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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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860
Rieger (Maximilian) - Riehl
Periode des Reichstags zu Kremsier auf die Seite
der Liuken über. Nach dem Erscheinen des Oktober-
diploms (1860) trat er mit seinem Schwiegervater
Palacky offen an die Spitze der böhm. National-
partei (s. Czechen) und stellte als Deputierter zum
österr. Reichsrate ein föderalistisches Programm
auf. 1868 unterzeichnete er mit die Deklaration des
böhm. Staatsrechts und der czech. nationalen For-
derungen. Von 1863 bis 1879 blieben die czcch.
Abgeordneten, in "Passivitätspolitik" verharrend,
dem Reichsrat sowie dem böhm. Landtag fern, bis
R., von denIungczechen gedrängt, zuerst mit seinen
Genossen in den böbm. Landtag und nach der über-
nabme der Geschäfte durch Taaffe auch in den
Reichsrat eintrat, um dort als einer der Führer der
Majorität und als Stütze der Negierung zu wirken.
An seinem 70. Geburtstag (10. Dez. 1888) wurde
ihm ein Nationalgeschenk von 100 000 Fl. überreicht.
In letzter Zeit wurde R.s Einfluß von den liberalen
Iungczechen stark in den Hintergrund gedrängt, und
als er selbst bei der vernichtenden Niederlage, die die
Altczechen 1891 bei den Rcichsratswahlen erlitten,
nicht wiedergewählt wurde, zog er sich fast ganz von
dem polit. Leben zurück. R. veröffentlichte in czcch.
Sprache die Schriften "Über immaterielle Güter
und deren Bedeutung für die Nationalökonomie"
(Prag 1850), "Die Industrie und der Fortschritt
ihrer Produktion in ihrer Einwirkung auf die
Wohlfahrt und Freiheit des Volks" (ebd. 1860),
"Böhmen, Land und Volk" (ebd. 1863). 1859 be-
gründete er mit Kober den "slovnik n^i^n^", eine
böhm. Nationalencyklopädie, von deren Leitung
er jedoch nach einigen Jahren zurücktrat. 1860
schrieb er von Nizza aus zahlreiche Aufsätze für den
"I^oi'ä" in Brüssel, die u. d. T. "1^68 81av68 ä'^u-
tlic'iiL" (Par. 1860) gesammelt erschienen.
Rieger, Maximilian, Germanist, geb. 8. April
1828 zu Darmstadt, studierte in Gießen, Berlin und
Heidelberg, wurde 1853 Privatdocent in Gießen,
1856 in Basel, lebt seit 1858 in Darmstadt und auf
seinem Landsitze bei Alsbach an der Bergstraße.
Neben kritischen Ausgaben mittelhochdeutscher Dich-
tungen ("Walther von der Vogclweide", Gieß. 1862,
mit Wackernagel; "Leben der heil. Elisabeth", in der
"Bibliothek des Litterarischen Vereins", Stuttg.
1868) hat sich R. namentlich durch metrische Arbeiten
ausgezeichnet (in Plönnies' Kuorunausgabe und in
der "Zeitschrift für deutsche Philologie", Bd. 7) und
"Klinger in der Sturm- und Drangperiode" (Darmst.
1880) dargestellt. An der Revision der Lutherschen
Bibel hat er philologisch mitgearbeitet. Unter dem
Pseudonym Utis veröffentlichte er eine Sammlung
von Novellen und Märchenspielcn, den "Neuen Phan-
tasus" (2 Bde., Lpz. 1886), aus dem die bekannte
Novelle "Der falsche Vaurat" (Franks, a. M. 1877)
auch separat erschien.
Riegersburg, Burg bei Feldbach (s. d.).
Riego y Nunez (spr. nunjeds),Nafaeldcl,span.
General, geb. 24. Okt. 1785 zu Oviedo, kämpfte seit
1808 gegen die Franzosen und befand sich eine Zeit
lang als Gefangener in Frankreich. Der infolge der
Mihregierung Ferdinands VII. (s. d.) im Heere ent-
standenen revolutionären Bewegung schloß sich R.
an und rief 1. Jan. 1820 die Cortesverfafsung von
1812 aus. Mehrere Truppenkorps solgten dem
Beispiel. Nachdem der König die Konstitution von
1812 anerkannt hatte, wurde R. zum Generalkapitän
von Aragonien ernannt, aber dieser Stelle im Sept.
