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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Richard III. (König von England) - Richardson (Sir John)
Monarch selbst die Leitung ergriff. Dem Krieg mit
Frankreich machte er 1396 durch feine Ehe mit
Karls VI. Tochter Isabella für lange Zeit ein
Ende und stellte im Reiche selbst wie in Irland den
Frieden wieder her. Acht Jahre etwa dauerte die
Ruhe, da brach der Hader von neuem aus, und N.
benutzte nun die inzwischen erstarkte Königsgewalt,
seiner Nache gegen Gloucester und dessen Anhänger
freien Lauf zu lassen, Hinrichtung und Verbannung
traf die letztern, der Herzog starb während der
Haft (1397). Indem R. ferner einen Parlaments-
ausschuß mit voller parlamentarischer Macht be-
kleiden lieh, that er den ersten Schritt, sich des Par-
laments überhaupt zu entledigen. Volle Willkür-
herrschaft riß ein, die alle Stände dem König ent-
fremdete. Als er einen Streit zwischen den Her-
zögen von Norfolk und Hcreford dnrch beider Ver-
bannung endete, dann aber nach dem Tode des
Herzogs von Lancaster, des Vaters von Hereford,
dessen Güter einzog, landete Hereford während
eines irischen Feldzugs des Königs im Sommer
1399 in England und fand allgemeinen Zulauf.
R. selbst geriet in die Hand seiner Feinde, wurde
29. Sept. zur Abdankung genötigt und Hereford
als Heinrich IV. (s. d.) auf den Thron erhoben.
'Eine Erhebung für N. wurde niedergeschlagen, und
dieser kam auf geheimnisvolle Weise zu Pontcfract
Castle um (14. Febr. 1400), wie man ausstreute,
durch freiwillige Enthaltung aller Speise. - Vgl.
Pauli, Geschichte von England, Bd. 4 (Gotha 1855);
Wallon, k. II (2 Bde., Par. 1864).
Richard III., König von England (1483-
85), geb. 2. Okt. 1452 als der jüngere Sohn des
Herzogs Richard von Jork, wurde von seinem Bru-
der Eduard IV. nach seiner Thronbesteigung zum
herzog von Gloucestcr erhoben (Nov. 1461) und
war ihm ein ergebener und geschickter Helfer. Als
sich nach Eduards Tod (1483) die Partei der Köni-
gin, die Woodvillcs, der Vormundschaft für den un-
mündigen Eduard V. zu bemächtigen suchte, trat
er vereint mit dem Herzog von Vuckingham (s. d.)
ihnen entgegen und brachte den König in seine Ge-
walt. Zum Protektor ernannt, erhob er bald selbst ^
Anspruch auf die Krone und ließ feine Gegner!
Hastings, Rivers, Grey, Vaughan und Hawte ohne !
Gericht und Urteil enthaupten, andere einkerkern, i
Schließlich erreichte er, daß ihm die Krone ange- '
boten wurde, unter dem Vorwand, daß wegen einer
frühern Verbindung Eduards IV. dessen Söhne
von Elisabeth Bastarde seien. Am 6. Juli wurde
R. zu London gekrönt. Seine Neffen Eduard V. und
Richard von Uork ließ er kurz darauf im Tower
ermorden. Sein treuester Helfer war der Herzog
von Vuckingham gewesen; da er sich jedoch nicht ge-
nügend belohnt glaubte, trat er mit dem in der
Bretagne weilenden Heinrich Tudor, Grafen von
Richmond, in Verbindung, der durch feine Mutter
den Lancaster verwandt war. R. entdeckte das
Vorhaben, Vuckingham büßte mit feinem Kopf da-
für (2. Nov. 1483), während Heinrich Tudor sich
noch rechtzeitig hatte zurückziehen können. Mit
franz. Hilfe unternahm er von neuem R. zu stürzen.
Alm 6. Aug. 1485 landete er in Milforobafen an der
Südküste von Wales, und beim Marktflecken Vos-
worth kam es 22. Aug. 1485 zur Entscheidungs-
schlacht, in der R. nach heldenmütigem Kampfe siel.
R. war ein hochbegabter, zum Herrschen geborener
Mann, von großer persönlicher Tapferkeit; aber
°ein gewissenloser Missethäter, der vor keinem Ver-
brechen zurückschreckte, wenn auch das Bild jenes
Scheusals, wie es der Haß der nächsten Nachleben-
den gezeichnet hat, und wie es uns bei Shakespeare
vor Augen tritt, übertrieben sein mag. - Vgl.
