Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

918
Rogenstein - Rogers (James Edwin Thorold)
300000, ein Stör, Kabeljau und andere Millionen
von Eiern. Der R. hat eine große Lebens- und
Widerstandskrast. Nach in Schottland angestellten
Versuchen waren Eier gewisser Lachse, im Spätherbst
aufbewahrt, nach 20 Ä5ochen noch unverdorben und
entwicklungsfähig. In den Festungsgräben Ost-
indiens erscheinen bald nach dem Eintritt des Re-
genwassers, was die vorher ganz ausgetrockneten
Gräben wieder füllt, zahllose Brutfische, die in Eier
eingeschlossen, fünf Monate und länger unter dem
völlig erhärteten Schlamme zugebracht haben müssen.
Ja es gehen Fischeier von Enten und andern Wasser-
vögeln unverdaut und der Lebenskraft nicht beraubt
wieder ab, wodurch die Verbreitung gewisser Fische
sehr unterstutzt wird. R. des Störs und des Hausens
wird eingesalzen und unter dem Namen Kaviar
is. d.) in den Handel gebracht. Das Legen der Eier
nennt man bei den Fischen Laichen (s. d.).
Rogenstein, s. Kalkstein.
Roger I. (deutsch Nuotger, Rüdiger), Groß-
graf von Sicilien, der jüngste der Söhne Tancreds
von Hauteville. Von seinem Bruder Robert Guis-
card gerufen, kam er um 1058 nach Italien, wandte
sich 1060 gegen Sicilien, wo nach der vorüber-
gehenden Niederherstellung der byzant. Oberhoheit
wieder die Araber herrschten, und nahm 1061 Mes-
üna, 1072 Palermo, dannSyrakus, Girgenti(1087),
Malta (1090), Enna (1091) und nannte sich als
Lehnsmann seines Bruders Robert Guiscard "Graf
von Sicilien und Calabrien", von welchen Staa-
ren ihm dieser 1062 die Hälfte übertragen hatte.
Nach Roberts Tod (1085) schlichtete er als Haupt
ver Familie den Streit seiner Söhne um Unter-
ltalien, wobei er seine eigene Herrschast in Calabrien
erweiterte. Den Titel Grohgraf von Sicilien legte
er sich zum Unterschied von seinen Vasallen um
1096 bei. R. errichtete über die griech.-arab. Be-
völkerung eine streng geordnete Feudalmonarchie;
nur gewisse Gewerbe wurden den Arabern unter-
lagt, dieselben aber im Heer verwendet und gegen
eine kleine Abgabe bei ihrer Religion belassen.
Arab. Gelehrte wurden von R. begünstigt und ge-
ehrt und die niedere arab. Gerichtsverfassung und
ihre Etaatswirtfchaft beibehalten. Auf kirchlichem
Gebiet vermehrte zwar R. die Macht Roms, er-
baute Kirchen und Klöster und verdrängte allmählich
die griech. Geistlichkeit zu Gunsten der römischen;
aber dafür mußte ihn Urban II. zum Legaten in
sicilien ernennen, wodurch die Besetzung der Bis-
tümer und die oberste kirchliche Gerichtsbarkeit an
ihn kam. R. starb Juli 1101 zu Mileto in Cala-
brien. - Vgl. Schack, Geschichte der Normannen in
Sicilien (2 Bde., Stuttg. 1889).
Roger II., Großgraf von Sicilien (seit 1101)
und König von Sicilicn und Neapel (1130-54), Ver-
einiger aller normann. Reiche in Untcritalien und
Sicilien, geb. 1097, folgte, zunächst unter Vormund-
schaft, seinem Vater Rogcr I. in der Regierung.
Er zwang seinen Vetter Wilhelm von Apulien zur
Abtretung der von Robert Guiscard ererbten Hälfte
von Palermo und Calabrien, und als dieser 1127
ohne Erben starb, unterwarf er dessen Gebiete und
die noch unabhängigen langobard. Striche und
freien normann. Grafschaften Capua und Neapel
sowie die Freistädte Gaeta und Amalfi. Den Gegen-
papst Anakletus H. (s. d.), dessen Nichte Pierleoni er
heiratete, brachte er dazu, ihn in Palermo 27. Dez.
