Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

763
Remagen - Rembrandt
ward vom Vater, wider seine Neigung, zum Musiker erzogen, trat nach dessen Tode 1810 als Artillerist in den preuß. Militärdienst, wurde Offizier, nahm jedoch 1821 den Abschied, um sich ausschließlich der Litteratur und den schönen Künsten zu widmen. Nachdem er in Frankfurt a. O., Dresden, Heidelberg und Bonn litterar. und philol. Studien obgelegen, sich auch dichterisch mit Glück versucht und 1824 und 1825 noch mehrfache Reisen unternommen hatte, ward er 1826 Redacteur und Musikreferent bei der "Vossischen Zeitung" in Berlin. R. starb in der Nacht zum 28. Nov. 1860. Nicht wenig zum Bekanntwerden seines Namens trug seine unter dem Namen Freimund Zuschauer veröffentlichte Schrift "Henriette Sontag oder die schöne Sängerin" (Lpz. 1827) bei, eine satir. Tagesgeschichte, die ihm eine mehrmonatige Gefängnisstrafe zuzog. Daneben zeichnete er sich auch als Romanschriftsteller aus: seine Hauptwerke sind "1812" (4 Bde., Lpz. 1834; 6. Aufl. 1892) und "Drei Jahre von Dreißigen" (5 Bde., ebd. 1858). Weniger glücklich war R. in seinen dramat. Versuchen, obschon sein Schauspiel "Eugen Aram" (nach dem Roman Bulwers) sich längere Zeit auf dem Repertoire erhielt. Auch verfaßte R. zahlreiche Operntexte, wie z. B. zu Meyerbeers "Feldlager in Schlesien". Seine "Gesammelten Schriften" (Lpz. 1860-61) umfassen 24 Bande. Noch kurz vor seinem Tode begann R. die Veröffentlichung feiner Selbstbiographie "Aus meinem Leben" (2 Bde., Berl. 1860).
Remagen, Stadt im Kreis Ahrweiler des preuß. Reg.-Bez. Koblenz, am linken Rheinufer, an den Linien Köln-Bingerbrück und R.-Adenau (41,6 km) der Preuß. Staatsbahnen, ist Dampferstation und hat (1890) 3218 (5., darunter 222 Evangelische und 50 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph, drei kath., eine evang. Kirche, Synagoge, Kloster St. Anna mit Pensionat, höhere Knabenschule, evang. Mädchenpensionat, Wasserleitung, Kanalisation, elektrische Straßenbeleuchtung; Wachspapier- und Dachpappenfabrik, Steinbrüche und Quarzitgruben. Auf dem Apollinarisberge, einem Thonschieferfelsen unterhalb der Stadt, stand früher eine dem heil. Martinus geweihte Kapelle, die, 1117 vom Erzbischof von Köln in eine Propstei verwandelt und seit 1164 Apollinariskirche genannt, ein besuchter Wallfahrtsort wurde. Sie ging 1807 in den Besitz der Gebrüder Boisserée in Köln und 1836 an den Grafen Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim über, der 1839-53 die neue Apollinariskirche, eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte, erbauen ließ. - R., das Rigomagus der Römer, gehörte früher zum Herzogtum Jülich. Bei dem 1768 begonnenen Straßenbau wurden in und bei der Stadt viele röm. Altertümer aufgefunden; 1857 fand man einen dem Jupiter, Mars und Merkur geweihten Votivaltar (jetzt im Provinzialmuseum zu Bonn), der am Aufgang zum Apollinarisberg eingemauert worden ist, 1874 und 1885 außerhalb der Stadt zwei röm. Wasserleitungen. - Vgl. Kinkel, Der Führer durch das Ahrthal nebst Beschreibung der Stadt R. (Bonn 1842; 2. Aufl. 1854); Braun, Das Portal zu R. (ebd. 1859).
Remanént (lat.), zurückbleibend.
Remanenter Magnetismus, s. Elektromagnetismus (Bd. 6, S. 7 a).
Remarkieren (frz. remarquer), bemerken, anmerken; remarkābel, bemerkenswert.
