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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reef - Referendum
Reef, soviel wie Reff (s. d.).
Reefen, ^. Reff.
Reöll (frz.), in der Wirklichkeit existierend, wirk- >
lich vorhanden: redlich, vertrauenswert (s. Real). ^
Reepschlägereien, die großen, oft mit Dampf ^
getriebenen Werkstätten, wo die Schifsstaue ver- !
fertigt werden. Der Name stammt von dem nieder- !
deutschen Reep (engl. rops), d. i. Tau.
Rees. 1) Kreis im preuß. Reg.-Vez. Düsseldorf,
hat 523,82 ^m und (1890) 65807 (33949 münnl.,
31858 weibl.) E., 4 Städte und 40 Landgemeinden;
Sitz des Landratsamtes ist Wesel. - 2) Stadt im
Kreis R., rechts am Rhein, Sitz eines Amtsgerichte l
(Landgericht Duisburg), ist Dampferstation und bat z
(1890) 3841 E., darunter 288 Evangelische und 01 '
Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph, kath. und
evang. Kirche; Gerberei, Tabak-, Papier-, Schoko-
lade- und Cichorienfabrikation, Ziegeleien, Feldbau
und Schiffahrt. Bei dem Dorfe Meer oder Mehr,
südoMch von R., siegten 5. Aug. 1758 die Alliierten
unter Imhof über die Franzosen unter Chevert.
Reesfche Regel, s. Kettenrechnung.
Reetz, Stadt im Kreis Arnswalde des preuß.
Reg.-Bez. Frankfurt, nahe der pommerschen Grenze,
links an der Ihna, an der Linie Kallies-Stargard
in Pommern (1894 im Bau) der Preuß. Staats-
bahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Lands-
berg), hat (1890) 3166 meist evang. E., Post, Tele-
graph; mechan. Weberei, Färberei, Gerberei, Müh-
len, Spiritus-, Getreide-, Woll- und Viehhandel.
Neexpedition, Neuaufgabe und Weiterbeförde-
rung eines auf einer Eisenbahnstation angekomme-
nen Gutes nach einem weiter belegenen Orte. In
der Regel erfolgt die Weiterbeförderung desselben
Gutes ohne Veränderung, und unter dieser Voraus-
setzung wird die R. (gewöhnlich mit der Maßgabe,
daß alsdann für den gesamten Transportweg ein
direkter Tarif von der ursprünglichen Aufgabestation
bis zur endgültigen Bestimmungsstation zur An-
wendung gelangt) zu Gunsten größerer Zwischen-
handelsplätze im Fall der Lagerung des Gutes in
öffentlichen Lagerhäusern gewährt (Reerpedi-
tionstarif). Vielfach wird auch von einem strengen
Identitätsnachweis der reerpedierten Güter abge-
sehen und nur die Weiterbeförderung einer gleichen
Menge derselben Güter verlangt; oft ist aber auch
die Vornahme von Veränderungen nachgelassen, z.V.
die Verwandlung der Rohstoffe in Halb- oder Ganz-
fabrikate (Getreide in Mehl). Die Neexpeditions-
tarife gelten unter Umständen auch für die Weiter-
beforderung der Güter auf andern Verkehrswegen,
z. B. auf Wasserwegen, und heißen dann Umschlag-
tarife. (S. auch Eifenbahntarife, Bd. 5, S.889a.)
Refaktie (holl.; frz. re^ction), im Eisenbahn-
frachtwesen die Vergütung, welcke bei verhältnis-
mäßig starker Benutzung des Transportdienstes
einer Bahn von seiten eines und desselben Vesrach-
ters diesem ^ür sedes in Betracht kommende Jahr
von der Vahnverwaltung gewährt wird. Für jeden
Frachtposten ist zunächst der volle Tarifpreis zu ent-
richten; nach dem Jahresschluß wird aber der Ge-
samtbetrag nach den ermäßigten Sätzen berechnet
und dem Befrachter der gezahlte Mehrbetrag als
R. zurückerstattet. In der Regel ist die Gewährung
einer R. nur bei solchen Bahnen üblich, welchen
durch andere Bahnen oder durch eine Wasserstraße
Konkurrenz gemacht wird, und es ist dabei gewöhn-
lich die Einlieferung einer gewissen Mindestmenge
von Gütern zum Transport im Laufe des betreffen-
den Iabres Voraussetzung. Sofern eine R. im Taris
veröffentlicht und allgemein verbindlich ist, läßt sich
wenig gegen dieselbe sagen: sie ist eben der so viel-
fach anderweit vorkommende Vorteil des ohnehin
durch größeren Geschäftsumfang bevorzugten Groh-
kaufmanns. In besondern Fällen darf auch wohl
der Einzelne durch nicht öffentlich bekannte und nicht
allgemein verbindliche R. begünstigt werden; im
allgemeinen aber sind heimliche R. verwerflich; in
Preußen sind sie ausdrücklich verboten (s. Eisenbahn-
tarise, Bd. 5, S. 889 d). - Als Abzug im Waren-
handel bedeutet R. soviel wie ^u3ti (s. d.).
