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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Preußen

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Preußen (Litteratur zur Geschichte) - Preußen (Provinz)

die Schaffung von Landwirtschaftskammern (s. d.). Die Unzufriedenheit der Konservativen mit der Regierung zeigte sich einmal in der Ablehnung des vorgeschlagenen Dortmund-Rhein-Kanals (18. Mai 1894), wahrend ihre Opposition gegen den geforderten Beitrag Preußens zum Elb-Trave-Kanal in der Minderheit blieb (6. April 1894).

Der Grundsatz der Caprivischen Politik des "neuen Kurses", sich möglichst auf alle Parteien zu stützen, erforderte eine Reihe von Zugeständnissen an diejenigen Parteien, die unter Bismarck meist in der Opposition gestanden hatten. Den Wünschen des Centrums wurde 1891 in der schließlichen Gestaltung des sog. Sperrgeldgesetzes Rechnung getragen. 1892 wurde der Welfenfonds aufgehoben und dem Herzog von Cumberland (s. d.) ausgehändigt. 1891 erhielt auch Stablewski die Bestätigung seiner Wahl zum Erzbischof von Posen und Gnesen. Die Stimmen der Polen kamen dafür den Regierungsvorlagen wiederholt zu gute. Die von dem neuen Kultusminister vorgeschlagenen Änderungen in der Synodalordnung (Gesetz vom 28. Mai 1894) bedeuteten ein Zugeständnis an die Konservativen in betreff ihrer Wünsche nach größerer Selbständigkeit der evang. Landeskirche gegenüber dem Staate.

Aus offiziell nicht aufgeklärten Ursachen, angeblich infolge von Meinungsverschiedenheiten in der Frage über die Bekämpfung der sog. Umsturzparteien zwischen dem preuß. Ministerpräsidenten, Grafen von Eulenburg, und dem Reichskanzler, gaben beide 26. Okt. 1894 ihre Entlassung; der Kaiser ernannte darauf den bisherigen Statthalter von Elsaß-Lothringen, Chlodwig Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, zum Reichskanzler und preuß. Ministerpräsidenten, und den bisherigen Unterstaatssekretär im Ministerium von Elsaß-Lothringen, von Köller, zum preuß. Minister des Innern, sowie den Staatssekretär des Auswärtigen, Freiherrn Marschall von Biberstein, zum preuß. Staatsminister. Kurz darauf reichten auch der Landwirtschaftsminister von Heyden und der Justizminister von Schelling ihre Entlassung ein; an ihre Stelle traten der bisherige Landesdirektor von Hannover, Freiherr von Hammerstein-Loxten, und der bisherige Oberlandesgerichtspräsident in Celle Schönstedt.

