imprägniertes Papier, ließ dieses auf einer Silberauflösung schwimmen und legte das so mit Chlorsilber und salpetersaurem Silberoxyd getränkte Papier, das bedeutend lichtempfindlicher ist als das Wedgewoodsche, mit dem zu kopierenden Kupferstich bedeckt in die Sonne. Diese scheint durch alle weißen Stellen des Bildes hindurch, färbt die darunter liegenden Teile schwarz, und so entsteht ein weißes Bild auf schwarzem Grunde, ein Negativ, welches nach dem Fixieren (s. oben) in ganz gleicher Weise wie der Kupferstich, mit einem zweiten Stück empfind-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 114.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 114.