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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rose (Pflanzengattung)
men von den schlanken Zweigen getragen werden.
Man hat mehrere Hunderte von Varietäten, von
dcncn viele leider in Deutschland im Winter sehr
häufig trotz sorgfältiger Bedeckung leiden und völlig
zu Grunde gehen. Besonders empfindliche Sorten
müssen deshalb im Herbst aus der Erde genommen
und in einem trocknen, völlig srostsreien Raum über-
wintert werden. Die Vourbonrose (1^083, dordo-
Qica. ^3o?'t.), wahrscheinlich ein Blendling aus der
China- und der Damascener R., gegenwärtig mit
mehr als 300 Varietäten, ist reich an eigentümlichen
Schönheiten und von der Mitte des Sommers bis
in den späten Herbst hinein geringe Pflege durch den
reichsten Flor lohnend. Die Zweige, gewöhnlich kurz
und dicker als die der Thee- und der Bcngalrose,
tragen nur je eine Blume. Die Vlütenfarben sind
von wunderbarer Reinheit und durchlaufen die
ganze Skala vom zartesten Weiß bis zur dunkelsten
roten Nuance. Die Blütenblätter sind groß und
glatt und die Laubblätter glänzend. Eine der besten
dieser Gruppe ist die zwar schon alte, aber von keincr
neuern übertrosfene Sorte ^onvLnir äs 1a. ^lai-
maison (Fig. 10). Die Noisetterose (IvOLa Xoi-
8ktt6kma. Asck.), eine Blendlingsform aus N033,
ckill6n3i3 und der zwar schönen, aber gegen unsern
Winter empfindlichen Moschusrose (N03I. ino-
sckkta. Iliii.), in Nordamerika erzogen und 1817
nach Paris gekommen, ist gekennzeichnet durch einen
eirunden Fruchtbccher und durch die zu mächtigen,
dichten Büscheln gesammelten, etwas kleinen Blu-
men. Aus ihr sind gegen 100 Varietäten bervor-
gegangcn, die erst nach dem großen Sommer-Nosen-
flor zu blühen beginnen. A083, po^-anti^ I^di-iäa
/^o,'t. ist eine wegen der Kleinheit ihrer Blüten
Miniaturrosen genannte Gruppe, die sich durch
einen ganz außerordentlichen Blütcnrcichtum, lange
Blütezeit und sehr niedrigen Wuchs auszeichnet
und sich wegen dieser Eigenschaften in neuester Zeit
einer großen Beliebtheit erfreut. Zu den bekann-
testen Sorten gehören: ^aciuei-etts oder Gänse-
blume (Fig. 2) mit kleinen weißen, und ^liMonettL
(Fig. 4) mit hellroten Blumen. Die bekannteste
und vcrbreitctste Sorte dieser Gruppe ist: N^ckal
Nisi (Fig. 8), die schönste gelbe R., die vielfach
auch als Theerose angesehen wird. Die Remon-
tantrose, d. h. aus den Sommertriebcn blühende
N. (IloLä t^di-iäa. ditera. ^o?'5.), ist die größte und
für Teutschland wertvollste, mehr als 500 Varie-
täten umsassende Gruppe von Blendlingen aus der
Damascener und der Chinarose, die vorzugsweise
in Frankreich aus Samen erzogen werden. Die ersten
R. dieser Gruppe bezeichnete man als Herostrosen,
da sie im Herbst zum zweitenmal blühten. Der
Ausgangspunkt aller Varietäten war die 1812 er-
zogene II. äu R01. Ihre Nachkommenschaft ist im
botan. Charakter die schwankendste, im blumistischcn
Sinne die wichtigste und zeichnet sicb durch reichen
Flor, gefällige Blütenformen, prächtige Farben,
unter denen jedoch Gelb fehlt, und durch lange Flor-
zeit (Juni bis in den Spätberbst) aus. Obgleich
nur wenige Sorten in Deutschland völlig winterhart
sind, so halten doch die meisten den Winter unter
guter Bedeckung im freien Lande aus. (^loii-s cie
^lai'Lottin (Fig. 7) ist eine der schönsten Sorten mit
leuchtendroten, li'incs (ü^millä äo I^oliäu (Fig. 12)
eine der besten mit schwarzroten Blumen.
