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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rudolfsthal - Rudolstadt
und dem Gerichtsbezirk Budweis in Böhmen, östlich
von Vudweis, hat (1890) 1325, als Gemeinde
1417 E., schöne St. Veitskirche (16. Jahrh.), Schloß,
jetzt Magazin, und bedentende Messerfabrikation.
Rudolfsthal, frz. Va1'ä6-I^u2,Vezirk im schweiz.
Kanton Ncucnburg, hat 137,s. (ikm und (1888) 9152
E., darunter 459 Katholiken, in 16 Gemeinden.
Hauptort ist Fontaines.
Rudolfswert. 1) Bezirkshauptmanuschaft in
Krain, hat 933,75 tikiu und (1890) 48 346 (23046
männl., 25300 weibl.) meist slowen. E. in 20 Ge-
meinden mit 512 Ortschaften und umfaßt die Ge-
richtsbezirke R., Seisenberg und Treffen. - 2) R.,
bis 1865 Neust adtl genannt, slaw. XovomLäw,
Stadt und Sitz der Vezirkshauptmannschaft sowie
eines Kreisgerichts und Bezirksgerichts (529,43 ykm, ^
27248 meist slowen. E.), an der zur Save gehenden
kram. Gurk, deren Thal von dem Uskokengebirge
begrenzt wird, an der Linie Laibach-Etrascha der
Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 1945, als Ge-
meinde 1969 slowen. E., eine Stadtpfarrkirche mit
wertvollen Gemälden und Grabdeutmälern und
ein Staatsobergymnasium. Westlich das Eisen-
raffinierwerk Hof des Fürsten Auersperg und Bad
Töplitz (s. d.).
Rudolphi, Karl Asmund, Physiolog, geb.
14. Juni 1771 zu Stockholm, studierte von 1790 an
Medizin in Greifswald, 1794 in Jena, ging dann
nach Berlin und wurde 1797 Professor in Greifs-
wald. Um Erfahrungen über Tierarzneikunde zu
sammeln, bereiste er im Auftrag der schwed. Regie-
rung 1801-3 einen grosien Teil des Kontinents
und ließ dann die "Bemerkungen aus der Natur-
geschichte, Medizin und Tierarzneikunde u. s. w."
(2 Bde., Berl. 1804-5) erscheinen. 1808 wurde er
ord. Professor der Medizin in Greifswald, 1810 als
Professor der Anatomie nach Berlin berufen, wo er
ein anatom. und zootom. Museum begründete. Man
verdankt ihm viele physiol. Entdeckungen und aus-
gezeichnete Untersuchungen über Eingeweidewürmer.
Er starb 29. Nov. 1832. Seine Hauptwerke sind die
"Untoxooi-um 81V6 V6llliiuin int68tinaliunl Iii8toi ia
nawrali8" (3 Bde., Amsterd. 1808-10), die er
später im Auszuge als "^nto^ooi-nm 5)'n0i)8i8"
(Berl. 1819) erscheinen lieft, und sein unvollendet
gebliebener "Grundriß der Physiologie" (2 Bde. in
3 Abteil., ebd. 1821-27).
Rudolstadt. 1) Landratsamtsbezirk im Für-
stentum Schwarzburg-Nudolstadt (Oberherrschaft),
hat 464,09 hlvin, (1890) 39 08l)
(19128 mannl., 19 952 weibl.)
E., 95 Gemeinden, und um-
faßt die Amt^gerichtsbezirke
R., Stadtilm und Lcutenberg.
