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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pyanepsien - Pyat
chemisch schädlichen, sog. septischen oder putriden
Substanzen in das Blut entsteht und sich durch
schwere fieberhafte Allgemeinerscheinungen, durch
Schüttelfröste und durch sog. metastatische Abscesse
verschiedener Organe, besonders der Lungen, der
Leber, des Herzens und der Gelenke, mit Entzün-
dungen der serösen Höhlen, in denen sich die be-
treffenden Organe befinden, charakterisiert. Nicht
wesentlich verschieden von der P. ist das bei Wöch-
nerinnen vorkommende Kindbettfieber (s. d.). Wäh-
rend bei normalem Wundverlauf sich in den ver-
letzten und durchschnittenen Blutgefäßen bald mehr
oder minder ausgedehnte Blut- und Faserstoffge-
rinnsel (Thromben) bilden, die sich nach und nach
organisieren und eiuen wesentlichen Anteil an dcm
Prozeß der Wundheilung nehmen, erfolgt unter
ungünstigen Verhältnissen, namentlich durch Zutritt
von citererregenden Bakterien (Zta-pli^iococcus und
8tl6ptococcu8 P70F6N68, s. Eiter), eine Verjauchung
der eiternden Wundfläche, welche weiterhin eine
eiterige Erweichung und faulige Zersetzung der in
den Gefäßen gebildeten Thromben zur Folge bat.
Werden Teile dieser zerfallenden Gerinnsel von
dem Blutstrom fortgerissen und an den verschieden-
sten Stellen des Körpers in den feinsten Veräste-
lungen der Arterien eingekeilt (Embolie, s. d.), so
erzeugen sie dort infolge ihres Gehalts an eiter-
erregenden Bakterien, die sich rasch vermehren, eine
heftige eiterige Entzündung mit mehr oder minder
ausgedehnten Abscessen (metastatischen oder
emb 0 lisch en Abscessen). Die Zahl dieser Abscesse
kann sehr verschieden sein; ihre Gefährlichkeit ist we-
sentlich abhängig von dem Sitze der Embolie. Wäh-
rend derAbsceß im Gehirn schnell den Tod, ein A bsceß
in der Lunge wenigstens eine schwere Erkrankung ber-
beiführt, kann ein metastatischer Absceh in einer Glied-
mahe ohne erhebliche Symptome bleiben. Doch ist
ein pyämischer Eiterherd auch an einer für das Le-
ben wenig wichtigen Körperstelle immer von der
schlimmsten Bedeutung, weil nur höchst selten einer
allein auftritt und jeder einzelne Absceß beim Durch-
bruch in Lymph- oder Blutgefäße die Quelle neuer
Embolien werden kann. Das Zustandekommen eines
solchen Abscesses kündigt sich immer zuerst durch einen
starken Schüttelfrost von verschiedener Dauer an,
weshalb ein solcher bei einem Verwundeten von
übelster Bedeutung ist. An den Frost schließt sich
dann meist ein heftiges, häusig intermittierendes
Fieber, das bald zu großer Hinfälligkeit, Schwäche
und Abmagerung, zu Gelbsucht und Albuminurie,
oft zu einem typhösen Zustand mit heftigen Delirien
führt; unter. Zunahme dieser Erscheinung erfolgt
meist der Tod, selten Genesung. Wie in den Orga-
nen, können sich auch im Blute die eitererregenden
Bakterien vermehren. Da sie hierbei giftige Stoffe
erzeugen, so kommt es zu einer wirklichen Blutver-
giftung (Septichämie, s. d.), die den tödlichen Aus-
gang beschleunigt. Die Behandlung der P. ist
ziemlich aussichtslos, selbst energische operative
Eingriffe vermögen den Verlauf der einmal ent-
wickelten Krankheit meist nicht mehr aufzuhalten;
innere Mittel haben sich als ganz machtlos erwiesen.
In solchen Fällen spricht man wohl auch von einer
Septickopyämie oder Pyoseptickämie.
