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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Purismus - Purpurin (Farbstoff)
Mardochais, am Feste selbst die Synagoge glänzend
erleuchtet und das Buch Esther vorgelesen. Das Fest
ist jung und hat im jüd. Glauben keine Unterlage.
Die älteste Stelle, die es bezeugt, ist 2 Makk. 15,36.
Hier heißt es der Mardochaitag. In den griech.
Übersetzungen des Buches Esther heißt es statt P.
Phruraia und Phurdaia. De Lagarde hat es daher
mit dem Farwardiganfest der Perser in Verbindung
gebracht. Dagegen leitet Zimmern das Wort P. aus
dem Assyrischen her und kombiniert das Fest mit dem
babylon. Zagmullu- oder Neujahrsfest. Als von
der ganzen Iudenheit gefeiertes Fest begegnet das ^
P. zuerst bei Flavius Ioscphus (um 100 n. Chr.). '
Purismus (vom lat. puruä, rein, unvermischt),
das Streben nach Reinigung der Sprache von frem-
den Worten. (S. Sprachreinigung und Fremd-
wörter.) Purist, Sprachreiniger.
Puritaner, in England seit derReformation die-
jenigen Protestanten, welche die Kirche aufs strengste
nach der Reinheit (lat. puritl^) des göttlichen Wor-
tes und frei von jeder menschlichen Autorität und
Satzung herstellen wollten. Ihr rigoristischer und
fanatischer Eifer wurde durch den Despotismus er-
regt, womit die Könige durch die Errichtung der
Episkopalkirche oder Hochkirche (f. Anglikanische
Kirche) der Reformation ein willkürliches Ziel setzten.
Die Opposition der P. in Schottland und England
bewirkte den Ausbruch der Revolution unter Karl 1.
Die Kirchenverfasfung, die von den gemäßigten: P.
angestrebt wurde, war die Presbyterialverfassung,
woher sie den Namen Prcsbyterianer (s. d.) führen.
- Vgl. S. Hopkins, ^1i61^ritan8 (3 Bde., Boston
1859 - 61; 2. Aufl., Neuyork 1875); Weingarten,
Die Revolutionskirchen Englands (Lpz. 1868);
Campbell, 1Ii6 ?ui-itaii8 in lioiianä, NuFianä kuä
America. (2 Bde., Lond. 1892).
Purkynje, czech. ?ur1^M6, Johs. Evangelista,
Physiolog, geb. 17. Dez. 1787 zu Libochowitz bei Leit-
meritz in Böhmen, studierte zu Prag zuerst Philo-
sophie, dann Medizin, wurde daselbst 1823 ord. Pro-
fessor der Physiologie und Pathologie zu Vreslau
und 1850 Professor der Physiologie in Prag, wo er
das 6. Okt. 1851 eingeweihte physiol. Institut grün-
dete. Er starb 28. Juli 1869 zu Prag. P. zählt zu den
genialsten Forschern der Neuzeit; seine zahlreichen
Arbeiten und Entdeckungen, die sich auf alle Gebiete
der Physiologie und mikroskopischen Anatomie er-
strecken, besonders aber die physiol. Optik und die
Entwicklungsgeschichte betreffen, sind vielfach von
epochemachender Bedeutung gewesen. Unter anderm
ist P. der Entdecker des Keimbläschens (s. d., Pur-
kynjesches Bläschen) im Vogelei, der Flimmer-
bewegung bei Wirbeltieren, vieler subjektiven Gc-
sichtsbilder, darunter der nach ihm benannten
Adersigur, der Ganglienzellen im Kleinhirn, des
Achsencylinders der Nervenfasern u. a., auch ver-
vollkommnete er die mikroskopische Technik. Von
seinen Schriften sind zu nennen: "Beobachtungen
und Versuche zur Physiologie der Sinne" (Bd. 1,
Prag 1823; Bd. 2, Verl. 1825), "vo colwlig an-
tkeraruiu üdroäiä nee non äs Franoi-uni poiiina-
riuui lormiä coinmeiitatio pli^LotoniicH" (Vresl.
1830) und zahlreiche Abhandlungen in Zeitschriften,
namentlich in der Zeitschrift "^ivii". Auch über-
setzte er Schillers lyrische Gedichte ins Czechische
(2 Bde., Bresl. 1841).
Purmerend (spr. pör-), Stadt in der niederländ.
