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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Portugal (Geschichte)
Vertrag zu stände, der die Unabhängigkeit dieses Kaisertums anerkannte und bestimmte, daß die Kronen der beiden Länder nie auf einem Haupte vereinigt sein sollten.
Am 10. März 1826 starb Johann VI. Sein Sohn und Nachfolger Dom Pedro gab sofort dem Königreiche P. eine Konstitution, die Carta de lei vom 29. April 1826, dann verzichtete er 2. Mai 1826 auf die portug. Krone, übertrug sie auf seine siebenjährige Tochter Maria II. (s. d.) da Gloria und verlobte diese mit ihrem Oheim Miguel, den er Juli 1827 zum Regenten ernannte. Kaum war dieser jedoch Febr. 1828 in Lissabon angelangt, so hob er die Verfassung auf und ließ diesen Gewaltstreich durch die wiederberufenen alten Landstände (Cortes von Lamego) gutheißen und sich 30. Juni 1828 zum absoluten König von P. ausrufen. Bald war nur noch die Insel Terceira in der Azorengruppe der Königin Maria treu; in den übrigen Teilen der Monarchie hatte Miguel die Gewalt an sich gerissen und ward dabei von Spanien offen unterstützt. Indessen hatte Pedro April 1831 die brasil. Krone niedergelegt und rüstete sich, um seiner Tochter den portug. Thron wieder zu erkämpfen. Von Terceira aus landete er mit 12000 Mann an der Mündung des Douro. Oporto öffnete ihm 8. Juli 1832 ohne Widerstand die Thore, und hier behauptete er sich 13 Monate lang gegen alle Angriffe Dom Miguels. Dann sandte Pedro eine Expedition unter Graf Villaflor nach Algarve, die dort mit Jubel aufgenommen wurde, während gleichzeitig der engl. Kapitän Charles Napier beim Kap St. Vincent 3. Juli 1833 die Flotte Dom Miguels besiegte. Nun erhob sich überall die konstitutionelle Partei, und bereits 24. Juli kapitulierte das von Villaflor (Herzog von Terceira) und Napier eingeschlossene Lissabon, wo Maria II. 23. Sept. 1833 ihren Einzug hielt. Infolge der Quadrupelallianz vom 22. April 1834 erschien auch ein span. Hilfsheer, um der Königin Maria beizustehen. Dom Miguel erlitt eine entscheidende Niederlage bei Thomar 16. Mai und unterzeichnete den Vertrag von Evora, 26. Mai 1834, wonach er dem portug. Throne entsagte und sich verpflichtete, das Land auf immer zu verlassen. Dom Pedro führte die von ihm verliehene Verfassung vom April 1826 wieder in P. ein und ließ sich von den Cortes als Regent bestätigen, starb aber schon 24. Sept. 1834. Die junge Königin, Maria II. da Gloria, die kurz vorher für mündig erklärt worden war, vermählte sich 1835 mit dem Herzog August von Leuchtenberg und nach dessen baldigem Tode 1836 mit dem Prinzen Ferdinand von Sachsen-Coburg-Kohary.
