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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rotzloch; Roubaix; Roucou; Roué; Rouen

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Rotzloch - Rouen

keit und kraftloser Husten auch bei andern Krankheiten vor. Bezeichnend für alle rotzigen Veränderungen ist das Auftreten von Knötchen oder Knoten, die später zerfallen und tiefe (kraterartige) Geschwüre mit zerfressenen Rändern und dünnem, nußfarbigem (nicht eiterigem) Sekret liefern. Beim Hautrotz schwellen hierbei die Lymphgefäße der Haut rosenkranzartig (wurmähnlich) an und die benachbarten Lymphdrüsen werden hart und fest, und gehen nicht in Eiterung über. Sind Rotzgeschwüre an den Beinen vorhanden, dann gehen die Tiere mitunter auch lahm. Die Knoten und die Geschwüre in der Haut heißt man Wurmbeulen und Wurmgeschwüre, das Sekret der letztern Wurmeiter oder Wurmjauche. Beim Nasenrotz sieht man einseitigen, seltener doppelseitigen, graugrüngelben, nußfarbigen, klebrigen Ausfluß, unter Umständen die charakteristischen oberflächlichen oder tiefern Geschwüre oder strahlige Narben und harte, derbe, schmerzlose Anschwellung der im Kehlgange gelegenen Lymphdrüsen. Bei der Sektion bemerkt man außer den bereits genannten Erscheinungen noch Geschwüre im Kehlkopfe, in der Luftröhre, Rotzknötchen oder Rotzgewächse in den Lungen, seltener Knoten in andern Eingeweiden, Leber, Milz, Nieren u. s. w. Der Verlauf der R. ist chronisch (bis zu 7 Jahren), doch kommen auch akute Rotzfälle vor, die in 3‒14 Tagen tödlich enden. Die Behandlung der R. ist bis jetzt aussichtslos.

Verwechselt kann die R. werden mit der Druse, mit Nasenausflüssen bei hohlen Zähnen im Oberkiefer, mit Einschuß u. s. w. Gegen solche Verwechselung sichert sich der Sachverständige durch den Nachweis von Rotzbakterien oder durch Impfung von Feld- oder Wühlmäusen oder von Meerschweinchen, die leicht und in kurzer Zeit an Rotz erkranken. In neuerer Zeit verwendet man zur Diagnose der R. in zweifelhaften Fällen Einspritzungen von Malleïn, einem Stoffwechselprodukt der Rotzbacillen, das durch Extraktion dieser mit Glycerin und Wasser erhalten wird, ebenso wie das Tuberkulin aus den Tuberkelbacillen, und welches bei rotzkranken Tieren Fieber erzeugt. Die Bekämpfung der R. beschränkt sich mangels jeglicher Heilmittel auf die Verhütung der Ansteckung. Zu diesem Zwecke ordnet das Reichsgesetz zur Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880 Anzeigepflicht bei Rotzfällen, Tötung der rotzkranken und verdächtigen Tiere und gründliche Desinfektion der Stallungen und Geräte an. Das Rotzgift hält sich zwar unter günstigen Bedingungen bis zu vier Monaten ansteckungsfähig, wird aber durch Anwendung heißen Wassers, ferner durch 3‒5prozentiges Carbol- oder Kreolinwasser und durch Sublimatwasser (1:5000) sicher zerstört. Durch die strenge Durchführung der Vorschriften genannten Gesetzes ist die R. bereits sehr selten geworden. In ganz Deutschland kam Rotz von 1886 bis 1890 vor bei 5833 Pferden, 1893 bei 564. Durchschnittlich kommen auf je 10000 Pferde 3 rotzkranke.

Durch den Genuß des Fleisches kann die R. sowohl auf den Menschen als auf die fleischfressenden Tiere (wie namentlich in Menagerien beobachtet wurde) übergehen. Deshalb müssen die Kadaver von rotzkranken Tieren sorgfältig beseitigt werden. Meist erkranken Leute, welche viel mit Pferden umzugehen haben (Pferdewärter, Schlächter, Tierärzte) und die sich bei der Behandlung rotzkranker Tiere oder an deren Kadavern infizieren. Diese Fälle sind jedoch selten. 1893 erkrankten in Deutschland fünf Personen, von welchen zwei starben. Beim Menschen treten nach erfolgter Ansteckung mit Rotz Knoten und tiefe Geschwüre auf der Haut und den Schleimhäuten auf; in der Regel erfolgt nach wenigen Wochen tödlicher Ausgang.