1130 zum König von Sicilien und Neapel zu krö-
nen, wurde aber dann von Innocenz II. im Bund
mit Kaiser Lothar vom Festlande verdrängt; beide
belehnten 1137 Rainulf von Alifa, einen der unter-
ital. Barone, die sich gegen R. erhoben hatten, ge-
meinsam mit dem Herzogtum Apulicn. Kaum war
Lothar zum zweitenmal abgezogen, so drang R.
wieder vor, rottete das ganze Haus Nainulfs aus,
besiegte Innocenz II. und zwang ihn zur Bestätigung
seines Königtums (25. Juli 1139). Robert Guis-
cards Pläne aufnehmend, wandte er 1147 feine
Waffen gegen Byzanz, ließ Dalmatien, Epirus und
ganz Griechenland verwüsten und Korfu besetzen;
ebenso dehnte er die Normannenherrschaft über
Nordafrika, Tunis, Tripolis und die Küste von
Mogreb bis Kairvan aus (1147-54). Im Innern
blühten N.s Reiche unter einer strengen, aber ein-
sichtigen und geordneten Regierung auf; Palermo
und Ämalfi wetteiferten an Handelsthätigkeit mit
Venedig, Pisa und Genua, Ackerbau und Gewerbe
gediehen, die Lehranstalten für Medizin in Scäerno
und für Nechtskunde in Amalfi und Neapel waren
die berühmtesten in Europa. R. starb 26. Febr.
1154 zu Palermo. Durch Vermählung seiner Toch-
ter Konstanze mit Heinrich VI. kamen 1189 die
Hobenstaufcn zur Regierung in Sicilien. - Vgl.
L. Praviti, OommOuwr^icmk äi I5u^6i-0 H, lon-
äators äeiia muiiarcliia. sicula (Palermo 1877);
Schack, Geschichte der Normannen in Sicilien (2 Bde.,
Stuttg. 1889).
Roger III. von Eicilien, ^ohn und seit 1191
Mitregent Tancreds von Lecce und erster Gemahl
der Irene (s. d.) von Vyzanz, starb kurz vor seinem
Vater (Febr. 1194).
Roger (spr.-scheh), Gustave Hippolyte, franz.
Tenorist, geb. 17. Dez. 1815 zu St. Denis bei
Paris, war 1838-48 Mitglied der Opsra, (^omiHus
in Paris, dann der Großen Oper. Seit 1850 be-
suchte er mehrmals Deutschland und erregte auch
hier, ebenso wie in Brüssel und Wien, großes Aus-
sehen. Seit 1868 wirkte R. als Professor der Ge-
sangskunst am Konservatorium in Paris und starb
daselbst 12. Sept. 1879. R. war in der komischen
Oper unübertrefflich, besonders als George Brown.
- Vgl. die selbstbiogr. Auszeichnungen "1^6 c^rnst
ä'im tenor" (Par. 1880).
Rogers (spr. roddschers), James Edwin Thorold,
engl. Nationalökonom, geb. 1823, vollendete seine
Studien in Xin^'g (^oiie^s, London, und Na^ä^Ien
Hall, Oxford, wurde als Geistlicher ordiniert, nahm
aber nie als solcher ein Amt an und wurde 1862
auf fünf Jahre zum Professor der Nationalökonomie
in Oxford erwählt. Bei der nächsten Wahl (1868)
unterlag er infolge feiner ausgesprochen radikalen
Anschauungen seinem Gegenkandidaten Vonamy
Price, wurde aber nach dessen Tode (1888) wieder
an seine Stelle berufen, nachdem er von 1880 bis
1886 zuerst Southwark, später Vermondsey im
Parlament vertreten hatte. Er starb 13. Okt. 1890.
N. gehörte zu der in England jetzt fast ausgestor-
benen Gruppe von Politikern, bei welchen sich extre-
mer Radikalismus mit den Grundsätzen der Man-
chester-Partei vereinigte. Seine Hauptthätigkeit auf
dem Gebiete der Volkswirtschaftslehre bestand in-
dessen in geschichtlichen Forschungen, und R. und
Clifse Leslie gelten als die Begründer der engl.
histor. Schule. Unter seinen Werken ist das bedeu-
tendste: "^. Iiistoi')^ ol aZrieuitnro anä pricsg
troiu 1250 to 1793", das indessen unvollendet blieb
und nur bis 1701 geht (Bd. 1 u. 2, Oxf. 1866; Bd.
3 u. 4, ebd. 1882; Bd. 5 u. 6, ebd. 1888). Populärer