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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rhamnus - Rhätien
Aka.ninu.3 ^,., Pflanzengattung aus der Familie
der Rhamnaceen (s. d.) mit gegen 60 meist im
wärmern Teil der nördl. gemäßigten Zone heimi-
schen Arten mit teils sommer-, teils immergrünen,
kleinen, einzeln oder gcbüschelt in den Vlattachsen
stehenden Blüten. Die Frucht ist eine saftige (beeren-
artige) oder trockne, zwei bis fünf Kerne enthaltende
Steinfrucht. Manche Arten haben dornspitzige
Zweige, andere sind unbewehrt. Zur erstern gehört
der gemeine Kreuz-, Purgier-, Hirsch- oder
WegcdornM.catiiNi'ticH^.), ein Großstrauch oder
kleiner Baum in einem großen Teil Europas an
sonnigen, felsigen Hügeln, an Waldrändern, in
Hecken u. s. w., mit schwarzen, erbsengroßen Beeren.
Aus denunreifcnVeeren,Kreuz dorn- oder Kreuz-
beeren, werden zwei als Malerfarben beliebte
Farbstoffe, das Saftgrün soder, weil in Blasen
gefüllt, Blasengrün) und Schüttgelb, bereitet.
Die reifen Früchte sind als ^rucw8 I51iainni catiiai--
tica.6 offizinell. Das braunrote Kernbolz, Kreuz-
dorn- oder Kreuzholz, und namentlicb die häusig
vorkommenden Masern erhalten durch Politur eine
prächtige Farbe, weshalb das Holz stärkerer Kreuz-
dornstämme von den Tischlern gesucht ist. Wegen
der fparrigen Verästelung eignet sich das Reisig vor-
züglich zu Gradierhüusern. Zu den unbewehrten
Arten gehört der in Deutschland allenthalben auf
feuchtem und moorigem Boden, in Gebüschen und
Wäldern vorkommende Faulbaum (15. li-anFula
^., s. Tertfigur 3 zum Artikel Frangulinen), auch
Schieß-, im Voltsmund Schiß- oder Scbeiß-
beere und Pulverholz, ein Mittel- und Groh-
strauch mit rutenformigen Zweigen, abwechselnden,
abfallenden, länglichen, ganzrandigen Blättern und
weißlichgrünen Zwitterblüten, aus denen sich Beeren
entwickeln, welche erst grün, dann rot, zuletzt schwarz
sind. Die Rinde ist als Ooi-tex I^nFuwL Ab-
fübrungsmittcl. Sein Holz wurde früher fast aus-
schließlich zu Kohle für die Schießpulvcrfabrikation
verwendet und deshalb dieser Strauch sogar im
großen Maßstabe angebaut. Ihm sehr ähnlich in der
mediz. Wirkung ist der amerikanische 15. lursliinriH
^)0., dessen Rinde als Sagr adarinde in großen
Mengen gebraucht wird. In Südeuropa giebt es
schöne immergrüne Arten, namentlich 15. al^tLi-nuz
^., ein kleiner Baum mit lorbeerartigen Blättern.
Man findet ihn in Kalthäusern kultiviert. Die reifen,
getrockneten, meist schmutzig-grünlichgelben Beeren
von der ebenfalls füdeuropäifchen 15. iniectoria Iv.
und einigen andern Arten kommen als Gelb-
beeren oderAvignonbeeren odcrGelbkörner
(^I'ain68 ä'^viFnon) in den Handel und werden zur
Herstellung pomeranzengelber und grünlichgelber
Farben gebraucht. ^(s. d.).
Rhamnusgrim, soviel wie Chinesisches Grün
RkNinpli2.8tiÄ3.V, s. Tukane.
Rhangabe, Rhangawis, griech. Staatsmann
und Dichter, s. Rangabe.
Rhaphänie (grch.), s. Kriebelkrankheit.
Rhaphe (grch.), Naht.
NkNVkiüia., s. .Kanielhalsfiicgen.
Il.k2.pi8 ^., Pflanzengattung aus der Familie
der Palmen (s. d.) mit vier Arten im östl. Asien,
niedrige Palmen mit fächerartig geteilten Blättern
und zweihäusigen Blüten. Am bekanntesten ist die
in China einheimische 1^. ^Hdßiiit'orniiL ^'t. (s. Tafel:
Palmen II, Fig. 4), die bäufig als Zierpflanze in
Gewächshäusern kultiviert wird und als die härteste
^ Palme für die Zimmerkultur bezeichnet werden kann.
