Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

528
Puy - Pyämie
Puy (spr. püih, in catalon. Form Puig), in
den Pyrenäen und im südfranz. Centralplateau, be-
sonders im Hochlande der Auvergne, der Name für
die dort zahlreichen, abgestumpften Kegelberge er-
loschener Vulkane.
Puy, L e (spr. püih). 1) Arrondissement im sranz.
Depart. Haute-Loire, umfaßt 2244,28 ykm mit
(1891) 146 938 E. in 14 Kantonen und 114 Ge-
meinden. - 2) P. oderLePuy-en-Velay,mittel-
lat. ^nicium, loäiuin ^nici6ii86, Hauptstadt des
Depart. Haute-Loire, früher der Provinz Velay in
Languedoc, 625 in ü. d. M. im O. der Monts du
Velay, im Loirethal und an der Nebenlinie St.
Etienne-Langeac der Mittelmcerbahn, schlecht ge-
baut, aber malerisch am AbHange des Mont-Anis
(757 m) gelegen, ist Sitz des Prüfckten, des General-
kommandos des 13. Armeekorps, eines Bischofs,
eines Gerichtshofs erster Instanz, Handelsgerichts,
Schiedsgerichts, einer Kunst-, Gewerbe- und Acker-
baukammer und einer Filiale der Bank von Frank-
reich, hat (1891) 16 640, als Gemeinde 20308 E.,
in Garnison das 36. Infanterieregiment, ein Ly-
ceum, großes Seminar, Lehrer- und Lehrerinnen-
seminar, gewerbliche Schulen, ein Taubstummen-
institut, Hospital, Irrenbaus, eine Bibliothek, Kunst-
und naturhistor. Museum; berühmte Fabriken
sür Blonden und Spitzen, Glocken und Schellen,
Brauerei, Lohgerberei und Handel mit Getreide,
Vieh, Spitzen/ Seidenwaren, Silber- und Gold-
säden, Häuten, Fellen und Wein. - Von der Unter-
stadt führen 134 Stufen am Mont-Anis hinauf zur
Kathedrale Notre-Dame (11. und 12. Jahrh.) mit
drei Schiffen, fechs byzant. Kuppeln, einem Glocken-
turm aus dem 13. Jahrh, und einem Kreuzgang
aus dem 9. Jahrh., daneben der bischöfl. Palast so-
wie die Büßerkapelle mit Gemälden. Auf der letzten
Höhe des Mont-Anis der Fels von Corneille (132 in
über der Stadt), worauf seit 1860 die 16 m hohe
Statue der Notre-Dame de France, gegossen nach
Vonassieux aus russ. Kanonen von Sewastopol. In
einer nordwestl. Vorstadt steigt ein Fels empor,
auf dem die got. Kirche St. Michel d'Aiguilhe (962
-984) mit Glockenturm steht. Inmitten der Unter-
stadt ist der Platz du Brcuil mit Präfektur und Iu-
stizpalast und auf ihm die prächtige Fontäne Croza-
tier aus Marmor und Bronze von Bosio (nach
Pradier); hinter der Präfektur der öffentliche Garten
und das Museum Crozatier mit Bildern, Antiqui-
täten und Mustern der Blonden- und Spitzen-
industrie, die in der ganzen Gegend über 130000
Leute beschäftigt; am Boulevard das Bronzestand-
bild von Lafayette, von Hiolle; St. Laurcnt, aus
dem 14. Jahrh., enthält das Grabmal von Dugues-
clin; in der Vorstadt steht eine alte Kapelle der
Templer, genannt der Tempel der Diana.
Puy-de-Döme (spr. püih de dohm), franz. De-
partement in der Auvergne (s. d.), ist aus dem größ-
ten Teil von Nieder-Auvergne gebildet, wird im N.
