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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Riemgabel - Ries (Papiermaß)
(Lpz. 1846), und endlich durch seine allerdings nüt
großer Vorsicht zu benutzenden "Mitteilungen über
Goethe" (2 Bde., Verl. 1841) verdient gemacht.
Riemgabel, s. Riemen (Nuder).
Risn (frz., fpr. rläng), nichts.
Rieneck (Rineck), Stadt im Bezirksamt Lohr
des bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, rechts an der
Sinn, am Ostfuße des Spessart und an der Linie
Elm-Gemünden der Preuß.Staatsbahnen, hat (1890)
1325meistkath. E.,Post,Telegraph, ein Schloß; Holz-
handel. R. war einst Hauptort der Grafschaft R., die
1673 zum Teil an Johann Hartwig von Nostitz kam.
Rienzi (Rienzo), Cola di, eigentlich Nicola
Lorenzo Gabrini, berühmt als Wicdcrherstcller einer
Römischen Republik 1347 und Tyrann von Rom
1354, geb. 1313 als Sohn eines röm. Schankwirtes.
Gegenüber den gewaltthätigcnBaronen, die ibm den
eigenen Bruder erschlugen, legte er sich den Titel
"Konsulder Witwen und Waisen" bei und ließ sich von
den guelsifchen Feinden des hcrrsckcndcn Adels mit
andern an Papst Clemens VI. nach Avignon schicken,
den er durch seine Beredsamkeit zur Rückkehr nach
Rom zu bewegen suchte, damit er dessen innere Ruhe
und äußere Größe wiederherstelle. Petrarcas Für-
spracke hatte er die Ernennung zum Notar der
städtischen Kammer zu danken. Nach Rom 1344
zurückgekehrt, suchte er mit seinen Reden das Volk
zur Erhebung zu bringen; aber erst die Hungersnot
von 1347 verschaffte ihm einen großen Anhang, mit
dem er (20. Mai) auf das Kapitol zog, um dort
unter allgemeinerZustimmung seine 13 Verfassungs-
gesetze zu verlesen. Die Senatoren wurden verjagt,
der überraschte Adel flüchtete aufs Land und R.
nahm den Titel "Tribun der Freiheit, des Friedens
und der Gerechtigkeit" an, indem er den päpstl. Le-
gaten, der den Aufstand begünstigte, zum Kollegen
wählte. Gestützt auf eine stets schlagfertige Miliz
der Bürger, übte er nun zwar strenge Gcrecktigkeit
und rottete das Näubcrunwesen rücksichtslos aus;
allein sein plötzliches Emporsteigen, die Vereinigung
fast des ganzen Kirchenstaates unter seiner Herrschaft
und das falfche Gerücht, er sei ein Sohn Hein-
richs VII., liehen ihn alsbald in eitle Pompbaftig-
keit verfallen und das Gleichgewicht verlieren. Zwar
folgte zunächst noch das überraschte Italien seiner
Berufung eines allgemeinen Friedenskongresses,
wie auch Ludwig von Ungarn und Johanna von
Neapel seinen Schiedsspruch anriefen. Aber als er
Ludwig den Bayer und Karl IV. zur Entscheidung
ihres Thronstreites uach Rom berief und den Rö-
mern das alleinige Recht zur Kaiserwahl zusprach,
wandte sich der Papst von ihm ab und unterstützte
einen Angriff der Barone auf ihn, der zum Ziel
führte, als auch das Volk unwillig überR.s schlechte
Verwaltung und den hohen Preis des Getreides
sich von ihm abkehrte. R. floh in die Einsamkeit,
um sich nach mehrjährigen Bußübungen als Pro-
phet der Neuausrichtung eines wcst- und oström.
Kaisertums, letzteres unter ihm, und eines neuen
Papsttums (1350) zu Karl IV. uach Prag zu begeben.
Dieser ließ ihn verhaften und an Clemens VI.
ausliefern (1352); dessen Nachfolger Innocenz VI.,
der die päpstl. Gewalt in Italien wiederherstellen
wollte, sandte ihn mit Albornoz (s. d.) nach Italien,
der ihm Perugia überwies. Allein R. begab sich von
dort mit Truppen nach Rom (1. Aug. 1354), um,
von Albornoz mit dem Titel l^nator von Rom
ausgezeichnet, hier eine üppige und gewaltthütige
Herrschaft aufzurichten; er legte drückende Steuern
auf, ließ Güter einziehen, Hinrichtungen vornehmen
und drängte so alsbald das Volk auf die Seite des
Adels, der ihn auf dem Kapitol umstellte. Als er in
Bauernklciduna. zu entfliehen suchte, machte ihn ein
Diener der Colonna nieder (8. Okt. 1354); das Volk
mißbandelte und verbrannte seine Leiche. N.s zweite
Periode wurde über seiner ersten vergessen und die
Dichtung und Tonkunst verklärte sein Bild; so Bul-
wer in dem Roman "15. tke 1^8t ol tQ6 tridun63"
(1835), Iul. Moscn, Kirner (C. Vlessig) und Pirazzi
in einem Trauerspiel, Rich. Wagner in der Oper
R. (1842). Beim Aufgang links auf das Kapitol
steht feit 1887 sein Vronzestandbild (von Masini).