Remarquedruck, s. Kupferstechkunst (Bd. 10, S. 820 a).
Rembang, Residentschaft aus der Nordküste der niederländ. Insel Java in Hinterindien, an der Javasee, ist 7511 qkm groß und hat meist fruchtbaren Boden in bestem Kulturzustande. Die Bevölkerung beträgt (1892) 1273732 E., darunter 650 Europäer und 17089 Chinesen. Die Hauptstadt R., ein wichtiger Handelsort, liegt unweit der See und hat 14263 E.
Rembertus Dodonäus, Botaniker, s. Dodoens.
Remboursieren (frz., spr. rangbur-), wieder erstatten, vergüten, decken, für eine Forderung trassieren (s. Trassieren); Rembours oder Remboursement (spr. rangburßmáng), Einziehung einer Geldauslage durch Nachnahme (s. d.), Deckung einer Waren- oder Wechselschuld durch Tratte des Gläubigers u. s. w.
Rembrandt, Harmensz van Rijn oder Ryn, der bedeutendste Holland. Maler und Radierer, geb. 15. Juli 1606 zu Leiden, war der Sohn eines Müllers und trat zuerst um 1621 bei dem Leidener Maler I. van Swanenburgh als Lehrling ein. Nach drei Jahren kam er nach Amsterdam zu P. Lastman; aber nur ein halbes Jahr blieb er bei diesem Meister, dann kehrte er nach Leiden zurück, machte sich dort selbständig und zog gegen Ende des J. 1631 wiederum nach Amsterdam. Seine ersten datierten Bilder stammen aus dem J. 1627; anfangs der dreißiger Jahre war er schon ein anerkannter Meister. 1634 verheiratete er sich in Amsterdam mit Saskia van Hylenburgh, einer Ratsherrntochter aus Leeuwarden. Nach ihrem Tode (1642) trat namentlich infolge seiner Sammlerleidenschaft in seinen ökonomischen Verhältnissen bald eine solche Zerrüttung ein, daß er Hypothekenschulden machen mußte. 1656 wurde er für zahlungsunfähig erklärt, 1657 und 1658 sein Haus, sein kostbares Kunstkabinett, sein Ateliervorrat zu öffentlicher Versteigerung gebracht. Dank dem thatkräftigen Eingreifen seiner Magd Hendrikje Iaghers, mit der er in freier Ehe lebte, überwand er diese Katastrophe; er starb 8. Okt. 1669 als ein armer Mann zu Amsterdam, wo man ihm 1852 ein Bronzestandbild errichtete. R. ist unstreitig der größte und originellste Maler der Holländischen Schule. Man hat von ihm eine bedeutende Anzahl (etwa 500) von Historienbildern, Bildnissen und Landschaften; vertreten ist R. besonders in der Eremitage zu Petersburg (mit etwa 40 zum Teil trefflichen Werken), dann in den Galerien zu Amsterdam, Paris, Cassel, mit etwa einem Dutzend Bilder in Berlin, Dresden, London, München und im Haag, gering in Wien und in Madrid. Die wichtigsten Privatsammlungen sind: Sir in Amsterdam, Carstangen in Berlin, Rud. Kann in Paris; Königin von England, Herzog von Westminster, Lady Wallace, Lord Ellesmere, sämtlich in London, Havemeyer in Neuyork. Der Realismus bildet die Grundlage seiner Kunst; doch ist er Idealist so gut wie irgend ein großer Künstler. Mit einem Sonnenstrahl läßt er Seele und Gefühl aus äußerst grotesker Häßlichkeit, aus dem verkrüppeltsten Elend hervorblitzen und bringt Wärme und Leben in die ärmste, jämmerlichste Wohnung hinein. Durch tiefsten, erschütternden Ausdruck der Seele, unvergleichliche dramat. Gewalt, durch den Zauber der Farbe und des Lichts (s. Helldunkel) ersetzt er den Mangel an Schönheit der Form im einzelnen und schafft einen Stil, der als höchster und vollendetster Ausdruck des german. bildnerischen Vermögens dem romanischen ebenbürtig gegenübersteht. Zugleich ist er wie Dürer der