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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Postwesen
liche, unter die Verwaltung staatlicher Organe ge-
stellte Betriebseinrichtungen von unbedingter Regel-
mäßigkeit, Schnelligkeit, Billigkeit und unter Be-
wahrung des Briefgeheimnisses zu befriedigen. Über-
dies verlangt der internationale Charakter des P.
vielfache Vertragsabschlüsse, die unter Beachtung
der Grundsätze des Völkerrechts aufzustellen sind
und daher nur von den Staaten selbst vollzogen
werden können. Auch in nationalökonomischer Hin-
sicht ist der staatliche Betrieb des P. zweckmüßig,
weil nur dadurch alle einzelnen Landesteile in
gleicher Weise mit Posteinrichtungen bedacht werden
tonnen, deren Kosten eben von der Gesamtheit, d. h.
dem Staate, zu tragen sind.
Im Altertum fehlte es an Posten im jetzigen Sinn
gänzlich; vielmehr mußte man sich jahrtausendelang
zum Nachrichten- und Vriefverkehr der Boten und
Fuhläufer bedienen. In Vabylonien, 2'lgypten,
China, Griechenland, Rom und ebenso bei den
Inkas in Peru bestanden Boteneinrichtnngen, die
naturgemäß anfänglich nur zur Beförderung der Re-
gierungssachen und Befehle des Herrschers dienten,
nach und nach aber auch für Privatzwecke Verwen-
dung fanden. Von den griech. Botenlüufern (Hemero-
dromen) haben Deinosthenes aus Lacedämon, Phi-
loneides sowie Pheidippus, der den 1200 Stadien
(30 Meilen) langen Weg von Athen nach Lacedämon
in 24 Stunden durchlief, um den Einfall des Darius
dorthin zu melden, endlich Ladas eine gewisse Be-
rühmtheit erlangt. Cicero, Cäsar und Martial er-
wähnen der liburnischen Sklaven als tüchtiger Läufer
und Vriefboten in Rom (tab 6iI9.ru, von tadeiia
^ Vriestäfelchen). Cäfar fand in Gallien Ruf-
posten vor. Die Einrichtung reitender Voten (s. An-
garoi) bezeichnet einen großen Fortschritt für den
Kurierdienst. Zumeist fand das Pferd Anwendung,
aber auch der Maultiere bedienten sich die Eilboten
(Buch Esther 8,10,14). Später soll Antigonus bei
den kleinasiat. Kriegszügen den Eilboten Dromedare
gegeben haben, mit denen sie 1500 Stadien (37 Mei-
len) am Tage zurücklegen konnten. Zu größerer
Schnelligkeit der Beförderung standen auf den in
bestimmten Zwischenräumen errichteten Stationen
frische Reittiere bereit (sog. Relais); Alexanders d. Gr.
Boten machten den Weg vonProphthasia nach Ekba-
tana "auf schnell laufenden Kamelen" in 11 Tagen.
Den Römern blieb es, bei ibrer straffen Staats-
einheit, vorbehalten, den postmäßigen Gebrauch des
Pferdes nach dem Vorbild der Perfer im Abendlande
einzuführen. Die reitenden Kuriere Roms nannte
man vkreäarii (auch äi^iloinarii - mit Freipässen
Versehene). Solche reitende Boten hat, nach
Sueton, zuerst Cäsar aufgestellt (positi 6yuit68), um
Kriegsnachrichten zu befördern. Mit dem Wachs-
tum des röm. Weltreichs unter Augustus wurde
es nötig, zu dem Reise- und Nachrichtenverkehr
Wagen zu benutzen. Der älteste röm. Wagen ist
die riieäg., ursprünglich zweiräderig, später vier-
rüderig, auf der Cäsar große Strecken zurücklegte.
Schneller und leichter als die i-keäa. war das zwei-
räderige cisinni; die ckrucca (Luxuswagen) und das
cki-pßntuiu (Päckereiwagen) waren vierräderig; zum
Fortschaffen des Gepäcks der Soldaten dienten die
ci9.dni9.6 oder oladniai-ia vekicula (Leiterwagen).
