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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rastenberg - Rasumowskij
den in der Schweiz auch auf das Deutsche Reich aus'
gedehnt wurde. Landau wurde an Frankreich abge-
treten, wogegen Freiburg, Kehl und Altbreisach an
Deutschland zurückkamen; die geächteten Kurfürsten
von Köln und Bayern wurden in ihre Staaten wie-
der eingesetzt und aus der Acht erklärt, der Utrech-
ter Friede (s. d.) wurde anerkannt. - Der zweite
Kongreß zu R., der 9. Dez. 1797 eröffnet wurde,
sollte die Französischen Nevolutionskriege zwischen
Frankreich und dein Deutschen Neiche beenden. Nach-
dem infolge des Friedens von Campo-Formio (s. d.)
und der geheimen Na statt er Konvention vom
1. Dez. 179? die letzten deutschen Waffenplätze am
Rhein von den Österreichern geräumt und von den
Franzosen besetzt worden waren, forderte die franz.
Gesandtschaft 19. Jan. 1798 als Friedensbasis die
Abtretung des linken Rheinusers, welche Forderung
nach längerm sträuben von der Reichsdeputation
(11. März) bewilligt wurde. Dann einigte man sich
(4. April), daß die dadurch beeinträchtigten welt-
lichen Reichsstände durch Säkularisation der geist-
lichen Stifter entschädigt werden sollten. Während
noch die einzelnen Fürsten, selbst Österreich und
Preußen, insgeheim mit der franz. Republik über
die Entschädigung unterhandelten, hatte sich eine
zweite Koalition gebildet, und der Krieg brach wie-
der aus (s. Französische Nevolutionskriege, Bd. 7,
S. 192 d). Nunmehr verließen die kaiserl. Gesandten
13. April 1799 R., und auch die Neichsdeputation
erklärte endlich 23. April ihre Thätigkeit für suspen-
diert. Als darauf die franz. Gesandten, mit Pässen
des kurmainzischen Direktorialgesandten versehen,
28. April, abends 9 Uhr, abreisten, wurden sie kurz
hinter der Vorstadt, auf dem Wege nach Plitters-
dorf, von österr. Szeklerhusaren (nach andern von
Reitern in der Uniform derselben) überfallen. Ro-
berjot und Bonnier wurden ermordet; IeanDebry,
obgleich verwundet, und der Sekretär Nosenstiel ent-
kamen wieder nach R. Man wollte der österr. Re-
gierung die That (Rastatter Gesandtenmord)
insofern beimessen, als sie durch den Überfall in den
Besitz wichtiger Papiere habe gelangen wollen, die
über die etwaigen Unterhandlungen Preußens und
Bayerns mit der franz. Republik Aufklärungen
geben könnten. Die Untersuchung, die Erzherzog
Karl einleitete, ward von Wien aus sistiert. Von
der später auf dem Reichstage zu Regensburg an-
geordneten Untersuchung hat niemals etwas ver-
lautet. Nach einer andern Annahme (Mendelssohn-
Vartholdy und Helfert) ist der Mord von franz.
Emigranten ausgegangen. Nach einer dritten Hypo-
these wäre die That auf die franz. Kriegspartei
und Napoleon zurückzuführen; während andere (G.
Müller) die Blutthat als einen Nacheact der Köni-
gin Karoline Marie von Sicilien haben darstellen
wollen. - Vgl. Mendelssohn-Vartholdy, Der Ra-
statter Gesandtenmord (Zeidelb. 1869); Vivenot, Zur
Geschichte des Rastatter Kongresses (Wien 1871);
G. Müller, Der Nastatter Gesandtenmord (Lpz.
1873); Helfert, Der Rastatter Gesandtenmord (Wien
1874); G. Müller, Die neuesten Besprechungen des
Rastatter Gesandtenmordes (Dresd. 1876); Hüsfer,
Der Rastatter Kongreß und die zweite Koalition
(2 Bde., Bonn 1878-79); Heinr. von Sybel, Kleine
histor. Schriften, Vd. 3 (Stuttg. 1881); Vöhtlingk,
Napoleon Vonaparte und der Rastatter Gesandten-
nlord (Lpz. 1883); Obser, Bonaparte, Debry und
der Rastattcr Gesandtenmord (in der "Zeitschrift für
Geschichte des Oberrheins", Bd. 9, 1894).
