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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Preßluftwerkzeuge - Preßnitz
(Quaimauern, Docks, Schleusen, Schächte, Brücken-
pfeiler u. s. w.) bisweilen notwendig.
Bei der P. wird ein unten offener Kasten (^ (s. nach-
stehende Abbildung), Caisson, in die Tiefe ge-
senkt. Um das Eindringen des Wassers in den
Caisson von unten her zu verhindern, wird mittels
einer Zuleitungsröhre I. verdichtete Luft in den
Caisson eingeführt, welche den Arbeitsraum frei hält
und das Lösen des Bodens N gestattet. Das ge-
wonnene Material wird in Kübeln oder andern
Fördermaschinen (Bagger u. s. w.) emporgehoben,
in die Schleuse 8 entleert und mittels besonderer
Vorrichtungen aus derselben in bereitstehende Schiffe
gebracht. Die Schleufe 8 vermittelt zugleich das Ein-
und Aussteigen der Arbeiter. Das Gerüst 6 dient
zur Aufnahme der Baumaterialien, der fahrbare Kran
X zum Versetzen der Bausteine, die .Hängestangen II
zur Regulierung der Stellung des Caissons. Hat der
Caisson die tragfähige Schicht ^ erreicht, so wird er
mit Beton oder Mauerwerk N ausgefüllt.
Das Verfahren, welches bei Brücken zuerst durch
Smeaton 1778 in England angewendet, 1831 durch
Lord Cochrane weiter ausgebildet wurde, hat viel-
sache Veränderungen erfahren; man hat den Caisson
auch aus Holz, in Stein u. s. w. hergestellt, die
Förderung und die Schleusen verschiedenartig ge-
staltet. Erreicht in losem Boden der Caisson eine
Tiefe von mehr als etwa 40 in unter dem Wasser-
spiegel, so hört das Verfahren auf, praktisch durch-
führbar zu werden, da der menschliche Organismus
den Druck im Arbeitsraume nicht mehr für die
Dauer auszuhalten vermag. Man hat in solchen
Fällen z.B. vorgeschlagen, von der Sohle des Cais-
sons aus Pfäblc iil die Tiefe zu treiben.
In Osterreich wurde die P. zuerst an der Theißbrücke
bei Szegedin (1857), in Deutschland bei der Kehler
Rheinbrücke (1859) in größerm Maßstabe verwertet.
Preßluftwerkzeuge, Druckluftwerkzeuge,
in neuerer Zeit eingeführte Werkzeuge, deren wir-
kender Teil (Meißel, Punzen) mit verdichteter Luft
bewegt, wird, so daß der das Werkzeug führende
Arbeiter dasselbe nur auf die richtige Stelle zu
halten hat, ohne eine Kraftleistung auszuüben. Das
Princip der P. ist den pneumatischen, stoßend boh-
renden Mechanischen Gesteinsbohrmaschinen (s. d.)
entlehnt und nach einem amerik. Patent zuerst auf
einen Meißel für Steinmetzarbeiten übertragen wor-
den (Preßlujtmeißel, Druckluftmeihel, nicht
ganz treffend auch Luftdruck -
meißel genannt). Das noch
stark vibrierende Werkzeug ver-
besserte Laun in Villingen derart,
daß es kleinere Dimensionen an-
nahm, ruhiger arbeitete und für
die feinsten Steinmetzarbeiten ge-
eignet wurde. Der Lausche Mei-
ßel hat 2-3 mm Hub und macht
bis zu 12000 Schläge in der Mi-
nute, während der Steinmetz mit
dem Hammer in derselben Zeit
höchstens 100 Schläge auszufüh-
ren im stände ist. Außerdem soll
der Preßluftmeißel den Unter-
grund der Steine unverletzt lassen
und nur ein Zertrümmern der
oben liegenden Krystalle bewir-
ken, wodurch das spätere Schlei-
fen erleichtert und der Verwitte-
rung, die meist durch Verletzung
desUntergrundes eingeleitet wird,
vorgebeugt wird. Die Firma
Schleicher, Kommanditgesellschaft
für P. in Berlin, die das Laun-
sche Patent erwarb, erweiterte
durch verschiedenartige Versuche
das Anwendungsgebiet des Preh-
luftmeihels auch für Arbeiten in
härtern Gesteinen, so für Gra-
nit und für das Schärfen der
Mühlsteine. Bei letzterer Arbeit
braucht man ein Drittel bis Viertel der Zeit, die
man zum Schärfen mittels Handarbeit aufzuwenden
hat. Ein neueres von MacEvan Roh in Glas-
gow erfundenes, in England sehr verbreitetes,
durch Simmer & Müller in Hamburg auch in
Deutschland eingeführtes Werkzeug zeichnet sich da-
durch aus, daß sich der Kolben selbst umsteuert,
während der Launsche Meißel noch besondere Um-
steuerkolben besitzt. Außer zu Steinmetzarbeiten
läßt sich der Prehluftmeihel auch zum Verstemmen
von Kesselnäbten verwenden. Nach demselben Princip
lassen sich auch die Stemm- und Stechwerkzeuge der
Holzarbeiter, Ciselierwcrkzeuge, Punzen, Hämmer
u. a. ausführen.
Preßuitz, czech. ri-i36öiiic6, königl. freie Berg-
stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Kaaden
in Böhmen, im Erzgebirge, an der Linie Komotau-
Weipert (Station P.-Reischdorf) der Buschtiehrader
Eisenbahn, Sitz eines Bezirksgerichts (150,58 hkin,
26 843 E.), hat (1890) 3433 deutsche E., eine
Pfarrkirche, gewerbliche Fortbildungsschule; Fa-
brikation von Celluloidwaren, Spitzenklöppelei,
Brauereien und Obsthandel. Die Preßnitzer Musik-
gesellschaften (Damenkapellen) sind bekannt. Der
namentlich unter König Iobann und Karl IV. be-
deutende Silberbergbau ist imDreißigjährigenKriege