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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rein (Georg Wilhelm) - Rein (Joh. Justus)
Montbre' im S., Marfaur im SW., Vrigny im W.
und Pouillon, St. Thierry und Chenay im NW.),
Sitz des Kommandos der 12. Infanteriedivision,
eines Erzbischofs, Gerichtshofs erster Instanz, Han-
delsgerichts, Schiedsgerichts, einer Handels- und
Ackerbaukammer, Akademie der Wissenschaften, Fi-
liale der Bank von Frankreich, Sparkasse, ist Mittel-
punkt einer bedeutenden Textilindustrie und hat
(1891) 95 620, als Gemeinde 104186 E. (6283
mehr als 1886), in Garnison das 132. und einen
Teil des 161. Infanterie-, je einen Teil des 10. Kü-
rassier-, des 3. und 8. Husarenrcgiments, das 14.
und 16. Dragonerregiment und das 3. Artillerie-
bataillon zu Fuß; ein Lyceum, ein Großes und
Kleines Seminar, Lehrerinncnseminar, mcdiz. und
pharmaceutische Vorschule, Erziehungsanstalten, bot.
Garten, zwei Hospitäler, Börse, Cirkus, Kasino u. a.
R. hat viele breite Straßen und Boulevards, 14
Plätze, darunter Place Godinot mit Fontäne und
Place Noyale die prächtigsten, und schöne Häuser
aus dem 14. bis 16. Jahrh., z. B. das Des Musi-
cicns und von Jacques Calou. Die got. Kathedrale
oder Notrc-Dame de N. (1212-1430) ist eine der
schönsten Kirchen Frankreichs <s. Tafel: Franzö-
sische Kunst I, Fig. 4 u. 6), mit Skulpturen, Sta-
tuen, Reliefs reich geschmückt, 138,69 m lang, im
Innern 30,i3 in breit (im Querschisf 49,45 m), 37,95 iu
hoch, hat an der Facade 530 Statuen, eine über
12 in im Durchmesser große Rosette, zwei 81^ in
hohe Türme, die 1480 durch Brand die Spitzen ver-
loren, mit 12300 kg schwerer Glocke (von 175M, im
Innern 122 Statuen an den Thüren, eine Orgel
mit 3516 Pfeifen und 53 Registern, Glasmalereien
meist aus dem 13. Jahrh., einen vergoldeten Hoch-
altar, an dem seit 1173 die franz. Könige (außer
Heinrich IV.) bis Ludwig XVI. und Karl X. vom
Erzbischof-Primas gekrönt und aus der heiligen
^lupulia. (s. d.) gesalbt wurden, herrliche Teppiche,
zum Teil aus dem 16. Jahrh., und einen kostbaren
Schatz (vgl. Marguet und Dauphinot, 1i-6L0l äs
III. catii^äi'Hio äo N., Par. 1867)-, daneben der erz-
bischöst. Palast (15. bis 17. Jahrh.), darin eine
Sammlung von Steinarbeiten mit dem Marmor-
sarkophag des röm. Präsektcn Iovianus aus dem
4. Jahrb., woran eine Löwenjagd abgebildet. Im
5. die alte Abteikirche St. Remi (1041-1481), teils
romanisch, teils gotisch (110 ni lang, 24 in breit
und hoch), der Kathedrale ühnlick; sie enthält
das Grabmal des heil. Remigius. In der Laoner
Vorstadt ist die moderne Kirche St. Tbomas mit
Grabmal und Standbild des Kardinals Gousset
(gest. 1866) von Bonnassieur. Sonstige Gebäude
sind das Rathaus im Renaissancestil, begonnen
unter Ludwig XIII., vollendet 1825, mit Glocken-
turm, enthält die Bibliothek mit 100000 Bänden
(darunter 172 Inkunabeln) und 1700, zum Teil
höchst wertvollen Handschriften, und das Museum,
das außer Gemälden noch andere Sammlungen
enthält, wie 1^6 ^Iu886 du vin äs OIiainM^ns, der
Iustizpalast, das Theater und das Hotel-Dieu,
früber Abtei St. Remi. An der Place de la Rö-
publique steht die restaurierte Porte de Mars, ein
dreithorigcr röm. Triumphbogen aus dem 4. Jahrh.,
der bis 1544 Stadtthor war, dann verschüttet, 1812
frei gelegt wurde. In den Anlagen am Bahnhof
steht das Vronzestandbild Colberts, von Guillaume,
an der Place Drouet die Bronzestatue des Marschalls
Drouet d'Erlon und auf dem Königsplatz das Erz-
standbild Ludwigs XV.
Brockhaus' Konversationslexikon. 14. Aufl. XIH.