Die Regierung der Königin Maria ist für P. als eine stürmische Vorschule des Verfassungslebens zu betrachten. Das Beispiel Spaniens mit seinen Pronunciamientos und Militärrevolutionen fand auch hier Nachahmung, nur daß die Kämpfe einen weniger blutigen Charakter trugen. Gegenüber der bestehenden Verfassung (Carta de lei) Dom Pedros vom April 1826 holte die Opposition die ältere demokratische Verfassung vom Sept. 1822 hervor, wonach sie als Septembristen (Radikale) bezeichnet wurden, während die Anhänger der Verfassung von 1826 Pedristen oder Cartisten (Konservative) genannt wurden. Den Septembristen gelang es durch die Schilderhebung vom 9. Sept. 1836, ans Staatsruder zu kommen; die Verfassung von 1822 wurde revidiert und 4. April 1833 von der Königin und dem König-Gemahl Ferdinand beschworen; eine allgemeine Amnestie krönte das Werk. Vier Jahre lang behaupteten die Septembristen die Obergewalt, bis der Justizminister Costa Cabral (Graf Thomar) sie Jan. 1842 durch eine Schilderhebung stürzte und die Charte von 1826 wiederherstellte. Im Mai 1846 brach von neuem eine Revolution aus, und Costa Cabral mußte aus dem Lande fliehen. Das neue Ministerium unter dem Herzog Palmella und dem Marschall Herzog von Saldanha war wieder cartistisch. Die Septembristen erhoben sich deshalb abermals, und es wurden schon republikanische Tendenzen laut, während sich gleichzeitig die Miguelisten regten. Da entschloß sich die Königin, auf Grund der Quadrupelallianz von 1834 die Hilfe der alliierten Mächte anzurufen. Ein engl. Geschwader nahm im Mai 1847 einen Teil der aufständischen Truppen gefangen; ein span. Hilfsheer unterdrückte die Erhebung vollends und besetzte 30. Juni 1847 Oporto. Bald nachher kehrte Costa Cabral aus der Verbannung zurück und gewann wieder großen Einfluß. Doch trat vorerst Marschall Saldanha im Dez. 1847 an die Spitze eines cartistischen Kabinetts, mußte aber im Juli 1849 dem Costa Cabral weichen. Die Folge war, daß nunmehr der ehrgeizige Saldanha sich den Septembristen näherte und April 1851 durch eine militär. Schilderhebung Costa Cabral stürzte. Saldanha zog 15. Mai 1851 in Lissabon ein, wurde Generalissimus und Präsident des Ministeriums und herrschte mit diktatorischer Willkür. Die Charte von 1826 blieb bestehen, ward jedoch, den Septembristen zu Gefallen, durch die Additionalakte vom 9. Juli 1852 modifiziert.
Am 15. Nov. 1853 starb Maria II. da Gloria, und es folgte ihr ältester Sohn Pedro V. unter der Vormundschaft seines Vaters, bis er 16. Sept. 1855 zur Volljährigkeit gelangte. Während dieser ganzen Zeit blieb Saldanha am Staatsruder, bis ihn endlich finanzielle Schwierigkeiten 1857 zum Rücktritt nötigten. Es folgte ein Kabinett von vormaligen Septembristen unter Vorsitz des Marquis von Loulé, das sich aber schon während der nächsten Cortessitzung in eine Art Koalitionsministerium umgestaltete, indem man mehrere gemäßigte Cartisten, besonders den Finanzminister d’Avila aufnahm, der sich durch Ausführung großer öffentlicher Arbeiten verdient machte. Trotzdem hatte das Ministerium Loulé-d’Avila schwere parlamentarische Kämpfe zu besteben, die mit dem Rücktritt des Kabinetts endigten. Am 16. Mai 1859 wurde ein neues Ministerium aus der sog. Partei der Regeneradores (Anhänger Saldanhas) gebildet, worin der Herzog von Terceira und nach dessen Tode (26. April 1860) der Staatsrat Aguiar den Vorsitz führte. Allein schon 4. Juli 1860 mußte auch dieses Kabinett vor einem Mißtrauensvotum zurücktreten. Nunmehr gelangten Loulé, d’Avila und deren Anhänger abermals an das Staatsruder, mußten aber schon 27. März 1861 wieder zu einer Auslösung der Cortes schreiten, um sich im Amte zu halten. Im Herbst desselben Jahres wurde die königl. Familie durch Todesfälle schwer heimgesucht. Infolge eines hitzigen Fiebers starben kurz nacheinander der König und zwei seiner Brüder, und Pedros nächstältester Bruder, König Ludwig I. (s. d.), bestieg 11. Nov. 1861 den Thron.
Im Innern gelang es dem Ministerium Loulé, verschiedene liberale Maßregeln durchzuführen. Ein Gesetz vom 19. Mai 1863 hob die sämtlichen Majorate auf, ausgenommen das Kronfideïkommiß des