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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rhein (Stadt) - Rheinbach
Rheinschiffe und Flöße können auf jedem Wege '
durch niederländ. Gebiet zum Meer und auswärts
fahren. Eine Centralkommission für die Rhcinschisf-
fahrt tritt alljährlich I.Juli zusammen. Zollgerichte ,
entscheiden in zwei Instanzen die streitigen Schiff- ^
fahrtsangelegenheiten. Neben diesen internatio- ^
nalen Verträgen ist für Schiffahrts- oder Flöherei-
betrieb auf dem R. der Art. 4 der Verfassung des
Deutschen Reichs maßgebend. >
RhcinhäfensindimDeutschenReiche:Kehl,Lauter- z
bürg, Marau, Leopoldshafen, Germersheim, Speyer,
Mannheim, Ludwigshafen, Worms, Rosengarten,
Gernshcim, Oppenheim, Gustavsburg, Mainz, Bieb-
rich, Schierstein, Vudenheim, Vingen, Oberlahnstein,
Koblenz, Bonn, Köln, Neuß, Düsseldorf, ürdingen,
Dochfeld, Duisburg, Ruhrort, Wesel; in den Nieder- !
landen: Arnheim, Dordrecht, Utrecht, Rotterdam,
Nimwegen, Tiel, Bommel, Amsterdam. Die Mebr- ,
zahl derselben sind zugleich künstliche Winterhäfen, l
Einen ungemeinen Aufschwung hat der Verkehr
auf dem R. durch die Dampfschiffahrt genommen.
(S. Flußschiffahrt.) Der von der Reichsstatistik no-
tierte Zu- und Abgangsverkehr und der Durchgangs-
verkehr im Nheingebi'et hat sich 1892 auf 14102 88? j
und 8450808 t a 1000 KZ gehoben. Von Köln aus
wird auch Seeschiffahrt mit einigen Dampfern be-
trieben. Nachdem 1817 das erste Dampsboot von
London bei besonders günstigem Wasserstande bis
Koblenz gekommen war, begann zuerst die Nieder-
ländische Dampfschiffreederei von Rotterdam aus
regelmäßige Dampferfahrten zwischen Rotterdam,
und Köln. Dieselbe versieht jetzt mit sieben Dampf-
bootenden Personen-und Güterdicnst zwischen Rot-
terdam und Mannbeim. Ihr folgte 1. Mai 182? mit
dem Dampfboot Concordia die in Köln domizilierte
Preußisch-Rheinische Gesellschaft, die zwischen Köln ^
und Mainz, seit 1832 noch zwischen Mainz und!
Mannheim, seit 1834 vorübergehend bis Straßburg
fuhr und ihren Betrieb bis Rotterdam ausdehnte.
Sie beförderte im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens
74205 Personen, 141420 Ctr., im zweiten 461329
Personen, 32? 866 Ctr. im Jahresdurchschnitt. Am
14. März 1838 befuhr der "Herzog von Nassau"
und die "Erbgroßherzogin von Hessen" der in Düs-
seldorf neu gebildeten Dampfschiffahrtsgesellschaft
für den Nieder- und Mittclrhein zum erstenmal die
strecke Düsseldorf-Mainz; sie dehnte ihren Betrieb
ebenfalls bis Rotterdam einer- und Mannbeim an-
dererseits aus und beförderte im ersten Jahrzebnt
137 055, im zweiten 294114 Personen im Jahres-
durchschnitt. Die Kölner und die Düsseldorfer Ge-
sellschaft vereinigten sich 1853 zu gemeinsamem
Fahrdienst zwischen Rotterdam und Mannbeim und
beförderten in den bis jetzt besten Geschäftsjahren
1890 und 1891 etwa 1300000 Personen und
1300000 Ctr. Güter. 1894 besaßen beide Gesell-
schaften 32 Räderdampfboote, von denen die schnell-
sten (Deutscher Kaiser und Wilhelm, Kaifer und
König) für die 154,3? km lange Strecke Bonn-
Mainz bei günstigem Wasserstand 9 Stunden 10
Minuten, thalwärts nur 5 Stunden 28 Minuten
gebrauchen. Außer den genannten befahren noch
10 große Gesellschaften und Seevereine den R. mit
Dampfbooten und Schleppkähnen.