Die Industrie ist sehr bedeutend namentlich in
Reimser Artikeln (Tuch, Flanelle, Merinos, Decken,
Strümpfe und andere Wollwaren) und in Her-
stellung von vorzüglichen Schaumweinen, wozu ge-
waltige Kellereien in den Kalkschichten der nächsten
Umgebung angelegt sind; ferner in berühmten
Pfefferkuchen und Biskuits sowie Schokoladen, Öl,
Leinwand, Wollkratzen und chem. Produkten sowie
in Brauerei und Lohgerberei. Der Handel ist sehr
lebbaft in Getreide, Fabrikaten und vor allem in
Wein, mehr als 50 große Handelshäuser (Roederer,
Mme. Pommery) beschäftigen mehr als 1600 Ar-
beiter und sandten 1891/92: 19,685 Mill. Flaschen
Champagner in das Ausland, während 4,55 Mill.
im Lande blieben. - R. war Hauptstadt der Remi
im belg. Gallien, hier erlitt 400 Bischof Nicasius
den Märtyrertod, taufte 496 Bischof Remigius (St.
Remi) den Frankenkönig Chlodwig; nach dessen
Tode kam R. zu Austrasicn, 843 an Karl den Kah-
len, im 9. Iabrh. an die Grafen von Vermandois;
Ludwig IV. schenkte N. dem Erzbischof, der nun
Graf, durch Ludwig VII. Herzog von N. wurde.
In R. wurden 813, 1049, 1119 und 1147 Konzile
abgehalten. 987 wurde der erste Kapetinger Hugo
in R. gekrönt; N. wurde nun überhauptdie Krö-
nungsstadt von Frankreich; zuletzt wurde 1825
Karl X. hier gekrönt. Am 17. Juli 1429 ließ Ieanne
d'Arc, die im erzbischöfl. Palast wohnte, Karl VII.
krönen. Bei R. besiegte Napoleon die Russen unter
Saint-Priest 13. März 1814. Am 4. Sept. 1870
wurde R. von den Deutschen besetzt und war vom
5. bis 14. Sept. das deutsche Hauptquartier. - Vgl.
Marlot, lliätoirs äe N. (3 Bde., Reims 1843-45);
Iustinus, Iv., 1H vill6 ä63 8Ä0I-63 (Par. 1860).
Rein, Georg Wilhelm, Pädagog, geb. 10. Aug.
1847 zu Eisenacb, studierte 1866-69 in Jena und
Heidelberg Tbcologie und bis 1871 in Leipzig Phi-
losophie und Pädagogik. Nachdem er ein Jahr an
der Realschule in Barmen angestellt gewesen, wurde
er 1872 Scminarobcrlchrer in Weimar, 1876 Se-
minardircktor in Eijcnach und 1886 Professor der
Pädagogik und Direktor des Pädagogischen 11m-
versttätvscminars in Jena. Er veröffentlichte u. a.
"Hcrdarts Regierung, Unterricht und Zucht" (Eise-
nack 1873; 3. Aufl., Wien 1881), "Theorie und
Praxis des Volkssckuluntcrrichts nach Herbartschen
Grundsätzen" (mit A. Pickcl und E. Schiller, 8 Bde.,
Dresd. 1878-84; 2., zum Teil 3., 4. u. 5. Aufl.,
1886-95), "Pädagogik im Grundriß" (2. Aufl.,
Stuttg. 1892), "Am Ende der Schulreform" (Langen-
salza 1893). Außerdem bearbeitete er die Geschichte
des Zcickcnunterrickts in Kehrs "Geschichte der Me-
tbodikdesdeutsckenVolksunterrichts",Vd.4(2.Aufl.,
Gotha 1889). Auch ist er Begründer und Heraus-
geber der "Pädagogischen Studien" (Bd. 1-2, Wien
1875-77; Bd.'3, Tresd. 1879; Neue Folge als
Viertcljahrsschrift, Dresd. 1880-93). Gegenwärtig
erscbeint von ihm: "Encvklopäd. Handbuch der Päda-
gogik" (Langensalza). Seit 1894 giebt er mit Pastor
Flügel in Wanslcben bei Halle die "Zeitschrift für
Philosopbie und Pädagogik" (Langensalza) heraus.
Nein, Joh. Iustus, Geograph, geb. 27. Jan. 1835
zu Nauenbcim a. M. im Großherzogtum Hessen,
wirkte als Lehrer in Rcval, auf den Bermudasinseln,
in Frankfurt a. M., wo er zweimal Direktor der
Scnkenbergischcn naturforschcnden Gesellschaft war,
macbte Studienreisen in Europa, Amerika und Nord-
afrika und begab sich 1873 im Auftrag der preuß. Re-
gierung nach Japan, um Industrie und Handel dieses
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