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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rawmarsh - Raynal (David)
Ekbatana und die Bewohner von Chusistan in dem
"Journal" der Londoner Geographischen Gesellschaft
niedergelegt hatte, wandte er sich ganz der Entziffe-
rung der Keilschristen zu. Es gelang ihm, die große
Darius-Inschrift von Vehistun zu erklären und aus
den von Layard in Kojundschit und Nimrud ent-
deckten Monumenten die überraschenden Resultate
zu gewinnen, die er 1850 der Asiatischen Gesellschaft
in London in seiner Abhandlung "On tns inZcrip-
tion8 ol ^ZZ^ria. anä ^U^ionia" vorlegte. Bald i
nachher begab er sich nach Bagdad und veröffentlichte ^
die Ergebnisse neuer Untersuchungen in den Werten l
"Outline ol tne kiLwi-^ 0k^88)i-iH, tl8 coll^cteä <
troin tiis in8cripti0N3 äi8c0V6l6ä d^ ^. H. I^H^arä !
in tlie rnin8 ot^inivoli" (Lond. 1852) und "No
inoranäuin on tlw inMication ok tds cnneiloi-in
in8crii)ti0N8)> (ebd. 1855). 1855 kehrte er nach Eng-
land zurück und wurde 1856 Direktor der Ostin-
dischen Compagnie. 1858 kam R. sür Reigate ins
Parlament. Vom Sept. 1858 bis April 1859 fun-
gierte er als Mitglied des Indischen Rats, dann
wurde er mit dem Charakter eines Generalmajors
zum außerordentlichen Gesandten in Teheran er-
nannt, trat jedoch schon nach Jahresfrist zurück.
Von 1865 bis 1868 vertrat R. Frome im Parla-
ment. Seit 1868 war er wieder als Mitglied des
Indischen Rats thätig, 1871 - 73 und 1875 -78
als Präsident der Geographischen Gesellschaft. Im
März 1878 wurde er an Stelle von Sir David Dun-
das zum 1ru8t66 des Britischen Museums erwählt.
Außer zahlreichen Iournalaussätzen erschienen von
ihm die monumentale Ausgabe der wichtigsten Keil-
schriftterte des Britischen Museums: "^no cunoi-
korin in8cription8 ok ^V63tern ^8iÄ" (5 Bde., 1861
-84; Bd. 4 in 2. Aufl. 1891) und eine Samm- !
lung von Artikeln über die Politik und Geographie
Centralasiens u. d. T. "I^n^nä anä I5n88iH in tiis
^a3t" (1875). Auch hat R. Erläuterungen zu der
von seinem Bruder George R. (geb. 1815 zu
Chadlington, 1861 -74 Professor der alten Ge-
schichte zu Orford und seit 1874 Kanonikus an der
Kathedrale zu Canterbury) in Gemeinschaft mit
Wiltinson herausgegebenen engl. Übersetzung des
Zerodot (4 Bde., Lond. 1858 - 60; 3. Aufl. 1876)
geliefert. Der letztere ist außerdem der Verfasser
einer Reihe histor. Werke über das Altertum, darun-
ter "1n6 iiv6 ßre^t mon^rcliieg ol tns ancient
vvoriä" (4 Bde., Lond. 1862 - 67 u. ö. mit Fort-
setzungen). Ein Verzeichnis der Schriften R.s findet
sich in den "Hniv6r8it^ Oii-cnwr3" der John Hopkins
University zu Baltimore, April 1889; eine Bio-
graphie von ihm veröffentlichte Flemming in den
"Beiträgen zur Assyriologic", Bd. 2 (1894).
Nawmarsh (spr.rähmahrsch), Stadt in der engl.
Grafschast Jorkshire, im West-Riding, im NO. von
EheMld, hat (1891) 11983 E., llitesserschmieden
und andere Stahl- und Eisenindustrie.
Rawtenftall (spr. raht'nstahl), Municipalbo-
rough in der engl. Grasschaft Lancashire, am Ir-
well, im NW. von Rochdale, hat (1891) 29507 E.
und bedeutende Baumwollindustrie.
Rawylpaß (srz. l^oi ä63 1^vin8), Paß der
Wildhorngruppe in den Freiburger Alpen, 2421 in !
hoch, zwischen Wildhornstock (3264 m), Rawvlhorn
(2908 m) und dem Massiv der Wildstrubelhörncr,
verbindet das Simmenthal im schweiz. Kanton
Bern mit dem Wallis.
