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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Pseudolor; Pseudomembran; Pseudomorphosen; Pseudoneuroptera; Pseudonym

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Pseudolor - Pseudonym

drüsen auf einer oder auf beiden Seiten des Halses und verwandeln sich in faust- bis kindskopfgroße, weiche oder härtere, das Gesicht entstellende Geschwülste (maligne Lymphome); dann kommen allmählich die übrigen Lymphdrüsen, die Milz, die Mandeln, mitunter auch die Leber und die Nieren an die Reihe, Blutarmut, Schwäche und Abmagerung stellen sich ein und nach einigen Monaten oder nach Jahresfrist erfolgt unter den Symptomen zunehmender Entkräftung der Tod. Über die Ursache der P. ist nichts Sicheres bekannt. Eine operative Behandlung der Drüsengeschwülste ist nur im ersten Beginn der Krankheit von Nutzen; von innern Mitteln werden namentlich Arsenik und Jodoform empfohlen.

Pseudolor, s. Koskorobaschwan.

Pseudomembran (grch.-lat., d. i. falsche Haut, Afterhaut), in der Medizin ein hautähnliches Gerinnsel, das durch Ausschwitzung gerinnbarer Lymphe entsteht.

Pseudomorphosen (grch.), Afterkrystalle, krystallinische oder amorphe Mineralkörper, die, ohne selbst Krystalle zu sein, die ihrer Substanz nicht zukommende Krystallform eines andern Minerals zeigen. Die oft äußerlich ganz scharfkantigen und glattflächigen P. bestehen nicht aus einem Individuum der ihrer Form entsprechenden Mineralart, sondern meist aus einem körnigen, faserigen oder dichten Aggregat einer ganz andern Mineralart, und diese äußere Form der Pseudomorphose ist nur das rückständige Monument des ursprünglichen und oft nun spurlos verschwundenen Krystalls, um den, in dem und aus dem die Pseudomorphose gebildet wurde. Nach der verschiedenen Entstehungsweise unterscheidet man bei den P. einerseits die Umhüllungs- und Ausfüllungspseudomorphosen, andererseits die Unwandlungspseudomorphosen.

Bei den Umhüllungspseudomorphosen handelt es sich um den Absatz einer dünnen Kruste irgend einer Mineralsubstanz auf den Krystallflächen eines andern Minerals. Wenn z. B. eine zarte Schicht von Quarz ein Rhomboeder von Kalkspat überzieht, so stellt hier der Quarz äußerlich eine Form dar, die ihm selbst nicht zukommt. Ist dann später der Kalkspat durch einen Auflösungsprozeß entfernt worden, so blieb entweder der Quarz mit der von dem Kalkspat erborgten Gestalt als leere Schale übrig, oder es wurde dieser Hohlraum alsdann im Lauf der Zeit durch Absatz einer neuen Mineralsubstanz in der Innenseite teilweise oder ganz ausgefüllt (Ausfüllungspseudomorphosen), wodurch dann auch diese, einem Abguß zu vergleichende eingeführte Masse an ihrer Außenseite die ihr fremde Kalkspatform gewann.

Während diese Vorgänge mehr auf dem einfach mechanisch erfolgten Absatz eines fremdartigen Minerals aus Gewässern beruhen, wurden dagegen die Umwandlungspseudomorphosen vermöge der substantiellen Veränderung eines Krystalls, vermöge der chem. Ersetzung seiner Substanz durch eine andere, und zwar unter Beibehaltung seiner Form gebildet. Diese chem. Umwandlung beginnt gewöhnlich an der Oberfläche und dringt dann allmählich weiter nach innen vor, und so findet man nicht selten im Innern einer solchen Pseudomorphose noch einen unveränderten Kern des ursprünglichen Minerals.