Die P. ist eine übertragbare Krankheit, die
hauptsächlich durch unsaubere Instrumente sowie
Schwämme und Verbandmittel, durch schmutzige
Hände u. dgl. verbreitet wird und deshalb vorzugs-
weise in unreinlichen, überfüllten und schlecht ven-
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. XIII.
tilierten Krankenhäusern entsteht. Da die Krankheit
meist tödlich verläuft und sich außerdem selbst an die
kleinsten und unbedeutendsten operativen Eingriffe
anschließt, so bildet die Frage ihrer Verhütung
eine der wichtigsten Aufgaben der Chirurgie; in die-
ser Beziehung ist vor allem auf die größte Reinlich-
keit, auf unausgesetzte Ventilation und Desinfektion
der Krankenzimmer sowie auf die größte Sauberkeit
und Sorgfalt beim Verband zu achten; namentlich
aber vermag die von Lister (s. d.) angegebene anti-
septische Verbandmeth 0 de, bei der die Fäulnis-
erreger der Luft durch antiseptische Mittel und Ver-
bandstoffe von der Wunde fern gehalten werden,
sowie die neuerdings eingeführte aseptische Ver-
bandmethode die Entstehung der P. zu verhüten.
(S. Wunde.) - Vgl. Heiberg, Die puerperalen und
pyämischen Prozesse (Lpz. 1873); N. Koch, Unter-
suchungen über die Atiologie der Wundinfektions-
krankheiten (ebd. 1878); Gussenbauer, Sephthämie,
Pyohämie und Pyosephthämie (Stuttg. 1882);
Rosenbach, Mikroorganismen bei den 33undinfek-
tionskrankheiten des Menschen (Wien 1884).
Pyanepsien, einzuAthen am 7.bis9.Pyanep-
sion (Anfang November) zu Ehren des scheidenden
Sonnen- und Sommergottes Apollon (s. d.) gefeier-
tes Ernte- und Totenfest. Genannt war es von dem
Brauch, daß man Bohnen (grch. p^a,no8) und an-
dere Hülsenfrüchte als Ernteopfer darbrachte, auch
kochte und gemeinschaftlich verzehrte. Dieselbe Be-
deutung hatte die feierliche Umtragung eines mit
Früchten und Vackwerk behangenen und mit Woll-
fäden umwundenen Olivenzweiges, Eiresione ge-
nannt. Zuletzt wurde dieser im Tempel des Apollon
aufgehängt, doch wurden auch die Thüren der Privat-
hüuser mit ähnlichen Zweigen geschmückt.
Pyarthros (grch.), die Gelenkeiterung, s. Ge-
lenkentzündung 2.
Pyat (spr. piah), Felix, franz. Socialist und Büh-
nendichter, geb. 4. Okt. 1810 in Vierzon (Depart.
Cher), wurde 1831 Advokat, wandte sich aber bald
ganz der Journalistik zu, war Mitarbeiter an ver-
schiedenen republikanischen Oppositionsjournalen
und machte sich als Verfasser mehrerer Theaterstücke
bekannt, die vielen Beifall fanden, wie das allego-
rische Drama "^.i-adeiia" (1838), "1^68 äkux 86r-
i-ulisi^" (1841), "DioF6ii6" (1846) und "1^6 cdil-
founikr ä6 ?ai-i8" (1847). 1848 sandte ihn das
Depart. Cher in die Constituante, wo er mit den
Repräsentanten der Bergpartei stimmte, zu deren
Hauptmitgliedern er gehörte. In die Legislative
gewählt, wurde er als Unterzeichner des aufrühre-
rischen Manifestes vom 13. Juni gerichtlich ver-
folgt, floh aber in die Schweiz, dann nach Bel-
gien und von da nach London. 1869 kehrte er nach
Frankreich zurück, wurde jedoch schon etliche Monate
nachher wegen seiner Artikel im "I?Hpi)6i" zu einem
halben Iabr Gefängnis verurteilt und flüchtete
abermals nach London, von wo ihm die Revolution
4. Sept. 1870 die Rückkehr gestattete. Während
der Belagerung von Paris gab er den "Oomdat"
und nach diesem den "VenFeui-" heraus. Er war
nach dem 18. März 1871 Mitglied der Pariser
Commune, entfloh beim Eindringen der Versailler
Armee und wurde 1873 vom Versailler Kriegsgericht
in contumaciam zum Tode verurteilt. P. lebte seit-
dem in London, von wo aus er die in Paris er-
scheinende "(.'01UIHUN6 nFi'ünckiL" dirigierte; nach
der Amnestie vom 14. Juli 1880 kehrte er nach
Paris zurück; er starb 3. Aug. 1889 in St. Grauen.
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