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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reiten (im Kartenspiel) - Reitwurm
unter den Pferdekörper in der Richtung nach vorn
die Hinterhand mehr zu beschweren als die Vorhand.
Die Campagnereiterei begnügt sich mit der Ver-
legung des Schwerpunktes unter den Sitz des Rei-
ters, sog. gewöhnliches Gleichgewicht; die Schul-
reiterei verlegt den Schwerpunkt in einzelnen Lektio-
nen (z. B. bei der Pcsade) bis zwischen die Husten des
Pferdes und erzielt so das künstliche Gleichgewicht.
Die neuere Reitkunst hat ihre Wiege in Italien
und zwar in Neapel, wo im Ansang des 16. Jahrh,
ein Edelmann Federico Griso die erste Rcitakademie
errichtete, die vom Adel säst ganz Europas besucht
wurde. Sein berühmtester Schüler ist Pignatclli
(Erfinder der nach ihm benannten Kandare), der
wieder drei seiner Schüler zu Rcitkünstlcrn ersten
Ranges heranbildete; Pluvincl und de la Vroue
begründeten das Aufblühen der Reitkunst in Frank-
reich, Saint-Antoine war der erste wirkliche Stall-
meister in England. In letztcrm Lande war ein
hoher Förderer der Reitkunst Cavcndish, später Her-
zog von Newcastle, Stallmeister am Hose Karls II.
und zu seiner Zeit die erste Autorität auf dem Ge-
biete der Reitkunst; während seiner Verbannung
aus England hielt er eine Reitschule in Antwerpen.
Zur höchsten Vollkommenheit gelangte die Schul-
reitcrei um die Mitte des 18. Jahrh, in Frankreick
durch die Reitschule von Versailles, die sich eines
europ. Russ ersrcute. Als Reformator der Reit-
kunst trat de la Gueriniere auf, der in seiner "öcole
ä6 oaviiieriL" (1733) eine wissenschaftliche Grund-
lage gab, auf der noch heute weiter gebaut wird.
In Deutschland hatten im 18. Jahrh, die Ncitsckulen
zu Coburg und Wien einen großen Ruf; in Wien
gab es eine span. Hosrcitschule für Schulreiterei
und eine Reitschule für Campagnereiterei. Durch
den ältern Ayrer, der seine Ausbildung zu Wien
erhielt, wurde die Reitschule zu Göttingen berühmt
und behauptete ihren Ruf durch den jüngern Ayrer
bis in die neuere Zeit. Berühmte Stallmeister
außer dem genannten Ayrer waren Hünersdorf
m Cassel und Wcyrother in Wien; des letztern
talentvollster Schüler war Louis Sceger (1844),
aus dessen Schule besonders Stembrccht zu nennen
ist. In Frankreich spalteten sich gegen Ende des
18. Jahrh, die Vertreter der Reitkunst in die akade-
mische Richtung (Nni80n äu roi und ^lane^o äs
V6l8Hi1l68) und in die Militär. Richtung (Reitschulen
zu Versailles, Angers, St. Germain, Eaumur).
Um 1840 machte sich in Paris durch ein besonderes
Dressur- und Reitsystcm der Stallmeister Vauckcr
(s. d.) einen Namen, fand indessen nur einen sebr
bedingten Beifall. In der heutigen Zeit ist die
Schulreitcrei gegen die Campagnereiterei sehr zu-
rückgetreten.
Litteratur, von Nadosy, Equitationsstudicn
u. s. w. (2. Aufl., Wien 1855); Schilling von Can-
statt, Reitkunst und Dressur (Stuttg. 1866); von
Oeynhauscn, Gang dcs Pferdes und Sitz dcs Reiters
(Wien 1869); von Colomb, Campagnereiterci und
Remontcdressur (Berl. 1870); Iähns, Roß und
Reiter in Lcbcn und Sprache, Glauben und Ge-
schichte der Deutschen (2 Bde., Lpz. 1872); Montc-
ton, Über die Reitkunst (Abteil. 1: Anglomanie und
Reitkunst, Stendal 1877; Abteil. 2: Re'iterpredigten,
1879); von Krane, Anleitung zur Ausbildung der
Kavallerieremonten (2. Aufl., Verl. 1879); Seidler,
Die Dressur des Pscrdes (Tl. 1, 5. Aufl., ebd. 1882;
Tl. 2, 2. Aufl., ebd. 1879); Instruktion zum Reit-
unterricht für die Kavallerie (2 Tle., Verl. 1882);
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. XIII.
von Rosenberg, Zusammengewürfelte Gedanken
über unsern Dienst (Rathenow 1884); Blanka von
Wobeser, Reitinstruktion für Damen (2. Aufl., Verl.
