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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rottmeister - Rotulus
Es zeigte sich schon in diesen Bildern das Bestreben
nach ideeller großartig-stilistischer Auffassung der
Landschaft. In Form und Farbe herrschten die
Massen vor, während das Einzelne des Natur-
lebens mehr nur angedeutet war. 1826 besuchte R.
Italien. Dem König Ludwig durch eine Ansicht
von Palermo empfohlen, erhielt er nach seiner Rück-
kehr den Auftrag, die Arkaden des Hofgartens mit
28 ital. Landschaften in Fresko zu schmücken. Die
Ausführung erfolgte 1830-33. Das Vorzüglichste
an diesen Bildern, deren Kartons das Museum zu
Darmstadt besitzt, ist die einfache, abgeschlossene
Komposition, die Schlichtheit der Darstellung und
die Schönheit der Linie. 1834 und 1835 bereiste er
Griechenland, um dort die Studien für eine zweite
Reihe von Fresken zu sammeln. Doch führte er die-
selben nicht in Fresko, sondern teils enkaustisch,
teils nach der Knierimschen Methode (Valsam-
wachsmalerei) auf Cementtafeln aus, zum Ein-
lassen in die Wände. Diese Landschaften bilden in
der Neuen Pinakothek in München den Schmuck
eines eigenen Saals. Von Tafelbildern besitzt die
Berliner Nationalgalerie eine Ansicht des Ammer-
sees; das Museum in Leipzig 7, darunter: Ansicht
der Insel Korfu, Kopa'issee in Vöotien, Nemisee,
Der hohe Göll. R. starb 7. Juli 1850. Die Künst-
ler setzten ihm ein einfaches Denkmal auf der sog.
Rottmannshöhe am Starnberger See. - Vgl. C.
A. Regnet in Dohmes "Kunst und Künstler des
19. Jahrh.", Nr. 18 (Lpz. 1885).
Sein jüngerer Bruder Leopold R., geb. 2. Okt.
1812 in Heidelberg, gest. 26. März 1881 in München,
war ebenfalls ein geschätzter Landschaftsmaler. Von
ihm sind die "Ornamente aus den vorzüglichsten
Bauwerken Münchens" (6 Hefte, Münch. 1845
-49). Ferner gab er mit G. Pctzoldt und C. Her-
wegen heraus: "Das Herzogtum Salzburg und
seine Angrenzungen", und machte sich durch die
Restauration der Bilder seines Bruders im Hof-
garten verdient.
Rottmeister, bei den Landsknechten (s. d.) em
von einer aus 10 Spießen bestehenden Rotte aus
ihrer Mitte frei gewählter Führer oder Vormann.
Rottok, Ernst Karl Rudolf, Hydrograph, gcb.
18. April 1851 zu Eutin, trat 1868 in die nord-
deutsche Marine ein, machte als Seekadett und See-
offizier Seereisen, darunter die Erdumsegelungen der
Hertha 1869-72 und mit dem Prinz Ädalbert 1883
-84. Ende 1884 als Sektionsvorstand in das
Hydrographische Amt berufen, wurde er 1888 De-
cernent in der Admiralität und im Reichsmarine-
amt und ist gegenwärtig Wirkl. Admiralitätsrat
und Korvettenkapitän a. D. Seine Thätigkeit er-
streckt sich auf die Nautik, Hydrographie und mari-
time Meteorologie. R. redigierte in den 1.1884
-92 die "Annalen der Hydrographie und maritimcn
Meteorologie" und bearbeitete das vom Hydro-
graphischen Amt herausgegebene große Werk "Die
Forschungsreise Sr. M. S. Gazelle" (s. Gazelle);
er verfaßte den ersten Teil: "Reisebeschreibung",
sowie einen großen Abschnitt des zweiten Teils.
Neben zahlreichen Aufsätzen in den "Annalen der
Hydrographie und maritimen Meteorologie" sowie
in andern Zeitschriften verfaßte R. die preisgekrönte
Schrift "Die Beruhigung der Wellen durch Al"
(Berl. 1880), sowie "Die Deviationstheorie und ihre
Anwendung in der Praxis" (ebd. 1881).
Rottthalbahn, bayr. Staatsbahn von Neu-
markt an der Rott nach Pocking (63,2 km).
