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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Remagen - Rembrandt
ward vom Vater, wider seine Neigung, zum 'Musiker
erzogen, trat nach dessen Tode 1810 als Artillerist
in den preuß. Militärdienst, wurde Offizier, nadm
jedoch 1821 den Absckicd, um sich auvscklicßlich
der Litteratur und den schönen Künsten zu widmen.
Nachdem er in Frankfurt a. O., Dresden, Heidel-
berg und Vonn littcrar. und philol. Studien obge-
legen, sich auch dichterisch mit Glück versucht und
1824 und 1825 noch mehrfache Ncisen unternommen
hatte, ward er 1826 Redacteur und Musikreferent bei
der "Vossischen Zeitnng" in Berlin. R. starb in der
Nacht zum 28. Nov. 1860. Nicht wenig zum Vekanm-
werden seines Namens trug seine unter dem Namen
Fr ei mund Zuschauer veröffentlichte Schrift
"Henriette ^Sontag^ oder die schöne Sängerin" (Lpz.
1827) bei, eine säur. Tagesgeschichte, die ibm eine
mehrmonatige Gefängnisstrafe zuzog. Daneben
zeichnete er sich auch als Romanschriftsteller aus:
seine Hauptwerke sind "1812" (4 Bde., Lpz. 1834;
6. Aufl. 1892) und "Drei Jahre von Dreißigen"
(5 Bde., ebd. 1858). Weniger glücklich war R. in
seinen dramat. Versuchen, obschon sein Schauspiel
"Eugen Aram" (nach dem Roman Bulwers) sich
längere Zeit auf dem Repertoire erhielt. Auch ver-
faßte R. zahlreiche Operntexte, wie z. B. zu Meyer-
beers "Feldlager in Schlesien". Seine "Gesammel-
ten Schristen" (Lpz. 1860-61) umsassen 24 Bande.
Noch kurz vor seinem Tode begann R. die Veröffent-
lichung feiner Selbstbiographie "Aus meinem Leben"
(2 Bde., Berl. 1860).
Remagen, Stadt im Kreis Ahrweiler des preuh.
Reg.-Bez. Koblenz, am linken Rheinufcr, an den
Linien Köln-Bingcrbrück und R.-Adcnau (41,6 kin)
der Preuß. Staatsbahncn, ist Dampserstation und
hat (1890) 3218 (5., darunter 222 Evangelische und
50 Israeliten, Post zweiter Klasse, Tclcgrapb, drei
tath., eine evang. Kirche, Synagoge,Kloster St. Anna
mit Pensionat, höhere Knabenschule, evang. Mäd-
chenpensionat, Wasserleitung, Kanalisation, elek-
trische Straßenbeleuchtung; Wachspapicr- und Tach-
pappensabrik, Steinbrüche und Ouarzitgruben. Auf
dem Apollinarisberge, einem Thonschieferfelsen
unterhalb der Stadt, stand früher eine dem beil.
Martinus geweihte Kapelle, die, 1117 vom Erz-
bischof von Köln in eine Propftei verwandelt und
seit 1164 Apollinariskirche genannt, ein besuchter
Wallfahrtsort wurde. Sie ging 1807 in den Besitz
der Gebrüder Boissere'e in Köln und 1836 an den
Grafen Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim
über, der 1839-53 die neue Apollinariskirche, eine
vielbesuchte Wallfahrtsstätte, erbauen ließ. - R.,
das KiF0iuaFN8 der Römer, gehörte früher zum
Herzogtum Iülich. Bei dem 1768 begonnenen
Straßenbau wurden in und bei der Stadt viele
röm. Altertümer aufgefunden; 185? fand man einen
dem Inpiter, Mars und Merkur geweihten Votiv-
altar (jetzt im Provinzialmufeum zu Bonn), der am
Aufgang zum Apollinarisberg eingemauert worden
ist, 1874 und 1885 außerhalb der ^tadt zwei röm.
Wasserleitungen. - Vgl. Kinkel, Der Führer durch
das Ahrthal nebst Beschreibung der Stadt R. (Bonn
1842; 2. Aufl. 1854); Braun, Das Portal zu R. (ebd.
Remanent (lat.), zurückbleibend. ^1859).
Remanenter Magnetismus, s.Elektromagnc-
tismus (Bd. 6, S. 7 a).
Remarkieren (frz. reinHi'liiiei'), bemerken, an-
merken; remarkäbel, bemerkenswert.
