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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Richardson (Samuel) - Richelieu (Herzog von, Kardinal)
und 1825-27 begleitete er Franklin auf dessen Er-
peditionen zur Aussuchung einer nordwestl. Turck-
jabrt, wurde 1838 Oberarzt bei der Flotte, 1840
Inspektor des Marinehospitals und erbielt 1840
die Rittcrwürde. Zur Aussuchung ^ranklins unter-
nahm er 1848-49 eine Reise in Booten nach dem
Mackenziefluß und zu Lande nach Kap Krusenstcrn
und Wollastonland. R. wurde 1857 in Rubcstand
versetzt und starb 5. Juni 1865 zu Grasmere. Er ver-
öffentlichte: "I^unü koreii1i-lnn"!'ic".NÄ" (4 Bde.,
Lond. 1829-37), "I)0lit vov^M tnroussli Ilupei't's
I^anä "lonF tlw ceiitrai arctic coli8t8 in 86Äi'(1i 0t
8ii- ^. 5>ü!^Iin" (2 Bde., ebd. 1851), "Iiis I^Iai-
i-sssion" (ebd. 1861). - Vgl. M'Ilraith, 1.il6 ol 8ir
^olin 1^. (Lond. 1868).
Richardson (spr. ritschärds'n), Samuel, engl.
Nomandichter, geb. 1689 in der Grasscbast Terbn als
Sohn eines Tischlers, erlernte die Buchdruckerci, seine
freie Zeit zu seiner geistigen Ausbildung benutzend,
und ließ sich dann als Buchdrucker in London nie-
der. Er starb 4. Juli 1761. Seine schriftstellerische
Thätigkeit eröffnete R. mit dem moralischen Roman
"?ani6w' ^2 Bde., Lond. 1740; deutsch Liegn. 1772),
der großen Beifall fand. Von den beiden nackfol-
genden Romanen "(üiÄi'i83H I?Hr1o^v6" (8 Bde.,
Lond. 1748; deutsch, 16 Bde., Lpz. 1790-93) und
"3ir (^iai'1o8 (Fi-Hnäiäon" (6 Bde., Lond. 1753-54;
deutsch, 7 Bde., Lpz. 1780) stebt nur der erstere auf
der Hohe der "kamoiH". R. ist der Begründer des
engl. Familienromans, der von Stecle und Aodison
schon vorbereitet war. Ermüdet auch die Länge
und trockne Lehrhaftigkeit, so entschädigt anderer-
seits die künstlerische Ausführung der kleinen und
scheinbar unbedeutenden Vorfalle des häuslicbcn
Lebens. N.s Romane sind von epochemachender
Bedeutung in der Weltlitteratur. Seine Werke er-
schienen in 20 Bänden London 1783, in 19 Bänden
ebd. 1811 u. ö. - Vgl. Mrs. Varbauld, ^oi-ro
8p0nä^c6 of8aiuu6i K. (6 Bde., Lond. 1804); E.
Schmidt, R., Rousseau und Goethe (Jena 1875);
Gasmeyer, R.s Pamela, ihre Quellen und ihr Ein-
fluß auf die engl. Litteratur (Lpz. 1891).
Richebourg (frz., spr. risch'buhr), ein Bur-
gunderwein (s. d.).
Richelieu (spr. risch'liöh), Chambly oder
Saint John, Fluß in der Provinz Quebec des
Dominion of Canada, entspringt im Cbamplainsee
(s. d.) und mündet bei Sorel in den Lorenzstrom.
Er ist für die Schiffahrt zwischen dem Lorenzstrom
und dem Hudson von großer Wichtigkeit.
Richelieu (spr. risch'liöh), Stadt im Arrondisse-
ment Chinon des franz. Depart. Indre-et-Loire,
links an der Amable (linkem Zufluß der Vicnne),
an der Nebenlinie Chinon-Ligrö Riviöre-R. (21 km)
der Staatsbahn, hat (1891) 2364 E.; Fabrikation
von Ziegeln und Steinfliesen, Handel mit Ge-
treide, Branntwein, Wein und Essig. Das vom
Kardinal Richelieu, der hier geboren wurde, er-
baute prächtige Schloß wurde in der Revolution
fast ganz zerstört.