Raxalpe, ein weit ausgedehnter Plateauberg
in den Österreichischen Alpen, nordwestlich vom
Semmering, an der Grenze von Niederösterreich
und Steicrmark. Die höchste Spitze ist die Heu-
kuppe (2009 m) an der Südwcstseite, mit herrlicher
Aussicht. Der Anstieg geschieht am besten von
Prein, 2 Stunden südwestlich von Reichenau, aus.
^?"z/, hinter lat. Tiernamen Bezeichnung für
John Ray oder Rajus oder Wray (spr. reh),
geb. 1627 zu Blacknotlay in der Grafschaft Esser,
gest. 1707, engl. Systematiker des Tierreichs.
Raygräben, s. Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6,
S. 628a).
Raygras (spr. reh-), englisch es und italieni-
sch es, s. I^oliuin; französisches, s. ^ri-nenH-
t1i6i-uin.
Rayleigh (spr. rehll), John William Strutt, Lord,
engl. Physiker, geb. 12. Nov. 1842, studierte in Cam-
bridge und wurde 1868 NH3t6r ol ^rt3', 1879-84
wirkte er als Professor der Experimentalphysik in
Cambridge und wurde 1887 Professor sür mathem.
Physik am königl. Institut zu London. 1873 war
er seinem Vater in der Pairswürde gefolgt. Außer
zahlreichen Abhandlungen über Gegenstände der
Akustik, Optik und Elektricitätslehre, die meist in
den "?1iii080pnical I>3.n8Hction8" der No^ai 8o>
ciet^ erschienen, schrieb er als Hauptwerk: "Die
Theorie des Schalls" (2 Bde., 1877-78).
Raymondblau (frz. Li6n Il^in0nä),s. Ber-
liner Blau.
Raymundus dePennaforti (I5aiinunän8 äe
Nupo korti), Scholastiker und Kanonist, ein Nach-
komme der Grafen von Barcelona und der Könige
von Aragonicn, geb. 1175 auf dem Schlosse Penna-
fort in Catalonien, studierte zu Bologna die Rechte,
wurde daselbst Lehrer des kanonischen Rechts und
1218 Kanoniker und Archidiakonus in Barcelona,
1222 Dominikaner. Gregor IX. ernannte ihn 1230
zum Beichtvater und Großpönitentiarius. Nach
Spanien zurückgekehrt, war er 1238-40 General
seines Ordens, widmete sich dann dem beschaulichen
Leben und starb 6. Jan. 1273 (oder 1275). Gre-
gor IX. ließ durch ihn ein systematisches, meistens
aus den frühern Dekretalen zusammengetragenes
Gesetzbuch aufstellen (1234), das fog. "vscrewiinin
(^r6F0i'ii I>. IX. I.iliri V". Die Kasuistik brachte
R. in eine scholastisch-wissenschaftliche Form in der
"8uininH ä6 z)06nit6ntia, 6t iNÄti-iinonio", gewöhn-
lich "3nininH RaiinunäiÄNÄ" genannt (hg. Köln
1495; Avignon 1715; Vencd. 1744). Clemens VIII.
sprach N. heilig (1601). - Vgl. Rockinger, Verthold
von Regensburg und Raimund von Peniafort im
sog. Schwabcnspiegel (Münch. 1877); Danzas, 3aint
Rl^nionä lio ?6nnakoi-t (Bd. 1, Poitiers 1885).
Raynal (spr. ränäll), David, franz. Politiker,
geb. 26. Febr. 1840 zu Paris, von jüd. Abkunft,
war Kaufmann in Bordeaux und wurde hier 187l)
in die Deputiertcnkammer gewählt, wo er sich der
republikanischen Linken anschloß. Im Sept. 1880
wurde er zum Nnterstaatssekretär der öffentlichen
Arbeiten ernannt und übernahm im Kabinett Gam-
betta 14. Nov. 1881 das Portefeuille der öffent-
lichen Arbeiten. Er trat 26. Jan. 1882 mit den
übrigen Mitgliedern des Gambettaschen Mini-
steriums zurück und bekleidete dann denselben
Posten im Kabinett Ferry (21. Febr. 1883 bis
30. März 1885). Unter Casimir-Perier war er vom
4. Dez. 1893 bis zum 22. Mai 1894 Minister des
Innern. Seine Amtsführung als Arbeitsmimster
war besonders gekennzeichnet durch die Verträge,
die er mit den großen Eisenbahngesellschaften, der