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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rougé - Roulette
Ausschweifungen, eine Anzahl hochgeborener Man-
ner und Frauen. Später wurde Roue allgemeine
Bezeichnung sür Wüstling.
Rougö (spr. ruscheh), Emanuel, Vicomte de,
franz. Agyptolog, geb. 11. April 1811 zu Paris,
widmete sich der Jurisprudenz, lebte aber nach
1830 auf seinen Gütern in Anjou, bis er 1849 Kon-
servator am ägyptischen Museum in Paris wurde.
Er erhielt 1854 eine Anstellung im Departement
des Innern und des öffentlichen Unterrickts im
Staatsrat, wurde zuletzt Professor der Archäologie
beim (^oIie^L de Francs und starb 31. Dez. 1872
auf seinem Schlosse Vois-Dauphin. Seine meister-
haften, auf das ägypt. Altertum bezüglichen Arbei-
ten finden sich in der "I^evne lirclikolo^iciiie" und
in den Memoiren des Instituts; die bedeutendste
ist: "Nocn6rclio8 8ur 1"8 inonumentg t^n'on peut
lNtriduei' liux 8ix pi'Qiniöi'68 6)na8ti63 d6 ^IllN6-
tnon" (Par. 1866). Aus seinen: Nachlaß gab sein
Sohn Jacques dc N. heraus: "In80liption3 tiiero-
^1vplii<iu68 c0Z)iL68 6N I^F^pte" (Par. 1877-79).
NouFS st noir (frz., fpr. ruhsch e nöabr, "Not
und Sckwarz"), auch "Irentc; 6t, ^u^rante genannt, ein
Glücksspiel, das mit sechs vollständigen Wbistspiclen,
also 312 Karten, gespielt wird, und in welchem eine
unbeschränkte Allzahl Pointcure gegen einen Bankier
setzt. Der Spieltisch ist in zwei Felder geteilt, ein
rotes und ein schwarzes, auf welcke die Pointeure
setzen. Nackdem die Karten gehörig gemischt sind,
nimmt der Bankier so viele, als er bequem in der
Hand halten kann, und legt dann einzeln so viel
Karten offen auf den Tifck, bis die Summe der
Augen der Karten 30 überschritten und 40 noch nicht
crreicht hat. Dabei gelten die Figuren 10, die andern
soviel als sie Augen haben, das As 1. Die so ge-
legte Reihe gilt für das rote Feld: hierauf legt der
Bankier in derselben Weise eine Neihe sür die andere
Partei. Die Reihe, in welcher die wenigsten Augen
sind, gewinnt. Der Bankier zieht die Einsätze der
verlierenden Partei ein und bezahlt die der gewin-
nenden aus. Sind beide Reihen gleichwertig, so ist
das Spiel unentschieden, und jeder Pointeur kann von
neuem setzen; weisen beide Kartenreihen 31 Points
auf, fo gewinnt der Bankier die Hälfte aller Einsätze.
(S. auch Roulette.) Igesen, s. Donon.
Rnngemont (spr. rusch'möng), Berg in den Vo-
Rouget de Lisle (spr. ruscheh de l'ibl), Claude
Joseph, franz. Dichterund Komponist, geb. 10. Mai
1760 zu Lons-le-Saunier, war Ingenieurofsizier in
Straßburg, als er 1792 die Marseillaise (s. d.> schrieb,
.ampfte spater in der Venöse und wurde bei Quiberon
verwundet. Darauf zog er sich ins Privatleben zu-
rück, erhielt 1830 von Ludwig Philipp eine Pension
und starb 26. Juni 1836 in Choisy-lc-Roi bei Paris.
Eine Vronzestatue R.s wurde am hundertjährigen
Entstchungstage der Marseillaise (24. April 1892) in
Choisy-le-Roi enthüllt. Er komponierte noch "I1)'mn6
(Iitü)'i-kindiyu6 8ur Ia con^ii-ation äe tlodkäpisi-i-o
6t Iai-evowtion äli 9 tdeiiniäor" (1794), "lDdlint 668
v6NF6anc63" (1798), "Onant än cOindat" (1800) und
einige Romanzen und Lieder. Auch verfaßte er die
Opernterte: "I/ecolo äeg iu6r68" (Musik von Della
Ätaria, 1798) und "NNcdstw) (Musik von Chelard,
1827). - Vgl. Jules Tiersot, R. ä. 1.., 8011 wuvi-s,
et 8k vio (Par. 1892); A. Leconte, R. ä. I.., 8g. vis,
868 (NUVI-68, lg, Nar86iUai86 (ebd. 1892).