Man vermebrt sie durch Teilung, nachdem sich aus
dem Wurzelstock mehrere Stämme entwickelt haben.
Diese liefern in China und Japan sehr dauerhafte
Spazierstöcke.
Rhapsoden, bei den alten Griechen die Recita-
toren epischer Gedichte, namentlich der Homerischen,
die sie bei den Festversammlungen vortrugen. Ihre
Genossenschaften (Rhapsodenschulen) bewahrten die
Überlieferung der Homerischen Gedichte und trugen
wesentlich zu deren Verbreitung durch das ganze
Griechentum bei. Ihrem Namen nach sind sie "Zu-
fammenfüger" (d. h. ohne Unterbrechung Vor-
tragende) von Gliedern eines Gedichts. Der Name
wird in neuerer Zeit von modernen Dichtern ge-
braucht, die ihre eigenen Dichtungen vortragen.
Rhapsodie, das von einem Rhapsoden (s. d.)
vorgetragene Gedicht. In den Ausgaben der Ilias
und Odyssee werden die einzelnen Bücher als R. be-
zeichnet; rhapsodisch, soviel wie bruchstückartig,
z. B. rhapsodisches Wissen u.s. w. - In der Musik
bedeutet R. eine freie Instrumentalkomposition, deren
melodisches Material meist Volksliedern und Volks-
tänzen entnommen ist. Abweichend von dieser all-
gemein gebrauchten Bezeichnung gab Joh. Vrahms
i'einem "Fragment aus Goethes Harzreise", kompo-
niert für Altsolo, Männerchor und Orchester, und
einigen Klavierstücken (0p. 79) den Titel R.
/?. Fla?'t., hinter lat. Pstanzennamen Abkürzung
^ für Robert Hartig (s. d.).
, Rhat, Oase in der Sahara, s. Ghat.
^ Rhät, die oberste Stufe des Keupers mit dem
^ Vonebed (s. d.); in den Alpen in anderer Facies
fehr mächtig entwickelt.
! Rhätictt, Mineral, s. Disthen.
^ Rhätien, richtiger Rätien (Raetia),, bei den
l Alten zunächst Name des von den Rätcrn (I^sti)
> bewohnten Gebietes der Centralalpen, etwa zwischen
! Gotthard (Adulagebirge) und Brenner mit Ein-
schluß der lombard. Alpenabhänge im Süden. Die
mit illyr. und kelt. Splittern durchsetzten Räter, de-
ren Namen zuerst Polybius nennt, werden von den
Alten zumeist für unmittelbare Stammverwandte
der Etrusker oder Rasener in Italien gehalten.
Von den Völkerschaften R.s sind besonders die
Vrcuni oder Breones (am Brenner), die Genauni
(am mittlern Inn), Isarken (an der Eisack), Suanctcs
und Venonctcs (am obern Rhein) bekannt. Ihre
Räubereien und Einfälle in Obcritalien veranlaßten
die Eroberung R.s 15 v. Chr. durch Augustus' StieZ-
söhne Tibcrius und Drusus. Auch die kclt. Vindeükcr
in der bayr. Hochebene bis zur Donau wurden da-
mals unterworfen und ihr Land mit R. zu der Pro-
vinz I5a6till vereinigt. R. wurde anfangs durch einen
Prokurator regiert; seit Marc Aurel aber befehligte
dort der Führer der in N. stationierten dritten ital.
Legion (Concordia) als kaiserl. Legat pro pl3.6t0i-6.
Seit Diocletian, der R. der Diöccsc des Vikars von
Italien zuteilte, stand R. unter einem Präses, Vin-
delicien aber wurde nun als eigene Provinz 15,^6-
tia. 86ciiQä"., das südl. Gcbirgsland listig, priing.
genannt. Durch R. führten die Römer zwei Haupt-
straßen zur Verbindung Italiens mit ihrer bedeu-
tendsten Ansiedelung in diesem Lande, dem vinde-
licischen Augusta (Augsburg). Gegen Endc des
5. Jahrh, kam das eigentliche N. unter Theodorichs
ostgot. Herrschaft; dann nahmen Boso-aren die öst-
liche (bis zum Loch), Alamannen die westl. Seite des
nördl. Teils, Langobarden den südlichen in Besitz.
Seit der Mitte des 6. Jahrh, verstand man unter R.