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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rubidin - Rubinglas
historisch berühmt dadurch, daß Julius Cäsar mit
seiner Überschreitung im Jan. 49 v. Cbr. den Bürger-
krieg eröffnete. Wahrscheinlich ist der R. der heutige
Urgone (Oberlauf des Pisciatello), der früber in den
heutigen Fiumicino mündete. (S. ^1?a Mcra 63t.)
RÜbidin, ein roter aus Napbthionsäure und
st-Naphtbol gewonnener Azofarbstoff.
Rubidium (chem. Zeichen I<d, Atomgewicht 85,4),
von Bunsen entdecktes alkalisches Metall, das in
der Natur zwar weit verbreitet, aber dock stets nur
in Spuren vorkommt. In seinen Eigenschaften ist
es dem Kalium sehr ähnlich. Es schmilzt schon bei
38° lind verdampft bei Glühhitze.
Rubttnen, Ordnung aus der Gruppe der Diko-
tyledonen, Abteilung der Sympetalen, charakterisiert
durch meist regelmäßige, zwittrige, vier- bis fünf-
zählige Blüten mit unterständigem, in der Regel
aus zwei Fruchtblättern bestehenden Fruchtknoten.
Die Blätter sind durchgängig gegen- oder wirtel-
ständig. Die Ordnung umsaht die Familien der Ru-
biaceen (s. d.) und Kaprifoliazeen (s. d.). Hierzu Ta-
fel: Rubiinen; zur Erklärung s. die Artikel Kaffee,
Chinarinde, 8amducu8, Färberröte, (^puaeiiZ.
Rubikon, soviel wie Rubico (s. d.).
Rubin, Farbstoff, s. Fuchsin.
Rubin, durchsichtiger und lebhaft rot gefärbter
Korund (s. d.). Zum Unterschied von andern ebenso
gefärbten und minder wertvollen Steinen, die im
Edelsteinhandel mißbräuchlich mit demfelben Namen
bezeichnet werden, nennt man ihn auch orienta-
lischen R. Seine Farbe geht vom blassen Rosa bis
zum tiefsten Karmin, aber die Zabl der tief und
schön rot gefärbten fehlerfreien Steine ist ver-
schwindend klein gegen die der blauen Korunde (Sa-
phir) und selbst der besten farblosen Diamanten.
Die schönste und geschätzteste Varietät, die tauben-
blutfarbige, kommt von Mandale in Birma, wäh-
rend Ceylon hellere, Siam sehr dunkelrote Steine
liefert. Neben roten kommen zuweilen auch violette
Korunde vor, im Handel als orientalische Ame-
thyste, Amethystsaphire oderViolcttrubine
bezeichnet und sehr geschätzt. Wa'brend der eigent-
liche N. durch einen starken Dickroismus charakte-
risiert ist, der oft ohne weiteres erkannt werden kann,
indem der Stein in einer Richtung tiefer (gewöbn-
lich fenkrecht zur Ebene der Fassung, da die Schlei-
fer meist mit merkwürdigem Geschick dem Stein eine
solche Form geben, daß, von oben gesehen, seine
Farbe am tiefsten erscheint), in der andern heller
gefärbt ist, so tritt diese Eigenschaft noch mehr her-
vor bei dem Violettrubin, der in ersterer Richtung
tief amethystfarben, quer dagegen ziegelrot gefärbt
erscheint. Bei allen echten R. tritt in künstlicher Be-
leuchtung das Blau ihrer Farbe zurück, so daß die
zuletzt genannten Steine dann ebenfalls wie rein
rote R. ausfehen. Der R. wird grün, wenn er er-
hitzt wird, nimmt aber beim Abkühlen feine rote
Farbe, die einem geringen Chromgehalt zuzuschreiben
ist, wieder an.
Der Name N. wird im Edelsteinhandel auch ge-
braucht für andere ähnlich aussehende Steine, am
häufigsten für Spinelle, die ganz diefelben Farben-
nuancen zeigen, bei künstlicher Beleuchtung aber
etwas weniger lebhaftes Feuer annehmen. Da
jedoch dieser Unterschied ost sehr gering ist, so kann
eine sichere Entscheidung nur durch optische Unter-
suchung geliefert werden, die in diesem Falle sehr
leicht ist, da der Spinell das Licht einfach bricht.
