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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Piquet - Pirmasens
Verschiedenheit, sondern durch abwechselnd erböhte!
und vertiefte Stellen ein Muster erzeugt ist. Derselbe >
wird leinwandartig, aber mit zwei Ketten gewebt, !
deren obere aus feinerm Garn als die untere besteht. ^
DieVereinigung beider erfolgt an den gehörigenPunk-
ten dadurch, daß einzelne Fäden der untern Kette in ^
die obere hinausgehoben und in diese eingewebt wer-
den. Das Muster wird dadurch sichtbar, daft die
von den Bindungslinien eingeschlossenen Felder,
weil hier die beiden Ketten getrennt liegen, relief
artig hervortreten, während die Bindungslinien, in
welchen beide Ketten ein Gewebe ausmachen, wie
seine Furchen erscheinen. Mit Hilfe des Jacquard-
stuhls lassen sich so die kompliziertesten Muster er-
zielen. Bei ganz feinen Sorten bestebt die obere
Kette aus Seide. Der rauhe P. oder Pique-
barchent ist eine grobe Sorte, bei der die Unter-
seite geköpert und gleich dem Barchent geraubt wird.
P. wird zu Westen, Kragen, Manschetten, Unter-
röcken, Bettdecken, Lätzchen u. s. w. verwendet.
Piquet (frz.), s. Pikett und Piquetspiel.
Piquetberg, Bezirk in der nordwestl. Provinz
der Kapkolonie, mit 4488 hkm und (1891) 11587 E.,
darunter 6507 Weifte, liegt an der Atlantischen Küste,
nördlich von Kapstadt. Die Gegend am Großen
Vergswß vft ftuchtbar und produziert Getreide, Wein
und Tabak. Der Hauptort P. liegt am Hang eines
isolierten Bergrückens.
Piquetfpiel oder Rummelpiquet, ein Kar-
tenspiel unter zwei Personen, das mit der franz.
Karte zu 32 Blättern (wobei die Asse die höchsten
und die Sieben die niedrigsten Karten sind), oder
auch mit der deutschen Karte gespielt wird. Das
As zählt 11, die drei Figuren je 10 Augen und die !
übrigen Blatter je nach ihrer Bezeichnung. Das!
As sticht den König, dieser die Dame und so fort. l
Man fpielt das P. nach Points (Augen) oder nacb !
Partien. Im ersten Fall wird nach jedem Spiel die
Differenz in den Points der Spielenden ermittelt
und nach Übereinkommen bezahlt. Beim Spiel nach
Partien wird nur bis auf 100 oder 101 Augen ge-
spielt, und wer diese zuerst hat, ist der Gewinner.
Piquettenweine (spr. -kett-), Bezeicbnung für
franz. Tresterwein.
Piqueurs (frz., spr. -köhr), Hatzleute, in der
Jägersprache die Parforcejäger, die die Meute füh-
ren. - Nkn die spanischen P. (Picadores) s.Stier-
Piquieren, s. Pikieren. Gefechte.
Piracicaba, Stadt in dem brasil. Staate Eäo
Paulo, am Flusse P. und der Eisenbahn Säo Paulo-
P., mit etwa^i000 E. P. Hat Kaffeeausfuhr.
Pirano, Stadt in der österr. Bezirkshauptmann-
sckaft Capodistria in Istrien, auf einer Halbinsel
am Meerbusen P., Sitz eines Vezirksgern-Hts (108,85
<^(in, 18 909 E.), einer Hafen- und ^eesanitäts- !
deputation, ist terrassenförmig angelegt und hat
(!890) 7224, als Gemeinde 12^26 ital. (5., alte
Mauern, got. Hauptkirche, Minoritenkloster, Rat-
baus, Haupt- und Untcrrealschule, einen Hafen
(Mandrachio), Schiffswerften, Fischerei, Salzberci-
tung, Oliven- und Cyprcssenhaine, Weinpflanzun-
gen. Die Reede von P. ist durch den Sieg berühmt,
den die venct. Flotte 1177 gegen die mit der genue-
sischen vereinigte Flotte des Baisers Friedrich Bar-
barossa erfocht und infolgedessen der Doge Ziani
vom Papst den Ring bekam, mit welchem die Dogen
die jährliche Vermählung mit dem Meere feierten.
