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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Positionslaternen - Posse
Gegensatz zu den ihre Stellung häufiger wechseln-
den Manövriergeschützen. Zu den P. gehören
namentlich die Belagerungs- und Festungsgeschütze.
Positionslaternen/ die durch Art. 8 der
"Verordnung zur Verhütung des Znsammenstoßes
der Schisse auf See" für alle in Fahrt befindlichen
Schiffe vorgeschriebenen Scitenlichtcr. Die P. be-
stehen in einem grünen Licht an der Steuerbordseite
und einem roten an der Vackbordscite, die derart
mit Schirmen versehen sein müssen, das; man sie
von recht voraus bis zwei Strich achterlicher (s. Ach-
tern) als Dwars ls. d.) auf ihrer Seite sehen kann.
Segelschiffe unter Segel führen nur diese P., Dampfer
unter Dampf außerdem noch eine weiße sog. Topp -
laterne, die vor dem Fockmast an einem Stag
aufgeheißt wird und nach jeder Seite von vorn bis
zwei Strich achterlicher als Dwars scheint; diese
Laterne muß fünf Seemeilen weit sichtbar sein, wäh-
rend die P. mindestens auf zwei Seemeilen erkenn-
bar sein müssen. Alle vor Anker liegende)! Schisse
führen eine sog. Anker- oder Staglaterne, die
rings um den Horizont scheint und mindestens eine
Seemeile sichtbar sein muß. Die genannten Laternen
baben den Zweck, das Ausweichen der Schisse auf
See zu ermöglichen, was je nach der Lage, in der
die Lichter gesehen werden, nach bestimmten Regeln
stattfindet.
Positionsmikromcter, s. Fadenmikrometer.
Positionswinkcl, der Winkel, den der durch
zwei Sterne gelegte größte Kreis der Himmels-
kugel mit dem durch einen derselben gehenden Dckli-
nationskreis bildet. Der P. wird von Norden über
Osten, Süden und Westen von 0° bis 360° gezählt.
Positiv (lat.), in der Logik gleichbedeutend mit
affirmativ, bejahend. Das Positive heißt auch das
schlechthin thatsächlich Gegebene. PositivesRecht
heißt das Necht, sofern es thatsächlich gilt, im Gegen-
satz zu einem gedachten Natur- oder Vcrnunftrecht;
positive Religion, eine solche, die allein auf die
Thatsache der Offenbarung, nicht auf Vernunft-
aründe sich stützen will; ebenso wird positive
Theologie der rationalen oder natürlichen Theo-
logie (oder Neligionsphilosophie) gegenübergestellt.
- In der Arithmetik heißen P. zunächst die
ganzen Zahlen: 1, 2, 3... und dann überhaupt
jede Zahl, die zwischen 0 und einer derartigen ganzen
Zahl liegt. Man versieht die positiven Zahlen bäufig,
um sie als solche zu kennzeichnen, mit dem Zeichen
4- (Plus, s, d.). Durch Addition, Multiplikation
und Division erhält man aus positiven Zahlen
wieder positive; subtrahiert man jedoch eine posi-
tive Zahl von einer andern kleinern, so erhält man
eine negative Zahl. Die negativen Zahlen ver-
siebt man mit dem Zeichen - (Minus, s. d.); also
z. B. 7 von 4 abgezogen giebt -3. Positive und
negative Zahlen fapt man zusammen unter dem
Namen reelle Zahlen, im Gegensatz zu den
imaginären Zahlen. (S. Imaginär.) Inder
Geometrie lassen sich bei jeder Geraden zwei Rich-
tungen unterscheiden, und man bezeichnet häusig
die eine als positiv, die andere als negativ. Ferner
kann man bei jedem Winkel einen positiven und
negativen Drehungssinn annehmen, da man sich den
Winkel durch Drehung eines seiner beiden Schenkel
entstanden denken kann. - über P. in der Photo -
graphie s. d. (S. 114 d). j^s. Komparation.
