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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rhetorik - Rheumatismus
280 v. Chr. gehaltene Rede, und der altere Cato, '
gest. 149 v. Cbr., schrieb schon eine Anweisung für
den Redner nieder und gab selber Reden heraus. Der
erste kunstmäßige Redner war Servius Sulpicius
Galba, ein hervorragendes Muster der Beredsamkeit
der jüngere Gracchus. Nach ihm waren die größten
Redner um den Beginn des 1. Jahrh. v. Chr. Mar-
cus Antonius (Konsul 99) und Lucius Licinius Cras-
sus (Konsul 95 v. Chr.). Hortensius pflegte den asia-
nischen Stil, Cicero dagegen folgte in seinen Reden
und rhetorischen Schriften mehr der vermittelnden
rhodischen Schule, andere Zeitgenossen, wie Brutus
und Cornisicius, Pollio, Cäsar, suckten die strenge
nüchterne Weise der ersten alten Attiker nachzu-
ahmen: die meisten wählten den schlichten Stil des
Lysias. Asinius Pollio, der mit Messalla Corvinus
noch in die Kaiserzeit hineinreichte, stellte den schwe-
ren und strengen Stil des Thucydides am höchsten.
Nach dem Beginn der Kaiserzeit trat die schulmäßige
Beredsamkeit in den Vordcrgrnnd. Erhalten sind Bei-
spiele aus dem Gebiete der gerichtlichen und beraten-
den Schulreden in einem Werke des ältern Seneca,
dann namentlich in dem geistvollen Dialog des Taci-
tus einsichtige Erörterungen über die Gründe des Ver-
falls der Beredsamkeit und in der "InLtiwtio oi-^-
wi-ia" des Quintilian ein Hauptwerk über Rhetorik
im weitesten Sinne. Quintilian wie Tacitus weisen
noch auf die guten klassischen Muster hin, nach ihnen
verfällt die röm. Beredsamkeit in eine gespreizte
altertümelnde Richtung, wie sie namentlich in den
Briefen des Fronto hervortritt. Aus späterer Zeit
sind fast nur noch Panegyriker zu nennen. Ter
Hauptsitz dieser Beredsamkeit war jetzt Gallien. Die
Fragmente der röm. Redner hatHcinr. Meyer ("0r^-
torum loiNÄnoi-um OXXV li-a^iiieiitH ", 2. Aufl.,
Zür. 1842) gesammelt, die spätern Rhetoren C.Halm
(Lpz. 1803). - Vgl. Westermann, Geschickte der Be-
redsamkeit in Griechenland und Rom (2 Bde., Lpz.
1833-35); Spengel, Über das Studium der Rheto-
rik bei den Alten (Münch. 1842); Volkmann, Herma-
goras (Stett. 1865); Rößler, I^detorum anti^uoi-nm
äß äi8pl)8ition6 äocti-inH (Bautzen 1866); Berger und
Cucheval, HistoilL 66 I'eio^uencs latins ^n3^u'H
(^iceron (2 Bde., Par. 1872); Volkmann, Die Rhe-
torik der Griechen und Römer (3. Aufl., Lpz. 1885).
Rhetorik (grch.), die Theorie der Redekunst oder
die Anleitung zur Beredsamkeit. Sie wurde bei den
Alten zunächst auf die eigentliche Rede (Staats-,
Gerichts- und Prunkrede) bezogen. (S. Rhetoren.)
Sie umfaßte in ihrer Vollendung fünf Teile: inven-
tio (Auffindung der Gedanken), äispoLiUo (Anord-
nung), 6l0(.'ntl0 (Ausdruck), ineinoi-iH (Einprägung
in das Gedächtnis), actio (Vortrag). Allmählich
(aber noch nicht bei den Griechen, dagegen bei den
Römern von Quintilian) im weitern Sinne auf die
gesamte, insbesondere schristliche, prosaische Ge-
dankenentwicklung ausgedehnt, erscheint die R. im
Mittelalter als eine der Freien Künste (s. d.) und
wird ein Hauptbestandteil des höhern Schulunter-
richts, wobei die obengenannten ersten drei Teile
festgehalten, die letzten zwei abgestreift werden. Die-
sen Unterricht vertrat seit der Reformation das Lehr-
buch der R. von Melanchthon, das erst zu Ende des
17. Jahrh, dem von Gerhard Voß wich, im letzten
Viertel des 18. Jahrh, kamen die "Initia i-iistoi-ica"
