Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

160
Pirna - Pirole
Nebenlinie Biebermühle - P. (7,2 km) der Pfalz.
Eisenbahn, Sitz des Bezirksamtes, eines Amts-
gerichts (Landgericht Zweibrücken) und einer Reichs'
banknebenstelle, hatte 1885: 14938,1890: 21041
(10 649 männl., 10392 wcibl.)
E., darunter 6064 Katholiken
und 380 Israeliten, Postamt,
Stadtpostexpedition, Telegraph, !
Fernsprecheinrichtung, Bezirks- ^
gremium, evang. Kirche mit dem ,
schönen Monument des Land-
grasen Ludwig IX. von Dessen,
Stadthaus und mehrere große
Schulgebäude, Progymnasium,
Realschule, höhere Mädchenschule, Vorschuhvercin,
Filiale der Pfälzischen Bank, Agentur der Bay-
rischen Notenbank; bedeutende Schuhwarenfabri-
kation (über 100 Fabriken), 15 Lederfabriken und
Gerbereien, Jahrmärkte. - P. (im Mittelaltcr
^Hncti I^irminii LeäLs) gehörte früher zu der Graf-
schaft Hanau-Lichtenberg, die 1736 durch Heirat an
Hessen - Darmstadt kam. P. ist bekannt durch den
Sieg der Preußen unter dem Herzog Karl Wilhelm
Ferdiuand von Vraunschweig 14. ^ept. 1793 über
die franz. Moselarmce. - Vgl. P. und Kaiserslau-
tern, Bd. 16 der "Kriegsgerichtlichen Einzelschrif-
ten", hg. vom Großen Generalstab (Berl. 1894).
Pirna. 1) Amtshauptmaunschaft in der süchs.
Kreishauptmaunschaft Dresden, hat 906,06 ykm,
(1890) 122671 (59514 männl., 63157 weibl.) E.,
12 Städte und 160Landgcmeinden. - 2) Hauptstadt
der Amtshauptmannschaft P., in reizender Gegend
am linken Ufer der Elbe, in
die hier die Gottlenba mündet
und über die eine 1875 erbaute
Brücke führt, an den Linien
Dresden - Vodenbach, Kamcnz-
P. (45,7 km) und den Neben-
linien P.-Grohcotta (8,2 km)
und P.-Verggießhübel (14,0
Km) der Sachs. Staatsbahnen
(2 Bahnhöfe), Sitz der Amts-
hauptmannschaft und eines Amtsgerichts (Land-
gericht Dresden). P. hat (1890) 13852 (7419 männl.,
6433 weibl.), darunter 1004 kath. E. und 45 Israe-
liten, in Garnison das Feldartillerieregiment Nr. 28,
Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrich-
tung, Hospital, Denkmal des Komponisten Julius
Otto, Hauptkirche (13. Jahrh.), 1889 renoviert, Kirche
des 1300 gestifteten Dominikanerklosters, feit 1834
Warenmagazin, schöne kath. Kirche (1867), Schloß
Sonnen st ein mit Irrenanstalt, Rathaus, 1878
umgebaut, Realschule mit Progymnasium, Bürger-
schule, private böherc Mädchenschule, Lehrerseminar,
Handelsschule, Arbeitsschule für Mädchen, städtisches
Museum (vereinigt mit dem des Gebirgsvereins),
Waisenhaus, Korrcktions- und Vcrsorgungsanstalt,
Armen- und Krankenhaus; ferner Gerbereien, Fa-
briken für Sprit, ätherische Ole und Essenzen, email-
lierte Blcchgeschirre, Cigarren, Töpferwaren, Hüte,
Malz und Tafelglas, Brauereien, Sandsteinbrüche,
Schiffbau, Echisfabrt sowie Handel mit Holz, Kalk,
Braunkohlen und Sandstein.
Die Stadt wird zuerst 1244 urkundlich erwähnt.
Ort und Gegend waren ursprünglich mit Böhmen
verbunden und gelangten später an Markgraf Hein-
rich den Erlauchten, der ihm Stadtrecht verlieh. 1291
erkaufte das Bistum Meißen Stadt und Schloß.
Von diesem erwarb es 1298 Böhmen; 1404 brachte
Markgraf Wilhelm I. P. als Pfand an sich, und seit-
dem blieb P. den Wettinern, wenngleich als böhm.
