Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

780
Reptilien - Republikanische Partei
nach dem 13. März 1871 erfolgten Tode von Adolf
R. beibehielten. Aus der R.schen Werkstatt ist eine
große Zahl der hervorragendsten astron. Meßwerk-
zeuge der Neuzeit hervorgegangen.
Reptilien, eine Tierklasse, die früher mit den
Amphibien (s. d.) zusammengeworfen und von diesen
als beschuppte Amphibien getrennt wurde; die
R. sind jedoch Vertreter einer weit höhern Entwick-
lungsstufe. Weil sie niemals durch Kiemen atmen,
überhaupt keine Verwandlung durchmachen und
während der Embryonalentwicklung um sich herum
besondere, sog. Embryonalhüllen (Amnion und Al-
lantoisj bilden, stehen sie in direkter Beziehung zu
den höhern Wirbeltieren (s. Sauropsiden). Nament-
lich enge Beziehungen haben sie in jeder Hinsicht
zu den Vögeln. Indes unterscheiden sie sich von
diesen und den Säugetieren dadurch, daß bei ihnen
noch keine vollkommene Scheidung des Herzens in
Zwei Kammern, also auch keine vollständige Tren-
nung des Lungen- und Körperkreislaufs statthat,
weswegen wohl die R. noch Kaltblüter sind. Bei
den R. wie bei den Vögeln artikuliert der Schädel
nur mit einem einzigen Gelcnkkopfe auf der Wirbel-
säule, die Haut ist nie nackt, wie bei den Amphibien,
sondern stets mit hornigen oder knöchernen Schup-
pen und Schildern bedeckt, die Fortpflanzung erfolgt
stets durch Eier, die entweder nach außen abgelegt
und von der Sonne bebrütet werden, oder sich im
Innern der Mutter entwickeln, so daß diese dann
lebendige Junge gebiert. Einige Formen, wie die
Niesenschlangen (s. d.), brüten auch selbst, indem sie
sich in einer Spirale um den Eierhaufcn legen und
eine gesteigerte Vluttemperatur erhalten. Im übri-
gen sind Bau und Lebensweise der N. außerordent-
lich verschieden: sie haben wie die Amphibien ein
sehr zähes Leben und können lange ohne Nahrung
aushalten, in geringerm Grade vermögen einige
auch verloren gegangene Körperteile, namentlich
den Schwanz, zu ersetzen. Die N. sind eine sehr alte
Wirbeltierklasse, von der sich schon in den dyassischen
schichten versteinerte Reste (Proterosaurus) finden;
Hauptentwicklung und Blütezeit erreichten die R. in
der Trias und im Jura: die meeresbewohnenden
Ichthyosaurus (9-12 m) und Plesiosaurus (8 m),
der auf dem Lande lebende Iguanodon (9 m). Man
kennt von den R. gegenwärtig 2500 lebende und
300 fossile Arten. Die Naturgeschichte der R. heißt
Herpetologie.
Man teilt die N. in vier Ordnungen: 1) Schild-
kröten (s. d.), 2) Krokodile ls. d.), 3) Echsen
(s. d.) und 4) Schlangen (s. d.).
Neptilienfonds, verächtliche Bezeichnung für
den frühern zur Subventionierung der regierungs-
freundlichen Presse bestimmten Fonds (s. Weljen-
fonds). Der Ausdruck ist hergeleitet aus einer Rede
Bismarcks, die er 30. Jan. 1809 bei der Beratung
über die Beschlagnahme des Vermögens des ehe-
maligen Kurfürsten von Hessen im preuß. Abgeord-
netenhause hielt, und worin er die im Dienste des
entthronten Kurfürsten arbeitenden Agenten als
"bösartige Reptile" kennzeichnete. Die gegnerische
Presse übertrug diese Bezeichnung jedoch auf die im
Solde der Regierung stehenden Journalisten und
ihre Organe.