- Vgl. Fortifiocca, Vita äi 15i6nxo (Vrcscia 1624,
und bei Muratori, Ilei-nm, it^Iicaruni Lci'i^it. III);
Ducerceau, (^i^ui-ation ä6 I^icoIaZ (^Iirini (Par.
1733; 2. Aufl. 1748); T. de Nicnzi (Gabrini),
O830i'vll?i0ni 3uU^ vitH äi 1Ii6N20 (Rom 1806); Rö
(Zesirino), 1^ vitll äi Ilwnxo (ForÜ 1828; Flor.
1854); Papencordt, Cola di R. und seine Zeit (Hamb.
1841); Spach, (^ola äi 15. 6t 1'unit6 äs I'ltalik
cl'api'öZl'lipLncorät ot(Fr6F0i'0viu8(Straßb.1869);
Zeller, 1^68 tridung 6t I03 r6V0iutioii8 6n Ita1i6
(Par. 1874); Giuseppe Paolucci, ^pMnti Lwrici
80PI-H 00lH (1i N. (Bari 1883); Auriac, Hwä65
1ii8t0!-iciu63 8U1' Nicola R. (Amiens 1885); Nodo-
canachi, (^"Ilr äi N. Higtoire ä6 Roiny ä<3 1342-
-54 (Par. 1888); A. Gabrielli, ^ola äi N. (Nom
1890); ders., I^iätolÄi-io äi (^ola. äi II. (ebd. 1890).
Niepenhausen, Franz (geb.1786) und Johannes
(geb. 1789), Kupferstecher und Maler, Söhne des
als Nachahmer Cbodowieckis und Stecher nach Ho-
garth bekannten Ernst Ludwig R. (1765-1840).
Beide gaben 1805 die Eroberung von Troja nach
Goethes Abhandlung über die Gemälde des Po-
lygnot in der Lcsche zu Delphi in Umrissen heraus.
Tann besuchten sie 1804 die Akademie zu Cassel
und 1805 die zu Dresden. In Begleitung Tiecks
traten sie 1807 eine Reise nach Italien an und
wählten nun Rom zu ihrem Aufenthalt. In Rom ge-
borten sie zu den bedeutendern Malern der romanti-
schen Schule, wendeten sich aber schließlich dem histor.
Fache zu. Vornehmlich fuchten sie sich aber uach
Rasfacl zu bilden, wie dies ihr großes Ölgemälde
Die Verklärung Raffaels beweift. Für den Guelfen-
ordensfaal in Hannover malten sie: Heinrich der
Löwe fchützt den Kaifcr Friedrich beim Herausgehen
aus der Pcterskirche gegen den meuchlerischen Anfall
der Römer. Ebenso gemeinschaftlich arbeiteten sie
"Leben und Tod der heil. Genovcva" in 14 radier-
ten Blättern (Franks. 1806), "Geschichte der Malerei
in Italien" (Bd. 1, Heft 1 u. 2, Stuttg. 1810), mit
24 Umrissen nach den ital. Meistern von Perugino,
und die "Gemälde des Polygnotos in der Lesche zu
Delphi" (16 Blätter mit Text, Gott. 1805). Nach
Franz' Tode (3. Jan. 1831) ließ Johannes eine
Folge Kompositionen aus Raffaels Leben in
14 Blättern ("Vita. äi I5^6iw", Nom 1834;
deutsche Ausg., Gott. 1835) erscheinen. Außerdem
lieferte er mehrere große Gemälde: Raffaels Tod
(1836), Maximilian I. bittet in Kufstein beim Herzog
Erich von Braunschweig für die Gefangenen (1837),
u. a. Er starb 17. Sept. 1860 zu Rom.
Nies, bis 1877 in Europa ein allgemeines
Papiermaß, enthaltend 20 Buch (s. d.), der zehnte
Teil eines Ballens (s. d.) von 5000 Bogen Druck-
papier und 4800 Bogen Schreibpapier. Jetzt wird
in Teutschland und Österreich-Ungarn uach dem
Neurics verkauft. (S. Papier, Bd. 12, S. 865 H.)