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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Proficiat - Progressisten

Auszeichnung verliehen wurde, jetzt aber allen ältern Lehrern mit vollen Zeugnissen verlieben wird. In ähnlicher Weise wird er auch andern Gelehrten und Künstlern verliehen. (S. auch Honorarprofessor.)

Proficĭat (lat.), wohl bekomm’s!

Pro fide, rege et lege (lat.), «für den Glauben, den König und das Gesetz», Devise des russ. weißen Adlerordens (s. d.).

Profīl (frz.), im allgemeinen die senkrechte Darstellung des senkrechten Durchschnitts durch einen Körper. Je nachdem der Schnitt ein Längs- oder Querschnitt ist, spricht man von Längen- oder Querprofil. In der Architektur spielt namentlich das P. der Gesimse eine Rolle. Die Kunst des Profilierens, d. h. der Gestaltung der Gesimse nach den Gesetzen der Stile, der innern Funktionen des Baues, der Schattenwirkung und der Abwägung der Massen in der Ansicht des Baues ist einer der schwierigsten Teile der Baukunst, in der sich der Meister offenbart. – In der Porträtmalerei versteht man unter P. die Seitenansicht des Kopfes (s. Bildnis). – In der Walztechnik spielen die P. der verschiedenen Sorten Walzeisen (s. d.) eine wichtige Rolle, namentlich die P. der Eisenbahnschienen. Über Ladeprofil s. Eisenbahnbau (Bd. 5, S. 838 b). – Das P. eines Berges giebt über die Neigungsverhältnisse desselben Aufschluß und kann aus einer Isohypsenkarte entnommen werden. (S. Terrainzeichnung.)

Profīldreieck, s. Terrainzeichnung.

Profīleisen, s. Walzeisen.

Profít (frz.), Geschäftsgewinn, Vorteil; profitieren, P. machen, Vorteil ziehen.

Pro forma (lat.), der (bloßen) Form wegen, anstandshalber, zum Schein.

Profóß (vom lat. propositus, Vorgesetzter), früher in den Heeren ein mit der Regimentspolizei beauftragter Militärbeamter; er hatte Hauptmannsrang. (S. Landsknecht.) Jetzt ist diese Stelle verschwunden und der P. nur noch in einzelnen Heeren der die Aufsicht über die Arrestanten führende Unteroffizier, wovon der Ausdruck Profossenarrest herrührt. (S. Generalgewaltiger und Prévôt.)

Profúnd (lat.), tiefsinnig, gründlich; davon das Hauptwort Profundität.

Profūs (lat.), übermäßig, in überreichem Erguß.

Proglottīden, die Glieder des Bandwurms (s. d.).

Prognāth (grch.), mit vorstehenden Kinnladen; davon das Hauptwort Prognathismus.

Prognōse (grch.), Vorhersage; in der Medizin die Bezeichnung für die Vorherbestimmnng des künftigen Verlaufs und des Ausgangs einer bestimmten Krankheit. In manchen Fällen ist eine allgemeine P. nicht schwer; von einer Anzahl Krankheiten (z. B. Krebs) ist bekannt, daß sie tödlich verlaufen, von andern, daß sie fast ausnahmslos mit Genesung enden, und hier hängt das Eintreffen der P. nur von der Richtigkeit und Schärfe der Diagnose (s. d.) ab. Die Kunst, die P. zu stellen, wird Prognostik genannt. – Über die Wetterprognose s. Witterung.

Prognostĭkon (grch.), eine Vorhersagung zufolge gewisser Anzeichen; jemand das P. stellen, ihm sein Schicksal vorhersagen.

Prográmm (grch.), eigentlich öffentliche, schriftliche Ankündigung, öffentlicher Anschlag, jetzt speciell bei Festlichkeiten, Konzerten und Schaustellungen aller Art die Angabe der Darbietungen in ihrer Reihenfolge, die Festordnung; ferner die Darlegung der polit. Grundsätze eines neu eintretenden Ministeriums, einer polit. Partei, eines Politikers u. s. w. Auch heißt P. jede öffentliche Ankündigungs- oder Einladungsschrift, die von den Universitäten, Gymnasien und andern höhern Bildungsanstalten als Jahresbericht oder aus Veranlassung einer feierlichen Handlung, z. B. eines Stiftungsfestes der Anstalt, eines Jubiläums, einer öffentlichen Prüfung u. s. w., erlassen wird und der nach altem Brauch häufig eine wissenschaftliche Abhandlung beigegeben ist. Eine Regelung des Programmwesens der deutschen höhern Schulen ist 1872 in der Art erfolgt, daß die Beigebung einer wissenschaftlichen Abhandlung freigestellt ist. Der Austausch wird seit 1876 für Gymnasien und Realschulen durch die Buchhandlung von B. G. Teubner in Leipzig, für höhere Mädchenschulen durch die von Wagner ebendaselbst vermittelt. – Vgl. Bechstein, Die Litteratur der Schulprogramme (Lpz. 1864); Mushacke im Anhang seines Schulkalenders für jedes Jahr (Leipzig, bei Teubner); R. Klußmann, Systematisches Verzeichnis der Abhandlungen, welche in den Schulschriften sämtlicher an dem Programmtausche teilnehmenden Lehranstalten erschienen sind (2 Bde., ebd. 1889‒93).

Programmmusik, s. Musik (Bd. 12, S. 105 b).

Progrēso, Hafenstadt im mexik. Staate Yucatan, Hafen für Merida, wohin Eisenbahn führt, wird von fünf Dampferlinien angelaufen und exportiert vor allem Agavefasern (insgesamt für 9 Mill. Pesos).

Progréß (lat. progressus), Fortschritt; in der Logik der Fortschritt vom Grunde zur Folge, von der Bedingung zum Bedingten. Progressus in infinitum, Fortgang ins Unendliche.

Progression (lat.), Fortschreitung, Stufengang, fortschreitende Steigerung; in der Mathematik Bezeichnung für diejenigen Reihen (s. d.), in denen zwei aufeinanderfolgende Glieder für alle Stellen der Reihe entweder dieselbe Differenz (arithmetische P.) oder dasselbe Verhältnis (geometrische P.) haben. Ist bei einer arithmet. Reihe A das Anfangsglied, d die Differenz, so sind die einzelnen Glieder: A, A+d, A+2d, A+3d, … A+nd, …. Das nte Glied N hat den Wert: N = A+(n-1)d; die Summe S aller Glieder einschließlich des nten ist: ^[Formel S=n/a(A+N)]. Die geometr. Reihe hat das Schema: A, q·A, q²·A, q³·A, … q <sup>n</sup>·A, wobei A das Anfangsglied, q das konstante Verhältnis, auch Exponent oder Quotient der P. genannt, bedeutet. Hier bekommt man für das nte Glied K den Wert: N = q<sup>n-1</sup>·A für die Summe S den Wert ^[Formel: S = q<sup>n</sup>-1/q-1·A] (S. Differenzenreihe.) – Vgl. Kleyer, Lehrbuch der arithmetischen und geometrischen P. (Stuttg. 1884).

Progressisten, Fortschrittler, Fortschrittsfreunde, polit. Parteiname in verschiedenen Ländern. Neuerdings (1894) hat sich in der franz. Deputiertenkammer unter dem Vorsitz Isamberts eine Union progresasiste konstituiert, die den linken Flügel der Opportunisten und eine Anzahl Vertreter des Radikalismus umfaßt. Sie strebt eine Konzentration aller bürgerlichen Republikaner im Gegensatz zu den Monarchisten und den Socialisten an und will den demokratischen Fortschritt auf allen Gebieten verteidigen.