Augustus brachte die vorhandenen Beförderungs-
mittel von Reitern und Fuhrwerken in geordneten
Zusammenhang; es ist dies der röm. Our8ii8 pudii-
eng, bei dem zur Beförderung der Fuhrwerke Pri-
vate herangezogen wurden. Die große Zahl der
Militärs, Staatsbeamten u. s. w., die auf Grund
von kaiserl. Freipässen (äipioinat^ und evectionss)
mit dem CUI-8U8 pudUcu8 sich befördern ließen, ge-
! staltete diese Leistung zu einem schweren Frondienst
der Landbewohner, der mit der Ausdehnung des
Reichs immer drückender wurde. Obeiauiichn der
röm. Staatspost war (im 3. Jahrh. n. Chr.) der
pr^lectuZ zn-NLtoi-io, unter ihm als Leiter für die
einzelnen Provinzen bestellt waren die prasfocti
! vOdicuIorum, diesen waren zugeteilt die princip68
! 3^6ntiuni in i-6du8, die plaLpositi und die cui'io8i
! (Kundschafter). Die Postmeister (mHU(;izi68) hatten
zugleich die Aufsicht über die an den einzelnen Sta-
! tionen (M3.N810Q68) befindlichen Staatsgedäude (M-
latia und praetoi-ia). Unter den niHncii)63 standen
! als Stationsbeamte und Diener die 8ta,tioiiai'ii und
! 8ti-Htc>i'68 (Stallaufseher), die oarpentarii, Wagen-
1 meister, und iuuli0ii68 und liippoooiui, Maultier-
^ und Pfcrdetreiber. Zwischen den iuHN8ion68 waren
> (in der Regel sechs bis acht) mi,itati0Q68, Pferde-
wcchselstationen u. s. w. eingerichtet.
^ Die drückende Last der Frondienste wurde zeit-
! weise von Kaiser Nerva gemildert, der den ital. Ge-
! meinden die Gestellung der Fuhren für den cui-3U8
Ml)1ic,u8 erließ; dann von Hadrian, der einen
Postengang aus fiskalischen Mitteln herstellte; da-
^ nach dauerten diese Bedrückungen der Gemeinden,
namentlich unter Commodus, Pertinax und Didius
Iulianus, fort. Die Mißbrauche waren schließlich,
trotz aller Gesetze gegen den Wucher mit den äipio-
niütg. (326 Konstantins Verordnung v6 commercio
an^riai-uiil intsräicto), so schreiend geworden, daß
Arcadius 401 allen, mit Ausnahme des pi^LiecwZ
pi'HLwrio, die Benutzung des cnr8u8 pudlicu3 ver-
schloß. Mehr und mehr ging letzterer dem Verfall
entgegen. Die beiden letzten Gesetze über den our8u8
I,ul>1icu8, dasjenige unter dem Kaiser Leo I. (457-
474), das die Aufhebung der Güter- und Gepäck-
post, curlM8 oiHdu^ri8, im Oströmischen Reiche ver-
fügte, und die I^ex ^.na8ta8iana,, welche die Be-
schränkung auf bloße Reitposten (cur8ii3 vslox) ein-
führte, bereiteten den Untergang des einst so groß-
artigen Veförderungsinstituts vor, der sich dann in
den Stürmen der Völkerwanderung vollzog. Offen-
bar war die röm. Staatspost mehr ein Negierungs-
z Werkzeug, doch hat sie vermöge der wetten Aus-
dehnung des röm. Weltreichs die Beziehungen Roms
mit sremden Ländern erleichtert und gefördert. Selbst
auf die Verbindungen zur See erstreckte sich die
Wirksamkeit der röm. Staatspost; mit den Post-
schiffcn konnten Nachrichten und Personen nach
Afrika, Kleinasien, Spanien u. s. w. gesandt wer-
den. Namentlich war der Hafen Roms, Ostia, der
Hauptplatz der Postschiffe, wo der cur^wi- puZilia-
tionig 6t ad N3.V63 VÄFH3, also der Hafen- und See-
postmeister, seinen amtlichen Sitz hatte. Ebenso
! hatten Rhegium, Vrundusium und Vyzanz regen
Seeverkehr. 562 versuchte Kaiser Iustinian noch
einmal den oui-8U8 -pudlicu8, in Gemeinschaft mit
den Sassaniden, neu zu beleben, indessen ohne durch-
greifenden Erfolg, zumal die alten herrlichen Vasalt-
l straßen, die von Rom bis Vyzanz und Antiochien,
sowie nördlich bis zum Pictenwall in Schottland
sich erstreckten, allmählich in Verfall gerieten.
Erst Chlodwig hat im Frankenreiche die Aus-
nutzung der Gemeinden für den Vorspann zu Ein-
richtungen, die dem röm. cur8u3 xudlicu" ähnlich
waren, wieder ins Werk zu setzen versucht. Karl
d. Gr. rief insbesondere drei regelmäßige Kurse