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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reunionsklage - Reuse (beim Fischfang)
der Krone Frankreich zugesprochen und gewaltsam
occupiert. Dazu bemächtigte Ludwig XIV. sich der
Reichsstadt Etraßburg 30. Sept. 1081 mit Be-
rufung auf die gleichen Friedensvertrüge durch
Waffengewalt und an demselben Tage auch der
Festung Casale in Piemont. Es wurden zwar med-
rere Defcnsivallianzen zwischen Kaiser Leopold I.,
einigen Reichsständen, Opanien, Schweden und der
Niederländischen Republik geschlossen; zu Thaten
gelangte es nicht. Nach langen Verhandlungen kam
zwischen Frankreich und dem Reiche Aug. 1684 ein
20jähriger Waffenstillstand in Regensburg zu stände,
demgemäß Ludwig XIV. vorläufig alles, was er bis
l.. Aug. 1681 durch Reunionen an sich gerissen
hatte, sowie auch Straßburg und Kcbl bebalten
durfte. Spanien trat, gegen Rückgabe zweier Ürte,
die übrigen, die es verloren batte, an Ludwig ab.
- Vgl. Rousset, IIi8toii-6 äs I^ouvoiL, Bd. 3
(6. Aufl., Par. 1879).
Neunionsklage, die Eigentumsklage, welcbe
nach gesetzwidriger Veräußerung eines Teils eines
unteilbaren Bauerngutes gegen den Erwerber oder
einen dritten Besitzer auf Herausgabe dieses Teils
angestellt wird. Berechtigt zu dieser Klage sind der
Besitzer des Bauerngutes und seine Erben oder nach
älterm Recht auch die Gutsherrschaft.
Ü.VU8 (lat.), der Angeklagte.
Neus, Bezirksstadt der^span. Provinz Tarra-
gona in Catalonien, am Südostfuh des Pico de
Gallican, 106 m ü. d. M., 6,7 km von seinem im S.
gelegenen Hafenort Salou, an der Linie Tarragona-
^ierida der Nordbahn und den Linien Mora-R.-
Roda(-Varcelona) und R.-Salou (8 km), bcstebt
aus Alt- und Neustadt, bat breite, schöne Straßen,
11 Platze, (188?) 28780 E., die got. St.Peterskircbe,
ein Nonnenkloster, 3 Spitäler, ein großes Tbeater;
80 Baumwollspinnereien, 5000 Webstüble, Seiden-
spinnerei und -Weberei, Leinen-, Band-, Leder-, Sei-
fen-, Hut-, Fässer- und bedeutende Maschinen-
fabriken sowie lebhaften Handel.
Reusch, Franz Heinrich, altkatb. Theolog, geb.
4. Dez. 1825 zu Brilon in Westfalen, studierte in
Bonn, Tübingen und München, empfing 1843 die
Priesterweibe und wurde Kaplan zu St. Alban in
Köln, habilitierte sich 1854 in der kath.-theol. Fakul-
tät zu Bonn, wo er 1858 zum außerord., 1861 zum
ord. Professor der alttestamentlichen Exegese ernannt
wurde. Wegen seiner Weigerung, die Beschlüsse des
Vatikanischen Konzils über die päpstl. Unfehlbarkeit
anzuerkennen, wurde N. mit seinen Kollegen Hilgers,
Knoodt und Langen vom Erzbischof Melchers von
Köln 1. April 1871 mit der Suspension ad oräins,
12. März 1872 mit der Exkommunikation belegt, nach-
dem schon Nov. 1870 den Theologie Studierenden
der Besuch seiner Vorlesungen verboten worden war.
Als Pfarrer zu Bonn und Generalvikar des Bi-
schofs Reinkens gehörte R. fortan zu den Führern
der altkath. Kirche, legte jedoch 1878 infolge der auf
der fünften alitach. Synode beschlossenen Aufhebung
des obligatorischen Priestercölibats seine Ämter
nieder. (S. Altkatholicismus.) Von seinen Sebrif-
ten sind zu nennen: die Kommentare zu den Büchern
Baruch (Freib. i. Br. 1853) und Tobias (ebd.
1857), "Lehrbuch der Einleitung in das Alte Testa-
ment" (ebd. 1859; 4. Aufl. 1870), "Bibel und Na-
tur. Vorlesungen über die mosaische Urgcsckickte und
ibr Verhältnis zu den Ergebnissen der Naturfor-
schung" (ebd. 1862; 4. Aufl., Bonn 1876), "Luis de
Leon und die span. Inquisition" (Bonn 1873), "Die
biblische Schöpfungsgeschichte" (ebd. 1877), "Der
Prozeß Galileis und die Jesuiten" (ebd. 1879), "Die
deutschen Bischöfe und der Aberglaube" (ebd. 1879),
"Der Index der verbotenen Bücher" (2 Bde., ebd.