von I. A. Ernesti in Gebrauch. Letztere bilden zu-
gleich den Übergang zu der Anwendung der bisher
nur im Hinblick auf die alten Schriftsteller und den
lat. Stil vorgetragenen Kunstregeln auf die deutsche
Muttersprache. Diese haben vorzugsweise oder aus-
schließlich im Auge die neuern Lehrbücher von Falk-
mann ("Praktische N.", 3. Aufl., Hannov. 1835),
Gockel ("Lehrbuch der teutschen Schriftsprache",
3. Aufl., Karlsr. 1866), Wackernagel ("Poetik, R.
und Stilistik", 2. Aufl., Halle 1888), K. A. I. boff-
mann ("Rhetorik^, 2 Tle., 6. Aufl., Clausthal 1883
-86) u. a. m. (^. Redekunst.)
Rhetorische Frage, s. Frage
Rhetren (grch., "Verträge","Gesetze"), dieGrund-
gesetze der Versassung Spartas.
Nksnui, Pflanzengattung, s. Rhabarber.
Rheuma (grch.), soviel wie Rheumatismus (s. d.).
Rheumarthritis (grch.), Gelenkrheumatismus
(s. d.). ^Herzentzündung.
Rheumatische Schwielen, im Herzfleisch, s.
Rheumatisches Fieber (^I)i-i8 i-iwnmatica),
ein Fieber, das die Erkältungskrankheiten, insbeson-
dere die Katarrhe der Schleimhäute sowie die rheu-
matischen Gelenk- und Muskelaffektionen begleitet.
(S. Erkaltung, Gelenkrheumatismus, Katarrh.)
Rheumatismus (vom grch. i-keuma, Fluß),
Gliederreißen, eine Reihe von Krankheiten, deren
auffallendstes Symptom von einer Stelle zur andern
wandernde Scbmcrzen sind, die sich steigern, wenn
der befallene Körperteil gebraucht wird, die also die
Gebrauchsfähigkeit desselben beeinträchtigen. Die
Schmerzen treten meist ohne ausfallende anatom.
Veränderungen anf in den Gelenken, den Mus-
keln, den Sehnenscheiden, der Haut, und man unter-
scheidet danach einen Gelenk-, Muskelrheumatismus
u. s. w. Man unterscheidet ferner einen akuten und
einen chronischen N. Der chronische R. ist aus-
gezeichnet durch eine sehr lange Dauer und die Fie-
berlosigkeit, während der akute R. entweder rasch
ablaufende oder mit Fieber verbundene Fülle um-
faßt. Als Ursachen des R. bezeichnet man gewöhn-
lich Erkältungen, namentlich einseitige Abkühlungen
(durch Zug) und häufige Durchnässungen (Arbeiten
im Wasser, feuchte Wohnungen). Über die akuten und
chronischen rheumatischen Äfjektionen der Gelenke
und deren Behandlung s. Gelenkrheumatismus.
Der Muskelrheumatismus giebt sich durch
! reißende oder ziehende Schmerzen im Verlaufe der
Muskeln und Muskelbinden sowie durch eine ge-
wisse Steisigteit und Echwerbewcglichkeit des be-
troffenen Gliedes zu erkennen; dabei pflegt sich die
^ Haut über den schmerzenden Stellen normal zu ver-
halten. Kälte und Feuchtigkeit sowie Bewegungen
vermehren gewöhnlich die Schmerzen, während
trockne Wärme und Ruhe wohlthuend wirken. Die
rheumatischen Muskelschmerzen sind entweder vage,
von einer Stelle zur andern ziehende, oder auf be-
stimmte Muskeln und Muskelgruppcn beschränkt.
Lieblingsstellen des Muskclrhenmatismus sind die
Mnskeln und Aponeurosen des Schädels (rheu-
matischer Kopfschmerz), die Schultermusleln
sowie die Hals- und Nackcnmuskeln (sog. steifer
Hals), die Brust- und Zwischenrippenmuskeln
(rheumatischer Brustschmerz), die tiefern
Rücken- und Lcndenmuskcln (Hexenschuß) u. a.
Meist ist der Muskelrheumatismus ein akutes Lei-
den, das nach kurzem Bestehen wieder verschwindet;
es kommen aber auch chronische Fälle vor, die in-
folge anhaltender Unthätigkeit zum Schwund der
Muskeln (zur rheumatischen Lähmung) führen.
Die Behandlung des Muskelrheumatismus besteht
in akuten Fällenin kräftigen Hautreizen (Senfteigen,
Einreibungen, Anwendung des induzierten elektri-