1821 wieder enthoben. 1822 wurde er zum Depu-
tierten bei den Cortes erwählt, die ihn zum Prä-
sidenten wählten. Beim Einrücken der Franzosen in
Spanien 1823 wurde er von Ferdinand VII. unter
Ballesteros zum zweiten Befehlshaber des Heers
ernannt. Als Vallesteros die Kapitulation mit den
Franzosen abgeschlossen hatte, trat R. nicht bei; von
den Franzosen gedrängt, muhte er Malaga räumen,
wurde in der Sierra Morena von Bauern erkannt
und den Franzosen überliefert, die ihn 21. Sept.
an die fpan. Behörden abgaben. Er wurde 7. Nov.
1823 in Madrid gehenkt. Die "Riego-Hymne" spielt
noch heute die Rolle einer span. Marseillaise. -
Vgl. Miguel del Riego, Nemoirg ok tk6 lils of R.
knä big tamil^ (Lond. 1824); Nard und Piral,
Viäa milit^r 6 politica äs 15. (Madr. 1844).
Riehl, Wilh. Heinr. von, Kulwrh'chorilcr und
Novellist, geb. 6. Mai 1823 zu Biebrich, studierte
in Marburg, Tübingen, Gießen und Bonn Theo-
logie, Philosophie und Geschichte und wandte sich
dann wieder nach Gießen, um sich hier vorzugs-
weise dem Studium der Kultur- und Kunstgeschichte
zu widmen. Er ging 1845 als Mitredacteur der
"Oberpostamtszeitung" nach Frankfurt, von wo er
1847 nach Karlsruhe übersiedelte. Hier beteiligte er
sich an der "Karlsruher Zeitung" und gab mit Christ
den "Bad. Landtagsboten" heraus. 1848 begrün-
dete er zu Wiesbaden die "Nassauische Zeitung", die
er fast drei Jahre redigierte. Anfang 1851 folgte
er einem Rufe an die "Allgemeine Zeitung" nach
Augsburg. 1853 wurde er vom König MaximilianII.
von Bayern zum Professor an der Universität Mün-
chen ernannt. Seit 1862 ist R. Mitglied der Mün-
chener Akademie. 1880 wurde R. mit dem bayr.
Kronenordcn der persönliche Adel verliehen; 1885
wurde er, unter Beibehaltung seiner Professur, zum
Direktor des Bayrischen Nationalmuseums und zum
Generalkonservator der Kunstdenkmäler und Alter-
tümer Bayerns ernannt. N. veröffentlichte zu-
nächst "Die bürgerliche Gesellschaft" (Stuttg. 1851
u. ö.), dann "Land und Leute" (ebd. 1853 u. ö.),
die "Familie" (ebd. 1855 u. ö.) und "Wanderbuch"
(ebd. 1869 u. ö.), welche vier Werke zusammen
zur "Naturgeschichte des Volks" vereinigt wurden.
Derselben Richtung seiner Studien gehören von
seinen spätern Arbeiten an die "Kulturgeschichtlichen
Novellen" (Stuttg. 1856 u. ö.), "Geschichten aus alter
Zeit" (2 Bde., 1862-64), "Neues Novellenbuch"
(1867 u. ö.), die "Kulturstudien aus drei Jahrhun-
derten" (2 Bde., Stuttg. 1859 u. ö.), "Die Pfälzer"
(2. Aufl., ebd. 1852), eine im Auftrage des Königs
Maximilian verfaßte ethnogr. Skizze, und die "Kul-
turgeschichtlichen Charakterköpse" (1. u. 2. Aufl.,
ebd. 1891-92). Seit 1859 leitete R. auch die von
König Maximilian angeregte "Vavaria", eine ein-
gehende gcogr.-cthnogr. Schilderung des bayr.
Staates, die 1868 in fünf Bänden zur Vollendung
gelangte. Als Früchte seiner musikalischen Studien
veröffentlichte er: "Hausmusik" (Stuttg. 1855;
2. Aufl. 1859) und zweite Folge "Neue Lieder für
das Haus" (Lpz. 1877), eine Sammlung für sein
eigenes Haus komponierter Lieder, insbesondere
aber die vortrefflichen "Musikalischen Charakter-
köpfe" (Bd. 1-3, Stuttg. 1852-78u. ö.), eine
Reihe kunsthistor. Skizzen, die die Geschichte der
Musik in ihrer Verbindung mit der allgemeinen
Kulturgeschichte zeigen sollen. Von 1870 bis 1880
redigierte R. das von F. von Raumer begründete
"Histor. Taschenbuch" (Leipzig). Von R.s übrigen
Schriften sind zu nennen: "Die deutsche Arbeit"