Provinz Nordholland, am Nordholländischen Kanal
und an der Eisenbahn Amsterdam-Enkhuizen, zwi-
schen den Poldern Purmer, Normer und Veemster,
zählt 5656 E. und treibt Handel, besonders in Vieh,
Käse und Holz. P. verdankt seinen Namen dem
Purmer See, der 1618 - 22 trocken gelegt wurde.
Purpur, eine im Altertum berühmte Farbe, die
wesentlich violett in verschiedenen Nuancen bis ins
Gelbe war und zu dem Schönsten und Kostbarsten
gehörte, was die Alten kannten. Ein Purpurman-
tel war schon in frühester Zeit das Abzeichen der
asiat. Könige und Häuptlinge, ebenso ihrer ersten
Minister und Hofbeamten, die deshalb bei den Rö-
mern vorzugsweise I'ui-Mrati hießen. In Rom
selbst trugen während der Republik und der ersten
Kaiserzeit die obersten Beamten und die Kaiser
das Ganzpurpurgewand nur als Festiracht; die
Toga (s. d.) mit den: Purpurstreifen war ein Ehren-
vorrecht der obersten Stände. Auch später blie-
ben Purpurgewänder ein Vorzug hochgestellter
Personen und gewisser Stände oder Würden, wie
noch jetzt der Kardinäle, daher der Ausdruck "mit
dem P. bekleidet werden" oder "den P. erhalten"
bezeichnet, zur Würde eines Kardinals gelangen,
nur daß heute mit diesem Ausdruck ein anderer
Farbenbcgriff verbunden wird. Die Alten bereite-
ten den P. aus mehrern Schaltieren des Mittel-
mecrs, meist den Gattungen der Tritonshörner
(kaccinum), Stachelschnecken (Nurex) und Purpur-
schnecken (?ui-pui-N) angehörig. Die den schleimi-
gen, farblosen oder gelblichen Saft absondernde
Drüse findet sich bei allen Schnecken. Taucht man
ein Stück Zeug hinein und setzt es der Einwirkung
der Sonne aus, so ändert sich die Farbe des Saftes
stufenweise und geht endlich in ein mehr oder min-
der dunkles unvertilgbares Violett über. Als Er-
finder der Purpurfarbe nennen die Alten die Phö-
nizier; da aber die Purpurschnecke im ganzen Mit-
telmcer gefunden wurde, so waren auch die Purpur-
särbcreien den Phöniziern nicht ausschließend eigen,
namentlich leisteten später die Färbereien zu Tarent
und Konstantinopel Vorzügliches; in Hierapolis in
Phrygien bestand eine Zunft der Purpurfärber. In
der Schönheit, Güte und Haltbarkeit der Farbe fand
ein großer Unterschied statt. In Tyrus war der rot-
violette P. vorzüglich. Man färbte damit hauptsäch-
lich Wolle, gewöhnlich zweimal, und gab den Pur-
purgewändern durch Kunst noch einen besondern
Glanz. Doch verfertigten auch schon die Alten aus
gewissen Beeren eine unechte Purpurfarbe. Die
neuern Farbstoffe aus der Orseille und die aus
Teerbestandteilen bereiteten, die schöner, leichter zu
behandeln, mannigfaltiger und gleichförmiger sind,
haben den aus Schnecken gewonnenen P. ganz ver-
drängt. - über die Geschichte der Purpurfärberei
und des Purpurhandels bei den Alten vgl. W. Ad.
Schmidt, Forschungen auf dem Gebiete des Alter-
tums, Bd. 1 (Berl. 1842); ferner Lacazc-Duthiers,
Nemoiro Lur 1a poulprs (Lille 1860).
über den P. des Cassius s. Goldpurpur.
I>urMra. (lat.), Purpurausschlag, s. Blut-
steckenkrankheit und Petechien.
I>nrpüra., Gattung der Purpurschnecken (s. d.).
Purpurbär, Schmetterling, s. Värspinner.
Purpurblau, soviel wie Indigpurpur (s. Indig-
blauschwefelfäuren).
Purpurfriesel (r^i-pura), s. Peteckien.
Purpurholz, s. Amarantholz.
I>ui-puriäa.o, s. Purpurschnecken.
Purpurin, ^IlgO^t^O, ein das Alizarin
begleitender Farbstoff der Krappwurzel, seiner Kon-