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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Riemenschlösser - Riemer
weder aus einem Stück, wie in Fig. 1, oder man
teilt sie zur leichtern Montierung in zwei Hälften
(nach Fig. 2 u. 3), welche durch Schrauben vereinigt
werden. Die Speichen macht man gerade, wie in
den beistehenden Figuren, oder auch gekrümmt, der
Gußspannungen wegen. Eine schmiedeeiserne große
mg
Fig. 4.
R. engl. Ausführung (Konstruktion Nodger; Gene-
ralvertrieb für Deutschland: A. Lythall, Halle und
Hamburg) ist in Fig. 4 dargestellt. Dieselbe ist
zweiteilig und läsit den Unterschied in der Ausfüh-
rung den gußeisernen Scheiben gegenüber erkennen.
Wegen ihrer Leichtigkeit
haben sich in neuester
Zeit auch die amerikani-
schen hölzernen R. (Fig.5)
eingeführt (Gcneralver-
trieb für Teutschland:
Schuchardt H Schütte,
Berlin). Deutsche Aus-
führungsformen liefern
Kartbaus & Co. in Dres-
dcn-Picschen.
Bei den Vorgelegen
für die einzelnen Ar-
beitsmaschinen bringt
man neben der für den Arbeitsgang dienenden,
auf der Welle festgekeilten N. (Festscheibe) eine
lose auf der Welle sitzende R. (Losscheibe, Leer-
scheibe) an, auf welche der Riemen mittels des
Riemenführers (s. d.) geschoben wird, wenn die
Arbeitsmaschine still stehen soll. (S. Riementrieb.)
Riemenschlösser, s. Riemen (Ledcrstreifen).
Riemenschneider, Tilman oder Dill, Bild-
hauer, geb. um 1460 in Osterode im Harz, lebte
meistens in Würzburg, wo er 1520 Bürgermeister
wurde, aber diese Stellung vier Jahre später wegen
seiner Neigung zur Reformation aufgeben muhte.
Er starb 1531 in Würzburg. Er arbeitete sowohl in
l^tein als in Holz. Ein großartiges Werk ist das
Grabmal des Kurfürsten Verthold von Henneberg
im Dom zu Mainz (1504) fowie das Epitaphium
Kaiser Heinrichs II. und dessen Gemahlin Kunigunde
im Bamberger Dom (1513); bedeutend sind ferner
mehrere Grabskulpturen im Dom zu Würzburg.
An der Marienkapelle daselbst rühren die beiden
ausgezeichneten Figuren der ersten Eltern (1493)
von ihm her, in Nimpar das Monument Eberhards
von Grumbach, zu Heidingsfcld die Veweinung des
toten Heilands (1508) u. s. w. Die Holzskulpturen
sind ebenfalls interessant; in Sammlungen (nament-
lich der Streitschen zu Kissingen) ist davon Verschie-
denes verstreut. Das Vorzüglichste darunter, eine
allegorische Gruppe der Jugend und des Alters,
besitzt die kaiserl. Kunstsammlung in Wien. 1893
wurde in der Pfarrkirche zu Haßfurt eine von ihm
herrührende kolossale Holzstatue Johannes' des
Täufers gefunden. - Vgl. K. Becker, Leben und
Werke des Bildhauers R. (Lpz. 1849): A.Weber,
Leben und Wirken Dill R.s (2. Aufl., Würzb. 1888);
C. Streit, T. R. (Berl. 1888).
Riementang, Algengattung, s. I^minaria.
Riementrieb, im Maschinenbau ein Triebwerk
(s. Transmission) zur Übertragung von Kräften auf
mittlere und kleine Entfernungen, bei dem ein Rie-
men zur Verwendung kommt, der über die beiden
Riemenscheiben läuft, die auf den beiden Wellen
festgekeilt sind, zwischen denen die Übertragung statt-
finden soll. Der R. findet auch Anwenduug zur
direkten Kraftübertragung zwischen dem Motor und
der Haupttransmissionswelle, wobei der Riemen
meist über das als Riemenscheibe dienende Schwung-
rad gelegt wird. Der Elasticität des Riemens ent-
sprechend, muh derselbe eine solche Länge erhalten,
daß er, auf die Riemenscheibe aufgelegt, schon beim
Stillstand des Getriebes die nötige Spannung hat,
um die erforderliche Kraft zu übertragen. In der
Ruhelage ist die Spannung in den beiden Riemen-
teilen zwischen den Scheiben gleich; während des
Betriebes erhöht sich dann die Spannung in dem
einen, dem ziehenden oder führenden, und verringert
sich im andern, dem geführten Riementeil (Trum).
Die Differenz beider Spannungen ist die am Um-
fange beider Riemenscheiben angreifende übertragene
Kraft. Hm dem Riemen die zur Übertragung dieser
Kraft erforderliche Spannung zu geben, benutzt man
bei brcitern Riemen besondere Vorrichtungen (Treib-
riemenspanner), welche mit Zangen die beiden Enden
fassen und einander nähern, auch bringt man zwi-
schen den beiden die Bewegung vermittelnden Rie-
menscheiben noch eine dritte (Spannrolle) an,
die gegen den Riemen gepreßt wird und ihn dadurch
spaunt, oder man schaltet in die Riemenleitung bei
zu einander geneigt liegenden Wellen Leitrollen
ein, damit sich die Riemen sicher um einen größern
Teil des Umfangs der Riemenscheiben legen.
Riemer, Friedr. Wilh., Philolog und Litterar-
historiker, geb. 19. April 1774 zu Glatz, studierte seit
1794 in Halle Theologie und Philologie, habilitierte
sich 1798 in Halle, wurde 1801 Erzieher in der Fa-
milie W. von Humboldts und begleitete diesen 1802
nach Italien. 1803 wurde er in Weimar mit Goethe
bekannt und von diesem zum Lehrer seines Sohnes
erwählt. Nach neunjährigem Aufenthalt in Goethes
Hause erhielt er eine Professur am Gymnasium und
die Stelle als Bibliothekar zu Weimar, legte aber
1820 erstere Stelle nieder. 1838 wurde er zum
Obcrbibliothckar ernannt. N. starb. 20. Dez. 1845.
Sein "Griech.-deutsches .Handwörterbuch" (2 Bde.,
Jena 1802-4; 4. Aufl. 1824) war für seine Zeit
nicht ohne Verdienst. Unter dem Namen Silvio
Romano ließ er "Blumen und Blätter" (2 Bde.,
Lpz. 1816-19), unter seinem eigenen Namen "Ge-
dichte" (2 Bde., Jena 1826) erscheinen, meist Ge-
legenheitsstücke, für die R. ein glückliches Talent
zeigte. N. hat sich durch seine Teilnahme an der
Redaktion der Werke Goethes in der Ausgabe letzter
Hand und in der 1836 und 1837 erschienenen Pracht-
ausgabe in zwei Bänden, durch die Herausgabe des
"Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter" (6 Bde.,
Verl. 1833-34), der "Briefe von und an Goethe"