Rastenberg, Stadt und Badeort im Verwal-
tungsbezirk Apolda des Grohherzogtums Sachsen-
Weimar, an der obern Lossa und am südwestl. Ab-
hang der Finne, an der Weimar-Rastenbcrgcr Eisen-
bahn (Nebenbahn, 36,? km), hat (1890) 1210 evang.
E., Post, Telegraph, Fernsprechverbindung, Neste
der alten Befestigungen, Sparkasse; Maillonfabrik
und drei Stahlquellen. Nördlich die Ruine der
Raspenburg.
Nastenburg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Königsberg, bat 874,31 ykin und (1890) 43 330
(20103 männl., 23 227 weibl.) E., 3 Städte, 69
Landgemeinden und 96 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt
im Kreis R., rechts an der Guber und an der Linie
Königsberg-Prostkcn der Ostpreuß. Eüdbahn, Sitz
des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht
Bartenstein) und einer Reichsbanknebenstelle, hat
(1890) 7304 E., darunter 243 Katholiken und 141
Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, königl.
Gymnasium, Landgestüt; Eisengießereien, Gelb-
gieherci, Zuckerfabrik, Brauereien, Ziegeleien,
Dampf- und Wassermühlen. In der Nähe Karls-
Hof, Heil- und Pflegeanstalt für Epileptische und
Arbeiterkolonie.
Rasteria, Insel, s. Spezzia.
Nastiflaw (Rostislaw), auch Nastiz genannt,
slaw. Fürst von Mähren (s. d., Vd. 11, S. 488 a).
Nastoptfchin, Graf von, s. Rostoptschin.
Naftral (Rostral, vom lat. i-a8U'uin, d. h.
.harke), fünffache, aus Messingblech gefertigte Reiß-
feder, mit welcher man die fünf Linien zur Noten-
schrift auf einmal ziebt.
Nastrick, Stadt in der engl. Grafschaft York,
im Wcstriding, 4 km nördlich von Huddersfield,
Station der Ostlinie der Lancashire- und 3)orkshire-
bahn, hat (1891) 9279 E., Lateinschule; Maschinen-
bau und Wollindustrie. ^(s. d.).
Nastriermaschine, soviel wie Liniiermaschine
Nafumbwskij, Alexej Grigorjewitsch, Graf,
russ. Feldmarschall, wurde 1709 im Dorfe Lemeschi
des Gouvernements Tschernigow als Sohn eines
Bauern geboren und für den Dienst in der Kof-
kapelle bestimmt. Sein schöner Gesang und seine
Gestalt erwarben das Interesse der Kaiserin Elisa-
beth, die damals noch Großfürstin war, in so hohem
Grade, daß sie sich heimlich mit ihm in der Kirche
des Dorfes Perowo bei Moskau trauen ließ. Sie
vermochte Kaiser Karl VII., R. 1744 zum deutschen
Reichsgrafen zu ernennen, worauf sie ihn in den
russ. Grafcnstand erhob. R. war ein durchaus un-
eigennütziger Charakter, der sich nie in öffentliche
Angelegenheiten mifchte. Er starb 18. Juni 1771
zu Petersburg.
Sein Bruder, Graf Kyrill Grigorjewitsch
R., geb. 29. März 1728, wurde ebenfalls von der
Kaiserin Elisabeth 1744 in den Grafenstand er-
hoben und 1750 zum Hetman von Kleinrußland
befördert. Doch wurde er dieser Würde durch die
Kaiserin Katharina II. 1764 enthoben, die ihn mit
dem Feldmarschalltitel entschädigte. Er nahm an
der Verschwörung gegen Peter III. teil, schloß sich
unter Katharina II. als Gegner der Orlow der
Partei Panins an und starb 21. Jan. 1803. Er
hinterließ mehrere Söhne, von denen zu nennen sind:
Alerej R., geb. 1748, gest. 1822, Minister des
öffentlichen Unterrichts unter Alexander I.; An-
drej R., geb. 2. Nov. 1752, war Gesandter in
Stockholm, Neapel und Wien, wurde 1815 in den
Fürstenstand erhoben und starb 23. Sept. 1836,