Richelieu (spr. risch'llöh), Armand Emanuel du
Plessis, Herzog von, sranz. Staatsmann, Enkel des
Marschalls R. und Sohn des Herzogs von svronsac,
geb. 25. Sept. 1766 zu Paris, wanderte 1789 nach
Ruhland aus, wo er Kriegsdienste nabm, unter
Suworow dem Feldzuge von 1790 gegen die Türken
beiwobnte und zum Generalmajor, später zum Ge-
nerallieutenant aufstieg. 1792 ging er als Agent
der Vourbons an die Höfe von Wien und Berlin
und half 1793 im Emigrantenheere Valenciennes
belagern. Kaiser Alexander I. ernannte ihn 1803
zum Gcneralgouverneur von Odessa. Nach der ersten
Restauration begab sich R. nach Frankreich. Lud-
wig XVIII. ernannte ihn zum Pair und ersten Kam-
^ merberrn des Königs, und im Sept. 1815 übertrug
ibm der König aus die Verwendung des Zaren die
Bildung eines neuen Kabinetts, in dem er mit dem
Grasen Decazes das Staatsruder führte. 1818 ging
R. als franz. Gesandter auf den Aachener Kon-
greß, wo er eine weitere Herabsetzung der Kriegs-
steuer, Verlängerung des Zahlungstermins und den
Abmarsch der fremden Truppen aus Frankreich zu
stände brachte. An: 15. Nov. unterzeichnete er die
Akte, durch die Frankreich in die Heilige Allianz
aufgenommen wurde. Nach seiner Rückkehr war
z er bereit, dem Wunsche der Ostmächte gemäß,
! das franz. Wahlgesetz von 1817 in reaktionärem
Sinne zu verändern; dadurch trennte er sich von De-
j cazes, dem der König, angesichts der Vermehrung
des liberalen Elements in der Kammer, die Bildung
eines neuen Kabinetts übertrug. Als im Febr. 1820
^ aus Anlaß der Ermordung des Herzogs von Verry
! Decazes von den Ultras gestürzt wurde, nahm Lud-
^ wig XVIII. seine Zuflucht wieder zu R., der als Prä-
sident an die spitze eines aus gemäßigten Royalisten
bestehenden Kabinetts trat. R. zog die Führer der
äußersten Rechten, Villele und Corbiere, zur Unter-
stützung bcrbei und brachte die Beschränkung der
, individuellen svreibeit, die Umgestaltung des Wahl-
i gesetzes, die Abschaffung der Presifreiheit und andere
! Maßregeln zu stände, welche die Ultraroyalislen
^ beschwichtigen sollten. Doch gelang dies nicht, wah-
! rend die Haltung der Regierung die Linke nur er-
! bittcrte, und R. muhte daher im Dez. 1821 das
Staat^ruder Villele überlassen. Er starb kinderlos
17. Mai 1822 zu Paris. - Vgl. Rambaud, 1.6 Duc
ä6 K. (in der "I^evus ä68 I)6iix Nonä68", 1887);
Rochcchouart, 80uv6nir3 8ur Ia Involution, 1'Lm-
pirs 6t 1a Il68tlnii'^tion (Par. 1889).
Richelieu (spr. risch'liöh), Armand Jean du
Plessis, Herzog von, Kardinal, franz. Staatsmann,
geb. 5. Sept. 1585 auf Schloß Richelieu in Poitou,
erhielt noch vor dem kanonischen Alter die bischöfl.
Weihe, erwarb fich von der Sorbonne den Dottor-
but und gelangte Dez. 1608 in das Bistum Lucon.
Scbon hier zeigte er katholisch-eifrige, aber nickt
fanatische Gesinnung. Er schrieb kath. Streitschrif-
^ ten und legte sich bereits die Art, wie man am Hofe
vorwärts kommen könne, in einem merkwürdigen
"^lLmoii'6" (hg. von Baschet, Par. 1880) zurecht.
Auf den Neichsständen von 1614 führte er mit stol-
< zer Entschiedenheit das Wort für die Rechte der
! Geistlichkeit. Die Königin-Witwe, Maria Medici,
! berief ihn in das von ihrem Günstling Ancre (s. d.)
^ gebildete Ministerium, in dessen Sturz er 1617 ver-
^ wickelt wurde. Durch seine Bemühungen söhnte sich
die Königin mit ihrem Sohn, Ludwig XIII., aus
und kam so 1621 mit R. zugleich wieder zu Einfluß.
! Zum Kardinal erhoben, trat R. in das Kabinett La
Vieuvilles. Dessen Sturz, Aug. 1624, brachte ihn
an die Spitze der Regierung. Sein ganzes Streben
war, Katholicismus und nationale Wohlfahrt zu
vereinigen. Er wäre der Reorganisator Frankreichs
geworden, hätten ihn nicht die drängenden Gefahren
des Reichs dahin getrieben, zunächst die äußern und
innern Feinde der Monarchie zu bekämpfen.
! Alles kam darauf an, getreu den Bestrebungen
, Franz' I. und Heinrichs IV., Frankreich aus der Um-