Republik (lat. ?68 pudlica,) bedeutet im antiken
Sinne des Wortes einen Staat mit anerkannten
Volksrechten (reg populi). Iu diesem Sinne ist auch
die konstitutionelle oder repräsentative Monarchie
eine R. In der modernen Rechtssprache aber wird
der Name R. (Freist aat) im Gegensatz zu der Mon-
archie nur den Volksstaaten zugestanden, welche
keinen Monarchen als berechtigtes Staatsoberhaupt
an der Spitze haben, sondern von bloßen Beauftrag-
ten, sei es des ganzen Volks, sei es der aristokra-
tischen Klassen, regiert werden (dem okratische und
aristokratische R.). Im Mittelalter gab es zahl-
reiche aristokratische N., wie insbesondere Venedig,
Genua, die Niederlande, das poln. Reich in den
letzten Jahrhunderten, in gewissem Sinne selbst
das Deutsche Reich als Aristokratie der Fürsten mit
dem gewählten König als Haupt. Die neuern R.
sind durchweg repräsentative Demokratien, so schon
England zur Zeit von Cromwell, sodann die Ver-
einigten Staaten von Amerika, die Schweiz, Frank-
reich, aber auch die deutschen Reichsstädte. Der
Hauptunterschied der modernen R. und der Mon-
archie liegt nicht mehr darin, dah dve Freiheits-
rechte der Staatsangehörigen in jener vollständiger
geschützt würden als in dieser, sondern hauptsäch-
lich in der verschiedenen Organisation der Negie-
rung. Diese ist in der Monarchie einheitlicher,
fester, dauerhafter geordnet und immer mit höhern
Majestätsrechten ausgestattet, jedoch nicht immer
mit mehr Macht ausgerüstet. Der amerik. Präsi-
dent der Union und der Präsident der französischen
R. z. B. haben größere Regierungsbefugnisse selb-
ständig auszuüben als der König von England.
Aber die republikanische Regierung wird nur auf
eine kurze Amtsdauer von wenig Jahren gewählt,
der König dagegen ist entweder erblich zum Throne
berufen oder wird auf Lebenszeit gewählt. Die
republikanische Regierung ist allezeit verantwort-
lich , der Monarch nach den meisten Staatsverfas-
sungen unverantwortlich. (S. Monarchie.) Jene
unterscheidet sich von den übrigen Bürgern nur
durch das Amt, sie geht aus der Menge der Bürger
hervor und kehrt in dieselbe zurück, während der
Monarch über dem Volk als Träger der Staats-
gewalt erhaben ist. Die Mitglieder der republika-
nischen Regierung haben nur eine abgeleitete Ge-
walt, die ihnen vom Volk übertragen wird; der
Monarch übt ein selbständiges Recht aus, wenn-
gleich auch er im Dienste des Staates ist und das
Recht, den Staat zu regieren, vom Staatsbegrifs
abgeleitet wird. Der republikanische Präsident wird
von der herrschenden Partei erhoben, der Monarch
steht über den Parteien. Jener ist deren Wechsel aus-
gesetzt, dieser hat Anspruch auf Dauer.
Republikaner, Bürger einer Republik, An-
hänger der republikanischen Staatsform.
Republikanische Partei, Name einer der bei-
den großen Parteien in den Vereinigten Staaten von
Amerika, die 1792 von Iefferson im Gegensatz zu den
Föderalisten (s. Föderalismus) gegründet und an-
fangs auch als Demokratische Partei (s.d.) bezeichnet
wurde. Sie erlangte seit dem Zusammenbruch der
Föderalisten um 1815 die Herrschaft und behielt sie
bis etwa 1829, wo neue Parteibildungen eintraten.
Es entstand eine neue Demokratische Partei unter
der Leitung von Jackson, wäbrend sich ihre Gegner
nationale Republikaner oder Whigpartei (s. d.) nann-
ten. Aus dieser ging seit 1854 die jetzige R. P. her-
vor. Anlaß zu dieser Neubildung gab die Frage,
ob die Sklaverei in dem 1848 von Mexiko abge-
tretenen Gebiete gestattet sein solle. Alle Gegner
dieser Maßregel sammelten sich zu der R. P., die
schon bei den Kongreßwahlen 1856 und 1858 große
Erfolge errang und 1860 die Wahl Abraham Lin-