Zwischen den vier Hauptgruppen, Klassen oder
Rassen der edlen Gartenrosc, den Tbee-, Vourbon-,
Noisette- und Remontautrosen, befinden sich zahl-
Vrockhaus' Konversations-Lcxikon. 14. Aufl. XIII.
reiche Übergänge, und eine neue Zwischengruppe,
dieThcehybriden (R.03H fl^ranL 2ieci. k^driäa),
die die Vorzüge der Thee- und der Nemontantrose
in sich vereinigen. Zu den schönsten Sorten dieser
Gruppe geboren: I^a Granes (Fig. 9) und Kaiserin
Augusta Victoria (Fig. 6). Der "Verein deutscher
Rosenfrcundc" hat durch mehrjährige Abstimmungen
seiner Mitglieder von jeder Klasse und Farbe der
Edelrosen je fünf bis zehn Sorten als die schönsten
und dankbar blühendsten festgestellt, wodurch Lieb-
habern ein sicherer Anhalt bei Wahl der Sorten ge-
geben ist. - Vgl. C. P. Strahheim, Rosenabstim-
mung seitens der Mitglieder des Vereins deutscher
Rosenfreunde (Sachsenhauscn-Frankfurt a.M. 1889).
Die Edelrosen erfordern zu ihrem Gedeihen einen
nahrhaften, tiefgründigen, weder zu nassen noch zu
trocknen Boden, und eine srcie, sonnige Lage. In
eng umschlossenen Stadtgärten erfordern sie einen
häufigen Ersatz. Die beste Pflanzzcit ist der Herbst
oder das zeitige Frühjahr. Stammrosen pflanzt
man am besten ein- oder mehrreihig auf Rabatten
oder auf größere im Nasen liegende Beete. Als Unter-
grund können dort auch wurzelechte N., besonders
Monatsrosen und einige Vourbon-, Thee- und
Remontantrosensortcn gepflanzt und mit ihren
Stengeln auf die Erde festgehakt werden. Für eine
größere Sammlung empfiehlt sich die Anlage eines
besondern Rosariums oder Rosengartens. Die
Kronen der Stammrosen müssen zeitig im Frühjahr
geschnitten und ausgelichtet werden. Hierbei ent-
fernt man zuerst alle schwachen und kranken Zweige
und schneidet die gesunden, kräftigen vorjährigen
Triebe bis auf ein Drittel ihrer Länge zurück. Im
Sommer nach der Blüte ist nur das Abschneiden
der abgeblühten Blume mit ihren Stielen, bis aus
die darunter sitzenden Blattknospcn und das Ein-
stutzen einzelner zu lang gewordener Triebe erforder-
lich. Eine besondere Sorgfalt erfordert der Winter-
sckutz der R., besonders der Thee-, Noisette- und
Vourbonrosen. Die Kronen werden bis zur Erde
niedergebogen, dort befestigt und mit Sand, Erde,
Kiefernadcln oder Fichtenreisig bedeckt oder auch in
die Erde eingcgrabcn, wenn der Boden leicht und
nicht zu nah ist. Im Frühjahr befreit man die
Kronen zuerst von ihrer Decke, läßt sie noch einige
Zeit aus dem Boden liegen, schneidet sie dann und
bindet die Stämme sorgfältig an Pfähle, die bis in
die Kronen hineinreichen. Die Edelrofen werden
durch Okulieren auf Stämme dcrHundsrose oder den
Wurzelhals derselben, wenn man sie in niedriger
Buschform ziehen will, wurzelechte Exemplare durch
Stecklinge im Mistbeet vermehrt. Die Vermehrung
der Centifolien und anderer gewöhnlichen Garten-
rosen findet durch Ableger und Stockteilung statt.
Die Zahl der Roscnfreunde hat sich in neuester
Zeit wesentlich erhöht, der Bedarf an Nosenstöcken
bedeutend zugenommen und die Verwendung der
Rosenblumen sür alle Zwecke der feinern Binderei
eine früher nie geahnte Ausdehnung gewonnen. Für
diesen Zweck werden im Winter aus der Niviera
von allen nördlich gelegenen Ländern Tausende ab-
geschnittener Blumen bezogen. Außerdem beschäf-
tigen sich in diesen Ländern zahlreiche Handels-
gürtner fast ausschließlich mit der Treiberei der N.
im Winter bis zum Frühjahr. Die Anzucht der
Rosenstämme wird meistens von besondern Specia-
listen lR 0 sengärtnern oder R 0 sisten) zum Teil
in großem Umfange betrieben. Den neuesten Zweig
der Rosenkultur bildet die Zucht der R. zum Zweck
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