Remarquedruck, s. Kupferstechkunst <Bd. 10,
S. 320a).
I Nembang, Restdcntschaft aus der Nordküste der
! niederländ. Insel Java in Hinterindien, an der
^ Iavasee, ist 7511 hkni groß und hat meist frucht-
, baren Boden in bestem Kulturzustande. Die Be-
! völkerung beträgt (1892) 1273 732 E., darunter
. 650 Europäer und 17 089 Chinesen. Die Haupt-
stadt R., ein wicktigcr Handelsort, liegt unweit der
See und hat 14 263 E. ftocns.
Rembertus Dodonäus, Botaniker, s. Do-
Nemboursieren (frz., spr. rangbur-), wieder-
^ erstatten, vergüten, decken, für eine Forderung tras-
^ sicren (s. Trassieren); Rembours oder R ern -
! bourscment (spr. rangburßmang), Einziehung
! einer Geldauslage durch Nachnahme (s. d.), Deckung
! einer Waren- oder Wechselschuld durch Tratte des
! Gläubigers u. s. w.
Ncmbrandt, Harmensz van Rijn oder Ryn,
, der bedeutendste Holland. Maler und Radierer, geb.
! 15. Juli 1606 zu Leiden, war der Sohn eines Mül-
^ lers und trat zuerst um 1621 bei dem Leidener
! Maler I. van Swanenburgb als Lehrling ein.
! Nach drei Jahren kam er nach Amsterdam zu P.
! Lastman; aber nur ein halbes Jahr blieb er bei
diesem Meister, dann kehrte er nach Leiden zurück,
machte sich dort selbständig und zog gegen Ende
^ des I. 1631 wiederum nach Amsterdam. Seine
! ersten datierten Bilder stammen aus dem 1.1627;
! anfangs der dreißiger Jabrc war er schon ein aner-
^ kanntcr Meister. 1634 verheiratete er sich inAmster-
! dam mit Saskia van Hylenburgh, einer Ratshcrrn-
tochter aus Leeuwarden. Nach ihrem Tode (1642)
:rat namentlich infolge seiner Sammlerleidcnschaft
in seinen ökonomischen Verhältnissen bald eine solche
Zerrüttung ein, daß er Hypothekcnschulden machen
! mußte. 1656 wurde er für zahlungsunfähig erklärt,
1657 und 1658 sein Haus, sein kostbares Kunst-
kabinett, sein Ateliervorrat zu öffentlicher Verstei-
gerung gebracht. Dank dem thatkräftigen Eingreifen
! seiner Magd Hendrikje Iaghers, mit der er in freier
! Ehe lebte, überwand er diese Katastropbe; er starb
8. 3)kt. 1669 als ein armer Mann zu Amsterdam,
wo man ihm 1852 ein Vronzestandbild errichtete.
! R. ist unstreitig der größte und originellste Maler
der Holländischen Schule. Man hat von ihm eine be-
deutende Anzabl (etwa 500) von Historienbildern,
Bildnissen und Landschaften; vertreten ist R. beson-
ders in der Eremitage zu Petersburg (mit etwa 40
zum Teil trefflichen Werken), dann in den Galerien zu
, Amsterdam, Paris, Casfel, mit etwa einem Dutzend
^ Bilder in Berlin, Dresden, London, München und
! im Haag, gering in Wien und in Madrid. Die wich-
! tigstcn Privatsammlungen sind: Sir in Amsterdam,
! Carstangen in Berlin, Rud. Kann in Paris; Königin
^ von England, Herzog von Westminster, Lady Wal-
i lace, Lord Ellesmere, sämtlich in London, Havemeyer
in Neuoork. Der Realismus bildet die Grundlage
^ seiner Kunst; doch ist er Idealist so gut wie irgend
^ ein großer Künstler. Mit einem Sonnenstrahl läßt
er Seele und Gefühl aus äußerst grotesker Häßlich-
! keit, aus dem verkrüppcltsten Elend hervorblitzen
und bringt Wärme und Leben in die ärmste, jäm-
, merlichste Wohnung binein. Durch tiefsten, erschüt-
! terndcn Ausdruck der Seele, unvergleichliche dramat.
^ Gewalt, durch den Zauber der Farbe und des Lichts
! (s. Helldunkel) ersetzt er den Mangel an Schönheit
der Form im einzelnen und schafft einen Stil, der
als höchster und vollendetster Ausdruck des german.
bildnerischen Vermögens dem romanischen eben-
. bürtig gegenübersteht. Zugleich ist er wie Dürer der