- 2)Haupt mldNesidenzstadt
des Fürstentums Scbwarz-
burg-Rudolsladt, an der Saale
und der Saalbahn, in 197 m
Hohe, zwischen bewaldeten
Höhen, ist Sitz des Ministeriums, des Landratc--
amtes, eines Landgerichts (Oberlandesgcricbt Jena)
mit 14 Amtsgerichten (7 schwarzburg-rudolstadtische:
R., Stadtilm, Leutcuberg, Königsee, Oberwcißbach,
Frankenhausen, Schlotheim; 5 mciniugiscbe: Cam-
burg, Gräfeuthal, Kranichfeld, Pößncck, Saalfeld;
2 preußische: Ranis,Ziegenrüct), eines Amtsgerichts,
der Hauptlandeskasse, des Obcrsorstamtes, eines
Katasterbureaus und Steueramtes, und hat (1890)
11398 (5072 männl., 5726 weibl.) E., darunter
170 Katholiken und 21 Israeliten, in Garnison
das 3. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 96,
Postamt erster Klasse, Telegraph; vier Kirchen, dar-
unter die Stadtkirche, bereits 1227 erwähnt, 1508
und 1634-36 umgebaut und 1879 restauriert, mit
Renaissanceportal, figurenreichem Varockschmuck,
Begräbnisstätten des fürstl. Hauses und künstlerisch
hervorragenden Grabdenkmälern, die Garnisonkirche
(1681) und frühgotische kath. Kirche (1886). Die in-
teressanten Graddenkmäler (18. Jahrh.) des Fried-
hofs an der Garnifonkirche befinden sich im Germa-
nischen Museum. Über der Stadt das Residenzschloß,
die Heidccksburg, im 12. Jahrh, angelegt, 1737
-86 ausgebaut, mit Turm in Spätbarock, prächti-
gem Festsaal, einer Sammlung von Gemälden und
Gipsabgüssen, der sürstl. Bibliothek und dem Gehei-
men Archiv. Die Ludwigsburg, ein zweites Schloß,
1734 von dem nachmaligen Fürsten Ludwig Günther
erbaut, enthält die Wobnung des Staatsministers
sowie das an Insekten, Mineralien und Konchylien
reichbaltige Naturalienkabinett und die fürstl. Zei-
chenschule. Andere ansehnliche Gebäude sind das
Negierungsgebäude mit der fürstl. öffcntlichenViblio-
thek (65000 Bände), das Postamt und das Gymna-
sium von Brecht, die Villa des Kommerzienrats
Richter, ein großartiger Sandsteinbau im Über-
gangsstil von der Gotik zur Renaissance, nach Ent-
würfen von Walter in Nürnberg, und das Nu-
dolsbad in gleichem Besitz, ein ital. Renaissance-
bau mit Fresken, prächtigem Innern und einem
Kurpark. Ferner hat die Stadt ein Gymnasium,
Realprogymnasium, Landesseminar und Präparan-
denschule, höbere Mädchenschule, Haushaltungs-
schule, Handels-, Musikschule, Militär-Vorberei-
tungsanstalt, ein Hostheater, eine Hofkapelle,
Landesbeil- und Pflegeanstalt, städtisches Versorg-
haus, Wasserleitung (1886), Kanalisation, Gas-
beleuchtung (1874) und Schlachthaus. Hervorragend
sind die Fabrikanlagen der Firma Ad. Richters Co.
(Kunstschlosser- und Schreinerwerkstätten, chem.
Laboratorien, Vuchdruckereien, Fabrikation von
Anker-Stcinbaukastcn, Schokolade, Kakao, Konfitü-
ren und Musikautomaten); ferner bestehen Ger-
bereien, Fabriken für Porzellan, Pianinos, Klavia-
turen, Cementwaren, Goldleisten und ätherische
Ole. R. ist Sitz der 6. Sektion der Töpferei-Vcrufs-
genossenschaft und der Rudolstüdtischen land- und
forstwirtschaftlichen Verussgenossenschast. In der
Nabe die Dörfer Cumbach (510 E.) mit fürstl.
Orangerie und Volkstedt (1788 Schillers Wohnsitz)
mit 1255 E. und Porzellanfabriken. - R. wird 800
urkundlich als Eigentum des Klosters Hersfeld er-
wähnt, 1227 als Besitz der Grafen von Orlamünde.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrh, kam es dauernd
an die Grafen von Schwarzburg-Vlankenburg. R.
besaß 1397 Marktrecht, erhielt 1404 und 1412 Stadt-
gcrcchtigkeitcn. Die durch Schillers Erzählung (Früh-
stück auf dem Schlosse zu R.) bekannte Gräfin Ka-
ibarina die Heldenmütige hatte 1538-67 hier ihren
Witwensitz. Seit 1571 unter Albert VII. blieb R.
Hauptstadt des Landes. Der 1710 in den Reichs-
fürstcnstaud erhobene Graf Ludwig Friedrich I. und
seine Nachfolger förderten Kunst und Gewerbe; im
18. Jahrh, blühte die fürstl. Porzellanfabrik (mit
dem Zeichen 15.). - Vgl. Sigismund, Landeskunde
des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt (2 Bde.,
Rudolst. 1862-63); Wallenhauer, Heimatskunde
(2. Aufl., ebd. 1882); Neuer Touristenführer von
R., Blankenburg und Saalfeld (ebd. 1888); Bau-