Rotzloch, Kuranstalt, s. Alpnach.

Roubaix (spr. rubäh), Fabrikstadt im Arrondissement Lille des franz. Depart. Nord, 8 km nordöstlich von Lille, am 27 km langen Roubaixkanal, der die Deule unterhalb Lille mit der Schelde bei Espierre in Belgien verbindet und westlich von R., bei Croix, durch einen 2316 m langen Tunnel geht, an den Linien Lille-Tourcoing-Mouscron (-Gent) und Somain-Orchiés-Tourcoing-Halluin (-Ypern) der Nordbahn, ist modern gebaut, Sitz eines Handels- und eines Schiedsgerichts, einer Handels-, einer Kunst-und Gewerbekammer, einer Sparkasse und eines Leihhauses, zählte 1806: 8724, 1834: 18187, 1851: 34698 E. und hat (1891) 104454, als Gemeinde 114917 E. (14618 mehr als 1886) und viele aufstrebende Vororte, wie Wattrelos (19770 E.) im O., Tourcoing (s. d., 65477 E.) im N., Wasquehal (4405 E.) und Croix (12438 E.) im W. u. a. Bemerkenswerte Gebäude sind nur die got. Kirche St. Martin mit Glasmalereien, in neuester Zeit fast ganz umgebaut; das Rathaus mit einem Kunst- und einem Gewerbemuseum und die nationale Schule für Kunstindustrie, eine Art Hochschule für Industrielle zur Aneignung aller einschlägigen Wissenschaften und Künste. Ferner giebt es eine Web-, eine Zeichen- und eine Musikschule, Pensionate für Knaben und Mädchen; ein allgemeines Krankenhaus, Spital, eine Kinderbewahranstalt; Bibliothek, Theater, Promenaden (Jardin public) und Tramways nach Lille, Wasquehal-Croix, Tourcoing u. a. R. ist Mittelpunkt (s. die Karte beim Artikel Tourcoing) eines bedeutenden Industriebezirks mit vier Fünftel der Textilfabrikation Nordfrankreichs und hat selbst 350 Fabriken, wovon 275 mit Weberei beschäftigt sind (jährlich werden bis 17000 t Gewebe durch die Bahn versandt), welche die verschiedenen Roubaixartikel (Seiden-, Woll-, Baumwoll- und Leinenstoffe) als Tuche, Shawls, Kleider- und Möbelstoffe, Trippsammet (Mokade), Teppiche, Tafelleinen (Damast) u. a. herstellen; sodann bedeutende Woll-(Kammqarn-) und Baumwollspinnerei, Fabrikation von Zwirn, Kammblättern, Kämmen, sowie Lohgerberei, Färberei, Brauerei u. a. Die jährlichen Umsätze des Handels werden auf 500 Mill. Frs. geschätzt.

Roucou (spr. rukuh), Farbstoff, s. Orlean.

Roué, s. Roués.

Rouen (spr. ruáng). 1) Arrondissement im franz. Depart. Seine-Inférieure, hat auf 1340,48 qkm (1891) 301481 E., 15 Kantone und 158 Gemeinden. – 2) R., lat. Rotomagus, Ratumagus, Hauptstadt des Depart. Seine-Inférieure und früher der Normandie, liegt unter 49° 27’ nördl. Br., 1° 5’ östl. L. von Greenwich, 70 km östlich von Le Havre, an den Linien Amiens-R. (117 km) der Nordbahn, Paris-Le Havre und R.-Elbeuf (23 km, nach Caen) der Westbahn, rechts an der Seine, die hier, 130 km vom Meere, noch Ebbe und Flut zeigt, über die eine Eisenbrücke, Pont Boieldieu, von 1885 bis 1888, dann

^[Abb. Wappen von Rouen]