Rottweil. 1) Oberamt im württemb. Schwarz-
waldkreis, hat 335,81 ykm und (1890) 33 343
(16150 männl., 17193 weibl.) E., 1 Stadt und
33 Landgemeinden. - 2) Oberamtsstadt im Ober-
amt R., auf einer Anhöhe am linken Ufer des obern
Neckars, an der Linie Etutt-
gart-Horb-Immendingen und
der Nebenlinie R.-Villingen
(26,8 km) der Württemb.
Staatsbahnen, Sitz des Ober-
amtes, eines Landgerichts
(Oberlandesgericht Stuttgart)
mit acht Amtsgerichten (Ba-
lingen, Freudenstadt, Horb,
Oberndorf, R., Spaichingen,
Sulz, Tuttlingen), eines Amtsgerichts, Forst-, Ka-
meralamtes und einer Handels-undGewerbekammer,
hat (1890) 6912 E., darunter 1514 Evangelische und
113 Israeliten, Post, Telegraph, Fernsprecheinrich-
tung, alte Mauerreste und Türme, heilige Kreuz-
tirche, im 13. bis 14. Jahrh, erbaut, 1497-1534
umgestaltet, mit hohem Mittelschiff und schönem
Hochaltar, Kapellenkirche, im Innern restauriert,
mit got. Turm (70 m), evang. Kirche, früher Domi-
nikanerkirche, Rathaus (1521), schönes Kaufhaus
(1802), jetzt Sitz des Landgerichts, Gymnasium,
kath. Konvikt, Realanstalt, Fortbildungsschulen,
Frauenarbeitsschule, Altertümersammlung (Gefäße,
röm. und kelt. Münzen, Schmuck, Waffen), Samm-
lung von wertvollen Skulpturen und Gemälden
altdeutscher Kunst in der Lorenzkapelle, woselbst sich
auch das bekannte Mosaikbild befindet; dasselbe
zeigt im mittlern Hauptbilde den Sänger Orpbeus,
in den nur bruchstückweise erhaltenen Seitenbildern
Darstellungen von Tierhetzen (venationeZ), Wagen-
rennen und Gladiatorenkämpfen. Das Mosaik so-
wie zahlreiche Altertümer wurden in Hochmauern,
einer Höhe zwischen Wilhelmshall und der Prim
gefunden. Ferner hat die Stadt ein ansehnliches
Hospital mit Krankenhaus, Wasserleitung, Kanali-
sation, Gas- und Elektricitätswerk; bedeutende Pul-
verfabrik (Zweigniederlassung der Vereinigten Köln-
Rottweiler Pulverfabriken), Lokomotivwerkstätte,
Baumwollweberei, Schaumweinfabrik, Brauereien,
Vieh-, Schweine- und große Getreidemärkte. In
der Nähe am Neckar die Saline Wilhelmshall.
An Stelle der Altstadt befand sich schon zur Rö-
merzeit eine bedeutende Niederlassung, die später
die Alamannen in Besitz nahmen. Im 13. Jahrh,
wurde R. Freie Reichsstadt und später Sitz eines
kaiserl. Hofgerichts, dessen Sprengel sich über Fran-
ken, Schwaben, die Rheinlande, Teile von Elsaß
und die Schweiz erstreckte. 1784 war das Hofgericht
zuletzt thätig; der steinerne Hofgerichtsstuhl steht
noch vor der Realanstalt. 1802 wurde R. von
Württemberg in Besitz genommen. - Vgl. Ruck-
gaber, Geschichte der Stadt R. (3 Bde., Rottw. 1835).
Liotülas (lat., "Rädchen", "Kügelchen"), ofsizi-
nelles Präparat. Das Arzneibuch sür das Deutsche
Reich führt: N. Nentiiaß pipLi-iws, Pfefferminz-
plätzchen, und Ii. Zacciiai-i, Zuckerplätzchen.
Notülus slat.), in der ältern Rechtssprache ein
Bündel von Akten und gerichtlichen Verhandlun-
gen; daher Zeugenrotul, die unter gerichtlicher
Autorität aus den Akten gefertigte Zusammen-
stellung der Zeugenaussagen; rotulieren, eine
solche Zufertigung anfertigen, dann überhaupt ein-
zelne Aktenstücke eines Aktenbündels oder Fascikels
aufzeichnen.