Rouher (spr. ruähr), Eugene, franz. Staats-
mann, geb. 30. Nov. 1814 in Riom (Depart. Puy-de-
Döme"", wurde nach Vollendung feiner jurist. Studien
zu Paris Advokat in seiner Vaterstadt (1836) und
machte sich hier durch einige polit. Prozesse einen
Namen. 1848 zum Repräsentanten seines Departe-
ments in die Konstituierende Nationalversammlung
gewäblt und 1849 auch in die Legislative abge-
ordnet, folgte er 30. Okt. 1849 Odllon Varrot als
Iustizminifter, wobei er zugleich Präsident des Ka-
binetts wurde, und wirkte eifrigst sür die in der Bot-
schaft des Prinz-Präsidenten angekündigte konser-
vative Politik. Doch erfolgte schon 26. Okt. 1851
sein Rücktritt. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez.
1851 übernahm er wiederum das Justizministerium,
trat aber, weil er dem Konsiskationsdekret gegen die
Güter der Familie Orle'ans vergeblich sich widersetzt
hatte, schon 22. Jan. 1852 von seinem Posten zurück
und wurde zum Vicepräsidenten des Staatsrats
und Vorsitzenden des Departements für Gesetz-
gebung ernannt. Am 3. Febr. 1855 ernannte ihn
der Kaiser zum Handelsminister, wobei ihm zugleich
das Portefeuille des Ackerbaues und der öffentlichen
Arbeiten unterstellt wurde; als solcher schloß er im
Sinne des Napoleonischen Freihandelssystems den
berühmten Handelsvertrag mit England (23. Jan.
1860), dem solche auf gleicher Grundlage mit Bel-
gien, Italien und Deutschland nachfolgten. Nach
Billaults Tode als Staatsminister berufen (18. Olt.
1863), stand R. fast fünf Jahre lang an der Spitze
der franz. Regierung und hatte auf Napoleon III.
den bedeutendsten Einfluß, weshalb man ihn den
"Vicekaiser" zu nennen pflegte. Nach den allgemeinen
Wahlen im Mai 1869 und nach der Interpellation
der 116, die ministerielle Verantwortlichkeit ver-
langten, nahm er seine Entlassung und überlieft
seinem Gegner Emile Ollivier das Ministerium.
Der Kaiser ernannte hierauf R. zum Präsidenten
des Senats. Nach der Erklärung der Republik ver-
ließ er Frankreich und begab sich nach England,
wurde 1872 in die Nationalversammlung und 1876
in die Deputiertenkammcr gewählt, in der er sich als
den unermüdlichen Verteidiger des Vonapartismus
zeigte. Für die Sache Napoleons IV. war er sehr
tbätig und leistete der Exkaiserin Eugenie seinen
Beistand. Nach dem Tode des Prinzen (1879) trat
er von der Leitung der Partei zurück und starb
3. Febr. 1884 in Paris.
Rouille (spr. ruj), Eisenbeize, s. Eisennitrate.
Noulade (frz., fpr. rulahd), in der Gefangskunst
ein rollender Läufer, mit dem die Melodie ausge-
schmückt wird. - In der Kochkunst eine Speise aus
Fleisch, Geflügel oder Fisch, die von Knochen oder
Gräten befreit, mit Gewürzen und Kräutern bestreut,
fest zusammengerollt und in einer stark gewürzten,
etwas säuerlichen Brühe weich gedämpft wird.
Nouleaux (spr. ruloh, vom frz. i-onler, rollen),
Fenstervorhänge, welche nach oben aufgezogen und
aufgerollt werden können, im Gegensatz zu den
i Vi tragen, welche seitlich zurückgezogen werden,
> und die die erstcrn nach und nach verdrängen. Doch
bezeichnet mall auch aufrollbare Fensterladen (s. d.)
und Rollladcn mit R.
Itonisment (frz., fpr. rul'mäng), der gesetzlich
geregelte jährliche Wechsel des Personals in den
Kammern der franz. Gerichte.
Roulers (fpr. rulähr), belg. Stadt, s. 3iousselaere.
Noulette (frz., fpr. rulött), ein Hasardspiel
(s. Glücksspiele), das mittels eines eigenen Appa-
rats (auch R. genannt) zur Entscheidung gebracht
wird. Dieser besteht in einer langen, mit grünem
Tuch überzogenen Tafel, in deren Mitte sich eine