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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reislaufen - Reißnadel
Reislaufen (d. h. in eine Reise oder einen Kriegs-
zug laufen), das vereinzelt schon im 13., hauptsäch-
lich aber seit dem 15. Jahrh, in der Schweiz ge-
bräuchlich werdende Ausziehen junger Männer als
Söldner (Reisscr oder Reisläufer genannt) in den
Kriegsdienst fremder Staaten. Das freie R. wurde
von den Kantonen öfters vergeblich verboten, die
Negierungen suchten es durch sog. Kapitulate, Sold-
verträge, staatlich zu ordnen. Im 18. Jahrh, begann
eine patriotische Opposition dagegen, die sich im
19. verstärkte und teilweise Erfolge hatte, als 1830
und 1848 in Frankreich und in Neapel die Schwcizer-
garden den Despotismus verteidigen mußten und
übel mitgenommen wurden. Erst 1859 wurde durch
Vundcsbcschluß dem R. ein Ende gemacht.
Reismehl, s. Reis (S. 744).
Reismelde, s. Otienoiwäwin.
Reismühlen, mcchan. Vorrichtungen zum Schä-
len des Reises, bestehend in einem Pochwerk (Ham-
merwerk) oder in Schälmaschinen, welche den Grau-
penmühlen (s. d.) ähnlich sind.
Reispapier oder chinesisches Markpapier,
ein aus China stammendes, zur Aquarellmalerei und
zur Blumenfabrikation verwendetes papierähnliches
Material, das in feinen, spiralförmig abgeschälten
Blättern von der schneeweißen Wurzel von ^68c1i^-
N0MLN6 Mlnä083. Aonk. oder aus dem Mark von
^i-alii^ Mp^i-ikoi^ ^loo/c. gewonnen wird.
Reiß, Wilh., Forschungsreisender, geb. 13. Juni
1838 zu Mannheim, bereiste 1858 -00 die Azo-
ren, Madeira und die Canarischcn Inseln, 1866
mit K. von Fritsch und A. Stüoel Griechenland.
Mit Stübel unternahm er 1868 - 76 eine an
wissenschaftlichen Nefultaten reiche Entdeckungsreise
nach Südamerika, den Magdalenenstrom aufwärts,
nach Bogota, dann durch das Caucatbal nach Po-
payan, Pasto und Quito. Nach fünfjährigem Auf-
enthalt, während dessen der Cotopari zum ersten-
mal bestiegen wurde, wandten beide Forscher sich
nach Peru, fuhren den Amazonenstrom hinab und
besuchten die Küste Brasiliens. 1877-92 lebte R.
in Berlin, dann in Könitz (Thüringen), war 1885
-87 Vorsitzender der Gesellschaft für Erdkunde in
Berlin, 1888 Vorsitzender der Berliner Anthropo-
logischen Gesellschaft. R. veröffentlichte gcolog. Ar-
beiten über die Infel Palma, Eta. Maria, Tcnerifa,
Santorin, die Kaimeni-Inscln, Agina und Me-
thana, mit Etübel Prachtwerke über "Das Toten-
seld von Ancon in Peru" (Bcrl. 1880-86), "Kultur
und Industrie südamerik. Völker" (ebd. 1889-90)
u. s. w. Über seine südamcrik. Reise berichtete er in
Vorträgen in der Gesellschaft für Erdkunde (1877 u.
1880); die wissenschaftlichen Resultate sind nieder-
gelegt in R. und Stübel, "Reisen in Südamerika"
<Verl. 1890 fg.).
Reitzblei, Mineral, s. Graphit.
Reißbrett, s. Zcichengeräte.
Reißer, ein Werkzeug der Korbflechterei (s. d.).
Reißfeder, s. Zcichengeräte.
Reissiger, Karl Gottlieb, Komponist, gcb.31.Ian.