In der Nähe, im Grunde des bedeutenden Hafens
della Rosa (auch Porto-Glorioso), der die größte
Flotte aufnehmen könnte, merkwürdige Salzschläm-
mereien (^Hiine äs ^i^iois), die bedeutendsten in
Istrien; sie bedecken einen Flächenraum von 628 kg.
und liefern jährlich etwa 50 000 t Salz. Unweit
das Dorf Salvore mit einem für die Schiffahrt
besonders wichtigen Leuchtturm, dann die Stadt
Isola (s. d.). In der Umgegend von P. wird der
als Rivola bekannte Wein gebaut.
Pirat (grch. p6iillt63; lat. pirätg.), Seeräuber;
Piraterie, s. Seeraub.
Piräus, s. Peiraieus.
Pirawarth, s. Pyrawarth.
Piraya oder Karibenfifch (scrr^Hlnio pii-^H
6^v.), ein kleiner, nicht über 30 ein langer, dem
Karpfen verwandter Fisch aus der Familie derCha-
racinen, von gedrungener Karpfengestalt und mit
Fettflosse, aus den Flüssen Brasiliens und Guayanas.
Die P., meist in Mengen zusammenhaltend, sind
berüchtigt wegen der ungemeinen Gier, womit sie
vermittelst ihres scharfen Gebisses alles Tierische
anfallen und selbst groften Säugern und Menschen
sehr gefährlich werden, da sie das Fleisch bis auf die
Knochen den Lebenden abnagen. In dieselbe Familie
gehört der Haimora (Naeroäon tanira. Hl. .7>.),
ein Landsmann des P., wegen des Gebisses gleich-
falls gefürchtet, wegen des Fleisches hochgeschätzt.
Pirithous, s. Peirithoos.
Pirkheimer, Wilibalo, Humanist, Nürnberger
Patricier und Ratsherr, geb. 5. Dez. 1470 in Eich-
stätt, trat zuerst in die Dienste des Bischofs von
Eichstätt und studierte dann sieben Jahre lang zu
Padua und Pavia Humaniora und Rechtswissen-
schaft. Nach seiner Rückkehr nach Nürnberg wurde
P. 1497 in den Rat gewählt und war an verschiedenen
Gesandtschaften auf Reichstage und an Fürsten be-
teiligt. 1499 wurde ihm die Anführung der Nürn-
berger Truppen in dem unglücklichen sog. Schwaben-
kriege des Reichs gegen die Schweizer anvertraut.
(S. Schweiz.) Maximilian I., mit dem er hier in
persönliche Berührung trat, ernannte ihn zu seinem
Rat. Nachdem P. bis 1522 in öffentlichen Geschäften
gewirkt und besonders um Verbesserung des Schul-
wesens sich verdient gemacht hatte, zog er sich zurück
und starb 22. Dez. 1530. So günstig er die Anfänge
der Reformation betrachtete, so wenig entsprach ihr
Verlauf, namentlick" der stark demokratische Zug der
Bewegung, seiner Sinnesart. Die innigste Freund-
schaft verband P. mit Albrecht Dürer. Eine Samm-
lung seiner Werke (bistor., philol., theol., kirchenpolit.
Inhalts, Satiren, Briefe) gab Goldast (Franks. 1610)
heraus. - Vgl. F. Campe, Zum Andenken W. P.s
(Nürnb. 1818); K.Hagen, Deutschlands litterar,
und religiöse Verhältnisse im Reformationszeitalter,
Bd. 1 (Erlangen 1841); R. Hagen, W.P. in seinem
Verbältnis zum Humanismus und zur Reformation
(Nürnb.1882); Roth, W. P., ein Lebensbild (Halle
^.^7)' Drews, W. P.s Stellung zur Reformation
^pz. 1887).
über Charitas P., die Schwester Wilibald P.s,
Äbtissin zu St. Clara in Nürnberg, geb. 1466, gest.
1532, ebenfalls humanistisch gebildet und Freundin
des Konrad Celtis, vgl. Binder, Charitas P., Äbtissin
von St. Clara zu Nürnberg (2. Aufl., Freiburg 1878).
Pirkötein (spr. -schieln), Dorf, f. Vürgstein.
Pirmafens. 1) Bezirksamt im bayr.Reg.-Bez.
Pfalz, hat 752,55 <ikin und (1890) 57 360 (28601
männl., 28 759 weibl.) E. in 62 Gemeinden mit 166
Ortschaften, darunter 1 Stadt. - 2) Bezirksstadt
im Bezirksamt P., in gebirgiger Gegend, all der