1884); von Öttingen, über die Geschichte und die
verschiedenen Formen der Reitkunst (ebd. 1885);
Stcinbrccht, Das Gymnasium des Pferdes (bearb.
von Plinzner, Potsd. 1885); Schönbeck, Reithand-
buch für berittene Offiziere der Fuhtruppen (3. Aufl.,
Lpz. 1887); Heinze, Pferd und Reiter, oder die Reit-
kunst in ihrem ganzen Umfange (6. Aufl., ebd. 1889);
Käftner, Die Regeln der Reitkunst in ibrer Anwen-
dung auf Campagne-, Militär- und Schulreiterei
(4. Aufl., ebd. 1892); Duplessis, I^uitatwii en
I>anc6. 863 6cc>Is3 et 868 maiti-68 äepuig 1o
XV° 8iecl6 ^i8hn'ö. no8 Mi'3 (Par. 1892); James
, Fillis, Grundsätze der Dressur und über die Reit-
! kunst <?lincip63 äs äl638a^6 6t ä'eyuitation, ins
! Teutsche übertragen von M. von Ianscn, genannt
! von der Osten, Verl. 1894).
Reiten, im Kartenspiel, s. Impaß.
Reitende Jäger, eine zu verschiedenen Zeiten
bier und da angewandte Bezeichnung für Truppen-
teile leichter oder mittlerer Kavallerie, die mit
Schußwaffen ausgerüstet waren, ohne dah ihre
Verwendung eine andere gewesen wäre als die der
übrigen Kavallerie. In diesem Sinne gab es R. I.
vorübergehend in verschiedenen Armeen; in Frank-
reich haben sich die (^a886ui-8 ü. ckeval (s. d.) als
besondere Gattung der leichten Kavallerie bis heute
erhalten. Etwas'durchaus anderes waren die be-
rittenen Jäger (Förster), welche bei den Truppen
des Großen Kursürsten auftraten, und ebenso auch
die Freiwilligen Jäger der Befreiungskriege.
Reiter, deutsche Reiter (frz. i-6itr68), Pisto-
liers, eine im 16. Jahrh, namentlich in den nieder-
länd. und hugenottischen Kriegen vielsach genannte
Reitergattung. (S. Deutsche Reiter.)
Re'lteration (lat.), Wiederholung.
Reiterdenkmal, Reiterstandbild, Reiter-
st atue, s. Statue.
Reiterei, s. Kavallerie.
Reiterhammer, s. Streithammer.
Reiterlein, Stern, s. Alcor.
Reithaus, s. Reitbahn.
Reithoffer, Johann Nepomuk, Erfinder der
Kautscbukwcbcrei, geb. 13. April 1791 zu Feldsberg
in Niederösterreich, erfand in Wien die Kunst, sog.
Gummifäden (f. Gummiwarenfabrikation, Bd. 8,
^. 557d) herzustellen und dieselben zu Geweben zu
verarbeiten. Die 1828 patentierte Erfindung wurde
von ihm im Laufe der dreißiger und vierziger Jahre
vervollkommnet. Er starb 6. Mai 1872 zu Mauer bei
Wien. - Vgl. Johann Nepomuk R. Ein Lebens-
bild, entworfen von seinen Söhnen Ludwig und
Moritz (Wien 1894).
Reitinstitute, s. Reitschulen.
Reitknochen, s. Ererzierknochcn.
Reitkunst, s. Reiten.
Reitlicenz, s. Jockey.
Reitmafchine, s. Velociped.
Reitmaus, s. Wühlmaus. sS. 493d).
Rcitnagel, ein Teil der Drehbank (st d., Bd. 5,
Itbitres (frz., spr. rähtr), s. Reiter.
Reitschulen, Reitinstitute, Privatanstalten
zur Erteilung von Neitunterricht oder militär. Lehr-
anstalten, wie Militärreitschulen (s. d.), Militärreit-
institut ls. d.), Equitationsschulen (s. d.).
Reitstock, ein Teil der Drehbank (s. d., Bd. 5,
Reitwurm, s. Maulwurfsgrille. ^S. 493d).
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