Lehn (bis 1806). Am 23. April 1639 erstürmten
die Schweden unter Baner die Stadt, nur das Schloß
hielt sich gegen eine lange Belagerung. Iin Sieben-
jährigen kriege wurde 17. Okt. 1756 die sächs. Armee
(17 000 Mann mit 150 Geschützen) in dem ver-
schanzten Lager von P. von 37200 Preußen ein-
geschlossen und gefangen. Auch 1813 hatte die
Stadt viel zu leiden. - Vgl. Urkundenbuch der
Städte Dresden und P. (im "l^oclex äipimnaticuL
8axoniü6 i-6Fia6", II. Hauptteil, Bd. 5, Lpz.1876);
N. Hofmaun, Reformationsgeschichte der Stadt P.
(ebd. 1893).
Pirnari, Gebirge in Thrazien, s. Pangäos.
Pirnatza, Fluß^ s. Pamisos.
Pirogen (Piroggen), in Rußland übliche
Pasteten aus Hefenteig mit Füllung von Fleisch,
Fisch, Pilzen, Eiern u. dgl.
Pirogen, Fahrzeuge, s. Piroguen.
Pirogow, auch Pirogoff, Nikolaj Iwano-
witsch, russ. Chirurg, geb. 25. (13.) Nov. 1810 in
Moskau, studierte in Moskau, Dorpat, Berlin und
Göttingen, wurde 1837 Professor der Chirurgie und
pathol. Anatomie in Dorpat, 1841 Professor der
Chirurgie an der Petersburger Medizinisch-Chirur-
gischen Akademie und wirkte als Kricgschirurg im
Kaukasus, 1854 in der Krim, 1870-71 im Deutsch-
Französischen Kriege und 1877-78 im Russisch-
Türkischen Kriege. 1857-61 war er Kurator erst des
Odessaer, dann des Kiewer Lehrbczirks. Er starb
7. Dez. (25. Nov.) 1881 in Petersburg. P. hat in
Rußland das streng wissenschaftliche, erperimcntelle
Studium der Medizin eingeführt; nach ihm benannt
ist die sog. P.schc Fußgelenkamputation. Berühmt
sind seine anatom. Forschungen an gefrorenen und
dann zersägten Leichen. P. schrieb: "^natoiniu.
topOArg^iiick LectioniduL per corpus Iiuinanuni
con^^wm 6w. i1w8trata" (Petersb. 1859), "Chi-
rurg. Anatomie der Arterienstämme und Fascien"
(Lpz. 1861), "Grundzüge der allgemeinen Kriegs-
chirurgie" (ebd. 1864), "Das Kriegssanitätswesen
nnd die Privathilfe auf dem Kriegsschauplatz in
Bulgarien 1877-78" (russisch Petersb. 1879; deutsch
Lpz. 1881) u. a. Außerdem veröffentlichte er päda-
gogische Abhandlungen (russisch Kiew 1861) und
"Lebensfragen. Tagebuch eines alten Arztes" (rus-
sisch in "Noi'^ko^ ^dornik", 1856; deutsch von
Aug. Fischer, Stuttg. 1894).
Piroguen oder Pirogen (span. piro^ua, ein
ursprünglich amerik.Wort), äus einem Baumstamm
gearbeitete große Ruderboote der Indianer Süd-
amerikas und der Südsec-Insulaner. Sie sind znm
Rudern und Segeln eingerichtet und sehr schnell.
Da die P. sehr schmal sind, würden sie bei seit-
lichem Winde und dem großen Segel leicht um-
schlagen, wenn man ihnen nicht durch sog. Aus-
lieger ein Gegengewicht gäbe.
?irö1a. ^., Wintergrün, Pflanzengattung
aus der Familie der Ericacecn (s. d.) mit nur weni-
gen Arten in der nördl. gemäßigten Zone, Kräuter
mit immergrünen einfachen Blättern und einzeln
oder in Trauben stehenden Blüten. Von den sieben
deutschen Arten findet sich in Wäldern häufig und
oft truppweise 1'. ininoi-^. (s. Tafel: Bicornen,
Fig. 3)^
Pirole (Oi-ioHä^s), Golddrosseln oder Gold-
amseln, eine den Nabenvögeln verwandte Vogel-
familie, die aus 5 Gattungen und 40 Arten besteht.