Diese Umwandlungspseudomorphosen sind nun 1) solche, bei denen die ursprüngliche und die sie ersetzende Substanz chemisch identisch sind (Paramorphosen, s. d.); 2) solche, bei denen zwischen der ursprünglichen und der pseudomorphen Substanz noch ein chem. Zusammenhang stattfindet, indem beide Massen wenigstens noch einen oder mehrere Bestandteile gemein haben; diese können gebildet werden durch Verlust gewisser Bestandteile (nicht sonderlich häufig), oder durch Aufnahme neuer Bestandteile (z.B. von Wasser, Sauerstoff, Kohlensäure, wie die P. von Gips nach Anhydrit, von Malachit nach Rotkupfererz), oder endlich durch teilweisen Austausch von Bestandteilen, wobei die ursprüngliche Substanz gewisse Stoffe verloren, andere dafür aufgenommen hat, z. B. die weitverbreiteten P. von Brauneisen nach Eisenspat (Austausch von Kohlensäure gegen Wasser), von Brauneisen nach Eisenkies, von Malachit nach Kupferlasur, Kaolin nach Feldspat, Aragonit nach Gips u. s. w.; 3) solche P., bei denen die chem. Bestandteile des ursprünglichen und des an seine Stelle getretenen Minerals vermöge des Stoffaustausches gänzlich voneinander verschieden sind (z. B. Quarz nach Flußspat oder Kalkspat, Eisenkies nach Quarz, Zinnstein nach Feldspat), eine Abteilung der P., deren genetische Deutung noch manches Rätselhafte bietet. Die pseudomorphe Umbildung ist übrigens nur ein ganz specieller Fall der großartigen chem. Veränderungsvorgänge im Mineralreich, und zwar derjenige, bei dem während und trotz der Metamorphose die äußere Gestalt erhalten blieb. Diese unscheinbaren Gebilde sind auch für die Geologie von höchster Wichtigkeit, denn durch sie wird in erster Linie die Erkenntnis und Specialisierung der gesetzmäßig verlaufenden chem. Prozesse vermittelt, die in den Gebirgen der äußern Erdkruste thätig waren und noch fortwährend andauern. - Vgl. Blum, Die P. des Mineralreichs (Stuttg. 1843, mit 4 Nachträgen, 1847, 1852, 1863 u. 1879); Scheerer, Afterkrystalle (im "Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie", 1857); E. Geinitz, Studien über Mineralpseudomorphosen (im "Neuen Jahrbuch für Mineralogie", 1876, S. 449).

Pseudoneuroptera, s. Falschnetzflügler.

Pseudonym (grch.) nennt man eine Schrift, die unter einem falschen Namen herausgegeben wird, oder auch den angenommenen Namen selbst; daher Pseudonymus derjenige, der diesen falschen Namen führt. Die vollständigsten Verzeichnisse pseudonymer Schriftsteller geben: Weller, "Lexicon pseudonymorum"(2. Aufl., Regensb. 1886) und "Die falschen und fingierten Druckorte" (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1864); Quérard, "Les supercheries littéraires dévoilées" (2. Aufl. von G. Brunet und P. Jannet, 3 Bde., Par. 1869-70), nebst Barbiers "Dictionnaire des ouvrages anonymes" (3. Aufl., 4 Bde., ebd. 1872-79; Supplement von Brunet, ebd. 1889). Für einzelne Länder sind zu nennen Doorninck, "Vermomde en naamloze schrijvers der nederlandsche en vlaamsche letteren" (2. Aufl., 2 Bde., Leid. 1883-85); De la Montagne, "Vlaemsche pseudoniemen" (Roulers 1884); Delacourt, "Essai d'un dictionnaire des ouvrages anonymes et pseudonymes publiés en Belgique au XIXe siecle" (Brüss. 1863); Halkett und Laing, "Dictionary of the anonymous and pseuonymous literature of Great Britain" (4 Bde., Edinb. 1882-88); Cushing, "Initials and Pseudonyms" (Neuyork 1885; Fortsetzung 1888); Haynes, "Pseudonyms of authors" (ebd. 1883); Collins, "Anonymer og Pseudonymer" (Kopenh. 1869); Melzi, "Dizio-^[folgende Seite]