Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Preller (Friedr., Sohn) - Prenzlau
Währten in den folgenden Jahren reiche malerische
Ausbeute, zunächst die Rügenbilder: Hünengrab auf
Rügen (1841), Landschaft auf Rügen (1845), Rü-
gensche Küste (1849), dann die norwegischen, von wel-
chen drei sich im Museum zu Weimar, Norwegische
Brandung (1850) in der Dresdener Galerie, Norwe-
gische Küste (1853) in der Berliner Nationalgalerie,
die meisten aber als Geschenke der Großherzogin Ma-
ria Paulowna in Ruhland befinden. 1854 kehrte
P. zu den Odysseelandschaften zurück, deren Zahl
sich jetzt, abgesehen von einer weitgehenden Modifi-
kation der siebenHärtelschen Kompositionen, auf
sechzehn vcrmebrten. Die Kohlenzeicbnungen, welche
auf der Ausstellung in München 1858 einen durch-
schlagenden Erfolg errangen, befinden sich in der
Nationalgalerie zu Berlin. Er erhielt vom Groß-
herzog den Auftrag, die erwähnten Bilder aus der
Odyssee für das neu zu errichtende Museum aus-
zuführen, und weilte 1859-61 zu Vorstudien in Ita-
lien. Zunächst vollendete er von 1860 bis 1863 die
seit 1865 im Museum zu Leipzig befindlichen Kartons
in der Größe der Wandbilder. (Das letzte Bild des
Cyklus s. Tafel: Deutsche Kunst VII, Fig. 8.) In-
zwischen hatte P. noch Kalypsos Abschied und Leuko-
thea (zwei Bilder) für Echack in München und die
Nausikaa für die Galerie Raczynski in Berlin gemalt.
Die in Wachsfarben ausgeführten Bilder für das
Museum zu Weimar wurden 1868 vollendet und
ihnen dann noch eine gleiche Reihe von Sockelbildern
oder Predellen hinzugefügt, welche das Palast-
leben zu Itbaka in roten Fignren auf fchwarzem
Grunde darstellen. Nachdem P. noch wiederholt
(1869 und 1875) Italien bereist und seine Studien
noch in Werken verwertet hatte wie: Tanzende
Satyrn (1873), Nympbenraub durch einen Ken-
tauren (1874; Dresdener Galerie), Die badenden
Kentauren und ^ua aeetoza. (1874), Die Tempel
von Pästum (1875), starb er als Professor und Hof-
maler 23. April 1878 zu Weimar. Er hat auch eine
Reibe trefflicher Radierungen geliefert. P.s land-
schaftliche Skizzen zur Odyssee sind mehrfach in
photogr. Nachbildung erschienen, besonders von
Albert (Münch. 1864). Das Ganze ist auch in der
Prachtausgabe von Homers Odyssee mit 40 Ori-
ginalkompositionen von F. Preller (Lpz. 1862)
und Volksausgabe (ebd. 1881) verwertet. - Vgl.
R. Schöne, P.s Odysseelandschaften (Lpz. 1863);
Roquette, Friedrich P. (Franks, a. M. 1883); L. von
Donop in der "Allgemeinen Deutfchen Biographie"
(Lpz. 1888).
Preller,Friedr., Sohn des vorigen, geb. 1. Sept.
1838, Schüler seines Vaters, besuchte mit ibm 1859
Italien und lebte bis 1866 in Rom, siedelte dann
nach Dresden über und erhielt 1880 die Professur
der Landschaftsmalers an der dortigen Akademie.
P. schuf die Wandbilder für die Villa Eichel in
Eisenach (1870-71), in der Villa Meyer zu Dres-
den, in dcr Albrechtsburg in Meißen, im Dresdener
Theater. Die Dresdener Galerie besitzt von P.:
Das Kloster Sta. Echolastica bei Subiaco (1875),
das Museum in Leipzig: Landschaft mit Sappho
(1879); außerdem hat P. treffliche Zeichnungen klas-
sischer Landschaften geliefert. Im Sommer 1890
bereiste er Griechenland, um Studien zu vier großen
Wandbildern (Olympia, Athen, Ilion, Pergamon)
für das Albertinum in Dresden zu machen; 1891
wurden die Gemälde vollendet.
Preller, Ludw., Altertumsforscher, geb. 15. Sept.
