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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reißnägel - Reiten
R. v trägt. Wird der Fuß auf einer eben ge-
hobelten eisernen Platte (Richtplatte) verschoben,
so kann man mit der Spitze auf dem auf der Nicht-
platte entsprechend aufgestellten Arbeitsstück Linien
vorreißen, die genau der Ebene der Richtplatte pa-
rallel sind. Die feinere Einstellung der Spitze ge-
schieht bei bessern R. durch eine Mikrometerschraube N.
R. wird auch die Radiernadel (s. d.) genannt.
Reißnägel, Reißzwecken, Hestzwecken,
Nägel mit kurzen Stiften und flachem Kopf, mit
denen man Zeichenpapicr auf dem Reißbrett be-
festigt. In der Regel werden die Spitzen aus Stahl
und die Köpfe aus Messing gefertigt. Im Handel
sind R. von 2 bis 20inm Stiftlänge erhältlich, welche
letztere auch alsTeppichnägel Verwendung finden.
Reißnersche Haut, s. Gehör (Bd. 7, S. 690d).
Reißschiene, s. Zeichengeräte.
Reißspitze, s. Radiernadel.
Reisstangen, Gerten, s. Holzaufbereitung.
Reisstar, f. Paperling.
Reisstärke, s. Reis (S. 744 d).
Reißzahn, s. Raubtiere.
Reißzeug, das wichtigste Zcichengerät für den
technischen Zeichner. Für gewöhnlich befindet sich
in einem Besteck, welches weitgehenden Anforde-
rungen genügt: ein Handzirkel, ein Einsatzzirkel mit
Bleifeder- und Ziehfedereinsatz sowie Centrierfuh
und Verlängerungsstange, ein Nullenzirkel, ein
Teilzirkel, ein Satz Ziehfedern, Punktiernadel und
Zirkelschlüssel. (S. auch Zirkel und Zeichengeräte.)
Reißzirkel, s. Zirkel.
Reißzwecken, f. Reißnägel.
Reisvogel, s. Prachtfinken.
Reitbahn (frz. m^nöAs), ein zur Abhaltung von
Reitunterricht und Neitübungen bestimmter offener
oder überdeckter, rechteckiger Platz. Eine allseitig
geschlossene R. (Reit haus) sollte mindestens 15 m
breit und 35 m lang sein. Die Fenster liegen hoch,
die Wände sind mit Bohlen zu beschlagen (Ban-
den, s. d.). Der Boden soll trocken und elastisch sein.
Die Unterlage bildet eine festgestampfte Lehmschicht
mit einer Mischung von Sand, Sägespänen und Lohe.
Die bedeckten R. haben häufig einen Vorraum (Kühl-
stalt) für die Pferde und eine Galerie (Tribüne) für
die Zuschauer. Über Hufschlag s. d. Für die
Zwecke der Schulreiterei finden sich in einer R. Pi-
laren (s. d.) und eine Kalade (s. d.). Berühmt ist die
von Fischer von Erlach erbaute R. in der kaiserl.
Burg zu Wien (Winterreitschule). Im 18. Jahrh,
gehörte eine künstlerisch ausgestattete N. zu dem Be-
dürfnisse eines Hofes.
Reitbahnbewegungen, eine Krankheitser-
scheinung, s. Manegebewegungen.
Reiten, die Kunstfertigkeit, ein Tier, auf dessen
Rücken man sitzt, durch die Einwirkung des eigenen
Körpers nach Gefallen zu tummeln. Wenn auch
eine ganze Reihe vierfüßiger Tiere, Esel, Maultier,
Kamel, Elefant, Renntier, einige Arten des Rind-
viehs und selbst eine Vogelart, der Strauß, zum R.
Verwendung finden, so hat doch das R. auf dem
Pferde die größte Bedeutung und wird vorzugs-
weise als R. bezeichnet.
Die Reitthätigkeit als solche, zunächst gänzlich los-
gelöst von jedem anderweitigen praktischen Zweck,
kann zur Reitkunst erhoben werden; meistens aber
wird sie zur Erfüllung anderer Aufgaben (im Kriegs-
wesen, bei der Jagd, auf Reisen) benutzt.