Vgl. außer den Reisebandbüchern von Baedeker,
Meyer u. a. besonders: Denkwürdiger und nützlicher
rhein. Antiquarius (39 Bde., Kobl. 1815 - 71);
Kohl, Der R. (2 Bde., Lpz. 1851); Simrock, Das
malerische und romantische Rheinland (4. Aufl.,
Bonn 1865); Rheinfahrt. Von den Quellen des R.
bis zum Meere (Stuttg. 1876); Jahresberichte der
Ccntralkommission für die Nhcinschiffahrt (Mann-
beim); Simrock, Rheinsagen (9. Aufl., Bonn 1883);
Fritz, Das Überschwemmungsgebiet an der Grenze
des Mittel- und Oberrheins (Gotha, in Petermanns
"Geographischen Mitteilungen", 1884, Heft?); Der
Rheinstrom und seine wichtigsten Nebenflüsse u. s. w.
(im Auftrag der Reichskommission zur Untersuchung
der Rheinstromvcrhältnisse, hg. vom Centralbureau
für Meteorologie und Hydrographie im Großherzog-
tum Baden, Verl. 1889); A.Grasf, Die Rhein-See-
schiffahrt (Köln 1890); Chambalu, Die Stromver-
änderungcn des Niederrheins seit der vorröm. Zeit
(ebd. 1892); van der Borght, Die wirtschaftliche Be-
deutung der Rhein-Seeschiffahrt (ebd. 1892); Treut-
lein, Die neuern deutschen Nbeinstromstudien und
ibre Ergebnisse (im "Ausland", Stuttg. 1893); Horn,
Der R. Geschichte und Sagen seiner Burgen, Ab-
teien, Klöster und Städte (4. Aufl., ebd. 1893); Kurs,
Tabellarische Nachrichten über die flößbaren und
die schiffbaren Wasserstraßen des Deutschen Reichs
(Berl. 1894): Kollbach, Bilder vom R. Eine Wan-
derung von Basel bis zur Holland. Grenze (2. Aufl.,
Köln 1894).
Nhein in Ostpreußen, Stadt im Kreis Lötzen
des preuh. Ncg.-Be;. Gumbinnen, am Rheiner See,
dem Nordende des Talter Wassers, Sitz eines Amts-
gerichts (Landgericht Lyck), hat (1890) 2189 E.
(600 Masuren), darunter 39 Katholiken und 30
Israeliten, Post, Telegraph, Strafanstalt für
Frauen; Kokosdcckenfabrik, Wagenfabrik, zwei Fär-
bereien, Dampfschneidemühlcn und Pferdezucht.
Nheinau im Elsaß, (^tadt im KantonBenfeld,
Kreis Erstem des Bezirks Untcrclsaß, 600 m links
vom Nhein, über den hier eine Schiffbrücke führt,
an der Straßburger Straßenbahn (Boofzheim-N.,
2,6 km) und der Lokalbahn Nhein-Ettenheimmünster,
hat (1890) 156? E., darunter 30 Evangelische, Post-
agentur, Telegraph, großes Spital; Korbstechterei,
Ziegelei, Ciqarrenfabrik, Fischerei, Anbau von
Hopfen, Hanf, Tabak, Zuckerrüben und Getreide,
Rindvieh- und Schweinezucht.
Rheina-Wolbeck, Standesherrschaft und Für-
stentum, mit 556 ykui und etwa 25000 E., zur
Provinz Westfalen, zum kleinern Teile zur Provinz
Hannover gehörig, war bis 1803 ein Teil des Bis-
tums Münster, kam durch den Reichsdeputations-
^ hauptscbluh an das Haus Lo oz-Corswarem,
! wurde 1806 mediatisiert und dem Großherzogtum
Berg, 1810 dem franz. Kaiserreich einverleibt, 1815
^ aber dem Hause Looz-Corswarem zurückgegeben; als
^ letzteres im Mannsstamm erlosch, kam es an den
^ Grafen Lannoy - Clervaur; dieser wurde 15. Okt.
1840 zum Fürsten von R., später zum erblichen
^ Mitglied des preuh. Herrenhauses erhoben und er-
! hielt durch königl. Kabinettsorder vom 22. Okt.
1861 das Prädikat Durchlaucht. Jetziges Haupt
^ des Hauses ist Fürst Arthur, geb. 19. Febr. 1833.
Rheinbach. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Köln,
z hat 397,12 ykm und (1890) 32157 (16 060 männl.,
' 16 097 weib!.) E., 2 Städte und 48 Landgemein-
! den. - 2) Kreisstadt im Kreis N., an der Linie
! Bonn-Euskirchen der Preuft. Staatsbahnen, Sitz
des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht
Bonn), Aich- und Katasteramtes, hat (1890) 2179 E.,
darunter 68 Evangelische und 101 Israeliten, Post,
! Telegraph, Neste der alten Befestigungen, fpätgotische
^ kath. Kirche, Synagoge, Progymnasium, erzbischüfl.
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