1798 zu Velzig bei Wittcnberg, studierte seit 1818
auf der Universität Leipzig, trieb unter Schicht
Kompositionslehre und widmete sich bald ganz der
Kunst. Er verließ 1821 Leipzig, um in Wien seine
Studien fortzusetzen, und ging 1822 nach München,
wo er unter anderm die Oper "Dido" schrieb. 1823
kam er nach Berlin, wo er vom Könige von Preußen
die Mittel zu einer Reise nach Frankreich und Ita-
lien erhielt, zugleich mit dem Auftrage, genaue Ein-
Schafwollhaar 8,3 Km
Baumwollfaser 23,0 "
Flachsfaser . . 24,0 "
Rohseide . . . 32,0 "
sicht in die musikalischen Lehranstalten beider Län-
der zu nehmen. R. kehrte 1825 nach Berlin zurück
und wurde Lehrer am königl. Institut für Kirchen-
musik. Im Nov. 1826 erhielt er einen Ruf als Musik-
direktor nach Dresden (an Marschners Stelle), wel-
chem bald die Ernennung zum Kapellmeister folgte.
Hier entfaltete nun R. feine Hauptthätigkeit als
Dirigent und Komponist. Er starb 7. Nov. 1859 in
Dresden. Von seinen Werken hatten das Melo-
dram "Jelva" und die Oper "Die Felsenmühle" den
größten Erfolg. Gegenwärtig haben sich nur noch
Lieder von R. und die Ouvertüre zur "Felsenmühle"
im Gebrauche erhalten.
Reißlänge, ein für Fasergebilde eingeführtes
Maß der Zerreißfestigkeit, dessen Anwendung die
Messung des Querschnittes der Versuchsobjekte ent-
behrlich macht; sie giebt diejenige Länge eines faden-
förmigen Körpers an, bei welcher derselbe freihängcnd
infolge seines Eigengewichts zerreißt. Als Maß-
einheit wählt man am besten das Kilometer. So ist
z. B. die R. von
Blei.........0,18 km
Gußeisen.......1,8 "
Schmiedeeisen .... 5,2 "
Gußstahl.......18,2 "
HolzinderFascrrichtung 10,7 "
Der Begriff der N. hat neuerdings cme praktische
Anwendung bei der Einführung von Normen für
die Festigkeitseigenschaften der Papicrsorten gefun-
den. Ein gutes llrkundenpapier soll eine R. von
mindestens 5 km (und zugleich eine Bruchdehnung
von 4 Proz.) haben.
Reißmaun, Aug., Musikschriftstellcr und Kom-
ponist, geb. 14. Nov. 1825 zu Frankenstein (Schle-
sien), erhielt seine musikalische Ausbildung in Bres-
lau, lebte 1850-52 in Weimar, dann in Halle a. S.
und Berlin, 1880 in Leipzig, dann in Niesbaden,
jetzt in Berlin. Von seinen Arbeiten seien genannt:
"Geschichte des deutschen Liedes" (Berl. 1874), "R.
Schumann" (3. Aufl., ebd. 1879), "F. Mendclssohn-
Vartholdy"(3.Aufl., Lpz.1892),
"I. Haydn" (Berl. 1879), "G.
F. Händel" sebd. 1882), "Illu-
strierte Geschichte der deutschen
Musik" (2. Aufl., Lpz.1892).
Das "Musikalische Konversa-
tionslexikon" von Gathy gab
er neu heraus (3. Aufl., Verl.
1871), das von Mendel (neue
Ausg., 11 Bde. und Ergän-
zungsband, Lpz. 1890 - 91)
vollendete er. Seine Kompo-
sitionen bestehen aus Opern,
einem Oratorium "Wittetind",
zwei Sinfonien, den dramat.
Scenen "Drusus' Tod", "Lore-
ley" und "König Drosselbart",
Kammermusik und Liedern.
Reifmadel, Parallel-
reiner, ein in Maschmen-
werkstatten gebrauchtes Werk-
zeug, das dazu dient, an einem
rohen Guß- oder Schmiedestück
diejenigen Linien und Punkte
genau vorzuzeichncn ("anzureißen"), nach denen die
Bearbeitung (Hobeln von Flüchen,Bohren von Lö-
chern, Fräsen von Nuten u.s.w.) geschehen soll. DieR.
besteht (s. vorstehende Abbildung) aus einem Fuß ^
mit ebener Untcrstäche. An der Stange N ist ein
Schiebestück 0 verstellbar, welches die eigentliche