Der Reiter muß es verstehen, bei den Bewegun-
gen des Pferdes (s. Gänge des Pferdes) auf dem-
selben Sitz und Haltung zu bewahren und diejenigen
Einwirkungen (Hilfen, s. d.) auf das Pferd auszuüben,
vermöge deren dieses den Willen des Reiters zu er-
kennen vermag und demselben nachzukommen ge-
nötigt wird. Zum R. ist eine derartige Dressur
des Pferdes erforderlich, daß dieses die zum Tragen
des Reiters günstigste Haltung, das Gleichgewicht,
annimmt, ferner seine Körperkraft, namentlich
diejenige seiner Gliedmaßen, in der vorteilhaftesten
Weise gebraucht, und daß das Eingehen auf die
Hilfen des Reiters ihm zur zwingenden Gewohnheit
wird. Durch die Dressur soll dieUnterwerfung des
Tiers unter den Willen des Reiters herbeigeführt
werden, ohne dasselbe indessen zur Maschine herab-
zuwürdigen, sondern unter Belassung einer gewissen
Selbstthütigkeit, die der Reiter bei schwierigen Auf-
gaben nur zu seinem Nachteil entbehren würde.
Sitz und Hilfen des Reiters dürfen das Pferd in
der Entwicklung einer besonnenen Kraftentfaltung
nicht stören; man bezeichnet dies mit dem Aus-
druck: das N. muß durchlässig sein. Diese er-
forderliche Durchlässigkeit des R. gestattet übrigens
in Bezug auf Sitz und Haltung des Reiters im
einzelnen einen weiten Spielraum. Die Indianer,
Araber, Kosaken, kurz die meisten eigentlichen
Reitervölker, reiten z. B. mit hochgezogenen Knien,
krummem Rücken, verhängten Zügeln, während
der europ. Reiter einen langen gestreckten Sitz,
gerade Haltung, anstehende Zügel braucht, um nach
seiner Manier das Pferd seinem Willen dienstbar
zu machen. Der Grund dieser Verschiedenheit liegt
wohl darin, daß jene Reitervölkcr es verstehen, durch
Gewichtshilfen, Zurufe und Zeichen der allerver-
schiedensten Art sich ihren Tieren, mit denen sie stets
in engster Gemeinschaft leben, verständlich zu machen,
während der Kulturmensch dem Pferde seinen Willen
durch schwer abzumessende und schwer verständliche
Zügel-, Schenkel- und Gesähhilfen kundgeben muß.
Die methodische Heranbildung des Pferdes bei den
civilisierten Völkern zeigt wiederum die größten
Verschiedenheiten je nach dem Gebrauch, den man
von dem Pferde machen will. Ist das R. Selbst-
zweck, so spricht man von Schulreiterei, die nach
dem Grade der Leistungen in die Niedere und die
HoheSchule zerfällt, welche letztere besonders auch
als Reitkunst bezeichnet wird, während zur Kunst-
oder Cirkusreiterei außer der Hohen Schule
namentlich eine Reihe gymnastischer Leistungen ge-
hören, die dem R. nur in gewissem Grade ver-
wandt sind. Die Campagnereiterei (s. Cam-
pagne) oder Soldatenrcitcrei hat den praktischen
Gebrauchszweck, im besondern den Kriegszweck im
Auge; wieder andere Gesichtspunkte sind bei dem
N. auf der Rennbahn und der Jagd, der sog. Sport-
reiterei (s. d.), maßgebend. Wesentliche Unter-
schiede endlich, die namentlich aus der Verschieden-
heit des Sitzes hervorgehen, bestehen zwischen
Herren- und Damenreiten (s. d.).
Im rohen Pferde liegt der Gewichtsschwerpunkt
in der von Kopf und Hals belasteten Vorhand. Da
diese aber im Verhältnis zur Hinterhand die schwä-
chern Knochen hat, die bei der natürlichen Haltung
des Pferdes sich bald verbrauchen würden, und da
andererseits behufs rascher Wendungen und um die
Beherrschung des Pferdes durch den Reiter zu er-
möglichen, die Hinterhand die Hauptlast des Kör-
pers zu tragen lernen muß, so ist die Reitkunst be-
strebt, durch Aufrichtung von Kopf und Hals des
Pferdes sowie durch Unterschiebung der Hinterbeine