1883-85), "Die Inäic68 lidroi-um prokiditorum
des 16. Jahrh." (Tüb. 1886), "Die Fälschungen in
dem Traktat des Thomas von Aquin gegen die
Griechen" (Münch. 1889), "Beiträge zur Geschichte
des Jesuitenordens" (ebd. 1894); mit Döllmger zu-
sammen veröffentlichte er: "Die Selbstbiographie
des Kardinals Bellarmin" (Bonn 1887) und die
"Geschichte der Moralstreitigkeiten in derröm.-kath.
Kirche seit dem 16. Jahrb., mit Beiträgen zur
Geschichte und Charakteristik des Jesuitenordens"
i2 Bde., Nördl. 1888); aus dem Nachlaß Döllin-
gers gab er beraus: "Briefe und Erklärungen von
I. von Döllingcr über die vatikanischen Dekrete aus
den I. 1871 -87" (Münch. 1890) und "Kleinere
Schriften" (Etuttg. 1891). Von 1866 bis 1877 gab
R. das Bonner "Theol. Litteraturblatt" mit liberal-
rath. Tendenz beraus.
Reufch, Friedrich, Bildhauer, geb. 5. Sept. 1843
in Siegen, besuchte 1863-67 die Akademie in Ber-
lin, wurde Schüler Albert Wolsfs, half diesem bei
den Eockelfiguren zum Reiterdenkmal Friedrich Wil-
belms III. in Berlin und unternahm darauf eine
Studienreise nach Italien. 1874 nach Berlin zurück-
gekehrt, schuf er 1877 die Kriegerdenkmäler für
Siegen und den Kreis Mülheim a. Rh. (letzteres vor
dem Schlosse zu Vensberg aufgestellt), ferner 1879
eine der Marmorgruppen (Marktverkehr) für die
Belle-Alliancebrücke in Berlin, 1880 einen Dämon
des Dampfes für den Lichthof der Technischen Hoch-
schule zu Charlottenburg. Seit 1881 Lehrer an der
Kunstakademie in Königsberg, fertigte er für das
dortige Regicrungsgebäude die Kolossalgruppe:
Kraft, Gerechtigkeit und Mäßigung, sodann für die-
selbe Stadt das Vronzcstandbild des letzten Hoch-
meisters, Herzogs Albrecht von Preußen (1891 ent-
büllt), sowie das kolossale Vronzestandbild Kaiser
Wilhelms I. im Krönungsornat (4. Sept. 1894 ent-
büllt). Außerdem sind in Siegen von seiner Hand
das Diesterweg-Denkmal und ein Reiterstandbild
Kaiser Wilhelms I. (18. Okt. 1892 enthüllt). Von
seinen Genrebildwerken sind zu nennen: Psyche den
Cerberus besänftigend, Amor mit dem Helm des
Mars, Triumph Amors über Hercules, Tritonen-
tnabe auf einem Delpbin und die charakteristisch auf-
gefaßten Statuetten Bergmann und Hüttenmann.
Neufe, im allgemeinen iede Fangvorrichtung
für Fische, die, am Boden des Gewässers befestigt,
die Fifche durch eine weite Öffnung hineinläßt, sie
alsdann durch besondere Einrichtungen, meistens
durch trichterförmige Gänge, sog. Einkehlungen, in
hintereinander liegende Kammern leitet, aus denen
sie sich nicbt wieder hinausfinden können. Je nach
ihrer Große und dem Material, aus dem die R.
gefertigt sind lWeidenruten, Netzwerk, Rohr, Draht
u. a.), unterscheidet man im einzelnen sehr verschie-
dene, meistens besonders benannte Formen. Die
einfachsten sind die fast nur in süßen Gewässern
gebräuchlichen Korbreusen, schlechthin Körbe,
ein trichterförmiges Weidengeflecht mit vorderer
weiterer Öffnung und in der Regel nur einer Ein-
keblung. Man fängt in ihnen hauptfächlich Aale,
Lackse, Neunaugen und Krebse. Ahnlich sind die
zum Fange der Hummer in der Nordsee verwen-
deten Hummcrreusen sowie die an den deut-
schen Küsten gebräuchlichen Krabben-, Garnee-