Pauli, Geschichte von England, Bd. 5 (Gotha 1858);
ders., Aufsätze zur engl. Geschichte (Lpz. 1869);
Gairdner, Iligwi-^ ot tks lils anä rei^n ol II. III
(Lond. 1878; 2. Aufl. 1879).
Richard IV., Kronprätendent von England,
s. Warbeck, Perkin.
Richard I. Ohnefurcht, Graf der Nor-
mandie, geb. um 935, Sohn Wilhelms I. Lang-
fchwert, stand in unaufhörlichem Kriege mit den
franz. Königen Ludwig IV. und Lothar und spielte
in den Kämpfen, die den Übergang der Hcrrfchaft
von den Karolingern auf die Kapetinger begleiteten,
eine große Rolle. Er starb 996. Die Sage feiert
ihn vielfach seines Mutes wegen. Ihm folgte sein
Sohn Richard II. der Gute. ftitel).
Richard, Herzog von Mork, s. Jork (Herzogs-
AioliNräia. X?M., Pflanzengattung aus der
Familie der Araceen (s. d.) mit 15 Arten im nördl.
Afrika. Die bekannteste, II. alric^nH IQM. ((^Ila.
Ä6tiiiopicH ^., ^antedsLeliia, Netliiopica. F^i'6)^.,
s. Tafel: Araceen, Fig. 2), ist unter dem Namen
(^11^ eine der beliebtesten Zimmerpflanzen, erreicht
nicht selten eine Höhe von 1 m und ist mit ihren
großen, glänzend grünen, pfeilförmigen Blättern
und ihren blendend weißen Blutenscheiden eine höchst
angenehme Erscheinung. In sandige Schlammerde
und in hohe Töpfe gepflanzt und fortwährend, so-
lange sie kräftig vegetiert, durch Untersetzer getränkt
und auf dem ihr einmal eingeräumten Platze un-
verändert belassen, blüht sie im Stubenfenster reich-
lich. Man vermehrt sie durch Wurzelsprossen. Eine
sebr hübsche Art ist auch II. liidmnacnlatk Äook.
mit weißfleckigen Blättern und kleinern Blumen.
^?/e/l<H?'^F., hinter den lat. Namen von TierenAb-
kürzung für John Richards on (spr. ritschards'n),
einen engl. Forscher auf dem Gebiete der Wirbeltier-
kunde, geb. 1787, gest. 1865. Er bereiste das ark-
tische Amerika.
Richardfon (spr. ritschards'n), James, engl.
Afrikareisender, geb. 3. Nov. 1809 zu Boston in
Lincolnshire, unternahm 1845 über Tunis und
Tripolis eine Reise mitten durch die Sahara nach
Ghadames und Ghat, wo er Nachrichten über die
Tuareg sammelte, und traf nach neunmonatiger
höchst beschwerlicher Wanderung über Fcssan wieder
in Tripolis ein. Nachdem er in "^raveis in tds
Oi-eat I)68ort ol 8Hliai-H" (2 Bde., Lond. 1849) eine
Beschreibung dieser Expedition veröffentlicht hatte,
gelang es ihm, die Unterstützung der brit. Regierung
zu einer Expedition nach dem Sudan und dem Tsad-
see zu gewinnen, auf der ihn H. Barth (s. d.) und
A. Overweg (s. d.) begleiteten. März 1850 brach er
von Tripolis auf, kam zum zweitenmal nach Ghat und
war der erste Europäer, der die steinige Hochebene
Hammada durchzog. Von hier aus setzte er seinen
Weg nach Air (Asben) und Bornu fort, starb aber
4. März 1851 zu Ngurutua, sechs Tagereisen von
Kuka. Seine Reisenotizen und Tagebücher wurden
von Vayle Saint-John herausgegeben: "KarrativO
ok H ini88ioQ to ventral ^kriew) (2 Bde., Lond. 1853)
und "'I'i'ÄV6l3 in ^lorocco" (2 Bde., ebd. 1859).
Richardson (spr. ritschards'n), Sir John, Nord-
polreisender, geb. 5. Nov. 1787 zu Dumfries in
Schottland, studierte in Glasgow Medizin und trat
1807 als Wundarzt in die brit. Marine. 1819-22