Positiv, die ungesteigerte Form des Adjektivs,
Positiv, im Gegensatz zum Portativ (s. d.) eine
kleine nur ausstellbare (nicht tragbare) Orgel ohne
selbständiges Pedal; sie wurde früher in Kirchen
auf Nebenchören und in Zimmern gebraucht, nahm
also die Stelle des modernen Harmoniums ein.
Positivismus, Bezeichnung einer jeden Rich-
tung, die in der Philosophie in: Gegensatz zu einem
bis auf die letzten Gründe zurückgehenden spekula-
tiven Verfahren sich an dem bereits Ausgemachten
und Feststehenden (Positiven) genügen läßt. Ins-
besondere gebrauchte der Franzose Auguste Comte
(s. d.) diesen Ausdruck von der durch ibn begründe-
ten philos. und socialistischen Schule. - Vgl. Gruber,
Der P. vom Tode Aug. Comtes bis auf unsere Tage
(Freib. i. Br. 1891).
Positur (lat.), Stellung, Haltung.
I>08onium, lat. Name von Preßburg.
Posruckgcbirge, s. Ostalpcn ^ (Bd. 12,
S. 696 a).
Possagno (spr. -annjo), Dorf im Kreis Asolo
der ital. Provinz Treviso, 36 kni nordwestlich von
Treviso, am Ostsuß des Monte-Grappa und am
Valle Orcana, ist Geburtsort Canovas und hat
(1881) 1913 E., eine von Canova gebaute und der
Gemeinde geschenkte Kirche, dem Pc^vMevn in Rom
nachgebildet, mit Altarblatt und Grabmal von
Canova, dessen Geburtshaus Gipsabgüsse seiner
Skulpturen und Originalgcmälde enthält.
Possart, Ernst, Schauspieler, geb. 11. Mai 1841
in Berlin, war erst Lehrling in einer Buchhandlung
uud debütierte 1861 in Vreslau. 1862-63 spielte
er erste Charakterrollen in Bern und wurde 1863 für
das Hamburger Stadttheater engagiert, ging aber
schon im folgenden Jahre an die Hofbühne nach
München. 1873 wurde er hier Oberregisseur, 1878
Direktor des königl. Schauspiels und Professor, 1893
Generaldirektor der königl. Theater. Ihm dankt
München die Organisation der seit 1876 daselbst
bestehenden Theaterschule, ebenso die hervorragen-
den Gesamtgastspiele von 1880. Großes Aussehen
erregten die unter seiner Leitung inseenierten Muster-
aufführungen Wagnerschcr Werke im Münchener
Hoftheater (1893 und 1894). Nachan, Hamlet,
Narciß, Manfred (den er ebenso wie den Perikles
zuerst auf die deutsche Bühne brachte), Behrent
(von Vjörnson für ihn geschrieben), Shylock u. s. w.
gehören zu seineu besten Leistungen. P. verfaßte
auch Bearbeitungen verschiedener Shakespearescher
Dramen und ein System einer einheitlichen Aus-
sprache der deutschen Wörter.
Posse, auch Burleske, Farce, die dramat.
Gestaltung des niedrig oder derb Komischen. Sie
zeigt nicht Irrungen des Herzens und Verstandes,
sondern die komischen Zufälle und Verwicklungen
des gewöhnlichen Lebens, nicht Charakterentwick-
lung, sondern ^ituationswitz, und zwar so hand-
greiflich, daß die alten ital. Masken des Arlecchino,
Pierrot, Pantaleone, der Colombine oft nur panto-
mimisch auftraten. Die P. muß daher durchaus
im Naiven, derb Naturkräftigen, echt Volkstüm-
lichen wurzeln; denn es gilt, das Urgesunde und
das unverwüstlich Heitere einer Existenz darzustel-
len, in der noch gar kein Bruch zwischen Sinnlichem
und Geistigem eingetreten ist, der nicht sofort wieder
humoristisch aufgelöst werden könnte. Es ist daher
eine Entartung der P., wenn sich moralisierende
Sentimentalitäten in sie einmischen und wenn sie
aus dem naiv Komischen in das Gemeine fällt. Von
jenem Fehler ist der tressliche Raimund, von diesem
die Wiener und Berliner P. (Nestroy; Kalisch,
Mannstädt u. a.) nicht freizusprechen, die insofern