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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Preußen (Handel)

schließlich der Handels- und Verkehrsgewerbe, aber einschließlich des Bergbaues und der Hüttenindustrie wurden 1245362 Haupt- und 137171 Nebenbetriebe gezählt; von erstem befanden sich 201 im Besitz des Staates oder Reichs, 403 in dem von Gemeinden, 2215 in dem von Gesellschaften und Genossenschaften, 16783 in demjenigen mehrerer Gesellschaften und 1225760 im Besitz einzelner Personen; 92 Hauptbetriebe beschäftigten mehr als 1000, 1062 zwischen 201 und 1000, 4399 zwischen 51 und 200, 20765 zwischen 11 und 50, 29997 zwischen 6 und 10, 1189047 weniger als 5 Personen; unter letztern waren 768510 Betriebe einzelner Personen ohne Gehilfen und ohne Motorenbenutzung, die somit die einfachste Form des handwerksmäßigen Betriebes darstellen. Als Inhaber und Geschäftsleiter sind 891731 männliche und 321125 weibliche Personen, als kaufmännisch und technisch gebildetes Personal 70066 männliche und 1401 weibliche Personen, als Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter 1910652 männliche und 288160 weibliche Personen bezeichnet. Die Gesamtzahl von 3483135 in der Industrie Beschäftigten verteilt sich auf die Gewerbegruppen: Kunst- und Handelsgärtnerei mit 28247, Fischerei und gewerbsmäßige Tierzucht mit 21114, Bergbau, Hütten- und Salinenwesen und Torfgewinnung mit 359177, Industrie der Steine und Erden mit 216931, Metallverarbeitung mit 285112, Herstellung von Maschinen, Werkzeugen und Apparaten mit 200528, chem. Industrie mit 36722, Herstellung von Heiz- und Leuchtstoffen mit 24399, Textilindustrie mit 428543, Papier- und Lederindustrie mit 117210, Industrie der Holz- und Schnitzstoffe mit 253925, Herstellung von Nahrungs- und Genußmitteln mit 393105, Gewerbe für Bekleidung und Reinigung mit 741142, Baugewerbe mit 331338, polygraphische Gewerbe mit 35970, künstlerische Betriebe für gewerbliche Zwecke mit 7672. Die Hauptsitze der Baumwollspinnerei und -Weberei finden sich im Rheinland und Schlesien, für Wolle bei Aachen und in der Niederlausitz, für Leinen bei Bielefeld und in Schlesien, für Seide in Krefeld und Elberfeld-Barmen. Die Maschinenindustrie ist neben Berlin meist in den größern Städten konzentriert. Große Schiffswerften finden sich in Stettin, Danzig, Elbing und Kiel, Lokomotivfabriken in Berlin, Cassel, Linden bei Hannover, Bredow bei Stettin, Düsseldorf, Elbing und Königsberg; Waggonbauanstalten in Köln, Breslau, Görlitz, Düsseldorf, Königsberg. Besonders entwickelt ist die Herstellung von Eisenwaren (Kleineisenindustrie) im Reg.-Bez. Arnsberg mit namhafter Ausfuhr. Für Thon- und Porzellanwaren sind in erster Linie Rheinland, Schlesien und Sachsen zu nennen, für Glas Schlesien, Saarbezirk, Rheinland, Sachsen und Hannover, für Ziegeleien Brandenburg und die östl. Provinzen, für Papiere Schlesien, Rheinland, Sachsen und Hannover, für Leder der Bezirk an der Nahe, für Möbel Berlin, für Pianoforte die größern Städte, für Chemikalien Staßfurt, Berlin, Köln, Hannover, für Kleider und Wäsche namentlich Berlin. Über die Verbreitung der einzelnen Industriezweige s. auch Deutschland und Deutsches Reich (Bd. 5, S. 130 fg.) nebst Karte sowie die Artikel der Industrien, über Gewerbekammern s. Handels- und Gewerbekammern.

Dem bedeutenden Umfange des Bergbaues und der Industrie entsprechend ist auch die Menge der im Gebrauch befindlichen motorischen Kräfte sehr groß; 1882 wurden 60817 Hauptbetriebe ermittelt, welche motorische Kräfte verwendeten.

Es bestanden zu Anfang der

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Jahre Feststehende Dampfkessel -maschinen Bewegliche Dampfkessel Schiffsdampfkessel -maschinen

1885 41421 38830 9191 1211 1048

1890 48538 46554 12822 2046 2007

1894 55605 57224 14880 1934 1726

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Die Zahl der beweglichen Dampfmaschinen (Lokomobilen) belief sich 1885 auf 8990, 1894 auf 14425 Maschinen.

Noch bedeutender hat sich die Leistungsfähigkeit dieser Maschinen gesteigert, wie sich aus folgenden Zahlen ergiebt:

^[Tabelle]

Anfang Zahl der Pferdestärken der feststehenden Dampfmaschinen beweglichen Dampfmaschinen Schiffs-Dampfmaschinen

1885 1221884 83000 * 101349

1894 2172250 147130 219769

* Bei 68 beweglichen Dampfmaschinen war die Leistungsfähigkeit nicht bekannt.

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Einer Zunahme der Zahl der feststehenden Dampfmaschinen seit 1885 um 47,4 Proz., der beweglichen Dampfmaschinen (deren Leistungsfähigkeit ermittelt werden konnte) um 61,9 und der Schiffsmaschinen um 64,7 Proz. steht eine Vermehrung der Pferdestärken der bezüglichen Maschinen um 77,8, 77,3 und 116,8 Proz. gegenüber. Diese erheblichere Vermehrung der Pferdestärken erklärt sich daraus, daß an Stelle kleiner Maschinen mit der Zeit größere und stärkere getreten sind, sowie daraus, daß die Fortschritte in der Bauart und Dampfausnutzung auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen in besonderm Grade eingewirkt haben.

Seit 1891 hat die in P. zur Gewinnung von elektrischem Strom verwendete Dampfkraft ebenfalls eine erhebliche Zunahme erfahren; die Anzahl der bezüglichen feststehenden und beweglichen Dampfmaschinen hob sich nämlich von 983 mit 49489 Pferdestärken zu Beginn des J. 1891 auf 1199 mit 66803 Pferdestärken zu Anfang 1892 und auf 1407 mit 76045 Pferdestärken zu Anfang 1893, und zwar dienten der Erzeugung von elektrischen Strome:

^[Tabelle]

Jahre Ausschließlich Maschinen mit Pferdestärken Zugleich andern Zwecken Maschinen mit Pferdestärken

1891 794 39610 189 9879

1892 944 53292 255 13511

1893 1218 66528 189 9517

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Von den 1218 Maschinen im J. 1892 entwickelten 1089 Maschinen mit 48 692 Pferdestärken Strom nur zur Beleuchtung, 14 Maschinen mit 1286 Pferdestärken solchen nur zur Kraftübertragung; bei 94 Maschinen mit 15336 Pferdestärken wurde der Strom gleichzeitig beiden Zwecken dienstbar gemacht, während 21 Maschinen mit 1214 Pferdestärken Elektricität zu galvanoplastischen, elektrolytischen, chem. und andern Zwecken erzeugten.

Handel. Der Handel mit nichtpreuß. Ländern ist ein Bestandteil des Handels des Zollvereins und mangels besonderer preuß. Erhebungen nicht nach-^[folgende Seite]