Sckön rot gefärbte Spinelle, die meist als N. verkauft
werden, bezeichnet man, falls die wahre Natur der-
selben erkannt und durch den Namen ausgedrückt
werden soll, als Rubin spinelle, wenn sie karmm-
oder tief cochenillrot gefärbt sind, die häusigern hell
ponceau- bis rosenroten als Balasrubin (oder
Vallasrubin, frz. Rudis d^aiä). Seltener wird
der Name R. auch für minderwertige Steine gebraucht.
So versteht man im Handel unter böhmischen R.
den Rosenquarz,unter brasilianischen R.Topas,
unter falschenR. Flußspat und unter sibirischen
R. rosa Turmalin (Rubellit).
In neuester Zeit gelangten schöne, auffallend
große, dunkelrote R. in den Handel, von denen ver-
mutet wurde, daß sie durch Zusammenschmelzen
billiger kleiner Steine erhalten worden seien. In der
That zeigte die Untersuchung mit dem Mikroskop
oder einer sehr starken Lupe, daß sie gerundete Blasen,
wie eine Glasmasse, enthielten, während die Hohl-
räume der natürlichen R. eckig und von Krystall-
fläcken gebildet sowie nach gewissen Wachstums-
flä'cken des Krystalls im Innern verteilt sind. Diese
Steine wurden daher durch das Parifer Iuwelier-
svndikat vom weitern Handel ausgeschlossen. Die-
selben haben aber Härte, spec. Gewicht, chem. Zu-
sammensetzung und optische Eigenschaften des echten
R., sind also wahrscheinlich nach einem ähnlichen
Verfahren hergestellt wie das von Fremy, Feil und
Verneuil. (E. Korund.)
R. kommt in schleifwürdigen Exemplaren nur aus
den Edelsteinwäschereien Indiens und Ceylons m
den Handel. Die unvollkommen in Indien geschlif-
fenen R. werden in Paris facettiert. Der Preis des
R. ist, trotz der weit vorgeschrittenen Imitation,
nock immer ungeheuer hoch. Da nur äußerst selten
Steine von mehr als 4 - 5 Karat im geschliffenen
Zustande vorkommen, so kosten R., sobald sie nur
mebrere Karat wiegen, das Fünf- bis Zehnfache der
besten ind. Diamanten. R. erster Oualität gelten,
je nach der Schönheit der Farbe, 400-1000 M. der
Karatstein, Zweikaratsteine bis 10000, Fünfkarat-
stcine bis 80000 M.
Rubmglas, ursprünglich ein mit Gold rubinrot
gefärbtes bleihaltiges Glas, das in Zapfen als Über-
sang verarbeitet wurde. Später wurde der Ausdruck
R. von manchen Glasindustriellen auf andere nach
derselben Technik verarbeitete bunte Gläfer über-
tragen. Man kennt demnach heute außer dem Gold-
rubinglas ein hochrotes Kupferrubinglas und ein
gelbes Silberrubinglas. Die Entdeckung des Gold-
rubinglases fällt in das Zeitalter der Alchimisten.
Kunkel gelang es 1679 zuerst, brauchbares Gold-
rubinglas herzustellen. Die Kunst, Glas durch
Kupfer rot zu färben, war schon im Mittelalter
fleißig geübt, aber wieder verloren gegangen. Erst
Engelharot gelang es 1826 wieder, schön rotes
Kupferrubinglas herzustellen. Das gelbe Silber-
rubinglas ist eine Errungenschaft der allerneuesten
Zeit. Obgleich Silber schon seit langem als Lasur
(s. Lasieren) zum Gelbfärbcn des Glafes verwendet
wurde, gelang es böhm. Industriellen erst um den
Anfang der neunziger Jahre, durch Einschmel-
zen von Silbervcrbindungen in Glas ein brauch-
bares, schön gelbes Überfangglas herzustellen. Alle
drei Färbungen lassen sich nur in blei- und borax-
baltigen, leichter schmelzbaren Gläsern herstellen.
Auck zeigen sie die merkwürdige Eigenschaft, daß sie,
scknell erkaltet, farblos oder fchwack gefärbt erstarren,
die ihnen eigentümliche feurige Färbung erst nach
wiederholtem Einwärmen des erstarrten Glases