1809 zu Hamburg, studierte in Leipzig und Berlin
Philologie, lebte dann einige Jahre zu Hamburg,
habilitierte sich hierauf zu Kiel, ging 1838 als ord.
Professor der Philologie nach Dorpat, nahm aber
bald seine Entlassung und lebte längere Zeit in
Italien, bis er 1844 nach Jena übersiedelte, wo er
1846 eine Professur erhielt. Noch in demselben
Jahre wurde er Oberbibliothekar in Weimar, wo er
21. Juni 1861 starb. P.s Hauptwerk ist die "Griech.
Mythologie" (2 Bde., Verl. 1854-55; 4. Aufl.,
von Robert, 1885 fg.). Ihr folgte die "Rom. Mytho-
logie" (Berl. 1858^3. Aufl., von Jordan, 1881 fg.).
Ferner schrieb er: "Demeter und Persephone" (Hamb.
! 1837), "v6 IleiiHnico I.68l)io" (Dorp. 1840), "Die
! Regionen der Stadt Rom" (Jena 1846), "über die
! Bedeutung des Schwarzen Meers für den Verkehr
! und den Handel der Alten Welt" (Dorp. 1842) u.s.w.
! und gab mit Ritter die "Iliätoria pdiIo8opkiÄ6
^ FI-Ä6(^6 6t romln^e" (Hamb. 1838; 7. Aufl., von
Schultch, 2 Tle., Gotha 1886 - 88) heraus. Eine
Anzahl "Ausgewählte Aufsätze" veröffentlichte R.
Köbler (Berl. 1864).
Prellschuß, s. Rikoschettschuh.
Prellsteine, s. Abweiser.
Premier (srz., spr. -mieh), der Erste; abgekürzt
gebraucht für Premierminister (Ministerpräsident)
und Premierlieutenant; auch für Leitartikel.
Premiere (frz., spr. -miähre), die erste Auf-
führung eines Bühnenstückes.
Premierlieutenant, s. Lieutenant.
Premiervertikäl(srz.-lat., spr.-mieh'1, nautische
Vezeicknung des ersten Vertikalkreises, d. h. des
Höhenkreises, der, senkrecht zum Ortsmeridian, durch
den Ost- und Wcstpunkt des Horizonts geht.
Prömontre (spr. -mongtreh), Orden von, so-
viel wie Prämonstratenser (s. d.). ^(s. d.).
Premuda, dalmatin. Insel bei der Insel Selve
Premyfl (spr. psche-) auch Przemysl, nach der
Sage der Gemahl der Libussa (s. d.) und der Be-
gründer der Dynastie der Premysliden (s. Böhmen,
Bd. 3, S. 224). Mna (s. V.).
Prenestmo, I I, Beiname von G. P. da Pale-
Prenzlau. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Pots-
dam, hat 1133,2? qkm und (1890) 56 065 (27 953
mannl., 28112 weibl.) E., 3 Städte, 73 Landgemein-
den und 104 Gutsbezirke. - 2) P. oder ^>renz-
low, Kreisstadt im Kreis P., Hauptstadt der ehe-
maligen Ukermark, an der Ücter
und an der Nordseite des Unter-
ückersees sowie an der LinieAnger-
münde - Stralsund der Preuß.
Staatsbahnen, Sitz des Land-
ratsamtes, eines Landgerichts
lKammergericht Berlin) mit 12
Amtsgerichten (Angermünde,
Brüssow, Eberswalde, Freien-
walde a. O., Lychen, Oderberg, P., Schwedt, Stras-
burg i. 1!., Tcmplin, Wrietzen a. O., Zehdenick),
eines Amtsgerichts, Hauptstcuer-, Katasteramtes
und einer Reichsbanknebenstelle, hat (1890) 18 019
(9084männl., 8935 weibl.) E., darunter 686 Ka-
tholiken und 423 Israelitcn, Postamt erster Klasse,
Telegraph, in Garnison das 1., 2. und 4. Ba-
taillon des Infanterieregiments Prinz Friedrich
Karl von Preußen Nr. 64, alte Stadtthore und
4 evang. Kirchen, darunter die got. Marienkirche
(1310) mit zwei Türmen, welche zu den schönsten
Vacksteinbauten der Mark zählt, ferner eine reform.
und eine katd. Kirche, Synagoge, Gymnasium,
Knabenmittelschule, zwei höheve Mädchenschulen,
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