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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rotumah - Rotzkrankheit
Rotumah, brit. Insel im Großen Ocean, im
SO. Melanesiens, unter 12" 20' südl. Br. und
177" östl. L., zwischen den (Alice-Inseln und den
Fidschi-Inseln, rings von Korallenriffen umgeben
und hasenlos, zeigt vulkanischen Ursprung, ist mit
bewaldeten Hügeln bedeckt und fruchtbar an Kokos-
palmen. Die Insel zählt auf 30 ^m (1892) 2207
christl. E. Der Hauptort Fangwot und die andern
zahlreichen Dörfer weifen hübsche und reinliche
Häuser auf. N. wurde 1791 von Edwards entdeckt
und Grenville genannt. ftraldau.
Rotunde (lat.; ital. rotonäa), Rundbau, f. (5en-
Roture (frz., spr.-tühr), nichtadliger Stand,
Bürger-, Bauernstand; Noturier (spr. -tünch),
Nichtadliger (meist im verächtlichen Sinn).
Rotviolett, Handelsbezeichnung für einige künst-
liche Farbstoffe, welche die Natriumsalze von Sulfo-
säureu von Farbstoffen der Nofanilingruppe sind
und eine etwas bläulichere Nuance besitzen als das
Fuchsin. N. 4K8 ist das Natriumsalz der Dimetbyl-
rosanilintrisulfosäure, N. 5R3 das Natriumsalz der
Ätbylrosanilintrisulfosäure. Nnter R. 5Il extra
versteht man häusig Hofmanns Violett.
Rotwafserbaum, s. Nr^tKroMomim.
Rotwelsch oder Rotwä'lsch (aus rotsi-, soviel
als Bettler, und ^äl8c1i, fremdartige Sprache),
die Gauner- und Diebessprache Deutschlands. In
Spanien heißt die Diebessprache (^Li-m^ni^, in
Frankreich ^i-^ot, in Italien (^ei-Fo, in England
<^nt, in Böhmen Hant^rka. In den skandinav.
Ländern kommt als ^ntEgpro^ außer der Zi-
geuner-slltter^i-oFot) auch die Vagabundensprache
l8k()w!'8i)roM) vor. Das R. heißt auch Ienische
Sprache. Die unter den Gaunern selbst üblichen
Ausdrücke für R. sind: KochemerLoscben, Ka-
loschensprache, Kochemer Kohl, Chessen-
losch enu. a. In seinem lexikalischen Bestände gebt
das R. hauptsächlich auf das Iudifchdeutsche zurück,
während es in seinen grammatischen Formen im
wesentlichen deutsch ist. Es wurde in Deutschland
schon zu den Zeiten Karls V. besonders von den
Gordenbrüdern (als Bettler herumstreichenden Sol-
daten) gesprochen, und man hat bereits von 1528
und vom nächsten Jahre darauf ein beidemal zu
Wittenberg erschienenes Buch: "Von der falschen
Betler bueberey, mit Vorrede von M. Luther. Vnd
hinden an ein Rothwelsch Vocabularius." Zur Zeit
des Dreißigjährigen Krieges stand es in voller
Blüte, wovon die "Gesichte Philanders von Sitte-
wald" Zeugnis ablegen. Noch heute verdient das in
seinem altüberlieferten Nrstocke sich ziemlich gleich-
gebliebene R. die Aufmerkfamkeit von Polizei-
und Kriminalbehörden, und diesem praktischen In-
teresse hat man auch die besten Aufschlüsse zu
danken. - Vgl. außer Potts Charakteristik der
Gaunersprachen in dessen "Zigeunern" (Bd. 2, Ein-
leitung, Halle 1845) Avs-Lallemant, Das deutsche
Gaunertum (4Vde., Lpz. 1858-62); Anton,Wörter-
buch der Gauner- und Diebessprache (3. Aufl., Verl.
1859); Wagner, Die Litteratur der Gauner- und
Geheimsprachen (Dresd. 1861); Kahle, Die fahren-
den Leute und ihre Sprache (Gera 1889); Biondelli,
3wäii 8u1i61iuFU6 tnrd68c1i6 (Mail. 1876); Michel,
I^tuclo äs pkiloloZis coiupai-ße 8ui- 1'ai-^ot ot 8ui-
168 i(IioiU68 aN3>Io^U68 MlleZ 6N Uui'OPS 6t 6N
^8i6 (Par.1856); Suudt, Veretning om Fantceller
Landstrygerfolket i Norge (2. Aufl., Krist. 1852):
Dyrlund, Tatere og Natmandsfolk i Danmark
(Kopenh. 1872). ^ .