Resektion (lat.), Wiederherstellung, Labung; in
KlösternbesondcrsdieMahlzeitnachvierundzwanzig-
stündigem Fasten.
Refektorium (lat.), der gemeinschaftliche Speise-
saal in den Klöstern. (S. Kloster, Bd. 10, S.427d.)
Referat (neulat.), Bericht (s. d.).
Referendar (neulat.), eigentlich derjenige, wel-
cher einem andern Vorträge zum Behuf der Entschei-
dung zu halten (zu referieren) hat. In der neuern
Gerichtssprache bezeichnet man damit Angestellte im
Justiz- oder auch Verwaltungsfache, welche zwar nicht
^ Mitglieder eines Kollegiums sind, aber verschiedene
! Funktionen solcher, zugleich als Vorbereitungsdienst
für den Eintritt in das Kollegium, haben. Die
! Stellung ist nach Maßgabe der verschiedenen Ge-
richtsverfassungen verschieden. Nach §. 2 des Deut-
schen Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Jan.
1877 muß der ersten jurist. Prüfung ein mindestens
dreijäbriges Studium der Rechtswissenschaft auf
einer Universität (und zwar mindestens drei Halb-
! jähre auf einer deutschen Universität) vorangehen
! und ein mindestens dreijähriger sin Preußen vier-
! jähriger) Vorbereitungsdienst bei Gerichten, Nechts-
anwaltschaft und Staatsanwaltschaft folgen, ehe
die zweite, die Fähigkeit zum Richteramt gewäh-
rende Prüfung abgelegt werden darf. In Preußen,
Sachsen und andern deutschen Staaten werden die
Juristen im Vorbereitungsdienst R. genannt; in
Baden heißen sie Rechtspraktikanten, Refe-
rendäre dagegen die Gerichtsassessoren. Wennauch
nicht mehr wie früher durch eine Zwischenprüfung
ein Abschnitt im Vorbereitungsdienst gemacht wird
(s. Auskultator), so haben doch die R. nach zwcijäh-
! riger Beschäftigung gewisse besondere Rechte; so kann
ihnen nach §. 25 der Deutschen Rechtsanwalts ord-
nung die volle Stellvertretung eines Rechtsanwalts,
z nach §. 139 der Strafprozeßordnung von einem als
> Verteidiger gewählten Rechtsanwalt mit Zustim-
mung des Angeklagten dessen Verteidigung über-
^ tragen werden. Auch sind ihnen durch die Landes-
! gesetzgebung vielfach einzelne richterliche Geschäfte
! übertragen. Der Regel nach haben sie weder Stimm-
i recht noch Besoldung; doch wird letztere, z. V. in
Sachsen, ältern R. gewährt. In Preußen ist auf
auch nur vorübergehende entgeltliche Beschäftigung
der (1894: 3452) R. um so weniger Aussicht, als
kaum ein Viertel der (1894:1693) Gerichtsassessoren
(s. d.) entgeltlich beschäftigt wird. - Geheime
Referendäre heißen in manchen Staaten hohe
Ministerialbeamte, etwa gleich Staatssekretär.
Referendum (lat.), in der Schweiz das ver-
fassungsmäßige Recht des Volks, über die von den
! gesetzgebenden Versammlungen (für die gefamte
Eidgenossenschaft: National- und Ständerat) ent-
worfenen oder erlassenen Gesetze u. s. w. durch Ab-
stimmung zu entscheiden. Während in Graubünden
und den sog. Landsgemeinde-Kantonen, in welchen