vom Depart. Allier, im O. von Loire, im S. von
Haute-Loire und Cantal und im W. von Corröze
und Creuse begrenzt, hat auf 7950,5i ykm (1891)
564266 E. (6696 weniger als 1886), darunter 1212
Ausländer, also 71E. auf 1 hkm, 5 Arrondissements
(Ambert, Clermont-Ferrand, Isfoire,Riom, Thiers),
50 Kantone und 470 Gemeinden. Hauptstadt ist Cler-
inont-Ferrand. Größtenteils vulkanisches, steiniges
Gebirgsland, hat der Südwesten die meisten und
höchsten Gipfel, die ödesten Gegenden mit vielen
Kraterbergen in durchschnittlicher Höhe von 800 bis
1200 in. Die Mont-Doregruppe im S. enthält im
Puy-de-Sancy (1886 m) die bedeutendste Erhebung
in Mittelfrankreich, nördlich davon den Puy l'Aiguil-
ler (1547 m) u. a., im SO. vom Mont-Dore ist der
Mont du Luguet (1555 m) und im N. sind die etwa
60Kraterberge der Puy-de-Dömegruppe, deren
kuppelartiger Gipfel, P., 1465 m und ein nord-
westlicher, Puy-de-Come, 1255 in hoch sind. Im
NO. bilden die Bois Noirs mit dem Puy-de-
Montoncel (1292 m) die Grenze und gegen O. die
Monts du Forez mit dem Picrre-fur-Haute (1640 m)
und Puy-de-Loire (1232 m). Am Ostfuß des Mont-
Dore liegt zwischen Vulkanbergen die Stadt Basse-
en-Chandesse (1777 E.) und der Kratersee Lac Pavin,
aus dem die Crouse kommt, südöstlich davon, bei
Ardes an der Couze, die schönsten Vasaltkolonnaden
von 23 bis 26 m Höhe. Die fruchtbaren Ebenen
und Thäler der Flüsse nehmen ein Viertel der Ober-
fläche ein; der bedeutendste Fluß ist der Allier, der
links Alagnon, Couze, Crouse bei Issoire, Couse,
Veyre (mit Monne) und Morges, rechts Dore (mit
Dolore) aufnimmt; von seinen Zuflüssen bewässert
Sioule (mit Sioulet) den Nordwestcn, wo die Grenze
noch vom Cher berührt wird, während die Gewässer
der West- und Südseite des Mont-Dore zur Dor-
dogne gehen. Das Klima ist unbeständig. Die Ge-
birge sind zum Teil mit Buchen und Tannen be-
standen und 6-7 Monate mit Schnee bedeckt. Der
Ackerbau (auf 3630 hkm) lohnt besonders in den
niedrigen Gegenden und liefert Weizen (1892:
1155 000 Kl auf 55000 ka), Roggen (1425000 kl
auf75000IiH),Gerste(3300001i1),Hafer(805000Ii1),
Hülsenfrüchte, Kartoffeln, in den Berggegenden küm-
merlich Roggen, Hafer, Buchweizen und Kartoffeln.
Die Weinberge (1892: 45 358ka) brachten 1892:
977 755 Kl (im lOjähr. Durchschnitt: 1180000 KI)
eines mittelmäßigen Weins. Obst (Kirschen, Nüsse)
giebt es viel und gut. Wiesen (1808 ykiu) und Berg-
weiden fördern die Nindviehzucht (Butter- und Käfe-
bereitung) sowie Schaf-, Ziegen-, Pferde- und Maul-
tierzucht. Man gewinnt Eisen, Antimon, Blei, Sil-
ber, Alaun, Steinkohlen (1886: 211409 t), Lava,
Marmor, Granit, Mühlsteine; heiße und kalte Mi-
neralquellen finden sich besonders in Les Vains du
Mont-Dore (f. Vains), La Bourboule im Dordogne-
thal, Royat bei Clermont-Ferrand, Chätel Guyon
bei Riom, St. Nectaire am Allicr u. a. Die Indu-
strie (Fabrikation von Woll- und Baumwollwaren,
Papier, Leder, Messer und Kurzwaren) ist unbedeu-
tend. Clermont-Ferrand ist Knotenpunkt der Linien
Paris-Nimes und nach St. Eticnne der Mittelmeer-
bahn und nach Limoges der Orleansbahn; 1886 be-
trug die Vahnlänge 334,8 km und 1888 die Länge
der Straßen 473,2 km. Das Departement hat ein
Lyceum und vier Colleges. - Vgl. Gonnard, ^lin6-
raloFis än äöMi-tLinent än l>. (2. Aufl., Par. 1876);
Ioanne, 660Fi-a^ki6 än äöMi'temont ün?. (ebd.
1876); Tardieu, DictioiinairO dioFi-^kiHiik ä63
i)6rL0NiiaF68 Ki8t0i-i(iii68 clu I>. (1877).
Puzzolän, Puzzolanerde, s. Posilipotuff.
Puzzuoli, ital. Stadt, f. Pozzuoli. A d.).
p^vt. oder ä^vt., Abkürzung für Pennyweight
Pyämie (grch.), Blutvergiftung, Eiter-
vergiftung, Eiterfieber, putride In-
fektion, eine meist schnell, bisweilen auch sehr lang-
sam verlaufende, schwere, fieberhafte Infektions-
krankheit, die nach äußern Verletzungen, Operationen
sowie im Anschluß an Eiterungen innerer Organe
auftritt, durch die Aufnahme von mechanisch und