Rotwild, in der Regel gleichbedeutend mit Edel-
birsch ss. d.), sonst auch Gesamtbezeichnung für Edel-
und Rehwild.
Rotwurz, s. ?ot0nti11a.
Rotz, Pferdckrankheit, s. Notzkrankhcit. - Über
N. als Pflanzentrankbeit, s. H)^owtdn8.
Rotz, Stadt im Bezirksamt Waldmünchen des
bayr. Reg.-Bez. Odcrpfalz, rechts ander Schwarzach,
am westl. Abbang des Oberpfälzer Waldes, hat
(1890) 1181 kath. E., Post, Telegraph: Flachsbau
und Leinwandhandel.
Rotzgober, Rotzgopper, Fisch, s. Kaulkopf.
Rotzinkerz oder Zinkit, als Mineral in der
Natur vorkommendes Zinkoxyd, 2n0; es bildet
meist derbe dickschalige Massen und grobkörnige
Aggregate, die dem hexagonalen System angehören,
selten hemimorphe Krystalle; die Härte ist 4-4,5,
das spec. Gewicht etwa 5,5; die blutrote und hya-
cinthrote Farbe des diamantglänzenden Minerals
wird durch eine Beimengung von Manganoxyd
bervorgebracht. An den Hauptfundstätten Franklin,
Stirling und Sparta in Neujerfey kommt das R.
in Begleitung von Franklinit, und oft mit einem
Anflug einer weißen erdigen Substanz vor, die
sekundär aus ihm gebildetes kohlensaures Zink ist.
Notzkolbe, Fisch, s. Kaulkopf und Seeskorpion.
Rotzkrankheit, Rotz, Wurm, Maliasmus
(^IaIi6U8 Kumiän8), eine sehr ansteckende Krank-
beit des Pferdes sowie der verwandten Einhufer,
die auch auf den Menschen übertragbar ist. Sie
wird bervorgeruscn durch einen von Löffler 1882
entdeckten Mikroorganismus, den Rotzbacillus.
Tiefer gehört zu den Stäbchenbakterien, hat eine
Länge von etwa ^ bis ^ des Durchmessers eines
roten Blutkörperchens, eine fünf- bis achtmal ge-
ringere Dicke und keine Eigenbewegung. Er färbt
sich qut mit alkalischen Anilinfarben und ist auf
künstlichem Nährboden leicht zu züchten. Sehr
charakteristisch wachsen die Rotzbacillen auf Kar-
toffeln, nämlich in Form eines bräunlichen honig-
artigen Belags, dessen Farbe immer dunkler wird;
serner wachsen sie sehr kräftig auf erstarrtem Pferde-
blutserum, am besten bei Temperaturen von 37 bis
39° l^.; die unterste Temperaturgrenze ist 22" 0.,
so daß die Vacillen also außerhalb des Tierkörpers
keine geeigneten Bedingungen zur Fortpflanzung
finden. Innerhalb des Tierkörpers werden keine
Sporen gebildet; gegen Eintrocknung, Erhitzung und
Desinfektionsmittel sind die Bacillen im ganzen
wenig widerstandsfähig. Die Rotzbacillen werden
am häufigsten durch die Absonderung der Haut-
und Nascnschleimbautgeschwüre kranker Tiere, in
der sie sich reicblich vorfinden, direkt oder durch Ver-
mittelung gewisser Zwischenträger (Geschirr, Putz-
zeug, Futter u. s. w.) auf gesunde Pferde übertragen.
Die Haupteingangspforte ist wohl der Nespirations-
apparat (Nase, Lunge), ferner die Haut, selten der
Verdauungskanal. Durch Vermittelung des Blutes
werden sie dann dem übrigen Körper mitgeteilt.
Nach erfolgter Ansteckung vergehen mehrere Wochen,
ebe die ersten Krankbeitserscheinungen auftreten.
Manchmal sind diese so gering, daß ein Tier mo-
nate-, ja jabrelang rotzkrank sein kann, ehe dies er-
kannt wird (verborgenerRotz). Bei dem offen-
baren Rotz aber bemerkt man entweder Verände-
rungen auf der Haut (Hautrotz, Haut wurm)
oder auf der Nasenfchleimhaut (Nasenrotz). Durch
Schweratmigkeit und kraftlosen Husten verrät sich
der Lungenrotz; indessen kommen Schweratmig-