Litteratur zur Geschichte. Kletke, Quellenkunde zur Geschichte des preuß. Staates (Bd. 1 u. 2, Berl. 1858-61); Prinz, Quellenbuch zur brandenb.-preuß. Geschichte (Bd. 1, bis 1535, Freib. i. Br. 1892); Stenzel, Geschichte des preuß. Staates (5 Bde., Hamb. 1830-54); L. von Ranke, Neun Bücher preuß. Geschichte (3 Bde., Lpz. 1847-48); ders., Zwölf Bücher preuß. Geschichte (2. Aufl., 5 Bde., ebd. 1878-79); Droysen, Geschichte der preuß. Politik (5 Tle. in 14 Bdn., Bd. 1-4 in 2. Aufl., ebd. 1855-86); ferner die Handbücher von F. Voigt (3. Aufl., ebd. 1878), Hahn (23. Aufl., Berl. 1893), Berner (mit Illustrationen, Münch. und Berl. 1890), Pierson (6. Aufl., 2 Bde., Berl. 1894), Brosien (Bd. 1, Lpz. und Prag 1887), Evers (Berl. 1892). - Die Zeit Friedrichs d. Gr. behandeln die Werke von Preuß, Förster, Carlyle, Koser, die folgende Periode Philippson, Geschichte des preuß. Staatswesens vom Tode Friedrichs d. Gr. bis zu den Freiheitskriegen (2 Bde., Lpz. 1880-82); Reimann, Neuere Geschichte des preuß. Staates vom Hubertusburger Frieden bis zum Wiener Kongreß (Bd. 1 u. 2, Gotha 1882-88). Hochbedeutsam für die Zeit seit 1815 ist von Treitschkes "Deutsche Geschichte im 19. Jahrh." (Bd. 1-5, Lpz. 1879-94) und von Sybels "Begründung des Deutschen Reichs durch Wilhelm I." (Bd. 1-7, Münch. 1889-94); vgl. ferner: die Sammel- und Regestenwerke von Hahn und Kohl über Bismarck und Onckens Zeitalter Kaiser Wilhelms (2 Bde., Berl. 1890-91). - Die Geschichte des preuß. Kriegs- und Heerwesens behandelten Gansauge (Berl. 1839), L'Homme de Courbière (ebd. 1852); Crousaz (2 Bde., Anklam 1865-67) und Schroetter (Heeresverfassung unter dem Großen Kurfürsten, Lpz. 1892); ferner die Geschichte des Finanzwesens Riedel (Der brandenb.-preuß. Staatshaushalt in den beiden letzten Jahrhunderten, Berl. 1866); die Geschichte des preuß. Beamtentums Isaacsohn (3 Bde., ebd. 1873-84) und eine Geschichte der preuß. Post Stephan (ebd. 1859); die Geschichte des preuß. Verwaltungsrechts Bornhak (3 Bde., ebd. 1884-86); die brandenb.-preuß. Rechtsverwaltung und Rechtsverfassung Stölzel (2 Bde., ebd. 1888); die preuß.-deutsche Handelspolitik Zimmermann (Oldenb. 1892); die Wirtschafts- und Verwaltungsgeschichte P.s ist durch wichtige Aufsätze Schmollers gefördert, so unter anderm durch seine Studien über die wirtschaftliche Politik Friedrichs d. Gr. und P.s überhaupt (im "Jahrbuch für Gesetzgebung", Lpz. 1884, 1886, 1887). - Die Publikationen aus den preuß. Staatsarchiven (Lpz. 1878 fg.) enthalten u. a.: Lehmann, P. und die kath. Kirche (Bd. 1-7, ebd. 1878-93); Stadelmann, P.s Könige in ihrer Thätigkeit für die Landeskultur (4 Bde., ebd. 1878-87); Hassel, Geschichte der preuß. Politik 1807-15 (Bd. 1, ebd. 1881); Poschinger, P. im Bundestag 1851-59 (4 Bde., ebd. 1882-84); Bailleu, P. und Frankreich 1795-1807 (2 Bde., ebd. 1881-87); Meinardus, Protokolle und Relationen des brandenb. Geheimen Rats (Bd. 1-3, 1890-93). Fernere wichtige Aktenpublikationen sind die Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des Großen Kurfürsten (Bd. 1-15, Berl. 1864-95), die Polit. Korrespondenz Friedrichs d. Gr., hg. von Koser, Naudé und Treusch von Buttlar (Bd. 1-21, ebd. 1879-94) und die Acta Borussica. Denkmäler der preuß. Staatsverwaltung im 18. Jahrh. (I. Geschichte der preuß. Seidenindustrie, hg. von Schmoller und Hintze, Berl. 1892; II. Behördenorganisation, hg. von Schmoller und Krauske, Bd. 1, ebd. 1894). - Von Zeitschriften kommen in Betracht: Zeitschrift für preuß. Geschichte und Landeskunde (20 Bde., Berl. 1864-83); Koser und Naudé, Forschungen zur brandend, und preuß. Geschichte (Bd. 1-7, Lpz. 1888 fg.). - Arbeiten über die Geschichte des eigentlichen P. lieferten vor allem Joh. Voigt (s. d.); ferner Töppen, Geschichte der preuß. Historiographie (Berl. 1853); Watterich, Die Gründung des Deutschen Ordensstaates (Lpz. 1857); Hirsch, Töppen und Strehlke, Scriptores rerum prussicarum (Bd. 1-5, ebd. 1861-74); Töppen, Akten der Ständetage P.s (Bd. 1-5, ebd. 1878-86); Die preuß. Geschichtschreiber des 16. und 17. Jahrh. (Bd. 1-5, Königsb. und Lpz. 1876-92); Horn, die Verwaltung Ostpreußens 1525-1875 (Königsb. 1890).

Preußen, Provinz P., ehemals die nordöstlichste Provinz der preuß. Monarchie, wurde 1. April 1878 infolge Gesetzes vom 19. März 1877 in die beiden Provinzen Ostpreußen (s. d.) und Westpreußen (s. d.) eingeteilt.